 |  | | Pit ist ein Reitpferd geworden |  |  |  |
| Nach ein paar Tagen überwand ich mich deshalb und ritt ihn selbst. Zwei Runden Schritt ging er ganz brav und ruhig. Ich redete die ganze Zeit beruhigend auf ihn ein und achtete darauf, daß ich ihn weder mit meinen Schenkeln noch den Zügeln unnötig durcheinander brachte. Und er machte keine Anstalten, mich abzuwerfen!
Zu früh gefreut. Plötzlich schoß er los im Galopp und buckelte einige Sekunden. Ich nahm automatisch die Zügel an und klammerte mich mit den Beinen fest. Kein Problem, Rodeo durchgestanden. Und das, ohne ihn zu schlagen. Dazu hatte ich natürlich in dem Moment auch weder das Instrument noch die Muße.
Nach diesem kleinen Anfall schien er sich jedoch zufrieden zu geben. Ich hatte das Gefühl, mich bewährt zu haben. Nachdem er diese Buckelrunde mit mir veranstaltet hatte, war im Gegenteil meine Scheu vor dem Reiten auf ihm noch weiter geschwunden. Solche Pferde hatte ich doch früher auch schon geritten. Wieso sollte ich mich jetzt vor meinem eigenen fürchten?
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber es dauerte auf jeden Fall mehrere Wochen, bis er erneut einen Versuch startete. Ansonsten war er sehr gelehrig und ausgeglichen. Wir arbeiteten in unserem bisherigen Tempo und meinen "sanften" Methoden weiter.
Planlos, vielleicht auch auf die falsche Art und Weise, aber für mich und ihn auf der Basis meines Kenntnisstandes und meinem Gefühl nach die einzig mögliche Methode. Und so völlig verkehrt war es wahrscheinlich auch nicht, denn wir konnten eigentlich ganz gut miteinander kommunizieren.
Ich übte mit ihm wiederum die Übergange von einer Gangart zur nächsten, Wendungen, Einsatz der Zügel-, Gewichts- und Schenkelhilfen an Bahnfiguren, etc. so gut ich es eben vermochte. Im frühen Herbst schon hielt es mich nicht mehr auf dem Reitplatz.
Ich bin eben doch eher der Typ Geländereiter, obwohl ich den Sinn und die Notwendigkeit der Übungen auf dem Platz einsehe. Gemeinsam mit meiner Schwester machte ich vereinzelte kurze Ausritte in die Umgebung. Smoky war dabei ein guter Lehrmeister. Solange Pit sich an ihn halten konnte, war er zufrieden.
Eine weitere Eigenart, die er besaß (und die teilweise auch heute manchmal noch durchkommt) war, dass er sehr oft stehenblieb. Wenn er in der Ferne etwas Ungewöhnliches, Beunruhigendes oder Interessantes entdeckte, blieb er erst einmal auf der Stelle stehen und schaute.
Nach ein paar Sekunden, je nachdem, was er gerade erspäht hatte, konnten wir unseren Weg fortsetzen. Wenn ihn seine Entdeckung sehr beunruhigt, fühle ich, wie sein Herz beginnt, ganz kräftig zu puckern. Eigentlich ist er ein kleiner Feigling, auch wenn er noch so gross und imposant tut.
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