 |  | | Der Sattel liegt schon... |  |  |  |
| Im Sommer 1999 hielt ein neues Pensionspferd Einzug. Es war eine alte Stute, deren Besitzerin sie zwar nicht mehr ritt, aber dafür mit Hingabe pflegte und putzte. Das Mädchen, mit dem wir uns gut verstanden hatten, entschied sich dafür, sein Pferd zu verkaufen.
Nach einigem Überlegen übernahm die Reitbeteiligung den Wallach. Sie kam jedoch mit ihm nicht besonders gut zurecht. Seine vorherige Besitzerin war relativ sorglos mit ihm durchs Gelände geritten. Die beiden schienen ein gutes Team gewesen zu sein.
Das andere Mädchen konnte ihn schwer halten. Nachdem er ihr einmal durchgegangen und auf der Straße weggerutscht war, ritt sie ihn konsequent nur noch auf dem Platz, was meiner Meinung nach weder ihr noch dem Pferd gut tat.
Zu dieser Zeit begann ich auch, Pit langsam an das Gewicht eines Reiters zu gewöhnen. Nach einer Winterpause, in der wir auf dem Reitplatz wegen Eis und gefrorenem Boden nicht arbeiten konnten, führte ich meine Longier- und Führübungen weiter fort.
Ausserdem übte ich mit einigen Bodenstangen und Hütchen. Anfangs legte ich mich im Anschluss an unser Programm nur für einige Sekunden quer über seinen Rücken. Nach einiger Zeit wagte ich es, mich am Putzplatz auf seinen Rücken zu setzen.
Meiner Erinnerung nach versuchte ich auch ein paar Mal, mich auf dem Reitplatz für kurze Zeit auf ihn zu setzen. Der Juniorbauer hatte in seinem Leben schon einige Pferde eingeritten und empfahl mir eine andere Methode: draufsetzen, einmal durchstehen und fertig.
Ich hatte nicht den Mut dazu und auch keine genaue Vorstellung davon, wie ich es anders hätte tun sollen. Ich hatte eigentlich die Idee, ihn in kleinen Schritten immer mehr an mich auf seinem Rücken zu gewöhnen, war mir aber nicht sicher, ob die sanfte Methode die richtige sei.
Der Bauer nahm daher die Ausführung in die Hand. Im späten Frühjahr hatte ich begonnen, Pit mit Sattel zu longieren, damit er sich auch daran schon gewöhnen konnte. Der Mann schwang sich nun einfach auf Pits Rücken, der natürlich sofort begann, wie wild zu buckeln. Einige Male bekam er einen kräftigen Schlag mit der Gerte, wenn er versuchte, den Bauern abzuwerfen.
Unbarmherig wurde er vorwärtsgetrieben. Schritt sollte er gehen, geradeaus und selbstverständlich nicht buckeln. Nach einigen Runden Theater waren sowohl Pferd als auch Reiter total verschwitzt. Pit hatte für einige Meter nicht mehr gebuckelt. Daraufhin saß der Bauer wieder ab.
Nach diesem einen Mal habe ich lange Zeit niemand anderen mehr auf Pit reiten lassen. Ich hatte ja selbst nicht den Mut dazu gehabt, den Schritt zu gehen, ihn wirklich zu reiten (also nicht bloß im Stand auf ihm zu sitzen). Also konnte ich es auch nur mir selbst vorwerfen, daß diese erste Reiterfahrung für ihn jetzt so ausgesehen hatte.
Ich zog immer eher den sanften Umgang vor. Zu sehen, wie er geschlagen wurde, machte mir meine Entscheidung dafür, mich nicht zu überwinden und es einfach selbst zu wagen, noch schmerzlicher. Ich weiß natürlich nicht, wie es bei mir ausgesehen hätte, aber so etwas wollte ich auf jeden Fall nicht noch einmal sehen.
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