Ist das nicht toll? Da verfällt jemand nicht in blinden Aktionismus, da glaubt einer nicht daran, er müsse sich jetzt und sofort beweisen, sondern gibt zu, dass er keine Lösung hat und auch keine vom Zaun brechen will, denn er weiß, dass das nicht gut gehen kann. Zumindest vermute ich, dass es so gewesen sein könnte. Ich stelle mir vor, unter welchem Druck Neuhauser in diesem arabischen Gestüt gestanden hat. Geld ohne Ende, die besten Experten der ganzen Welt stehen auf Fingerschnipp zur Verfügung, kostbarste Pferde, größtmögliche Ratlosigkeit, und er soll es jetzt bringen, und hat nicht nur die Erwartungen seiner Auftraggeber im Rücken, sondern auch ein komplettes Filmteam samt finanziellem Risiko. Könnten Sie in einer solchen Situation ruhig bleiben und gut schlafen? Neuhauser wusste doch, worauf er sich einließ. Er konnte sich vorbereiten, und er wusste, dass er sich mit ziemlicher Sicherheit etwas einfallen lassen musste, wo doch schon so viele Kollegen die Waffen strecken mussten. Die waren doch auch nicht schlecht, die konnten doch was, die ließen sich doch auch nicht von jedem wildgewordenen Hengst ins Bockshorn jagen, die hatten doch auch schon jede Menge Erfahrungen und Erfolgserlebnisse vorzuweisen. Nur was? Man muss sich wundern, dass Neuhauser sich unter diesen Umständen überhaupt getraut hat. Er kann sich nur auf das verlassen haben, was ihn vor allen anderen auszeichnet. Seine Fähigkeit, sich in das Pferd hineinzuversetzen. Eben nicht mit Gewalt und billigen Tricks seinen Kopf durchzusetzen, sondern mit dem Pferd zu kommunizieren und zu sagen: Hey du, wie geht es dir, wollen wir es mal miteinander versuchen? Und das geht nur, wenn man dem Pferd gegenübersteht. Das kann man nicht im Voraus planen, das kann man nicht allgemein lösen, da muss man eine individuelle Antwort finden. Am Ende des letzten Abschnitts habe ich wieder etwas verkürzt: Neuhauser wollte zwar nicht zur Peitsche greifen (sicher nicht, um dem Pferd weh zu tun, sondern eher um sich selbst eine Sicherheitsdistanz zu verschaffen), aber er konnte auch nicht; und das zeigt wiederum genau, was Neuhauser anders macht, wie anders er denkt: | HJN: Der weiß, wenn ein Mann mit etwas in der Hand kommt macht's Aua! Und bevor sie ihm weh tun, tut er dir weh. Das heißt du kannst weder mit der Longe wedeln, noch mit einer Longiergerte, Longierpeitsche hingehen, der attackiert dich und du kommst dann nicht mehr raus. Also musste ich mir etwas überlegen. Ich musste mir also überlegen, ähm, nachdem ich ihn geführt hatte, er mich attackiert, angestiegen hat, war mir klar ich brauch eine halbe Sekunde Zeit. Ich muss ihn mit irgendetwas verwundern ohne das es ihm weh tut, ohne das ich ihm einen Grund biete mich anzugreifen. Ich brauchte eine halbe Sekunde Zeit ihn zu verwundern, das ich agieren konnte. a.a.O. | | | So, und wenn man erst einmal soweit ist, kommt man auch auf andere Ideen. Man weiß, dass man es so, wie die anderen es versucht haben, nie schaffen wird. Wer kommunizieren will, muss erst einmal die Basis zur Kommunikation schaffen, er muss erreichen, dass der Partner ihm eine Chance gibt, dass er überhaupt zuhört, dass er aufmerksam wird. Wie löst man ein solches Problem? Man fand nicht nur eine Lösung, sondern auch eine unglaublich einfache: Eine mechanische Tröte, angetrieben durch eine Dose mit Druckluft. Damit konnte Neuhauser auf Knopfdruck ein Signal erzeugen, das den Hengst auf ihn aufmerksam machte, ohne sich selbst einbringen, ohne negative Energie aufbringen zu müssen. Fantastisch! Ein einfaches Mittel, das psychologisch vorteilhaft für beide Partner ist. Der Plan ging auf.
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