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Bericht Zum Thema  Jubiläum · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 317.05 der Pferdezeitung vom 24.04.05
 Menü Hauptartikel 317
 Krieg und Nachkriegszeit 
 Krieg und Sport  Bilanz und Neuanfang  Versailler Vertrag
 Sport und Zucht
Inhaltsmenü
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 Galeriebeitrag zu Ausgabe  136*)
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Kavalleriepferd mit Gasmaske, Ausschnitt 

    Krieg und Nachkriegszeit   
    Gewaltige Veränderungen in jeder Hinsicht   
von   Werner Popken

Teil 1:  100 Jahre FN

Teil 2:  Verbandsgründung, erste Erfolge


Nach den olympischen Spielen 1912 in Stockholm sollte Deutschland die nächste Olympiade ausrichten. Die Reiter spielten schon damals eine besondere Rolle.

Nachdem Deutschland zunächst deutlich ins Hintertreffen geraten war ( Niederlage und Triumph), ließen die Erfolge in  Stockholm doch hoffen, daß sich die Leistungen der deutschen Reiter auch international bald würden sehen lassen können.

Zur Förderung des Reitsports wurde auf Einladung des Kronprinzen im Januar 1913 ein "Komitee für die Kämpfe zu Pferde bei den Olympischen Spielen zu Berlin 1916" gegründet, dessen Geschäfte Gustav Rau führte.

Dieser hatte sich mit Analysen über die deutschen Zuchten einen Namen gemacht und sollte fast 50 Jahre lang einen wesentlichen Einfluß ausüben. Wir werden also noch wiederholt von ihm hören.

Gustav Rau war der richtige Mann für diese Aufgabe, aber die Politik machte einen Strich durch die Rechnung. Aus den Olympischen Spielen 1916 wurde nichts, weil 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Der veränderte Europa und die Welt entscheidend und unwiderruflich. Nach dem Krieg war nichts mehr wie vorher.

Der Pferdesport, der sich nicht zuletzt aufgrund der internationalen Konkurrenzsituation besonders in Kreisen der Militärs gut entwickelt hatte, kam während des Krieges verständlicherweise fast völlig zum Erliegen. Lediglich der Galopprennsport hielt seinen Betrieb teilweise aufrecht.

Die führenden Funktionäre des "Kartells für Pferdesports" und des "Reichsverbands für deutsches Halbblut", die es gerade geschafft hatten, die Sport- und Zuchtinteressen zu bündeln ( Die Anfänge), gingen in den Krieg. Auch Gustav Rau nahm am Krieg teil. Infolgedessen ruhte die Verbandsarbeit fast völlig. Immerhin erschien das Verbandsorgan "St. Georg" während der gesamten Kriegszeit, jedoch in Notausgaben.

[...] begleiten euphorische Meldungen die ersten Kriegswochen und -monate. Der St. Georg, Verbandsorgan des Kartells und des Reichsverbandes, bejubelt deutsche Erfolge auf den Schlachtfeldern wie die Schlacht von Tannenberg im Osten und lobt die Härte der Kavallerie- und Armeepferde. Kronprinz Wilhelm, der große Förderer des Pferdesportes, wird in der dritten Kriegswoche als Held gefeiert, nachdem ihm die Einnahme der Festung Longwy hinter der französischen Grenze gelang. Der Kronprinz als Oberbefehlshaber der 5. Armee rückt unaufhaltsam nach Frankreich vor. Unter seinem Kommando beginnt eineinhalb Jahre nach Kriegsbeginn die verheerende Schlacht von Verdun, die fast bis zum Kriegsende dauern sollte. Der als sicher betrachtete Sieg gegen die Franzosen sollte - so hofft jedenfalls die militärische Führung - zu einem Triumph des künftigen deutschen Kaisers werden. [...]

In knapp drei Jahren lassen allein in und um Verdun 335.000 deutsche und 350.000 französische Soldaten ihr Leben. Es wird von Schlachten berichtet, in denen an einem einzigen Tag 7000 Pferde verendeten. [...] erschreckende Bilder von auf den Schlachtfeldern verendeten Pferden und von ausgemergelten, leidenden Soldaten erschüttern die Leser der während des ganzen Krieges erscheinenden Notausgaben des St. Georg.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 43



*) Im Galeriebeitrag wird angegeben, daß das Foto aus dem Jahre 1941 stammt. Diese Angabe ist der Quelle entnommen ( Pferde). Das ist offensichtlich falsch. Der Gaskrieg wurde im Ersten Weltkrieg geführt. Jetzt fand ich diese Abbildung anderswo mit der korrekten Datierung (» FutterJournal Ausgabe Frühjahr 2004).


Krieg und Sport


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Hinter der Front treffen sich Offiziere, um kleine Reitturnier und Jagden auszurichten
Der St. Georg hat, vermutlich ganz im Einklang mit der politischen Situation, Stimmung für den Krieg zu machen versucht. Die Chronik "100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland" bringt ein schönes Beispiel dafür.

Das sportliche Geschehen der Vorkriegszeit war durch das Militär geprägt, genauer gesagt durch das Offizierskorps, das es sich auch während der Kriegszeit nicht nehmen ließ, dem Reitsport zu frönen.

Das Buch  Ich war Kamerad Pferd berichtet ausführlich davon, daß diese Tradition auch im Zweiten Weltkrieg fortgeführt wurde. Privilegien für die Mächtigen sind anscheinend unantastbar. Wenn der Krieg auch noch so schmutzig ist, so soll es den Offizieren doch an nichts mangeln.

Im Juli 1916 wurde zum Beispiel im russisch-polnischen Wilna ein zweitägiges Reitturnier veranstaltet. Der St. Georg verkauft diesen Sachverhalt seinen Lesern wie folgt:

Von der Front, aus den Schützengräben und aus den nahegelegenen Garnisonen waren Offiziere und Mannschaften auf den hübsch gelegenen Platz mit seinen schmucken Tribünen hinausgeeilt, um sich nach harter Arbeit des Stellungskrieges am frischen fröhlichen Reitergeist und an friedlichen Wettkämpfen zu erfreuen und zu erholen.

Bei all den schweren Strapazen und Entbehrungen, die unsere unvergleichlichen Truppen zu bestehen haben, muß jeder Mensch mit fühlendem Herzen erfreut und dankbar sein, daß dieses unter dem Protektorat des Feldmarschalls v. Hindenburg und des Generalsobersten v. Eichhorn stehende Turnier zustandegekommen ist. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 45

Sorgfältig gelesen, könnte der zweite Absatz dazu dienen, einer möglichen Kritik vorzubeugen. Denn die Teilnehmer des Turniers haben sich als Offiziere und Kavalleristen vermutlich nicht in den Schützengräben herumgedrückt. Selbstverständlich haben Offiziere ebenfalls ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Die Autorin ergänzt dieses Zitat aus dem St. Georg:

Die zwei Wettkampftage beinhalten einen 22 kilometerlangen Gelände ritt sowie Dressur- und Springprüfungen. Auch an der Dühna wetteifern Offiziere bei einem zweitägigen Turnier im September 1916 um Sieg und Plazierung im Gelände, Parcours und auf dem Viereck. In den wenige Wochen später im St. Georg veröffentlichten Ergebnislisten sind viele Namen bereits mit einem Kreuz versehen.

Zu Beginn des Krieges herrschte eine gewaltige Euphorie. Aber schon bald breitete sich das Entsetzen aus, und auch der St. Georg reagiert auf die offenkundigen Mißstände:

Liebesgaben für Pferde im Feld

Im November 1915 - 15 Monate nach Kriegsausbruch - ruft der St. Georg seine Leser auf, das Leben der Pferde im Feld und an der Front mit "Liebesgaben" zu verbessern. Dringend benötigt werden unter anderem warme Decken besonders für die Pferde an der Ostfront, Verbandwatte, Medizin, Roggenkleie und Leinsamen.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 44


Bilanz und Neuanfang


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Leutnant Graf Christian Erick v. Holck
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Im Berliner Tattersall an der Luisenstraße treffen sich 1918, noch während des Krieges, Kaufinteressenten zur ersten Auktion.
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Ausschnitt
Die Bilanz des Krieges ist unvorstellbar:

Knapp 15 Millionen Menschen, darunter 6 Millionen Zivilisten, lassen ihr Leben. Fast jeder sechste Soldat stirbt. Allein Deutschland beklagt bei rund 13 Millionen eingesetzten Soldaten 2,7 Millionen Tote. Es wird geschätzt, daß weit über eine Million Pferde im Krieg verenden.

Viele erfolgreiche Reiter ihrer Zeit sterben in den Schlachten oder infolge von Verletzungen und Krankheiten. Der Reitsport verliert unter anderem Olympiareiter Friedrich-Karl v. Preußen, Graf v. Holck sowie die bekannten Herrenreiter Lauffer und v. Maercken
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 47

Die Kavallerie, jahrhundertelang kriegsentscheidend, spielte im Ersten Weltkrieg kaum noch eine Rolle. Diese Erkenntnis setzte sich natürlich erst langsam durch. Noch 1917 zog der Oberlandstallmeister v. Oettingen eine vorläufige Bilanz über die Eignung der deutschen Pferde für den Krieg:

Er gelangt zu dem Ergebnis, daß sich die edlen Reitpferde, wie sie in Ostpreußen, Posen und in einem kleinen Teil Hannovers gezüchtet werden, gut bewährt haben. [...] Die Artillerie- und Kolonnenpferde, die hauptsächlich in Hannover und Holstein gezüchtet werden, genügen nach v. Oettingens Einschätzungen den Anforderungen, die der Krieg stellt, nicht. Der Oberlandstallmeister empfiehlt, diese Zuchten zu vergrößern, dabei aber Wert darauf zu legen, daß die Pferde ein wenig edler und kleiner werden. Sehr schlechte Zeugnisse stellt er den im Krieg eingesetzten Kaltblütern aus. Einzig die kleinen, in den Ardennen gezogenen Belgier sowie die Pinzgauer hätten sich im Kriegseinsatz bewährt. Oettingen folgert daraus, daß sich die Kaltblutzucht, will sie militärischen Anforderungen genügen, umstellen und vom schweren Kaliber der Pferde mehr und mehr abrücken muß. Daß die etwas leichteren Kaltblutschläge durchaus ihren Dienst in der Landwirtschaft tun können, ist für v. Oettingen unbestritten.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 44

Mit anderen Worten: Hier deutet sich wieder der Konflikt zwischen den Anforderungen der Bauern und der Militärs an. Allerdings werden während des letzten Kriegsjahres keine Pferde mehr vom Militär angekauft. Selbstverständlich hat das Konsequenzen für den Markt.

Oscar v. Funcke, der Geschäftsführer und Gründer des nunmehr "Reichsverband für Deutsches Halbblut" genannten Züchtervereins, der als Mutter der heutigen FN gilt, nutzt diese Situation aus und richtet im März 1918 trotz schwieriger Verhältnisse die ersten Auktion des Verbandes in Berlin aus. 120 Halbblüter werden zu einem Durchschnittspreis von 4.430 Mark verkauft - ein Riesenerfolg, der fünf Wochen später wiederholt werden kann. Im Oktober des Jahres werden auf diese Weise nochmals 200 Pferde veräußert.


Versailler Vertrag


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Olympiareiter Friedrich-Karl v. Preußen
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Olympiareiter Harry von Rochow
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Oscar Maria Stensbeck, einer der großen Berliner Dressurausbilder, auf Morgenrot
Außerdem richtet der Verband eine eigene Hengsthaltung ein.

Auf der von Oberlandstallmeister v. Oettingen initiierten ersten großen deutschen Hengstauktion in Ostpreußen kauft v. Funcke Zuchthengste zu Exportzwecken an. Funcke begründet den Ankauf so: "Dieselbe sollen in besetzten ausländischen Gebieten zum Verkauf gelangen und werden hoffentlich darauf hinwirken, der deutschen und speziell der ostpreußischen Hengstaufzucht auch für später ein Absatzgebiet zu sichern."
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 46/47

Das klingt reichlich naiv. Im Jahre 1918 ging v. Funcke also noch davon aus, daß man besetzte Gebiete auch nach dem Kriege unter Kontrolle haben werde. Die Unterlegenen sollten dann dazu genötigt werden, deutsche Hengste zu erwerben und Gefallen daran zu finden. Statt dessen sah die Situation ganz anders aus. Durch den Versailler Vertrag war Deutschland gezwungen, Pferde in bedeutendem Umfang auszuliefern:

Pferdeabgaben an die Siegermächte

Wie stark die deutsche Pferdezucht unter den Bedingungen des Versailler Vertrages zu leiden hat, beweist die Aufstellung der allein im Jahr 1919 an die Siegermächte abzugebenden Pferde:
500 Zuchthengste an Frankreich
200 Zuchthengste belgischen Blutes an Belgien
30.000 Stuten und Stutfohlen von 18 Monaten bis sieben Jahren an Frankreich
5.000 Stutfohlen belgischen Blutes an Belgien
5.000 Stuten von drei bis sieben Jahren an Belgien.

Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 48

Trotzdem: Das Leben muß weitergehen. Die Verbindung zwischen Zucht und Sport, die sich in Deutschland aufgrund der schlechten Abschneidens deutscher Reiter im internationalen Vergleich Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Initiative einiger weniger weitblickender Persönlichkeiten ergeben hatte, wird unmittelbar nach dem Krieg wieder aufgegriffen:

Vor dem Hintergrund der verwirrenden Zustände in der soeben erst geschaffenen Weimarer Republik muß es heute als erstaunlich empfunden werden, daß der Pferdesport überraschend schnell zu einer gewissen Normalität zurückfindet. Schon während des Krieges wurde an die Offiziere der Armee appelliert, den Turniersport in Friedenszeiten schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Zum ersten Turnier nach dem Krieg, das der Reichsverband für Deutsches Halbblut bereits während der Landwirtschaftlichen Woche Ende Februar 1919 ausrichtet, treffen sich die Reiter im Berliner Tattersall an der Luisenstraße. Ausgeschrieben wird auch eine Frontpferde-Eignungsprüfung für die aus dem Krieg unversehrt heimgekehrten Pferde. Viele bekannte Reiter gehen an den Start, unter ihnen auch der in der Reitpferdeprüfung siegreiche Oscar Maria Stensbeck, Bruder des langwierigen Leiters des Berliner Tattersalls Luisenstraße, Gustav Stensbeck. Bei der zeitgleich mit dem Turnier veranstalteten inzwischen 4. Reichsverbands Auktion werden 112 Pferde versteigert, darunter 39 Hengste. Die Presse bejubelt Turnier und Auktion als große Leistung Oscar v. Funckes, der auch in schwierigen Zeiten Reiter und Pferdesportfreunde in Berlin zu versammeln versteht.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 49

Dieser Triumph war von kurzer Dauer. Etwa zeitgleich fordert das Ministerium für Landwirtschaft und Forsten eine Fusion des Reichsverbands für Deutsches Halbblut mit dem Kartell für Reit- und Fahrsport, initiiert von Oberregierungsrat Thomsen. Bereits im letzten Kriegsjahr hatte man überlegt, beide Verbände zu einem starken Sport- und Zuchtverband zu verschmelzen. Dem stemmt sich unter anderen Oscar von Funcke mit aller Kraft entgegen, weil er die Interessen der Züchter durch die Vormachtstellung des Sportes gefährdet sieht.


Sport und Zucht


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Oberlandstallmeister v. Oettingen, 1911-1920 Leiter der preußischen Gestüts Verwaltung
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Oscar v. Funcke, Initiator und Leiter der Züchtervereinigung für das deutsche Halbblut
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Gustav Rau, Leutnant der Reserve, 7. Ulanen
Alle Proteste nützen nichts. Der mächtigste Mann der deutschen Pferdezucht, Oberlandstallmeister v. Oettingen, kündigt in seiner Eigenschaft als Leiter der preußischen Gestütsverwaltung den Wegfall der staatlichen Unterstützung an, falls die Fusion nicht zustandekommt.

Am 25. Juni 1919 wird der "Reichsverband für Zucht und Prüfung deutschen Halbbluts" gegründet. Das Kartell für Reit- und Fahrsport löst sich auf. Seit diesem Tag sind in Deutschland Sport und Zucht unter einem Dach vereint.

Diese Organisationsstruktur wird sich bewähren und die Grundlage dafür schaffen, daß der deutsche Reitsport und die deutsche Pferdezucht eine Vormachtstellung in der Welt erobern können. Wie förderlich das enge Zusammenarbeiten von Sport und Zucht ist, erkennen viele ausländische Verbände erst Jahrzehnte später. Doch bis heute ist es den allermeisten Pferdesportnationen nicht gelungen, die beiden Bereiche enger zusammenzuführen und in gemeinsamen Verbandstrukturen zu bündeln.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 50

Wo Organisationsstrukturen zusammengelegt werden, rollen Köpfe. Schließlich kann es nur einen Chef geben. In diesem Falle übernimmt der Oberregierungsrat Thomsen das Amt des kommissarischen Hauptgeschäftsführers und zugleich den Vorsitz der Abteilung Landespferdezucht. Mit anderen Worten: Keiner der bisher mächtigen Männer rückt auf, im Gegenteil, diese werden zurückgestuft.

Der vormalige Kartell-Geschäftsführer August Andreae leitet die Vorstandsabteilung Leistungsprüfungen (Turniersport). Oscar von Funcke ist nur noch für Absatz und Werbung zuständig. Diese Entscheidung wird allgemein als Entmachtung empfunden. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen.

Da die Armee stark verkleinert werden mußte, schrumpft der Bedarf an Pferden um zwei Drittel. Besonders im Osten entsteht dadurch die Überlegung, den Anteil der Vollblüter zurückzudrängen und eventuell statt dessen Kaltblüter einzusetzen, um starke, robuste Pferde für die Landwirtschaft zu produzieren.

Dem tritt Gustav Rau, seit September 1919 Chefredakteur der Deutschen Sportzeitung St. Georg, vehement entgegen:

Man es sich darüber einig, daß in Zukunft anstelle des vielfach verwendeten ausländischen Halbblutpferdes deutsche Halbblüter in Betracht kommen müssen. Wenn keine Ausländer mehr eingeführt werden, erfährt der Absatz deutscher Halbblüter eine außerordentliche Steigerung. Es muß alles geschehen, dem inländischen Konsumenten das inländische Pferd näherzubringen [...]

Die Zeit wird lehren, ob Ostpreußen wirklich schlecht fährt, wenn es in Zukunft weniger Remonten absetzt. Von nun an wird das gute ostpreußische Pferd, das bisher in der Armee verschwand, in den freien Handel kommen und allgemein für die Zucht werben können. Die baldige Einsetzung von Leistungsprüfungen und Turnieren für das ostpreußische Pferd auf möglichst vielen Plätzen ist dringendes Bedürfnis.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 51

Wenige Monate nach Kriegsende nimmt das "Komitee für die Kämpfe zu Pferde bei den olympischen Spielen 1916" die Arbeit wieder auf und ändert seinen Namen in "Komitee für die Kämpfe zu Pferde". Da Deutschland zunächst von internationalen Sportveranstaltungen ausgeschlossen ist, gibt es keine unmittelbare Ziele.

Das Komitee hat aufgrund von Spenden ein erhebliches Vermögen. Der Generalsekretär Gustav Rau bittet die Spender, auf die Rückzahlung des Geldes zu verzichten.

Da die Dressurarbeit während des Krieges am meisten gelitten hat und die Dressurprüfungen auf den Turnieren des Jahres 1919 überwiegend schwache Leistung offenbarten, schreibt das Komitee auf einigen Turnieren des Jahres 1920 stattlich dotierte Prüfungen zwischen 5.000 und 10.000 Mark aus. Gustav Rau erklärt: "Man darf hoffen, daß die neuen Ausschreibungen stark dazu beitragen werden, der Dressur-Reiterei und der Vorbereitung junger Pferde Anregung zu geben."
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 51

So macht man das. Geld bewegt die Welt. Ein bewährtes Rezept, das noch heute funktioniert. Das Vollblut wird aus der Zucht zurückgedrängt, der Oberlandstallmeister von Oettingen wird als Liebhaber des Vollbluts abgesetzt. Als Ersatz wird ein Verwaltungsfachmann aus dem Landwirtschaftsministerium eingesetzt, der bisher züchterisch nicht in Erscheinung getreten ist. Diese Entscheidung wird zunächst mit Sorge betrachtet, die sich aber schließlich als unbegründet erweist.

Regierungsrat Thomsen, der als kommissarischer Geschäftsführer des Reichsverbands für Zucht und Prüfung deutschen Halbbluts naheliegende Kandidat war, verläßt infolgedessen das Ministerium und den Reichsverband. Nun wird August Andreae zum Hauptgeschäftsführer bestellt. Gustav Rau wird Chef der Abteilung Zucht. In dieser Position kann sich Rau zum einflußreichsten und stärksten Mann des Reichsverbandes entwickeln.

Der verdiente Organisator und Initiator Oscar von Funcke wird schließlich nach vielen Querelen 1932 sogar aus dem Verband ausgeschlossen.



Quellen


  1.  Niederlage und Triumph,  Ausgabe  315
  2.  Stockholm,  Ausgabe  316
  3.  Die Anfänge,  Ausgabe  316
  4. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005
  5.  Pferde, Rezension zu Ausgabe  136
  6. » FutterJournal Ausgabe Frühjahr 2004
  7.  Ich war Kamerad Pferd, Rezension zu Ausgabe  295
  8.  Kavalleriepferd mit Gasmaske, Galeriebeitrag zu Ausgabe  316
  9.  100 Jahre FN, Jubiläum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
      Ausgabe 315 · Teil 1
  10.  Verbandsgründung, erste Erfolge, Männer der ersten Stunde legen den Grundstein für die Gegenwart
      Ausgabe 316 · Teil 2



Fotos

©   Quelle: Privatarchiv H. Munzendorf, Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005



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