
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | 23.03.2008 Frohe Ostern 2008! Allen Lesern dieses Editorials wünsche ich frohe Ostern! Zwar ist es dieses Jahr zu Ostern sehr kalt, fast winterlich, aber da die Osterglocken allenthalben blühen, kann kein Zweifel daran bestehen, daß der Frühling naht. Für die meisten Menschen wird Ostern heutzutage kaum eine andere Bedeutung haben, ein weiteres verlängertes Wochenende, ein Kurzurlaub, möglicherweise Ostereier suchen, wenn die Kinder noch kleiner sind. Die Ostereier weisen darauf hin, daß auch in heidnischen Zeiten das sich wieder erneuernde Jahr begrüßt wurde, auch wenn wir über die weitere Bedeutung nichts wissen. Die christliche Bedeutung des Osterfestes ist hingegen klar und deutlich, auch wenn sich das Wissen darum allmählich verflüchtigt. Der am Kreuz getötete und begrabene Heiland ist auferstanden von den Toten, und diese frohe Botschaft gilt es zu verbreiten. Unterwelt Die religiöse Formel ist verdächtig: Herabgestiegen zu den Toten, nach drei Tagen wieder auferstanden. Thomas Mann hat in seiner Romantrilogie "Joseph und seine Brüder" die Bezüge deutlich herausgearbeitet: Lange vor Christi Geburt feierten die heidnischen Völker, mit denen die Juden zusammenlebten, Wiederauferstehungsrituale, die sich aus Fruchtbarkeitskulten erklären lassen; die Formel spielte in diesen Zusammenhängen eine große Rolle. Mit der Seßhaftwerdung, die durch die landwirtschaftlichen Techniken ermöglicht wurde, hing die aufblühende Zivilisation von der erfolgreichen Fruchtfolge ab. Die Samen wurden in die Erde versenkt, also begraben, und nach drei Tagen erstanden sie wieder von den Toten, indem sie nämlich keimten und eine neue Pflanze ergaben, die ihrerseits wieder Frucht trug - ein unerklärliches Wunder! Und wehe, dieser Mechanismus funktionierte nicht so, wie es nötig war! Was lag näher, als die allmächtigen Götter durch fromme Opfer gnädig zu stimmen? Da anscheinend die ursprünglichen Gottheiten weiblich waren, was nicht erstaunen kann, sind es doch die Frauen, die auf wunderbare Weise neues Leben zur Welt bringen, und diese für solche Fruchtbarkeit normalerweise nicht sterben müssen, mußten die Jünglinge an ihrer Seite dafür herhalten - so jedenfalls eine moderne These. Frohe Botschaft Sollte mit der Auferstehungsformel tatsächlich alter Wein in neue Schläuche gefüllt worden sein, tut das dem revolutionären Geschehen keinen Abbruch. So jemand wie Jesus von Nazareth hatte es vorher noch nicht gegeben. Er sprach auch nicht von einer Gottesmutter, sondern von seinem Vater im Himmel, mit dem er auf du und du stand. Das sollte jedem Menschen beschieden sein, der sich ihm anschloß. Mit seiner Auferstehung bewies er, daß der Tod nicht das Ende ist, sondern überwunden werden kann. Solchen Vorstellungen können heute freilich immer weniger Menschen folgen. Gleichzeitig aber besteht ein
|