|  | | Über den Hügel kommen sie |  |  |  |
| Neuburg hatte gleich am ersten Tag deutlich gemacht, daß er an der Spitze geht, sonst Ende Banane. Ausgerechnet der älteste in der Gruppe zeigte die meiste Veranlagung zu Seitwärtsgängen und Hüpfern, sollte seinem Wunsch nicht entsprochen werden.
Und Gabi meinte dazu nur immer wieder, daß sie das überhaupt nicht versteht, da er zu Hause immer eher lahmarschig sei und kaum vorwärtsginge....na ja – wer's glaubt!!!
Damit übernahm dann Gabi automatisch mit der Karte in der Hand die Führung. Dahinter Lover Boy mit Drinki und Mecox mit Black&White.
Und ab nun wurde es eigentlich so, wie es ursprünglich gedacht war. Bis auf einige kleine Unsicherheiten wegen der Richtung kamen wir gut vorwärts. Es gab herrliche Reitwege, Sandboden, wir konnten sogar eine längere Strecke traben. Die Laune war prächtig. So könnte es weitergehen bis zur Ostsee. Auch die Temperaturen wurden langsam wärmer.
Tja, und dann wurden wir jäh gestoppt. Nennt sich Oder-Havel-Kanal. Aus die Maus! Wie laut Karte geplant, kamen wir an der richtigen Stelle an, aber nix, niente, nada Brücke. Nur ein breites blaues Band tiefstes Wasser, links nix, rechts nix, nur Wasser.
Ratlosigkeit. Versucht zu telefonieren, unser Fahrer meinte auch, daß da eine Brücke sein müsse, sie wäre doch auch selber drüber gefahren. Waren wir etwa schon wieder vom Weg abgekommen? Also gut, wir versuchten ein Stück weit flußaufwärts zu reiten in der Hoffnung, hinter irgendeiner Biegung vielleicht eine Brücke erkennen zu können. Niet! Wieder zurück.
Einige Bootsfahrer haben sich bestimmt mehr als nur gewundert über die winkenden Figuren mit Pferden am Ufer, welche versuchten, gegen den Schiffsmotorenlärm anzurufen, um nach einer Brücke zu fragen. Die einzige Auskunft: keine Brücke auf 30km. Was nun? Nochmal in die andere Richtung; dabei mußten die Pferde über einen Wall klettern, in welchem eine Eisenstange gefährlich raus ragte. Aber alles ging gut.
Kein blindes Hinterherstürmen, sondern gesittetes, einzelnes und ruhiges Hinauf- und Hinabklettern ohne Blessuren. Aber auch dieser Trip brachte keine neuen Erkenntnisse; wieder zurück und bald merkten wir, wie uns unsere Pferde wohl für leicht verblödet hielten, als wir zum dritten mal die gleiche Strecke hin und her ritten.
Nochmaliges Telefonieren ohne Ergebnis. Birgit schlug vor, rüberzuschwimmen, und wäre an der anderen Seite die Böschung nicht so steil gewesen, hätten wir sie bestimmt festhalten müssen.
Dafür machte sich ihr faltbarer Eimer aus den unergründlichen Tiefen ihrer Packtaschen nützlich. Während wir noch überlegten, ob unsere Reise hier zu Ende sein sollte, tränkten wir damit unsere Pferde. Typischerweise hielt Lover Boy den Eimer erst mal für ein gefährliches Monster, aber als Mecox vormachte, daß das Ding ok war, wollte er sogar zeitgleich seinen Kopf reinstecken.
Einmal gelernt, danach ohne Probleme. Sowieso war Mecox in dieser Beziehung der Beste von allen. Der hatte als jüngster und erst 8 Wochen aus dem Rennstall raus einfach die Ruhe weg. Ein tolles Pferd.
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