Die Besitzerin des Hofes, welche uns so freundlich und spontan aufgenommen hatte, erklärte, daß ihre eigenen Pferde auf Koppeln vor dem Ort verteilt wären und sie eines der wenigen noch existierenden Thüringschen Kaltblutpferde besäße. Diese Rasse steht auf der Roten Liste und es gibt wohl insgesamt nur noch 200 Stück davon.
Alleine das war für Birgit schon ein guter Grund, vor Ort zu übernachten, um gleich morgens sich dieses Pferd ansehen zu können. Wir holten also den VW-Bus aus Löwenberg.
Wieder wurde es fast Mitternacht, bevor wir im Löwenberger Hof ankamen. Der nächste Morgen sollte unserer Fahrerin endgültig den Rest geben. Beim Frühstück stellte sie fest, ihr Rucksack war weg.
Panik machte sich breit. Außer einer neuen Kamera waren darin wohl alle ihren wichtigen Papiere. Wir suchten zuerst alle Möglichkeiten im Hotel ab, vielleicht war der Rucksack ja irgendwie mit anderem Gepäck bei einem von uns im Zimmer gelandet.
Das Auto wurde von innen nach außen gekehrt, kein Rucksack. Wir versuchten zu rekonstruieren, was passiert sein könnte. Von irgendwo liegenlassen bis Diebstahl gingen wir alle Möglichkeiten durch.
Auch Nachfragen beim Hotelservice sowie den vorigen Stationen brachten uns keinen Schritt weiter. Und dabei lief uns auch noch die Zeit davon. Bis 10 Uhr sollten unsere Pferde vom Hof sein, da dort auf dem Platz Reitstunden stattfinden sollten.
Ihre Nerven lagen verständlicherweise blank. Panisch telefonierte sie bereits mit der Versicherung, versuchte via Handy jemanden als Troßbegleiter zu organisieren, da sie sofort nach Hause zurück wollte. Mit einem Wort: die Schnauze gestrichen voll.
In kürzester Zeit fuhr ich mit dem VW-Bus zum Stall, wo wir schon dringlichst erwartet wurden. Lover Boy sollte nun von Birgit als Handpferd mitgenommen werden, und ich mußte nochmal ins Hotel zurück, die Rechnung begleichen, den Hänger ankoppeln und vielleicht erneut nach dem verschwundenen Gepäckstück suchen.
Beim Betreten der Lobby sah ich einen Rucksack an der Wand lehnen � der Rucksack! Keiner konnte es sich erklären, aber alle waren sich einig, vor kurzem stand der noch nicht dort. Und nichts fehlte. Unglaublich.
Später konnten wir nur folgendes schlußfolgern: vor lauter Übermüdung wurde der Rucksack am Vorabend dort kurz abgestellt und irgendwie vergessen. Die Reisegruppe, welche in der Nacht ankam, hat diesen dann wohl mitgenommen in der Annahme, daß er zu ihren Sachen gehöre, und als morgens festgestellt wurde, daß dem nicht so sei, einfach wieder dort abgestellt. Auf alle Fälle war die Erleichterung groß.
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