| | | Karriere-Coach mit klarer Kommunikation: So sieht's aus, wenn Aimeé nicht kommuniziert. |  |  |  |
Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Aimeé. Die Pferdekenner unter ihnen werden mich sofort erkannt haben. Ich bin eine Pinto-Lewitzer-Stute. Alle Anderen unter Ihnen werden mich im ersten Augenblick vielleicht für eine Kuh halten. Doch Vorsicht! Verurteilen Sie mich niemals nach dem Aussehen. Damit verschenken Sie bereits zu Anfang wichtige Sympathiepunkte. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Ich bin Karriere-Coach auf eine ganz besondere Art. Wer meine Schule durchläuft, erfährt viel über sich selbst und andere. Bevor ich mit dieser Tätigkeit angefangen habe, versuchte ich meinen Nachwuchs zu bändigen. Als Mutter hat man da immer alle Hände voll zu tun. Und als Prämienstute mit Championatsnachwuchs hat man auch eine gewisse Verantwortung. Doch meine Zeiten auf dem Laufsteg sind vorbei. Mittlerweile hat sich mein Verantwortungsbereich ein wenig gewandelt. Die Zweibeiner sind meine Zielgruppe. Und da steckt manchmal noch viel mehr Arbeit drin als bei der Zusammenarbeit mit meinen vierbeinigen Kollegen. Gerne möchte ich ihnen heute von Till berichten. Till kam mit einem außergewöhnlichen Anliegen zu mir. Er war mit seinen 23 Jahren noch sehr jung. Wusste jedoch sehr genau, was er wollte. Mediensprecher in einem großen internationalen Konzern werden. In Vorgesprächen mit meiner zweibeinigen Partnerin stellte sich heraus, dass er gute Voraussetzungen für diesen Job mitbrachte. Auslandsaufenthalt und Studium waren selbstverständlich. Er war extrovertiert, sprachgewandt (Englisch, Französisch und Spanisch sprach er fast fließend) und sehr überzeugend. Doch wenn es darum ging, in Vorstellungsgesprächen zu überzeugen, stürzte sein starkes Auftreten ins Bodenlose. "Im Umgang mit großen Tieren bin ich eher still und zurückhaltend. Ich möchte doch schließlich etwas von den Firmenchefs und nicht gleich zu Anfang als vorlaut gelten." Respekt vor großen Tieren: Na, da hatte er sich ja genau die Richtige ausgesucht. Eine große Vierbeinerin. Zugegeben mit sympathischen Blick, doch eben ein nicht gerade kleines Tier. Tja, und so kam Till zu mir. Die erste Stunde verlief genau, wie meine zweibeinige Partnerin es vorausgeahnt hatte. Till hielt sich mit riesigem Respekt im Hintergrund. Schon auf dem Weg von der Koppel zum Stall hielt er bestimmt einen Sicherheitsabstand von mehr als zwei Metern. Hätte der Weg es erlaubt, wären auch vier Meter drin gewesen. Dabei hätte ich zu gerne nachgeschaut, was sich für Leckereien in seinen Taschen befanden, zu gerne diese durchstöbert. Doch für Till war ich eben nur groß, ungeheuer und mysteriös. Dabei gehöre ich noch nicht einmal zu größten Exemplaren meiner Gattung. Ich denke z. B. an meine Kollegen, die Tinker oder Friesen. Was half es? Größe schien für Till gleichbedeutend zu sein mit Abstand. Doch gerade diese Distanz gilt es in Vorstellungsgesprächen zu minimieren, Sympathiepunkte zu sammeln und im entscheidenden Moment per Handschlag den Vertrag zu besiegeln. Angekommen und arbeitsfertig stand dem Erstkontakt nichts mehr im Wege. Till sah das zunächst wohl etwas anders. Er schwankte zwischen Neugier und Unsicherheit. Stand dem Ganzen eher etwas skeptisch entgegen. Wir arbeiten jedoch immer in eingezäunten Gegebenheiten. Sei es in einem Roundpen (ein eingezäunter Zirkel), auf dem Trailplatz (einem Hindernisparcours) oder dem Platz bzw. der Halle. Das geschieht zu unserer eigenen Sicherheit. Sie dient zur Grundlage für ein entspanntes Arbeiten. Nachdem Till sich dann auch ein wenig in Sicherheit fühlte, schien das Vorhaben für ihn in Ordnung. Er öffnete das Tor zum Parcours für seinen Erfolg. Bevor wir mit den einzelnen Übungen beginnen konnten, war es jedoch wichtig, noch ein wenig über unsere gemeinsame Kommunikationsebene zu erfahren. Körpersprache und Stimme sind dabei extrem wichtig.
| |