| | | Spengemann holt die Warmblut-Stute |  |  |  |
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Ein Herz für Vollblüter und Menschen Überlegungen zur Selbstfindung am Beispiel Spengemann von › Werner Popken
Zu den Themen Ausbildung, Beratung, Vermittlung, Vollblut |
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In der letzten Woche habe ich Kai Jasper Spengemann vorgestellt, der sich mit » Partner Vollblut als Ansprechpartner und Spezialist für Vollblüter empfiehlt. Seine Laufbahn als Pferdemann begann sehr vielversprechend. Der Vater war Trakehner-Züchter und als Starter fest in der Rennsportszene verwurzelt. Ein Engagement im Rennsport lag deshalb nahe, fand jedoch durch das jugendliche Wachstum ein schnelles Ende. Wer zu groß und zu schwer wird, ist für diesen Beruf nicht geeignet. Rennreiter - von mir in der letzten Ausgabe irrtümlich mit dem Begriff "Jockey" gleichgesetzt - war also nicht die Zukunft, die dem jungen Spengemann in die Wiege gelegt worden war. Was dann? Wie sollte sich seine berufliche Laufbahn gestalten? Sollte es unbedingt etwas mit Pferden sein oder etwas ganz anderes? Aber halt: Was interessiert Sie das?
Die Frage nach der beruflichen Ausrichtung stellt sich immerhin in jedem Leben neu und heutzutage sogar zunehmend mehrfach im Laufe eines Berufslebens - also vielleicht auch für Sie oder Ihre Kinder. Deshalb nehme ich mir die Freiheit, diesen Sachverhalt heute etwas genauer zu untersuchen. Da man einen Großteil des Lebens im Beruf verbringt, ist die Berufswahl von erheblicher Bedeutung und für einen jungen Menschen meistens gar nicht leicht zu beantworten. Außerdem ist das Problem der Berufsfindung auch noch vielschichtig. Man kann es ganz nüchtern und zweckmäßig betrachten: Jeder Mensch muß leben, also braucht er die entsprechenden Mittel dazu, namentlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, und alle diese Mittel werden mit Hilfe von Geld eingetauscht, das man wiederum im Beruf erwirbt.
Nur einige wenige Menschen besitzen durch Erbschaft genug und müssen sich mit der Erwerbsfrage nicht beschäftigen. Sie profitieren davon, daß ihre Vorfahren dieses Geld zusammengebracht haben, und beschäftigen sich vielleicht damit, ihr Vermögen zu vermehren. Alle anderen müssen eine Antwort darauf finden, wo das laufend benötigte Geld herkommen soll, und dann meistens Tag für Tag dafür sorgen, daß es auch wirklich in ausreichendem Maße fließt.
Klugerweise wird man einen Beruf wählen, der bei angemessenem Einsatz ausreichenden Ertrag abwirft. Damit der Einsatz erträglich bleibt, sollte man sich für den Beruf aber auch eignen. Deshalb geht die Berufsberatung im allgemeinen so vor, weil eine Eignung sowohl größeren Erfolg als auch größere Befriedigung verspricht. Damit kommt ein weiterer Aspekt ins Blickfeld. Man muß seinen Tag füllen, die berufliche Befriedigung. Würde man dieselbe Tätigkeit auch ausüben wollen, wenn man damit nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten müßte? Der konkreten Beruf spielt bei der Berufsberatung allerdings meistens keine größere Rolle als etwa ein Mantel. Ob man nun diesen Mantel oder jenen Mantel trägt, ist mehr oder weniger gleichgültig, wenn er nur seinen Zweck erfüllt. Ähnlich beliebig gestaltet sich häufig die Berufswahl. Der Beruf ist lediglich Mittel zum Zweck, mehr nicht.
Man kann diese Frage aber auch weniger profan formulieren, insbesondere ganz unabhängig von Geld: Was soll ich hier tun, wozu bin ich auf der Welt, was ist meine Aufgabe? Das klingt vielleicht etwas hochgestochen, entspricht aber der natürlichen Grundstimmung eines jeden Menschen. Wenn ein Kind heranwächst, entwickelt es sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Im Zuge dieser Entwicklung erkennt es eines Tages, daß es ein Individuum ist. Es kann "ich" sagen und begreift, daß es nicht nur selbst jemand ist, sondern daß es verschieden ist von allen anderen Menschen, die es kennt. Und eines Tages wird ihm sogar deutlich, daß jeder Mensch einzigartig ist, anders als alle anderen, und zwar in jeder Hinsicht.
Meist macht man sich das nicht sonderlich klar, aber es schadet nicht, diese ungeheuerliche Tatsache einmal mehr deutlich auszusprechen. Gern wird von der Masse geredet, vom Massenmenschen, von der Vermassung und was dergleichen Schlagworte noch sind, aber auch die Massen setzen sich aus Individuen zusammen, die jedes für sich absolut einzigartig sind. Milliarden Menschen haben bereits gelebt, Milliarden Menschen leben jetzt gleichzeitig, und Milliarden Menschen werden noch leben. Nicht einer von diesen war so wie Sie oder ich, und nicht einer wird jemals so sein. Jeder von uns hat eine besondere Art Nase, Lippen, Augen, Herz, Gehirn, Phantasie, Träume, Geschichte.
Und jeder von uns hat das Gefühl, daß wir ein gewisses Potential besitzen, das nur uns eigen ist und das wir entwickeln sollten. Dieses Gefühl liegt eigentlich der Frage nach dem Woher und Wohin zugrunde: Ich einzigartiger Mensch sollte diese Einzigartigkeit voll zum Ausdruck bringen. Erst dann bin ich ganz Mensch, erst dann fühle ich mich wirklich befriedigt, erst dann bin ich ganz angekommen, erst dann fühle ich mich als unentbehrliches Mitglied der menschlichen Gemeinschaft. Wenn ich damit nicht mein Geld verdienen müßte, würde ich mich trotzdem genauso intensiv dieser Aufgabe widmen.
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