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Bericht Zu den Themen Kommunikation, Natural Horsemanship, Pferdeflüsterer · Horse Sense Modell
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 469.08 der Pferdezeitung vom 23.03.08
 Menü Hauptartikel 469  Kronsteiners System  Historisches Novum  Einmalige Epoche  Entwicklung
 Horse Sense Modell 
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Wahrnehmung, Beachtung, Vertrauen und Aktion - das sind die vier Säulen seines Modells. Jedes dieser Elemente spielt in das andere hinein, weil das Leben eben untrennbar ist; gedanklich kann man diese verschiedenen Aspekte jedoch sehr deutlich voneinander trennen und die dadurch besser verstehen und das Zusammenwirken der einzelnen Komponenten besser erkennen und unterscheiden. In der Anwendung zeigt sich dann die Stärke seines Gedankenmodells.

Eigentlich bin ich ein Gegner von zweckfremder Pferdearbeit. Nach außen hingesehen ist Zirkusarbeit reiner Selbstzweck, der oberflächlich nur der Selbstdarstellung dient. Die Wahrheit ist eine andere! Zirkuslektionen fördern in einem hohen Grad die Eigenwahrnehmung und das Koordinationsvermögen von Pferden. Der zweite Aspekt dieser - nennen wir es Stilrichtung - ist der enorm positive Effekt auf die Beziehung zum Pferd. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei richtiger Anwendung gewisser Methoden die Pferde überdurchschnittlich aufmerksam werden und sogar über einen ungewohnt langen Trainingszeitraum begeistert bei der Sache bleiben. Ich hatte bei meinen ersten Versuchen sogar das Gefühl, daß ich mir völlig neue Zugangskanäle zum Pferd eröffnen. Ich stelle daher eine Behauptung in den Raum, die diese Arbeit in jedem Fall rechtfertigt:

Zirkusarbeit = Vertrauenstraining

a.a.O., Seite 53

Wie schon in seinem ersten Buch  Mit Sicherheit Pferde verladen kommt auch in diesem Buch wieder auf eine wirksame Technik zu sprechen, die er für sich ein wenig abgewandelt hat:

Klickertraining als Basis

Ich erarbeite mir kleine Kunststücke ausschließlich mit Futterlob. Wer seinem Pferd regelmäßig etwas von der Hand füttert wird dabei sehr schnell merken, daß das Pferd von sich aus beginnt in den Taschen des Pferdeführers selbst nach Futter zu suchen. Diese lästige Untugend will keiner, sie beweist uns aber, daß Pferde sich gerne anstrengen, wenn dabei etwas zum Fressen herausspringt. Um diesen Futterdrang auszunützen und dabei nicht permanentes Opfer eines skrupellosen Taschendiebes zu werden gibt es eine Technik die sich »Klickertraining« nennt.

Es wird im Kopf des Pferdes eine sehr einfache Assoziation hergestellt die besagt, daß es ohne ein bestimmtes Geräusch niemals Futter von der Hand des Trainers gibt. Ertönt aber besagtes Geräusch,, dann gibt es augenblicklich und »immer« eine Kleinigkeit von der Hand. Das Geräusch - der sogenannte Klicker - kann ein beliebiges [muß] aber stets dasselbe sein. Mein Klicker ist ein Schnalzen mit der Zunge, weil ich dieses Mittel jederzeit parat habe. Ebenso kann man eine kleine Pfeife oder einen Knackfrosch, den wir aus unserer Kindheit vielleicht noch kennen, verwenden.

Die erste Lektion soll dem Pferd Folgendes vermitteln:

kein Klick = niemals Futter

Klick = immer Futter

Ich stelle mich mit Brot oder Ähnlichem in der Hand neben das Pferd und lasse es in keinem Fall von diesem Brot essen. Ich weise aufdringliche Versuche wenn nötig sehr brüsk zurück, bis das Pferd es aufgibt, danach zu betteln. Das ist der schwierigste Teil im Klickertraining, der aber mit unbedingter Konsequenz durchgehalten werden muß. Würde man dem Betteln nachgeben, so treuherzig unser Pferd auch schauen mag, wären alle Bemühungen umsonst.

Ist die Verbindung von Klick und Futter im Kopf des Pferdes erst einmal hergestellt, gehe ich zum eigentlichen Training über.

Der Trick mit dem Klick ist der, daß man ein Pferd zu einer Handlung animiert und in dem Augenblick, indem es sich auch nur ansatzweise richtig bewegt einen Klick auslöst. Der Ton bedeutet etwas Angenehmes, nämlich Futter, das auch im nächsten Augenblick verabreicht wird. Sehr bald bemerken Pferde, daß das Klicken mit dem zusammenhängt, was sie gerade machen und bemühen sich, diesen Klick so oft wie möglich aus mir herauszulocken.

a.a.O., Seite 53, 54

Illustriert wird diese Technik mit dem »Gang über den Schwebebalken«, den sein Haflinger Schritt für Schritt, Tag für Tag lernte. Da wir ja ein ganzes Leben Zeit haben (nun gut, ein Pferdeleben), können wir uns Zeit lassen. Wenn eine solche schwierige Übung in einigen Monaten gelernt werden kann, ist das in diesem Rahmen geradezu blitzschnell. Und in der Tat gibt es ja auch reichlich Zeugnisse in der Literatur von solchen auf den ersten Blick erstaunlichen Leistungen, die innerhalb relativ kurzer Zeit von den betreffenden Menschen und Pferden erarbeitet worden sind. So gesehen macht Vertrauensarbeit einfach Spaß!

Das Geheimnis ist also ein klares Konzept, eine kontrollierte und durchdachte Anwendung, liebevolle Zuwendung, konsequentes Handeln, positive Ausstrahlung, klare Zielsetzungen, regelmäßige Übungen - alles Anforderungen, die im Grunde jeder erfüllen kann. Na dann! An die Arbeit!



Quellen / Verweise


  1. » Mit Verstand zum Gefühl
  2. » Mit Pferden tanzen
  3. » Klaus Ferdinand Hempfling
  4. » Heinz Welz
  5. » Friedhelm Pohl
  6. » Pat Parelli
  7. » Monty Roberts
  8.  Mit Sicherheit Pferde verladen
  9.  Pferdeverstand: Das Horse Sense Modell, Mit Verstand zum Gefühl: Neues vom Alexanderhof
      Ausgabe 468 · Teil 1


Fotos

© 2008  Alexander Kronsteiner



6  Poster zu Ausgabe 469
 Damensolo Stellung beziehen
 Steigen Im Damensattel wohl gemerkt!
 Landung Wohlbehalten auf vier Beinen
 Abgang Prekäres Gleichgewicht
 Schräglage Man glaubt es kaum
 Rückenansicht Ausklang im Galopp


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