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Bericht Zum Thema Shetland Pony · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 435.07 der Pferdezeitung vom 29.07.07
 Menü Hauptartikel 435
 Die Familie der Shetland ... 
 Zwergwuchs  Stockmaß  Shetland-Abkömmlinge
 Zukunftsperspektiven
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Shetland Ponies auf den Shetland-Inseln, Shetland Pony Stud-Book Society · © 2007
 
Shetland Ponies auf den Shetland-Inseln, Shetland Pony Stud-Book Society
Der Ursprungstyp · © 2007
 
Der Ursprungstyp
Shetland Pony als Springpferd · © 2007
 
Shetland Pony als Springpferd
Die Reisen der Wikinger · © 2007
 
» Die Reisen der Wikinger
Shetland und Umgebung · © 2007
 
» Shetland und Umgebung

    Die Familie der Shetland Ponies   
    Geschichte und aktuelle Zuchtlandschaft   
von © 2007  Werner Popken
Zum Thema Shetland Pony


Als ich in der letzten Woche auf die » IGS-Tour hinwies, habe ich mich natürlich auch mit dem  » Turnierplan beschäftigt und festgestellt, daß am 28. Juli ein Turnier in Herford stattfindet. Das Gestüt » Gestüt "Max und Moritz" des Vorsitzenden der » IG Shetland e.V. liegt in Herford, also beschloß ich, einen kurzen Besuch abzustatten. Das Turnier sollte auf dem Gelände der Familie » Meyer zu Bexten stattfinden, und zwar zeitgleich mit dem alle zwei Jahre veranstalteten Turnier German Friendships, die nun » Sparkassen German Friendships heißen.

Nanu? Die German Friendships sind eine piekfeine Veranstaltung, wo deutsche Warmblüter der internationalen Jugend zeigen können, was Pferde sind (siehe Bericht von den  4. German Friendships 2005). Was haben da die Shetland Ponies zu suchen? Die Pressesprecherin Susanne Müller schaute denn auch erst ganz verständnislos, als ich am Donnerstag vorbeischaute und nach den Shetties fragte. "Ach die Kleinen? Die waren doch vor zwei Jahren auch schon da - irgendwo dahinten auf der Wiese."

Genau. Um die kümmert sich keiner, wollte sie wohl sagen, die interessieren hier doch nicht. Und so war es auch. Die Shetland-Leute veranstalteten auf einem Stück Wiese ihr Turnier, Sieghard Schöneberg übernahm die Ansage, aber außer den eigenen Leuten hörte niemand zu. Wieder einmal fiel mir auf, daß die Ponies des Gestüts Max und Moritz besonders elegant sind - was im Mutterland der Shetland Ponies gar nicht geschätzt wird. Dort möchte man den sogenannten Ursprungstyp bewahrt wissen, der mit kurzen Beinen und relativ massigem Körper etwas unelegant wirkt.

Im Zuge der EU-Anpassung schreiben die Engländer nämlich jetzt weltweit vor, wie ein Shetland Pony auszusehen hat (» Shetland Pony Stud-Book Society). Das gefällt nicht nur nicht jedem, sondern führt auch zu ernsthaften Verwicklungen, die nur durch Spaltungen gelöst werden können. So gibt es inzwischen nicht nur eine Rasse Shetland Ponies, sondern gleich eine ganze Menge. Aber vielleicht der Reihe nach.

Seit wann weiß man von den Shetland Ponies? Keine Ahnung - darüber habe ich nichts finden können. Man weiß allerdings aufgrund von archäologischen Funden, daß die Inseln, nach denen die Shetland Ponies benannt sind, seit mindestens 5000 Jahren bewohnt sind. Die ältesten Knochenfunde von Pferden auf den Inseln stammen von etwa 200 nach Christus.

In dieser Zeit ist allerhand passiert. Vor etwa 4000 Jahren wurde das Klima kälter und die Siedler zogen sich an die Küste zurück, formuliert die englische Wikipedia (» Shetland). Küste? Welche Küste? Die Küste der Inseln? Kälter? Kälter als was? Können wir uns vorstellen, wie es damals dort aussah? Wo genau liegen eigentlich die » Shetland-Inseln?

Die Shetland-Inseln [...] sind eine zu Schottland gehörende Inselgruppe zwischen Norwegen, Schottland/Orkney und den Färöern. [...]

Ausgenommen der abseits liegenden Inseln Fair Isle und Foula, erstrecken sie sich über ein 80 mal 120 km großes Areal zwischen dem 59. und 61. Breitengrad und bilden den nördlichsten Teil Großbritanniens. Von den 1.426 km² Fläche entfällt etwa zwei Drittel auf die Hauptinsel Mainland.
a.a.O.

Gut, gut, aber wieweit ist es eigentlich von den Inseln zu Norwegen usw.? Anhand der Landkarte und der Angabe in der englische Wikipedia, daß es bis zu den Färöern 280 Kilometer sind, kann ich ungefähr abschätzen, daß die Entfernung nach Norwegen etwa der zu den Färöern entspricht und die Entfernung nach Schottland etwa der Hälfte. Die Orkneys sind Schottland auf dem Weg zu den Shetlands vorgelagert. Vor etwa 8000 Jahren sollen die Shetland-Inseln noch mit dem norwegischen Festland verbunden gewesen sein. Man spekuliert, daß das nordische Tundrapony trockenen Fußes bis zu den Shetland Inseln gekommen sein könnte.

Genaues weiß man nicht. Ob die Knochenfunde den Schluß zulassen, daß die Pferde schon damals so klein waren, wie wir sie heute kennen, wird nicht erwähnt. Daß die Shetland Ponies sehr klein sind und lange Zeit hindurch, bis ambitionierte Züchter sich einmischten und mit dem » Falabella ein noch kleineres Pferd züchteten, die kleinste Pferderasse der Welt waren, ist offensichtlich. Wie klein ist klein aber wirklich? Waren die Shetland Ponies immer so klein? Wie kam es, daß sie so klein wurden? Sind sie von alleine so klein geworden oder haben die Menschen sie so klein gezüchtet?




Zwergwuchs


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Foto Shetland Museum, ca. 1900 · © 2007
 
» Foto Shetland Museum, ca. 1900
Ausschnitte · © 2007
 
Ausschnitte
Der Ursprungstyp · © 2007
 
Der Ursprungstyp
Der Zwergwuchs des Shetlandponys ist wahrscheinlich eine Folge der natürlichen Auslese auf eine kleine, aber äusserst widerstandsfähige Wuchsform infolge der extrem ungünstigen Klima- und Bodenverhältnisse auf den Shetlandinseln. Die jahrhundertelange Isolierung hat dann zu einer Herausbildung einer derart eigenständigen Ponyrasse geführt.
» Herkunft, Schweizerischer Shetlandpony-Verband

So äußert sich der schweizerische Shetland Pony-Verband. Genau - extrem ungünstige Klima- und Bodenverhältnisse. Das muß es sein, oder?

Auf den Shetlandinseln ist es insgesamt sehr mild und feucht (1000 mm jährlich), bestimmt durch den Golfstrom. Der Winter auf den Inseln ist meist recht mild, mit nur gelegentlichem Frost und eher seltenem Schneefall, wobei das Winterhalbjahr auch die regenreichste Zeit des Jahres ist. Im Sommer können die Temperaturen durchaus bis auf 15°C und mehr ansteigen. Jedoch sind Stürme, starke Regenfälle und Nebel häufig und können das Wetter auch im Sommer relativ ungemütlich machen.
a.a.O.

Wer hätte das gedacht? Angeblich sollen die Shetland Ponies doch so klein und zottelig sein, weil das Klima auf den Inseln so rauh ist ( Das Shetland-Pony). Oder handelt es sich einfach um das Phänomen der » Inselverzwergung?

Verzwergung ist ein allgemeines evolutionäres Phänomen der Anpassung von Arten an bestimmte Umweltbedingungen. Dabei kommt es zu einer Miniaturisierung und teilweise zu einer Reduktion von Organen. Ursache ist eine Verkleinerung des Lebensraumes und eine Beschränkung des Nahrungsangebotes, die sich nicht nur in einer temporären, phänotypischen Anpassung ausdrückt, sondern durch Selektionsdruck auch genotypisch verankert wird. Voraussetzung dafür ist eine Isolation des Lebensraumes, der über lange Zeiträume zur Herausbildung von verzwergten Unterarten und Arten führt. Speziell wurde das Phänomen in Zusammenhang mit dem verkleinerten Lebensraum und beschränkten Nahrungsangebot auf Inseln beobachtet (Inselverzwergung).

Die Verzwergung ist besonders für die Abstammungslinien der Wirbeltiere untersucht worden, wo sie in der Verkleinerung der Skelettelemente z. B. bei den ausgestorbenen Zwergelefanten besonders auffällig ist.
» Verzwergung

Gern wird erzählt, daß ein gewisser Lord oder Marquis of Londonderry im Jahre 1870 auf den Inseln » Bressay und » Noss mit der gezielten Zucht begann - die englische Muttergesellschaft schweigt sich über diese Zeit aus. Dieser soll auch im Jahre 1890 das bis heute existierenden Zuchtbuch und die Shetland Pony Stud-Book Society gegründet haben und der erste Vorsitzende gewesen sein. Auch über seine Mitwirkung wird nichts berichtet. Merkwürdig - wo doch zumindest die Deutschen sich so gern auf den Lord berufen.

Möglicherweise hängt das mit der Rolle seines Sohnes während des Dritten Reiches zusammen. Die Familie der Londonderry ist schwer reich und hat unter anderem großen Landbesitz in Irland und riesige Bergwerke in England. Ende 2005 erschien » Hitlers Freunde in England. Lord Londonderry und der Weg in den Krieg, eine Würdigung der Rolle des 7. Marquis of Londonderry, dessen Vater, der 6. Marquis of Londonderry, mutwillig derjenige ist, auf den sich die Shetland Pony-Freunde berufen. Dieser » Lord Londonderry war in den Jahren 1931-1935 britischer Luftfahrtminister und hat sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sehr um die Nazis bemüht. Unter anderem war er prominentes Mitglied der » Anglo-German-Fellowship:

In dieser Organisation waren diejenigen britischen Industriellen, Bankiers und höchsten Beamten vertreten, die ein Bündnis mit Deutschland förderten und - off the record - die führenden Vertreter der deutschen Nazi-Diktatur zu einem Krieg gegen die stalinistische Sowjetunion ermunterten.

Die Fellowship führte eine massive prodeutsche Propaganda in Großbritannien. Jahrelang lud man hohe SA- und HJ-Führer, Diplomaten, Minister und Kommunalpolitiker in Londoner Clubs und auf Landsitzen ein. Unter den Gästen und Rednern befanden sich Außenminister Ribbentrop, Generalfeldmarschall von Blomberg, der nationalsozialistische Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, Himmlers Adjutant Hajo Freiherr von Hadeln und der Herzog Carl Eduard (Sachsen-Coburg und Gotha). Zu den Reichsparteitagen der NSDAP in Nürnberg fuhr regelmäßig eine starke Abordnung der Fellowship. Insgesamt 50 Mitglieder beider Häuser des Parlaments hatten sich der Fellowship angeschlossen. Lord Londonderry [1] besuchte 3-4 mal im Jahr Hitler und Göring.
a.a.O.

Nach dem Kriege wurde er natürlich wegen dieses Engagements schwer angegriffen. Möglicherweise wurde dadurch der Name insgesamt in der Öffentlichkeit beschädigt, so daß die Shetland Pony Stud-Book Society nicht damit in Verbindung gebracht werden möchte. Für die Zucht der Shetland Ponies ist es ja im Grunde auch unerheblich, wer den Anstoß gab.



Stockmaß


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Pferdepflege unter Tage · © 2007
 
Pferdepflege unter Tage
Fellponies  unter Tage · © 2007
 
Fellponies unter Tage
Unter Tage in Kanada · © 2007
 
Unter Tage in Kanada
Das Gut auf Bressay und Noss existiert noch; der jetzige Besitzer scheint mit der Familie Londonderry keine Verbindung zu haben, fungiert aber als Schirmherr der Shetland Pony Stud-Book Society (» A Brief History of the Society). Er hat pikanterweise selbst keine Shetland Ponies. Interessant ist natürlich, daß Londonderry große Bergwerke gehörten. Denn mit Bergwerken ist die Geschichte der Shetland Ponies angeblich sehr verquickt:

Ausserhalb der Shetlandinseln hatte das Shetlandpony bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts keine Bedeutung. Dann erfolgte eine erhebliche Verbreitung über England und Schottland. Die Tiere wurden wegen ihres kleinen Wuchses als Grubenpferde in Blei- und Kohlebergwerken eingesetzt und führten ein trostloses Dasein. 1931 waren noch über 16'000 Ponies in Gruben in England im Einsatz.

Da infolge der günstigeren Preise für grössere Ponys vorwiegend diese von den Inseln verkauft wurden, verblieben demzufolge die kleineren Ponys als Zuchtbasis. Deshalb wurden in der Folge verschiedene Rassen – auch arabisches Vollblut! – eingekreuzt, um das Stockmass wieder zu erhöhen. Diese planmässige Zucht setzte um 1850 ein.
» Herkunft, Schweizerischer Shetlandpony-Verband

Das ist eine interessante Hypothese, die ich noch einmal umformuliere: Größere Ponies erzielen höhere Preise und werden verkauft, die kleineren bleiben übrig. Da diese kommerziell aber uninteressant sind, will man durch Einkreuzung größerer Tiere größeren Nachwuchs produzieren. Das klingt plausibel. So hat man seit jeher herumgezüchtet und so macht man das auch noch heute. In wenigen Generationen kann man den Phänotyp nach Belieben formen und genetisch verankern.

Allerdings widerspricht diese Hypothese dem Anliegen des neugegründeten Zuchtverbands, der 1890 ein maximales Stockmaß von 107 cm festlegte, damit eine bestimmte Marktnische besetzt werden kann und damit die Konkurrenz mit den größeren Ponyrassen entfällt:

The maximum height limit was set at 42'' (107cms.) so that the Shetland pony would not have to compete with the Welsh pony in the market for ponies to work in coal mines.
» A Brief History of the Society

So gesehen ist es gerade die Kleinheit der Shetland Ponies, die sie wertvoll macht und die bis heute nicht angetastet werden darf. Ponies, die größer werden, können nicht eingetragen werden. Diese kleinen Ponies sollten aber anscheinend auch unter Tage arbeiten; berühmt ist ihre Zugkraft, die im Verhältnis zur Körpergröße einzigartig ist. Shetland Ponies sollen das dreifache ihres Gewichts ziehen können. Die Arbeit in Bergwerken wird gemeinhin als übel dargestellt. Das ist vermutlich stark übertrieben. Denn die Bergleute, die mit den Pferden arbeiteten, haben natürlich ein sehr intensives Verhältnis zu ihren Kollegen entwickelt, genauso wie die Bauern, die den ganzen Tag auf ihre Pferde angewiesen waren.

In der englischen Wikipedia wird in Klammern suggeriert, daß die Ponies unter Tage verschlissen wurden und nicht lange lebten. Auch das ist vermutlich ein Mythos. Unter » Caring for the Last of Britain's Pit Ponies findet sich ein Bericht über die letzten Ponies, die 1969 in Pension geschickt wurden. Fünfzig Jahre früher waren 73.000 Ponies unter Tage beschäftigt. Wieviele Menschen unter Tage beschäftigt waren, wird leider nicht mitgeteilt. Die Bergwerksgesellschaft hat sich große Mühe gegeben, ein neues Heim für die Pensionäre zu finden. Offenbar hat es nicht an Abnehmern gemangelt, aber viele schienen den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Immerhin handelt es sich um willenstarke Ponies, die an das Leben über Tage nicht gewöhnt waren. Man kann sich an fünf Fingern abzählen, was passiert, wenn man die einfach auf eine Weide stellt. Es dauert nicht lange, bis sie ausgebrochen sind. Die Geschichte eines bestimmten Ponies und seiner Gastfamilie wird ausführlich geschildert. Dieses Pony ging mit vier Jahren unter Tage und hat 22 Jahre dort gearbeitet, bis es zwangsweise pensioniert wurde.

Shetland Ponys sind wie andere auch in die USA und nach Kanada exportiert worden, um dort in den Gruben zu arbeiten. Der Artikel » Pit Ponies - A coal miner's best friend beschreibt das Leben unter Tage. Es gab Pferde jeder Größe dort, vom Mini bis zum großen Kaltblut. Die Pferde arbeiteten im Team mit den Bergleuten, jeweils für acht Stunden am Tag, und wurden im allgemeinen gut gepflegt. Die Ställe waren geräumig, trocken und warm, es gab ausreichend Futter und Wasser. Einige Ställe hatten sogar elektrisches Licht, im Gegensatz zu den Bergleuten.

Die kanadische Mine schloß im Sommer, wenn die Leute keine Kohlen brauchten. Dann waren die Bergleute arbeitslos, und die Ponies ebenfalls. Sie wurden dann meistens ans Tageslicht gebracht, wobei ihre Augen in den ersten Tagen durch Tücher geschützt wurden, damit sie keinen Schaden nahmen. Viele Bergleute waren der Meinung, daß es den Ponies viel besser ginge als ihnen selbst.



Shetland-Abkömmlinge


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The Classic American Pony · © 2007
 
» The Classic American Pony
The Modern American Pony · © 2007
 
» The Modern American Pony
The American Show Pony · © 2007
 
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The National Show Pony · © 2007
 
» The National Show Pony
Deutsches Classic-Pony-Hengst Jabolo, Florian Grober, Kühnle-Kinder-Cup · © 2007
 
Deutsches Classic-Pony-Hengst Jabolo, Florian Grober, Kühnle-Kinder-Cup
Die ältesten schriftlichen Überlieferungen von Shetland Ponies in den USA stammen aus dem Jahr 1885. Eli Elliot soll diese von Lord Londonderry gekauft haben. Selbstredend hatte dieser seine eigenen Vorstellungen, wie kleine Pferde aussehen sollten. Zwei Jahre vor der Gründung der Shetland Pony Stud-Book Society gründete er den » American Shetland Pony Club, der sämtliche importierten Shetland Ponies registrieren sollte. Im Laufe der über 100 Jahre, die seither vergangen sind, haben sich vier verschiedene Shetland Pony-Rassen in den USA entwickelt, die von diesem Club betreut werden:


Außerdem führt dieser Verband noch » The American Miniature Horse, welches nicht als Shetland Pony gezählt wird. Diese Ponies haben offenbar nicht mehr viel mit den ursprünglichen Shetland Ponies zu tun und werden deshalb auch vom englischen Verband nicht anerkannt. Da die USA nicht zur Europäischen Union gehören, kann den Amerikanern das egal sein. Es hat sich aber mit der » Society of North America Shetland Pony auch in den USA ein Zuchtverband gegründet, der sich dem Ursprungstyp verpflichtet fühlt.

In den Bergwerken Kontinentaleuropas wurden Shetland Ponys offenbar nicht eingesetzt. Die ersten sollen Anfang des 20. Jahrhunderts in die Niederlande importiert worden sein, um dort in Gärtnereien zu arbeiten. Die amerikanischen Züchtungen scheinen dem europäischen Geschmack generell nicht besonders zu liegen. Nur Classic American Shetland Ponies sind seit Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts nach Europa importiert worden.

Bei einer Europareise von Shetlandzüchtern aus den USA entstanden 1964 Kontakte zu deutschen Kollegen, darunter auch zu Dieter Grober aus Bad Gandersheim. Er war von den Vorzügen dieser amerikanischen Shetlandponys angetan. Ein Jahr später importierte er den US-Champion von 1961, den schwarzbraunen "Jiggs" sowie einige Stuten. Weitere Importe folgten.

Die Ponys dieser Typrichtung erfreuten sich seit 1965 als "Sportliche Shetlandponys" in Deutschland großer Beliebtheit und bereicherten die deutsche Zucht erheblich. In Typ und Farbe entwickelte sich ein überwiegend sehr einheitliches Erscheinungsbild. Sie weisen inzwischen auch eine erhebliche Population auf. Von den deutschen Zuchtverbänden wurden sie 35 Jahre als Shetlandponys voll anerkannt.

Im Rahmen der beabsichtigten Anerkennung der deutschen Shetlandzucht durch das britische Mutterstutbuch (nach EU-Recht) verweigerte dieses ab dem Jahr 2000 allen Tieren mit amerikanischen Blutlinien grundsätzlich die volle Anerkennung als Shetlandpony. Die geplante nachträgliche Rückstufung zu einem "Deutschen Partbred-Shetlandpony" (Partbred = Teilblut / Mischling ) entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten und war auch für viele deutsche Züchter nicht akzeptabel. Man beschloss daher in Abstimmung mit den entsprechenden Zuchtverbänden, diese Ponys ab dem Jahr 2000 unter dem neuen Namen "Deutsches Classic-Pony" zu züchten. Es ist damit eine deutsche Rasse, deren Zuchtrichtlinien nunmehr von Deutschland bestimmt werden.
» Wie kam es zum Classic-Pony?

So einfach geht das: Wenn ihr uns nicht haben wollt, machen wir unseren eigenen Verein auf. Zur Rasse Deutsches Partbred-Shetlandpony zählen auch die getigerten Ponies des Gestüts Max und Moritz, weil reinrassige Shetland Ponies zwar alle Farben haben dürfen, aber getigert dürfen sie nicht sein. So werden von der IG Shetland zwei Abteilungen geführt: Shetland Ponies, dreijährig nicht über 105 cm, vierjährig und älter nicht über 107 cm, und Deutsches Part-Bred Shetland-Pony, ursprünglich auch höchstens 107 cm groß, was aber jetzt durch Beschluß des Rasseparlaments auf 112 cm geändert wurde. In dieser Abteilung können auf Schauen Untergruppen gebildet werden: Mini (unter 87 cm), Original und sportlich (» Zuchtzielbeschreibungen).

Damit ist die Zuchtlandschaft einigermaßen übersichtlich. Es bleibt abzuwarten, wann sich weitere Züchter entschließen, den Makel des Halbbluts abzustreifen und einen eigenen Verband zu gründen. In den Niederlanden gibt es bereits den Begriff des Appaloosa Pony. Es würde mich nicht wundern, wenn wir bald einen entsprechenden Verband auch in unserem Lande hätten. Da es dafür kein Ursprungsland gibt, kann jedes Land sein eigenes Süppchen kochen. Warum auch nicht? Die Vielfalt an Warmblutrassen ist ja schließlich auch dadurch entstanden, daß überall nach Gusto gezüchtet wurde.



Zukunftsperspektiven


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Hengstparade, Ralf Grober, Pony-Gestüt-Clus · © 2007
 
Hengstparade, Ralf Grober, Pony-Gestüt-Clus
Shetland Pony Grand National · © 2007
 
Shetland Pony Grand National
Shetland Pony Grand National · © 2007
 
Shetland Pony Grand National
Marco Freund, Kühnle Kinder-Cup 2007 · © 2007
 
Marco Freund, Kühnle Kinder-Cup 2007
Rodinde Rutjens, 7 Jahre, Kinder-Cup 2005 · © 2007
 
Rodinde Rutjens, 7 Jahre, Kinder-Cup 2005
Anna Sandmann, 11 Jahre, Kinder-Cup 2007 · © 2007
 
Anna Sandmann, 11 Jahre, Kinder-Cup 2007
Sechsspännig auf der Pferd Bodensee · © 2007
 
Sechsspännig auf der Pferd Bodensee
Ungarische Post, Pferd Bodensee 2004 · © 2007
 
Ungarische Post, Pferd Bodensee 2004
Das Shetland Pony, so hatte ich vermutet, wird noch eine große Zukunft erleben. Wenn es gelingt, das Rasenmäher-Etikett abzustreifen und die Shetland Ponies als ernstzunehmende Freizeitpartner zu etablieren, werden alle profitieren: Die Züchter, aber vor allen Dingen die Eltern und die Kinder, die ihre Kindheit und Jugend mit diesen wunderbaren Tieren verbringen dürfen.

Die Firma Kühnle, die vor allen Dingen für ihre Hochleistungskutschen für den Spitzensport bekannt ist, engagiert sich seit Jahren dafür, den Fahrsport für Kinder und Familien zu propagieren. Fahrsport ist nicht nur aufwendiger als Reitsport, er ist vor allen Dingen ein Teamsport. Zwar braucht man beim Reiten auch Hilfe, aber schließlich reitet der Reiter alleine los und der Helfer steht dumm herum. Beim Fahrsport fahren die Helfer mit und haben auch ihren Spaß.

Durch ihren Kinder-Cup auf der Equitana ist der Firma Kühnle der Nachweis gelungen, daß mit Ponies ernsthafter Fahrsport schon von kleinen Kindern ausgeübt werden kann. Freilich hat man das mit den Kindern erfolgreicher Spitzensportler gezeigt, die gewissermaßen von Kindesbeinen an in den Fahrsport hineingewachsen sind. Man darf annehmen, daß sie beizeiten selbst im Spitzensport landen werden.

Ein prominentes Beispiel ist die Engländerin » Karen Bassett, die eine beispiellose Karriere mit ihren vier Shetland Ponies hingelegt hatte und inzwischen als erwachsene Frau mit Trakehnern auf internationalen Wettbewerben mitstreitet.

Sie begann ihre Fahrerkarriere mit acht Jahren und fuhr mit 12 vierspännig. Der Anfang war ganz harmlos und gar nicht ambitioniert. Sie hatte ihre Ponies, ihre Kutsche und ihre Geschwister, und gemeinsam fuhren sie einfach los.

Seit 1980 hat sie den nationalen Vierspännerwettbewerb für Ponies sechsmal gewonnen und den für Großpferde fünfmal. Sie ist der einzige Spitzensportler, der Trakehner im Vierspänner einsetzt. 1995 hat sie zum ersten Mal in Saumur als Frau einen internationalen Vierspännerwettbewerb gewonnen. 1996 gewann sie die Bronzemedaille mit der Mannschaft bei den Weltmeisterschaften. 2004 war sie die Nummer 12 in der Weltrangliste, der beste britische Fahrer und die beste Frau insgesamt.

Michael Freund, der deutsche Spitzenfahrer, hat ebenfalls dazu beigetragen, den Fahrsport mit Shetland Ponies zu popularisieren. Seit Jahren tritt er zusammen mit seinem Sohn auf, der ein ähnlich sonniges Gemüt wie sein Vater zu haben scheint. Wenn die beiden eine Quadrille fahren, gehen alle Herzen auf. Natürlich fährt Marco Freund ebenfalls beim Kinder-Cup mit, wobei Vater und Mutter als Beifahrer fungieren, und alle drei können nicht verhehlen, wieviel Spaß sie dabei haben.. Mit sechs Jahren fuhr Marco zum ersten Mal zweispännig mit, mit acht Jahren zum ersten Mal vierspännig, in diesem Jahr war er zehn. Rodinde Rutjens, die Tochter des ehemaligen Zweispänner-Weltmeisters Rini Rutjens, fuhr erstmals mit drei Jahren. Sie fährt ebenfalls Shetland Ponies, ihre Mutter ist Beifahrer. Anna Sandmann fuhr in diesem Jahr ebenfalls vierspännig, natürlich mit Shetland Ponies, mit ihrem Vater als Beifahrer, der nach dem Rückzug von Michael Freund nun freie Fahrt hat.

Die sind alle stolz auf ihre Shetland Ponies und sehen gar keinen Grund, sich zu verstecken oder gar zu entschuldigen, so wie der Halbwüchsige, der am Samstag auf der IGS-Tour in Herford seinen Sulky an mir vorbeisteuerte und verlegen grinste. Vermutlich hätte er lieber in voller Montur auf einem der schicken Warmblüter gesessen, die um die Shetland-Freunde herumparadierten. Aber wenn er genau hingeschaut hätte, wäre ihm aufgefallen, daß diese privilegierten Kinder nicht besonders glücklich zu sein schienen. Darauf kommt es aber doch an, oder irre ich mich da?



Quellen / Verweise


  1. » IGS-Tour
  2.  » Tourkarte 2007
  3. » Gestüt "Max und Moritz"
  4. » IG Shetland e.V.
  5. » Meyer zu Bexten
  6. » Sparkassen German Friendships
  7.  4. German Friendships 2005
  8. » Shetland Pony Stud-Book Society
  9. » Shetland
  10. » Shetland-Inseln
  11. » Falabella
  12. » Herkunft, Schweizerischer Shetlandpony-Verband
  13.  Das Shetland-Pony
  14. » Inselverzwergung
  15. » Verzwergung
  16. » Bressay
  17. » Noss
  18. » Hitlers Freunde in England. Lord Londonderry und der Weg in den Krieg
  19. » Lord Londonderry
  20. » Anglo-German-Fellowship
  21. » A Brief History of the Society
  22. » Caring for the Last of Britain's Pit Ponies
  23. » Pit Ponies - A coal miner's best friend
  24. » American Shetland Pony Club
  25. » The Classic American Shetland Pony
  26. » The Modern American Shetland Pony
  27. » The American Show Pony
  28. » The National Show Pony
  29. » The American Miniature Horse
  30. » Society of North America Shetland Pony
  31. » Wie kam es zum Classic-Pony?
  32. » Zuchtzielbeschreibungen
  33. » Karen Bassett



Fotos

© 2007  Werner Popken