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Bericht Zu den Themen Besamung, Zucht · Eugenik
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Aber das dürfte kein grundsätzliches Problem sein. Notfalls bildet man eben eine Vielfalt von Vereinen, von denen jeder für sich definiert, was er für erwünscht hält und was nicht. Warum muß es denn eine Einheitsrasse geben? Das Gegenteil ist doch der Fall: Ständig werden neue Pferderassen erfunden und etabliert, und wenn eine unterzugehen droht, muß sie unverzüglich gerettet werden.

Welche Fülle an Menschenrassen gezüchtet werden könnten, wenn man ähnliche Grundsätze walten ließe! In diesem Sinne sind die Romanautoren einfach noch zu konservativ gewesen. Zwar unterscheiden sich nicht unbedingt einzelne Exemplare verschiedener Nationen signifikant, aber doch die Bevölkerungen der vielen Nationalstaaten insgesamt deutlich voneinander. Ein bestimmter Spanier oder Türke könnte vielleicht auch Italiener oder Deutscher sein, aber "die Spanier" und "die Türken", "die Deutschen" und "die Schweden" sind schon ein Begriff.

Unter Rassegesichtspunkten muß es irritieren, daß es Schweden gibt, die wie Deutsche aussehen. Und die Vielfalt der Erscheinungsweise innerhalb unseres Landes erst! Alleine das Zuchtziel, einen typischen Norddeutschen, Berliner oder, wenn das zu schwierig ist, Sizilianer zu züchten, könnte doch höchst aufregend sein. Was sind dagegen die Miss-Wahlen? Kalter Kaffee!

Von dieser engagierten Menschenzucht kann bis heute keine Rede sein. Statt das ursprüngliche Ziel der positiven Zuchtwahl zu verfolgen, wurde überwiegend negativ selektiert, das aber im großen Stil.

1896 wurde im Bundesstaat Connecticut, USA, ein Gesetz erlassen, das "Epileptikern, Schwachsinnigen und Geistesschwachen" die Heirat verbot. Später wurde dieses Verbot mit Zwangssterilisationen durchgesetzt. Schätzungen zufolge sind in den USA über 100.000 Menschen im Rahmen dieses Programms sterilisiert worden. Dabei handelte es sich nicht immer um einen offenen Zwang, häufig wurden die Menschen im Unklaren über die Folgen des Eingriffs gelassen.

1903 beschloss die American Breeders Association (Vereinigung der amerikanischen Rinderzüchter), einen Ausschuss einzurichten, das so genannte Eugenik-Komitee. Dieses Komitee kam zu dem Schluss, dass mindestens 10 Millionen Menschen, rund 10 % der damaligen Bevölkerung der USA, an der Fortpflanzung gehindert werden sollten.

1907 wurde das erste Gesetz, das die Zwangssterilisation aus eugenischen Gründen erlaubte, in Indiana erlassen - weitere 32 US-Bundesstaaten folgten mit ähnlichen Gesetzen bis 1933. Insgesamt waren rund 60.000 Menschen in den USA von diesem Vorgehen betroffen. Als besonders sterilisationsfreudig erwies sich der Staat Kalifornien, schon damals ein Zentrum der US-Forschung und privaten Forschungsförderung.

1920 veröffentlichen » Karl Binding und » Alfred Hoche den Bestseller "Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens." Die von Karl Binding aufgeworfene Frage, ob Menschen ihren Wert verlieren könnten, bejaht Alfred Hoche. "Unheilbarer Blödsinn" stehe im Vordergrund seines Interesses als Psychiater. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stand die wirtschaftliche und moralische "Belastung" kranker Menschen.

1921 fand der zweite internationale Eugenik-Kongress unter der Schirmherrschaft des American Museum of Natural History in New York statt. Honorarpräsident war Alexander Graham Bell, der auch mit den Organisatoren das Ziel verfolgte, Gesetze zur Verhinderung der Ausweitung von "defekten Rassen" einzuführen.

Vor dem 2. Weltkrieg wurden die Einreisebestimmungen in die USA dermaßen verschärft, dass dieser Immigration Act verhinderte, dass vor den Nazis flüchtende Juden in den USA Einlass finden konnten.
» Eugenik

Die beiden Bestsellerautoren sind Deutsche. Hoche war Psychiater, Binding Strafrechtler. Trotz des Titels ihres Werkes sind sie aber keineswegs als Wegbereiter der nationalsozialistischen Greueltaten zu werten, was man vielleicht zunächst annehmen könnte:

Der wohl von Binding und Hoche aufgebrachte Begriff der Vernichtung lebensunwerten Lebens hat nicht bereits durch sie selbst seine heute geläufige Prägung erhalten, sondern vor allem durch die Mordaktionen der Nationalsozialisten an kranken und behinderten Menschen. Seine Entwicklung ähnelt insofern der des Begriffs der » Euthanasie (von griechisch eu - schön, thanatos - Tod). Bei diesen Mordaktionen wurde keinerlei Rücksicht auf die Patientenautonomie genommen, die für Binding noch von selbstverständlicher, ausschlaggebener Bedeutung war: Nach Art des den Lebenswillen seines Opfers gewaltsam brechenden Mörders und Totschlägers kann die Rechtsordnung nie vorzugehen gestatten. (Binding, op.cit.).
» Karl Binding







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