
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 1 Von › Heidi Keppel
Wie die rein geschäftsmäßig abgewickelte Pferdezucht üblicherweise aussieht und welche Methoden dabei angewandt werden, wird derzeit in den Hauptartikeln der Pferdezeitung vom Herrn Dr. Popken ja schon sehr ausführlich und treffend beschrieben. Wie meine Meinung dazu aussieht, kann sich sicher jeder, der meine Messeseite schon einmal besucht hat, gut vorstellen, denn da mir das Wohl der Pferde stets besonders am Herzen liegt, bin ich selbstverständlich auch in diesem Bereich ein Befürworter der pferdefreundlichsten Variante, also des Natursprunges innerhalb der Herde.
Mir ist allerdings auch klar, dass dies von der heutigen Zuchtauffassung und von den Zuchtzielen her nicht so leicht realisierbar ist. Ein generelles Umdenken wäre hier erforderlich, denn es ist sicherlich auch genetisch bedenklich, wenn die Erbanlagen von wenigen Spitzenhengsten durch künstliche Befruchtungen weltweit so stark verbreitet werden, dass man letztendlich in den nächsten Generationen keine große genetische Vielfalt mehr vorfinden wird, was die Zucht schließlich immer mehr erschweren und auf Dauer gesehen keine wirklichen Erfolge bringen wird.
Da ich mich hier mit meinen Tipps aber vorwiegend an Freizeitreiter wenden möchte, will ich auch das Thema ‚Zucht' hauptsächlich aus der Sicht des Privatpferdehalters bzw. Hobbyzüchters näher betrachten. Grundsätzlich stellen sich für den züchterisch ambitionierten Stutenhalter einmal folgende Fragen: 1. Bringt meine Stute die nötigen körperlichen und geistig-seelischen Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden züchterischen Einsatz mit? 2. Welcher Hengst und welche Form der Bedeckung kommt für meine Stute in Frage? 3. Kann ich dem Fohlen auch tatsächlich gesunde Aufzuchtbedingungen bieten und bekommt es eine reelle Chance auf ein langes, zufriedenes Leben?
Alle diese Fragen greifen mehr oder weniger nahtlos ineinander über, denn wenn Stute und Hengst nicht zusammenpassen, oder wenn sich einer von beiden aus irgendwelchen Gründen nicht zur Zucht eignet, kann aus dieser Verbindung auch kein Fohlen mit guten Erbanlagen entstehen. Schlechte bzw. den Bedürfnissen nicht entsprechende Haltung und Fütterung wiederum wirkt sich immer - auch bei den besten Erbanlagen - negativ auf die körperliche und/oder seelisch-geistige Entwicklung des Fohlens aus, was letztendlich nicht nur den etwaigen Verkauf des Fohlens, sondern mit Sicherheit auch dessen Leben erschwert.
Welche Mängel das arme Tier auch aufweist, es wird immer mehr Leid und Schmerzen ertragen müssen, als gesunde und leistungsfähige Artgenossen, es wird möglicherweise durch viele Hände gehen müssen und oft auf Unverständnis und Rücksichtslosigkeit stoßen, bis es - wenn es doch noch Glück hat - endlich auf den ‚richtigen' Menschen trifft, der ihm mit Liebe, Verständnis und Mitgefühl begegnet, oder - wenn es Pech hat - nach mehr oder weniger langem Leidensweg beim Schlachter landet.
Deshalb gehört alles wohlüberlegt, bevor man sich zu dem entscheidenden Schritt entschließt, seiner Stute ein Fohlen zu vergönnen. Dies ganz besonders dann, wenn die Stute z.B. einer Rasse angehört, die sich - aus welchen Gründen auch immer - schwer verkaufen lässt. Ein allseits bekanntes Beispiel sind die Haflinger, deren Stutfohlen zwar meist leicht einen Interessenten finden, deren Hengstfohlen aber fast immer beim Schlachter landen, weil für sie keine Nachfrage besteht. Besitzer einer Haflingerstute sollten also nach Möglichkeit nur dann mit ihr züchten, wenn sie das Fohlen selbst behalten wollen - auch wenn es ein kleiner, strammer Hengst wird - oder wenn sie bereits einen Interessenten dafür haben, denn alles andere wäre in Anbetracht des derzeitigen Pferdeüberschusses ziemlich verantwortungslos.
Ähnlich ist das Züchten mit lahmen oder aus anderen Gründen reituntauglichen Stuten zu beurteilen, denn auch dabei werden meist Fohlen gezeugt, die bereits mit einem Handicap auf die Welt kommen. So werden etwa Charaktermängel, wie übertriebene Nervosität und Ängstlichkeit, aber auch Aggressivität, von der Stute nicht nur genetisch vererbt, sondern auch durch die Vorbildwirkung der Mutter auf das Fohlen übertragen - ein Umstand, über den sich nur wenige Menschen ernsthaft Gedanken machen.
Genauso verhält es sich mit chronisch kranken oder lahmen Pferden, von denen man annimmt, dass ihre Leiden keinen genetischen Ursprung haben. Doch dies ist leider nur bedingt der Fall, da die Neigung zu bestimmten Krankheiten und auch Lahmheiten eben doch vererbbar ist. Ich habe dies schon z.B. bei Lungenerkrankungen und Hufrollenentzündungen erlebt, wenn sämtliche Nachkommen einer kranken Stute ebenfalls schon eine dahingehende Schwäche bzw. Veranlagung oder gar schon deutliche Krankheitssymptome zeigten. Meist beruhen solche Erkrankungen ja auf einer Abwehr- oder Bindegewebsschwäche, und diese ist nun mal sehr wohl genetisch verankert.
Ich würde also dringend empfehlen, nur mit wirklich gesunden Stuten zu züchten, denn auch der beste Hengst kann solche genetischen Mängel der Stute nicht vollkommen aufheben, sondern allenfalls dämpfen, doch darüber dann nächste Woche mehr.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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