Aber anders als hierzulande ergreift man offenbar dort den Stier bei den Hörnern. Erst nach Abschluß des Artikels der letzten Woche ist bei mir der Groschen gefallen. Ich konnte nämlich beim besten Willen keinerlei Hinweise auf die Konferenz bei der » Tufts University finden, weil diese dafür gar nicht verantwortlich ist. Hat die Universität lediglich die Räume zur Verfügung gestellt? Da fiel mein Blick auf etwas, das ich bisher übersehen hatte.
Die betreffende Internet-Seite hat im Titel (das ist das, was in der obersten Zeile des Browsers erscheint, also nicht auf der eigentlichen Internet-Seite) etwas stehen, was für mich verräterisch aussah: "AFA convention 2002". Convention heißt Kongreß, und AFA steht für "American Farrier Association", also den amerikanischen Schmiedeverband. Ist die Veranstaltung also eine der Eisenleute zur Verdammnis der Barhuf-Anhänger? Hat man Dr. Straßer eingeladen, um sie vorzuführen und öffentlich zu zerfleischen, möglichst endgültig?
Diese These klingt auf den ersten Blick verführerisch, entspricht aber offenbar nicht der Wahrheit, wie meine nähere Untersuchung heute ergab. » Hoofcare and Lameness Magazine -- AFA convention 2002 präsentiert gewissermaßen die Ausschreibungsunterlagen. Darin wird die Tufts University als Sponsor aufgeführt, genauer die Fakultät für Veterinärmedizin, die Klinik für große Tiere und das "Center for Animals and Public Policy", was ich nicht so recht übersetzen kann, vielleicht: "Zentrum für Tiere und Öffentlichkeitsarbeit". Das Zentrum rühmt sich, ein führendes Institut für Studien zum Wohlergehen der Tiere zu sein und an mehreren Schlüsselveröffentlichungen zur öffentlichen Wahrnehmung von angemessener Tierhaltung beteiligt gewesen zu sein (kann man sicher besser übersetzen).
Das Tagungskomitee bestand aus drei Personen: Carl Kirker-Head, Robert W. Cook, Fran Jurga. » Carl A. Kirker-Head ist Associate Professor an der Tufts University und hat die Konferenz eröffnet. Er ist in Cambridge ausgebildet, also Landsmann von Cook. Fran Jurga ist Redakteur beim Hoofcare and Lameness Magazine, das die Ergebnisse veröffentlicht hat. Meine naive Frage, ob Prof. Cook von der Konferenz Kenntnis hat, erübrigt sich.
Hatte ich letzte Woche angenommen, daß die Eisenleute diese Konferenz mit vorgefaßter Absicht initiiert hatten, so muß ich heute wohl annehmen, daß Prof. Cook selbst die Initiative ergriffen hat und nicht darauf warten wollte, daß irgendwelche Konferenzen sich des Themas annehmen. Was das Kürzel AFA im Titel der obengenannten Internet-Seite betrifft, bedeutet es vielleicht auch etwas ganz anderes. Oder es handelt sich um ein Versehen - Copy & Paste-Fehler bei der Erstellung dieser Seite?
| Es ist das Ziel dieser Konferenz, die Kontroverse um die Barfußpflege, wie sie von der deutschen Tierärztin Dr. Hiltrud Strasser vertreten wird, besser zu verstehen und ein öffentliches Forum für eine faire, aber lebhafte Kritik durch eine Gruppe von ausgewiesenen Tierärzten und Hufschmieden bereitzustellen. Mit Hilfe von Vorführungen und offenen Diskussionen werden Dr. Strasser, unsere Podiumsteilnehmer und interessierte Zuhörer versuchen, die Mythen der traditionellen und alternativen Hufpflege zu durchleuchten und praktische und wissenschaftlich fundierte Methoden zur Hufbehandlung von kranken und gesunden Hufen vorzustellen. Medizinische, ethische, praktische und philosophische Aspekte der Hufpflege werden untersucht. Die Behandlung der Hufe von Hochleistungspferden, Hufrehe und Hufrollenentzündung werden besonders berücksichtigt. Die "Methode Strasser" wird praktisch vorgeführt. » Hoofcare and Lameness Magazine -- AFA convention 2002, Übersetzung durch den Autor | | |
Das klingt alles sehr einleuchtend. So würde man es machen wollen. Vielleicht sollte man auch noch wissen, daß die Pferdespezialisten der Tufts University eng mit den Vollblutzüchtern in Neuengland zusammenarbeiten - daher die Hochleistungspferde.
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