Nun ist alles immer im Fluß, und jeder hat so seine eigene Meinung, insbesondere die Züchter. Manche reiten eben mehr auf der Indianer-Legende herum, manche weniger, und beide werden ihre Gründe haben.
Das Rasseporträt aus Ausgabe 1 der Pferdezeitung stellte Marcus Geißler vor, der mittlerweile seit zwölf Jahren Appaloosas züchtet. Auf die Internetpräsenz seines Gestüts » GREEN ELKER spielt er die Rolle der Indianer ganz deutlich herunter:
| Ein Appaloosa zeichnet sich durch seine positiven Charaktereigenschaften, seine Menschenbezogenheit, seinen Leistungswillen und nicht zuletzt durch seine Härte besonders aus.
Zunächst wurde angenommen, daß sich der Appaloosa aus der Zucht der Nez-Perce-Indianer entwickelt hat. Mittlerweile wurde wissenschaftlich erwiesen, daß diese Farbrasse durch Verschmelzung der auf dem amerikanischen Kontinent befindllichen Pferde im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Somit kann man eigentlich gar nicht von "dem" Appaloosa sprechen, sondern die Rasse bietet durch die Historie eine Vielfalt an Pferdetypen, die sich durch die Spezialisierung für die verschiedenen Reitdisziplinen teilweise noch vertieft hat. Zur Erreichung eines gesetzten Zuchtzieles wurden und werden Quarter Horses, aber auch Englisches Vollblut oder Vollblut-Araber eingekreuzt.
Betrachtet man das Pedigree eines Pferdes einige Generationen zurück, findet man Foundation-Appaloosas genauso wie erfolgreiche Halterchampions oder Performer sowie die og. Fremdrassen. Somit ist es dem persönlichen Geschmack, dem reiterlichen Anspruch und den Vorlieben hinsichtlich der Abstammung überlassen, für welche Zuchtlinie sich ein Käufer oder Züchter entscheidet. Oder man läßt bei der Auswahl eines Pferdes einfach sein Herz entscheiden, bei einem Appaloosa ist das nicht allzu schwer. » Historie der Appaloosa | | |
Dieser Züchter spricht ganz offen aus, daß Appaloosas eine typische Mischrasse sind. Ganz wesentlich sollen die Charaktereigenschaften sein, aber die werden von vielen anderen Rassen ebenfalls reklamiert. Deutlich spürt man auch den Willen zum sportlichen Erfolg, der sich auch durch die Wahl der Fremdrassen ganz klar zu erkennen gibt. "Bunt" müssen die Pferde sein, sonst können sie nicht in der ersten Liga spielen, aber der Freizeitbereich ist doch zu diffus und bietet zu wenig Spielraum für interessante Preisgestaltung.
Die Frage "Blutlinie oder Farbe?" ist also falsch gestellt. Sowohl Blutlinie als auch Farbe ist die Antwort, und das ist noch nicht genug. Appaloosas sollen sich, genau wie andere Pferderassen, durch sportliche Erfolge auszeichnen. Durch die enge Verwandtschaft mit den Quarter Horses und die ursprüngliche Heimat sind dies natürlich vor allen Dingen die Westerndisziplinen, die freilich in erdrückendem Maße von den Quarter Horses dominiert werden.
Daneben wird immer wieder versucht, die Appaloosas auch als Fahrpferde zu etablieren. Ein Züchter aus Wales setzt seine Pferde in den klassischen englischen Disziplinen ein (» Tresaison Stud) und züchtet nicht nur Appaloosas, sondern auch Knabstrupper, wobei ich zugeben muß, daß ich die einen nicht von den anderen unterscheiden kann. Im Gegenteil, ich bin verwirrt: Sollen die Knabstrupper jetzt wie Appaloosas aussehen?
Im Grunde handelt es sich bei der Pferdezucht ja auch durchaus um Marketing. Man darf ruhig in die bevorzugte Rasse verliebt sein, aber man muß unbedingt im Auge behalten, daß man Produkte erzeugt, die abgesetzt werden müssen, für die also ein Markt geschaffen werden muß. Wie definiert man nun den Markt für Appaloosas? Sollen es Westernpferde sein, möchte man sie in die in FEI-Sportszene einführen, sollen sie dem ambitionierten Freizeitreiter angedient werden, der beispielsweise Jagden reiten möchte? Werden die Appaloosas weltweit nach demselben Muster vermarktet oder je nach der Region?
Können Sie sich vorstellen, wie überrascht ich war, als ich auf der Internet-Seite des amerikanischen Mutterverbandes » ApHc auf das Stichwort "Race" gestoßen bin? Race übersetzt man ja mit "Galopprennen", und damit hätte ich die Appaloosas nun wirklich nicht in Verbindung gebracht. Das Menü des allein seligmachenden Verbandes macht jedoch eine ganz deutliche Aussage; unter allen Einträgen gibt es nur drei, die auf die sportliche Verwendung hinweisen, und der erste ist ausgerechnet der Rennsport: » Race, » Show, » Trail & Distance.
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