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Bericht Zu den Themen  Irish Cob (Tinker),  Kommunikation · Leserresonanz
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2 Leserresonanzen zu Ausgabe 259 vom 14.03.04


Leserbrief  1235 zu Ausgabe  259
17.03.04



Denke nicht wie ein Mensch

Es gefällt mir sehr, daß der Autor es schafft, seine Wahrnehmungen so gut zu reflektieren, sie zu beschreiben und seine Schlußfolgerungen so einsichtig und nachvollziehbar zu machen. Was ich zudem außerordentlich bemerkenswert finde, ist die Tatsache, daß er bereit ist, die Lektionen, die Ihnen EDDY erteilt hat, ernst zu nehmen und ihr Verhalten ihm gegenüber zu überdenken. Ich denke auch, unser großes Problem ist, daß´wir viele der pferdischen Verhaltensweisen � wenn wir sie denn überhaupt wahrnehmen - nicht richtig deuten können. "Zuhören" ist unsererseits der Versuch, die Mitteilungen unserer Pferde zu verstehen. Das erfordert aber ein vorheriges Wahrnehmen. Achten auf die Kommunikation anderer Lebewesen ist sicherlich nicht nur eine gefühlsmäßige Angelegenheit, sie wird durchaus auch vom Intellekt her gesteuert � Verstehen hat ja auch was mit Verstand zu tun. Für dieses Bemühen kommt dem Autor großer Verdienst zu.

Ich gebe Pat Parelli recht, es sind die Einstellungen, die die Pferde spüren und wahrnehmen, denn sie prägen ja unsere Handlungen. Nur gefällt mir die Einstellung zu Pferden wesentlich mehr z.B. bei Mark Rashid als bei Parelli, der nicht so auf der Prämisse der Dominanz im Sinne "Ich bin der Boss und Du hast das zu tun, was ich sage" besteht, sondern den Pferden ihre Autonomie � fast wäre ich versucht zu sagen, ihre Würde � läßt. Ich denke, Pferde wissen ganz genau, daß wir Menschen und nicht ihresgleichen sind. Warum soll ich als "Herdenchef" anerkannt werden, wenn ich doch kein Pferd bin? Sie nehmen uns als Menschen wahr und nicht als Pferde. Wie kommen wir boß auf die Idee, wir könnten Herdenchef sein? Jedes einigermaßen menschenerfahrene Pferd weiß, daß wir dazu weder körperlich noch geistig dazu in der Lage sind. Nur wir wollen es nicht wahrhaben, daß unsere Pferde dies wissen. Viele unserer Handlungen, die wir in unserer Funktion als vermeintlicher Herdenchef setzen, sind zudem für unsere Pferde völlig unverständlich, irritierend und demotivierend. Warum z.B. dieses viele "Wegschicken" (Pat Parelli) oder Join-up, wie M. Roberts es nennt? Was soll das? Welchen Grund soll das Pferd in dieser Handlung sehen? Wir gehen davon aus, daß sich Pferde grundlos verhalten und sich einfach nur so gegenseitig verjagen. Wir berücksichtigen nicht, daß ihr Verhalten untereinander in einer bestimmten Situation auch einen Sinn hat (auch wenn wir ihn nicht begreifen). Glauben wir denn wirklich, die machen das nur einfach zum Spaß? Und glauben wir denn, wenn wir das machen, werden wir in ihren Augen zum Chef?

Für uns ergibt sich aus der Philosophie des "Herdenbosses" noch ein anderes Dilemma: wir wollen nämlich von unseren Pferden gemocht werden. Pferden ist es fremd, so differenziert über Chefs zu denken wie wir. Herdenchefs haben andere Aufgaben, sicher nicht die, aller Liebling zu sein. Herdenchefs muß man nicht sympathisch finden, man muß ihnen folgen, aber fürs Mögen hat Pferd andere Kumpels in der Herde. Wie kommen wir mit dieser Unvereinbarkeit zurecht? Gar nicht, würde ich sagen und die Aufmerksamen unter uns merken bald, daß sich in der Beziehung zum Pferd was spießt. Vielleicht sollten wir ab und zu unsere Position überdenken.

Und dann das Schlagwort vom Respekt. Natürlich wollen wie alle, daß unser Pferd uns respekt. Aber wirklicher Respekt funktioniert nur gegenseitig, denn er hat was mit Achtung zu tun. Wir neigen sehr zur einseitigen Variante des Respekts, Pferd hat zu tun, was verlangt wird, sonst gibt�s Saures. Und Pferd tut das vom Menschen Gewünschte, weil es weiß, daß Nichttun dann sehr unangenehme Folgen nach sich zieht und nicht deshalb, weil es zeigen will, was es kann, was es gelernt hat und weil es stolz ist, sich präsentieren zu können. Die Folgen des einseitigen Respektes kennen wir alle: im schlimmsten Fall Angst, aber sicherlich Mißtrauen und Unverständnis des Pferdes dem Menschen gegenüber bis hin zur Tendenz "sich vor der Arbeit zu drücken" (was nicht nur Ausdruck mangelnden Respektes sein kann).

Viele Fragen tun sich noch auf und ich bin sehr neugierig, was in diesem spannenden Dialog zwischen dem Autor und EDDY alles noch zur Sprache kommt.

  ortmairm@promenteooe.at





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Leserbrief  1237 zu Ausgabe  259
19.03.04



Leserbrief zum EDDYtorial

Ja, es ist richtig, dass ich durch den Umgang mit EDDY gelernt habe, anders und mehr wahrzunehmen. Richtig ist auch, dass der "gebildete" Mensch in der Regel gar nicht anders kann, als mit einer Theorie an die Wirklichkeit heranzugehen und zu testen. Aber das ist aufgrund meiner Erfahrung nicht der geeignete Weg, um zu einer objektiven Sicht zu kommen.

Die Frage, was Realität, Wahrheit oder wie auch immer man es nennen möge ist, kann niemals aus Büchern gelernt oder von Philosophen, Theologen oder sonstigen Geisteswissenschaftlern beantwortet werden.

Um etwas wahrhaftig zu verstehen, müssen wir unbefangen beobachten. Aber der Geist darf dabei nicht von Meinungen, Urteilen und Bewertungen beeinflusst sein. Wenn wir beurteilen, rechtfertigen oder gar verurteilen, können wir nicht klar sehen. Und wir können es auch nicht, wenn unser Verstand unaufhörlich schwatzt.

Es gehört wohl zu den schwierigsten Dingen in unserer zivilisierten Welt, auf etwas ganz einfach zu schauen und die gewonnenen Eindrücke wertfrei wirken zu lassen. Weil unser Geist so kompliziert ist, haben wir offenbar die Fähigkeit verloren, Dinge einfach nur wahr zu nehmen, sie so zu sehen, wie sie tatsächlich sind.

Bereits in der Schule haben wir gelernt, A mit B zu vergleichen. Der Kodex des Verhaltens, welcher der Gesellschaft entspricht, in der wir aufgewachsen sind, beruht auf permanentem Vergleichen. Und in dem Augenblick, wo wir mit dem eigenen Wissen anfangen zu prüfen (und zu vergleichen), ist es mit der Objektivität vorbei, denn dann wird selbst etwas Neue nach alten Begriffen sortiert und gedeutet.

Wie aber können wir frei sein, wo doch unser Verstand von dem Augenblick der Geburt an durch unsere Kultur in den engen Grenzen der Ichbezogenheit geformt wird? Seit Generationen sind wir geformt durch Nationalität, Religion, Dialekt, Erziehung, Literatur, Kunst, Konvention, wirtschaftlichen Druck, und, und, und.

Wenn also jemand EDDY sieht und sagt: "Das ist ein irischer Tinker." dann ist das bereits Ausdruck von Befangenheit. Das reine Bezeichnen der Rasse des Pferdes und das damit verknüpfte Wissen um diese Tierart, engt den Geist so ein, dass quasi das Wort zwischen dem Beobachter und dem neutralen Sehen von EDDY steht.

Um EDDY wahr zu nehmen, muss man ihn unbefangen und ganzheitlich betrachten. Man muss die Mächtigkeit seiner 800 kg-schweren Erscheinung und den majestätische Körperbau auf sich wirken lassen, man muss das Gehabe und die Ausstrahlung eines Alphatieres, den Hauch von Würde und Unnahbarkeit spüren, man muss den sanften Blick und die freundliche Mimik erkennen und: man muss ihn mit der Hand empfindsam berühren, um die Seidigkeit seines Fells zu spüren, um die Wärme seines Körpers zu fühlen, um das Pulsieren des Lebens unter seinem Fell zu empfinden - Worte allein helfen nicht, dieses Pferd zu erfassen.

Achtsamkeit ist das Schlüsselwort!

Wenn wir etwas sehen und verstehen wollen, müssen wir unsere ganze Aufmerksamkeit dafür hingeben, müssen mit Herz und Verstand dabei sein, müssen uns im Hier und Jetzt befinden. In der Gegenwart zu leben bedeutet, das Wahrgenommene unmittelbar zu empfinden und auch das tiefe Entzücken, das damit verbunden ist.

Dieses achtsame Wahrnehmen bedeutet aber auch, nicht die eigene Ich-bezogene Welt des Sehens und Erlebens auf ein anderes Lebewesen zu projizieren, sondern offen zu sein für die Sicht- und Ausdrucksweise des anderen. Aus dieser vorurteilsfreien Zuwendung, diesem Hinfühlen und Hinspüren mit allen Sinnen ergibt sich automatisch eine Wertschätzung des Gegenüber. Und eine gegenseitige Wertschätzung ist die Grundlage für Vertrauen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit, vorurteilsfreie Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen sind die Grundregeln für (Art-übergreifende) Kommunikation - so einfach und doch so schwer zu realisieren.

Es geht also nicht um Fragen, Antworten und Wissen; denn Wissen, das man nicht anzuwenden weiß, ist eigentlich nichts wert. Es geht darum, alle Sinne zu schärfen und nicht nur oberflächlich zu betrachten, sondern insbesondere auch intuitiv wahr zu nehmen.

Es geht darum, dass ein Mensch sich einfach natürlich verhalten soll und es geht darum, dass die Natur mit dem nötigen Respekt be- und geachtet werden will - so jedenfalls würde es EDDY formuliert haben.

Norbert Kaiser



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