|  | Verstehen ohne Worte Empfinden ohne zu denken |  |  |  |
| Irgendwie menschlich, dass ich das neue Gelernte unbedingt auch bei EDDY ausprobieren wollte. Also habe ich bei der Hallenarbeit weniger auf all die Leistungen geachtet, die EDDY freiwillig erbracht hat und mich mehr darauf konzentriert, dass er einen schweren Fehler macht, einen Fehler, den ich als Ungehorsamkeit auslegen konnte.
Meine ungewöhnliche Erwartungshaltung, nicht die positiven Bemühungen zu sehen und zu würdigen, sondern darauf zu achten, dass etwas falsch gemacht wird, hat bei EDDY offenbar Stress ausgelöst und letztlich dazu geführt, dass er einen Fehler gemacht und damit die ersehnte (!) Widersätzlichkeit begangen hat.
Wie beim Kurs eingeübt, habe ich EDDY erst durch die Halle gescheucht und dann solange in die Ecke verbannt, bis ich die Demutsbezeugungen gesehen habe. Irgendwie ist anschließend zwar ein Gefühl gewesen, als würde EDDY sich mir gegenüber etwas reservierter verhalten, aber was zählt das im Verhältnis zu der Euphorie, etwas Gelerntes schon beim ersten Mal so erfolgreich umgesetzt zu haben.
Einige Tage später haben die Pferde ob des schlechten Wetters eine Stunde in der Halle spielen dürfen - und ich bin zufällig dort gewesen, um zuschauen zu können.
EDDY hat mich trotz intensivem Spiel mit einem anderen Pferd gleich erkannt - und sogleich höflich begrüßt. Und dann ist plötzlich die sprichwörtliche Hölle in der Halle los gewesen, einer Furie gleich hat EDDY die Herde gescheucht - und dann zwei Pferde gleichzeitig vor meinen Augen in die Ecke verbannt.
Wenn ich es nicht selbst gesehen hätte, ich würde es nicht glauben: ich brauche eine lange Gerte und etwas Geschrei, um ein einziges Pferd in der Ecke abzustellen, und EDDY macht das einfach so mit zwei Pferden gleichzeitig. Und dabei hatten die beiden Pferde doch eigentlich nichts Schlimmes gemacht. Deutlicher hätte mir EDDY wohl keinen Spiegel vorhalten können. Also hat es fortan kein In-die-Ecke-stellen mehr für EDDY gegeben.
Aber: EDDY hat durch mein Verhalten auch gelernt, auf Unzulänglichkeiten (= Fehler) meinerseits zu achten: Wenn die Gestik nach Pat Parelli nicht exakt von mir vorgegeben worden ist, hat er einfach nichts gemacht - obgleich er meines Erachtens genau gewusst hat, was zu tun ist.
Also habe ich einen Aufbaukurs von Pat Parelli besucht und ein Lehrvideo quasi verinnerlicht, um meine Körpersprache zu perfektionieren, schließlich habe ich den Wunsch gehabt, den Level 1 von Natural Horsemanship zu erlangen.
Je gewissenhafter (verbissener) ich die reine Lehre, die Technik des "Karottensteckens", die schon roboterhafte Gestik eingesetzt habe, um so langsamer haben wir uns scheinbar dem Ziel "Erfüllung der Aufgaben für Level 1" genähert.
Bei den zur Abwechslung durchgeführten Zirkuslektionen dagegen hat es den Anschein gehabt, als würde EDDY meine Vorhaben sehr rasch begreifen. Außerdem hat EDDY bekannte Wünsche meinerseits ausgeführt, noch bevor ich ihm diese mit Lautäußerung oder in Körpersprache mitgeteilt habe.
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