Ratgeber
Große Pferderassen: welche wirklich groß werden und wie gemessen wird
Größe wird beim Pferd am Widerrist gemessen, und je nach Messverfahren kommen für dasselbe Tier verschiedene Zahlen heraus. Welche Rassen tatsächlich an die obere Grenze reichen.
Nach der größten Pferderasse wird oft gefragt, und die Antwort hängt an zwei Dingen, die selten mitgeliefert werden: woran gemessen wurde und mit welchem Gerät.
Der Messpunkt
Gemessen wird am höchsten Punkt des Widerrists, senkrecht zum Boden, auf ebenem Untergrund und bei geradem Stand. Der Widerrist wird nicht aus Tradition gewählt, sondern weil er der einzige gut erreichbare Punkt ist, der sich nicht mit der Haltung des Pferdes verändert. Ein Kopf lässt sich heben und senken; der Widerrist bleibt, wo er ist.
Das Ergebnis heißt Stockmaß und wird mit einem starren Messstab abgenommen.
Daneben existiert das Bandmaß, bei dem ein Maßband über den Körper geführt wird. Es folgt der Rundung und liefert deshalb systematisch höhere Werte, bei größeren Pferden um mehrere Zentimeter. Für Zuchtbuch und Turniersport gilt das Stockmaß. In Verkaufsanzeigen steht regelmäßig die andere Zahl, ohne dass das dabeisteht.
Wer zwei Größenangaben vergleicht, ohne das Verfahren zu kennen, vergleicht nichts.
Die schweren Rassen an der Spitze
Die größten Stockmaße erreichen die schweren Zugpferderassen: das Shire Horse aus England, der Brabanter aus Belgien, der französische Percheron und das schottische Clydesdale. Diese Rassen liegen regelmäßig über 175 cm, einzelne Tiere deutlich darüber.
Bei ihnen ist Höhe allerdings ein Nebenprodukt. Gezüchtet wurde auf Zugkraft, und die entsteht aus Masse und Fundament, nicht aus Stockmaß. Ein Shire Horse ist beeindruckend groß, weil ein Pferd dieser Bauart entsprechend hoch ausfällt, nicht weil Höhe das Zuchtziel gewesen wäre.
Deutsche Kaltblutrassen erreichen diese Maße überwiegend nicht; sie sind kompakter gebaut. Ihr Bestand ist zudem ein eigenes Thema, weil nahezu alle in den Gefährdungskategorien der Roten Liste geführt werden.
Unter den Reitpferden
Im Zuchtregister dieser Seite reichen drei Rassen bis 175 cm: Oldenburger, Deutsches Reitpferd und Friese. Darunter folgen Trakehner mit 160 bis 170 cm sowie Traber und Tennessee Walking Horse mit 150 bis 170 cm.
Diese Spannen sind Rassebeschreibungen, keine Garantien. Innerhalb einer Zucht entscheidet die Abstammung, und Fohlengröße sagt über das Endmaß wenig aus, weil Pferde bis in das vierte oder fünfte Lebensjahr wachsen, manche Spätentwickler auch länger.
Die Pony-Grenze
Bei 148 cm Stockmaß ohne Hufeisen verläuft im deutschen Turniersport die Grenze zwischen Pony und Pferd. Sie regelt, in welchen Prüfungen ein Tier startet, und sie ist rein reglementarisch. Das Islandpferd liegt mit 132 bis 145 cm darunter und wird trotzdem durchgehend als Pferd bezeichnet, von Zuchtverbänden wie von Reitern.
Für Pferde nahe an dieser Grenze ist das Vermessen deshalb keine Formalie, sondern entscheidet über die Startberechtigung. Ein Zentimeter kann hier eine Turniersaison verändern.
Groß heißt nicht tragfähig
Der praktisch wichtigste Punkt kommt in Größenlisten selten vor: Ein hohes Stockmaß sagt über die Tragfähigkeit eines Pferdes wenig. Entscheidend sind Rückenlänge, Fundament und Bemuskelung. Ein kompaktes, kräftig gebautes Pferd von 158 cm trägt einen schweren Reiter oft besser als ein langrückiges, schmales Tier von 172 cm.
Wer nach Größe sucht, sucht meistens etwas anderes: Beinlänge für die eigene Proportion, Tragkraft für das eigene Gewicht, Raumgriff für eine bestimmte Disziplin. Diese drei fallen nicht zusammen und lassen sich am Stockmaß nicht ablesen.
Ein Nebeneffekt, der beim Kauf gern übersehen wird: Große Pferde sind im Unterhalt teurer. Sie fressen mehr, brauchen größere Boxen und Decken in Sondergrößen, und beim Beschlag steigen die Kosten mit dem Eisen. Das steht in keiner Rassebeschreibung und fällt trotzdem jeden Monat an.
Häufige Fragen
Welche Pferderasse wird am größten?
Unter den schweren Rassen erreichen Shire Horse, Brabanter, Percheron und Clydesdale die höchsten Stockmaße; sie werden regelmäßig über 175 cm groß. Bei den Reitpferderassen liegen die schweren Warmblutzuchten vorn: Im Zuchtregister dieser Seite reichen Oldenburger, Deutsches Reitpferd und Friese jeweils bis 175 cm.
Wo genau wird ein Pferd gemessen?
Am höchsten Punkt des Widerrists, senkrecht zum Boden, auf ebenem Untergrund und bei geradem Stand. Dieser Punkt wird gewählt, weil er sich anders als der Kopf nicht mit der Haltung verändert. Das Ergebnis heißt Stockmaß.
Was ist der Unterschied zwischen Stockmaß und Bandmaß?
Das Stockmaß wird mit einem starren Messstab senkrecht abgenommen und ist der offizielle Wert für Zuchtbuch und Turniersport. Das Bandmaß wird mit einem Maßband über den Körper geführt und fällt dadurch systematisch höher aus. Beide Angaben für dasselbe Pferd unterscheiden sich üblicherweise um mehrere Zentimeter, weshalb Größenangaben ohne Nennung des Verfahrens wenig aussagen.
Wo verläuft die Grenze zwischen Pony und Pferd?
Im deutschen Turniersport bei 148 cm Stockmaß ohne Hufeisen. Das ist eine reglementarische Grenze für die Zuordnung zu Prüfungen, keine zoologische: Rassen wie das Islandpferd liegen darunter und werden trotzdem durchgehend als Pferde bezeichnet und geritten.
Quellen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Pferdezucht
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung / IBV: Einheimische Nutztierrassen in Deutschland (PDF)