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Leserbrief 1918


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Leserbrief  1918 zu Ausgabe  373
04.06.06



Yahoos und Houyhnhnms

Hallo, Herr Popken,

der Bericht hat mir gefallen, obwohl ich ihn sehr schwierig fand. Vielleicht, weil ich beim Begriff Politik automatisch auf Abwehr gehe. Als Tierschützer finde ich vieles, was die Politiker in einem Land, das (angeblich) den Tierschutz im Grundgesetz hat (ha!), so beschließen, nur noch zum Kotzen, sorry. Und ich werde mich jetzt nicht dafür entschuldigen, daß ich mich im Tierschutz engagiere.

Diese Ablehnung betrifft nicht nur das, was mit Pferden geschieht, sondern beispielsweise auch mit Vögeln, Stichwort Vogelgrippe. Da komme ich inzwischen leider nicht mehr um den Verdacht herum, daß die Vogelgrippe als Vorwand genommen wurde, um die Käfighaltung wieder einzuführen. Wer weiß, ob es sie überhaupt in der Form gibt, wie behauptet wird. Ich glaube es nicht. Man kann auch einfach ein paar Viren in einem Stall loslassen und schon hat man eine Seuche... Oder ist Ihnen nicht aufgefallen, daß seit der Gesetzesänderung zum Thema Käfighaltung keine Fälle von Vogelgrippe mehr auftraten? Wie erstaunlich!

Tieren tut es in der Regel nicht gut, wenn sich Politiker mit ihren Belangen befassen: Das sieht man, wie erwähnt, bei der Vogelgrippe, beim Hufbeschlaggesetz, man sah es bei BSE, bei der Schweinepest, usw.

Noch immer rollen Tier-Todestransporte, überladen mit unseren "Mitgeschöpfen", ungehindert durch Deutschland.

Wenn es nach mir ginge, würde ich den Passus mit dem Tierschutz wieder aus dem Grundgesetz streichen, denn das ist der blanke Hohn! Aber ich habe mir davon sowieso nie etwas versprochen, das war doch nur eine leere Geste, um die Tierschützer ruhigzustellen.

Den Gulliver habe ich mal gelesen, wie ich nun feststellte, eine höchst entschärfte Version. Ich suchte damals noch nach einem Wort für Pferde, das ich in ein Manuskript eines SF-Romans übernehmen konnte und das trotzdem an Pferde erinnerte. Zunächst hatte ich mich mit den Houyhnhnms angefreundet, aber auf Dauer war es mir zu schwierig und schließlich wandelte ich den lateinischen Begriff Equus für meine Belange ab. Die Idee, die Pferde als herrschende Art und die Menschen als Untertanen darzustellen, gefiel mir. Aber es ginge uns mit allen Verfehlungen, die wir uns gegenüber Tieren leisten, schlecht, wenn es so weit käme...

Der letzte Absatz des Berichtes erinnerte mich an einen Bericht, den ich in einer höchst harmlosen Fernsehprogrammzeitung entdeckte: In einem Gefängnis in den USA mit lauter harten Jungs werden gefangene Mustangs ausgebildet. Seltsamerweise profitieren beide Seiten davon, die Häftlinge, weil sie eine sinnvolle Beschäftigung haben und die Pferde, die später verkauft werden können und trotzdem ihren Stolz behalten haben. Sie werden nicht gebrochen und die meisten der Häftlinge können gar nicht reiten.

Liebe Grüße
Licorno




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