Ein etwa 2500,- DM teuer Sattel schien ganz gut auf EDDYs Rücken zu passen, also war Probereiten angesagt. Irgendwie schien der Galopp aber holprig zu sein. Ein neues Spiel, ein neues Glück, allerdings mit 1000,- DM Aufpreis. Und wieder schien der Bewegungsablauf beim Galopp irgendwie ruckelig zu sein. Rein zufällig (!) habe er auch noch einen Sattel von Pullman im Wagen - war die Meinung des Händlers. Einen Versuch war es mir wert: Der Galopp plötzlich so weich, die Bewegungen so fließend, schlichtweg ein Traum. Ganz klar, dass mein Ego ob des stolzen Preises eines Pullman-Sattels mir nun einredete, EDDY sei erst jetzt in der dritten Runde warm geritten gewesen. Also nochmals den Sattel für immerhin 3500,- DM aufgelegt und los. Und zu meinem Erstaunen das gleiche Ergebnis wie vorher: irgendwie ruckelig. Der Händler versuchte mich mit der Tatsache zu trösten, dass in dieser Preislage (die immerhin über dem Kaufpreis des Pferdes lag) auch eine Computervermessung mit eingeschlossen sei. Und siehe da: Der Maßanzug, sprich Sattel, den sich EDDY herausgesucht hatte, passte schlichtweg perfekt, absolut keine erkennbaren Druckstellen, auch nicht bei Bewegung des Pferdes unter Reitergewicht. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass der Kauf meinem Geldbeutel nicht arg weh getan hätte - aber ich habe die Entscheidung nie bereut, EDDYs Urteil berücksichtigt zu haben, welcher Sattel für ihn am angenehmsten ist, selbst wenn er bei der Meinungsäußerung etwas übertrieben hat. Die Verarbeitung der äußeren Reize scheint bei Mensch und Pferd grundsätzlich ähnlich zu sein: Die Rezeptoren lösen ab einer bestimmten Intensitätsschwelle einen Impuls aus, der über Nervenbahnen zum Rückenmark und Gehirn weitergeleitet wird. Auf einzelne (eher unvorhersehbare) Reizimpulse wird fast reflexartig reagiert, während offenbar bei den meisten Impulsen die Information gespeichert und bewertet wird, um letztendlich eine Entscheidung und Reaktionen der Muskeln durch motorische Impulse zu veranlassen. So mag das Zittern der Haut bei Kontakt mit Fliegen noch eher unbewußt geschehen. Ein Schlag mit dem Schweif oder ein Tritt mit dem Huf wird jedoch so zielsicher ausgeführt, dass es ein absolut bewußt gesteuerter Vorgang ist. EDDY weiß auch, dass ein mitunter ungewollt sehr intensiv ausgeführter Schlag mit der flachen Hand auf dem Landeplatz einer Bremse eher gut gemeintes Sozialverhalten denn eine Strafe darstellt. Zumindest deutet er mir mitunter durch seine Kopfstellung an, wo auf seinem dunklen Körper eine ebenfalls dunkle Bremse sitzt, die ich nicht bemerkt habe und die er selbst nicht verscheuchen kann. Er erwartet förmlich, dass ich mit einem schnellen gezielten Schlag den Parasiten vernichte. EDDY kann also sehr wohl zwischen Intention und Intensität eines Körperkontaktes unterscheiden. Den heftigen Schlag nach Parasiten nimmt er eher passiv hin, während er der sanften Gewalt meines Fingers sofort ausweicht, wenn ich ihn gickse, damit er seinen dicken Hintern herum nimmt. Bei der Bodenarbeit genügt es bereits, wenn ich ihn mit dem ausgestreckten Finger bedrohe. Pat Parelli nennt dies die Phasen der Bestimmtheit - nur soviel Druck wie nötig und dabei so wenig Druck wie möglich. Nur so wird ein Pferd feinfühliger und stumpft nicht ab.
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