Ratgeber
Weidepflege im Herbst: Was Pferdehalter jetzt beachten sollten
Was jetzt gemäht, nachgesät, abgezäunt oder geschont wird, bestimmt, ob die Fläche im Mai trägt oder im März schon zertreten ist.
Der Herbst ist auf der Weide die Jahreszeit der Entscheidungen. Was jetzt gemäht, nachgesät, abgezäunt oder geschont wird, bestimmt, ob die Fläche im Mai trägt oder im März schon zertreten ist. Gleichzeitig ist der Herbst für die Pferde eine Risikozeit: kalte Nächte und sonnige Tage lassen den Fruktangehalt im Gras steigen, und die Umstellung auf Heu beginnt oft zu spät oder zu abrupt. Beides lässt sich mit einem Plan für Oktober und November steuern.
Dieser Beitrag geht die Herbstarbeiten in der Reihenfolge durch, in der sie anfallen. Ob die Weide zur Haltungsform der jeweiligen Rasse passt, etwa bei robusten Ponys mit Neigung zu Stoffwechselproblemen, zeigt unser Rassen-Nachschlagewerk.
Nachmahd und Weidereste
Pferde weiden selektiv und lassen Geilstellen stehen, in denen sich Unkraut und Parasiten halten. Die Nachmahd im September oder Oktober gleicht das aus und bringt die Fläche in einen einheitlichen Zustand für den Winter. Wichtig ist die Schnitthöhe: Nicht unter sechs bis acht Zentimeter mähen, damit die Narbe geschlossen bleibt und der Boden im Winter nicht verschlämmt. Das Mähgut sollte abgefahren werden, wenn es viel ist, sonst erstickt es die Narbe. Pferdeäpfel absammeln bleibt im Herbst sinnvoll, weil die Larven der Magen-Darm-Würmer bei kühlen Temperaturen lange überleben.
Fruktan: Die unsichtbare Gefahr der klaren Herbsttage
Fruktan ist ein Speicherzucker, den Gräser bei Sonne bilden und bei Wachstum verbrauchen. In kalten Nächten unter fünf Grad stockt das Wachstum, die Pflanze baut den Zucker tagsüber aber weiter auf. Die Folge sind hohe Fruktanwerte vor allem morgens nach Frostnächten, ein Auslöser für Hufrehe bei empfindlichen Pferden. Das Magazin Cavallo hat die Tagesverläufe des Fruktangehalts mehrfach dargestellt und rät, gefährdete Pferde an klaren, kalten Herbsttagen erst am späten Vormittag auf die Weide zu lassen oder die Weidezeit auf wenige Stunden zu begrenzen.
Nachsaat und Bodenpflege
- Nachsaat: Bis Mitte September ist die Nachsaat mit Weidelgras und Wiesenrispe aussichtsreich, danach keimt das Saatgut vor dem Frost nicht mehr sicher.
- Bodenprobe: Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, um pH-Wert und Nährstoffe prüfen zu lassen. Kalk wird im Herbst ausgebracht, Dünger erst im Frühjahr.
- Trittschäden an Tränke und Tor jetzt mit Schotter oder Paddockplatten befestigen, bevor der Winterregen daraus Schlamm macht.
- Zaunkontrolle: Pfähle und Litzen vor dem Winter prüfen. Im Februar ist der Boden gefroren und die Reparatur doppelt so mühsam.
Der Wechsel auf Heu und Winterauslauf
Die Umstellung von Gras auf Heu sollte über zwei bis drei Wochen laufen, mit Heu zusätzlich zur Weide, bevor die Weidezeit verkürzt wird. Pferde, die im Winter ganz von der Weide genommen werden, brauchen einen Auslauf, der dauerhaft trittfest bleibt, sonst entstehen Mauke und Strahlfäule. Der Deutsche Tierschutzbund, der auf tierschutzbund.de Mindestanforderungen an die Pferdehaltung zusammenfasst, nennt täglichen Auslauf als Grundbedarf, unabhängig von Jahreszeit und Wetter. Ein matschiger Paddock erfüllt das nicht.
Wann die Weide geschlossen wird
Es gibt kein festes Datum, sondern einen Zustand: Wenn der Boden nach Regen nicht mehr innerhalb eines Tages abtrocknet und die Hufe Löcher hinterlassen, die stehen bleiben, ist die Weide für dieses Jahr zu. Wer sie dann noch zwei Wochen weiter nutzt, zahlt im Frühjahr mit einer zerstörten Narbe. Besser ist eine Winterweide oder ein befestigter Auslauf, und die eigentliche Weide bekommt Ruhe bis zum Frühjahr.
Fazit: Im Herbst wird die Weide des nächsten Jahres gemacht
Nachmahd, Fruktanmanagement, Nachsaat, Bodenpflege und ein rechtzeitiger Wechsel auf Heu und Auslauf: Die Herbstarbeiten sind überschaubar, aber sie dulden keinen Aufschub. Wer sie im Oktober erledigt, hat im Mai eine Weide, die trägt, und Pferde, die gesund durch die Übergangswochen gekommen sind.
Häufige Fragen
Wie tief sollte die Nachmahd im Herbst sein?
Nicht unter sechs bis acht Zentimeter. So bleibt die Grasnarbe geschlossen, und der Boden verschlämmt im Winter nicht. Viel Mähgut wird abgefahren, damit es die Narbe nicht erstickt.
Warum ist Fruktan im Herbst ein Risiko?
In kalten Nächten unter fünf Grad stockt das Wachstum der Gräser, tagsüber bilden sie bei Sonne aber weiter Zucker. Nach Frostnächten sind die Werte deshalb vor allem morgens hoch, was bei empfindlichen Pferden Hufrehe auslösen kann.
Wann wird die Weide für den Winter geschlossen?
Wenn der Boden nach Regen nicht mehr innerhalb eines Tages abtrocknet und Hufabdrücke stehen bleiben. Ab dann gehören die Pferde auf eine Winterweide oder einen befestigten Auslauf.