Zuchtregister
Pferderasse Dülmener im Portrait
Halbwild im Merfelder Bruch lebende deutsche Wildpferdpopulation.
Herkunft und Zuchtgeschichte
Der Dülmener ist die einzige halbwild lebende Pferdepopulation Deutschlands. Die Herde steht im Merfelder Bruch bei Dülmen im westfälischen Münsterland; urkundlich erwähnt sind Wildpferde in dieser Gegend bereits 1316.
Als die letzten Freiflächen im 19. Jahrhundert eingezäunt wurden, ließ die Familie von Croÿ ein Reservat einrichten, in dem die verbliebenen Tiere überlebten. Dort steht die Herde bis heute: mehrere hundert Pferde auf einem großen, unbewirtschafteten Areal, ohne Stall, ohne tierärztliche Routineversorgung und mit Zufütterung nur bei geschlossener Schneedecke.
Exterieur und Erscheinungsbild
Der Dülmener ist klein, gedrungen und wenig veredelt: kräftiger Kopf, kurzer Hals, tiefer Rumpf, kurze und sehr feste Gliedmaßen. Der Typ ist über die Jahrhunderte nicht auf Schönheit hin selektiert worden, sondern von den Bedingungen des Bruchs geformt.
Vorherrschend ist der Falbe mit Aalstrich; daneben kommen Braune und Mausfalben vor. Weiße Abzeichen sind selten. Die Hufe sind hart und brauchen in der Herde keinerlei Bearbeitung — ein Umstand, der sich nach der Entnahme aus dem Reservat ändert.
Der Wildpferdefang
Einmal im Jahr, am letzten Samstag im Mai, wird die Herde zusammengetrieben und die einjährigen Hengste werden aus ihr herausgenommen. Der Grund ist praktisch: In einer geschlossenen Population würden heranwachsende Hengste die Herdenstruktur zerstören und die Zucht unkontrolliert werden lassen.
Die entnommenen Junghengste werden anschließend versteigert; ein Teil geht in private Hand, wo aus ihnen nach entsprechender Ausbildung Freizeit- und Kinderpferde werden. Der Fang findet öffentlich statt und ist die einzige Gelegenheit, bei der die Tiere angefasst werden.
Haltung und Gesundheit
Wer einen Dülmener übernimmt, übernimmt ein Pferd ohne Vorgeschichte im Umgang mit Menschen. Halftern, Führen, Hufe geben und Verladen müssen vollständig aufgebaut werden: mit Ruhe und über Monate, nicht in einem Kurs. Für erfahrene Halter ist das ein lohnender Weg, für Einsteiger regelmäßig eine Überforderung.
Gesundheitlich ist die Rasse unproblematisch und außerordentlich witterungshart; Offenstallhaltung ist ihr angemessen. Der kritische Punkt ist wie bei allen Robustrassen die Fütterung: Auf nährstoffreicher Weide setzt der Dülmener rasch an, und Übergewicht ist der Einstieg in Stoffwechselstörungen und Hufrehe.
Häufige Fragen zum Dülmener
Sind Dülmener echte Wildpferde?
Nein, sie sind verwilderte Hauspferde in halbwilder Haltung. Die Herde gehört einem Besitzer, lebt aber ganzjährig ohne Stall im Reservat und wird nur bei geschlossener Schneedecke zugefüttert. Ein echtes Wildpferd ist ausschließlich das Przewalski-Pferd.
Was passiert beim Wildpferdefang?
Am letzten Samstag im Mai wird die Herde zusammengetrieben und die einjährigen Hengste werden herausgenommen, damit die Herdenstruktur stabil bleibt. Sie werden anschließend versteigert. Es ist der einzige Zeitpunkt im Jahr, an dem die Tiere angefasst werden.
Kann man einen Dülmener reiten?
Nach entsprechender Ausbildung ja; als Kinder- und leichtes Freizeitpferd. Zu bedenken ist, dass ein aus der Herde stammendes Tier keinerlei Umgangserfahrung mitbringt: Halftern, Führen, Hufe geben und Verladen müssen von Grund auf aufgebaut werden.
Wie groß ist die Herde im Merfelder Bruch?
Sie umfasst mehrere hundert Tiere auf einem großen, unbewirtschafteten Areal. Die Größe wird über die jährliche Entnahme der Junghengste gesteuert; Stuten und Fohlen bleiben in der Herde.
Wo der Robustpony mit 125–135 cm Stockmaß gegenüber anderen Zuchtrichtungen steht, zeigt die Übersicht aller Pferderassen. Wer ein Pferd dieser Rasse sucht, findet unter den Ablauf vor dem Kauf — die Pferdezeitung führt selbst keine Inserate.