Renée Sintenis, Deutschland
Ausschlagendes Fohlen
Bronzeguß, Höhe ca. 14 cm
Galerie Vömel, Stand auf der Kunstmesse Köln
Aufnahme vom 13. April 2003
Renée Sintenis - ich kann mich nicht erinnern, wann mir diese Bildhauerin das ersten Mal über den Weg lief; vermutlich bereits in der Schulzeit. Ich kannte sie als Produzentin allerliebster Tierkinderskulpturen und als Schöpferin des Berliner Bären; deshalb konnte ich nicht umhin, sie im Zusammenhang mit den Freiburger Fohlen (Holbein-Pferd) zu erwähnen ( Qualität, Vergleich).
Seither hatte ich mir vorgenommen, einmal einen Beitrag über Renée Sintenis zu bringen. Nun ist es soweit. Wie erwartet, wurden eine Reihe ihrer Skulpturen auf der Kunstmesse in Köln angeboten. Leider habe ich nur in einem Fall das Kärtchen mit den Einzelheiten fotografiert, aber ich nehme an, daß doch die meisten anderen ebenfalls von der Galerie Vömel angeboten wurden (» Galerie-Vömel - Düsseldorf).
Eine kurze Recherche im Internet ergab, daß zumindest noch die Galerie Ludorff in Düsseldorf (» Sich leckendes Fohlen, » Junger Bär) und die Galerie Thomas in München Arbeiten von Renée Sintenis anbieten (» Renée Sintenis: Die Berliner Bildhauerin wurde durch ihre Tierskulpturen und Figurenstudien in Bewegungsabläufen bekannt. Durch die extreme Aufrauhung der Oberfläche und eine skizzenhafte "Unfertigkeit" assoziieren ihre Objekte eine natürliche Vitalität.).
Renée Sintenis, 1888 Glatz/Schlesien - 1965 Berlin
ist seit den zwanziger Jahren eine der bekanntesten und erfolgreichsten Berliner Bildhauerinnen. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Berlin. 1915 stellte sie zum ersten Mal in der Berliner Sezession aus. 1931 wurde sie an die Preußische Akademie der Künste berufen, in der damaligen Zeit waren Frauen noch eine Seltenheit in der Akademie. 1934 erfolgte der erzwungene Austritt durch die Nationalsozialisten.
Nach dem Krieg wurde sie 1947 als Professorin an die Hochschule der Künste berufen, 1955 wieder in die Akademie der Künste aufgenommen. Sintenis war als Tierbildhauerin bekannt, nach ihrem Entwurf entstand u.a. der Berlinale Bär. Aber auch Sportlerfiguren gehörten zu ihren bevorzugten Themen, wie z.B. der abgebildete bronzene "Läufer Nurmi" von 1926. Außerdem besitzt das Museum ein Selbstbildnis in Silber von 1923 sowie Wachsmodelle und Zeichnungen. (» Georg Kolbe Museum)
Kommentar · 20.07.2003
Von Werner Stürenburg
Frauen in der Kunst - das ist immer noch ein Thema. Seit den sechziger und siebziger Jahren, als der Feminismus wieder in eine neue Blütezeit eintrat, wurde diese Frage sehr hochgespielt. Man stellte fest, daß nach wie vor die Mehrzahl aller erfolgreichen Künstler Männer sind. Ich weiß nicht, ob auch Statistiken über die Gesamtzahl aller künstlerisch tätigen Menschen existieren und wie dort die Verteilung aussieht; möglicherweise gibt es gleich viele männliche und weibliche Künstler.
Im Zuge der gesellschaftlichen Etablierung und Unterstützung feministischer Anstrengungen wurde die Vergangenheit aufgearbeitet und die Geschichte weiblicher Künstler rekonstruiert. Es hatte zu allen Zeiten vereinzelt berühmte Künstlerinnen gegeben; in bestimmten Sparten möglicherweise sogar gleichberechtigt, etwa unter den Schauspielern oder Tänzern (aus naheliegenden Gründen, wenn Frauen überhaupt auftreten durften).
Von weiblichen Bildhauern aus der Antike wüßte ich nicht zu berichten. Nun war die eigentliche Bildhauerei ein körperlich anstrengendes und schmutziges Geschäft: Entweder mußten Steine behauen oder Bronze gegossen werden. Aus der Urzeit sind viele Kleinplastiken erhalten, sehr häufig aus Terrakotta, also gebranntem Ton.
Das Modellieren in Ton ist einfach. Die Töpferei soll von den Frauen erfunden und als weibliches Geschäft über Jahrtausende ausgeübt worden sein. Man darf also annehmen, daß nicht nur die Vasen (siehe Galeriebeitrag Vase), sondern auch die eigentlichen Tonskulpturen ( Kriegerfigur, Pferdekopf) von Frauen hergestellt worden sind. Da diese Arbeiten meistens nicht signiert worden sind, ist der Urheber unbekannt.
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