Ich telefoniere mit Peden-Hartrodt. Wir organisieren den ersten Strassentransport von der Schweiz nach Frankfurt, wo die Pferde in eine Frachtmaschine der Lufthansa verladen werden.
Eine knappe Woche vor dem Abflug der Pferde erhalte ich nochmals einen notfallmässigen Fax von der Speditionsfirma. Man habe mit Schrecken festgestellt, dass den deutschen Behörden die kanadischen Einreisepapiere der Pferde nicht gut genug seien.
Man verlangt noch zusätzlich nach dem Test für infektiöse Anämie und Virus Arteritis. Der Amtstierarzt, vom dem ich mich bereits herzlich verabschiedet habe, muss nochmals her. In einer Blitzaktion wird Blut entnommen und per Eilkurier ins Labor geschickt. Und das alles an einem Freitagnachmittag! Aber auch diese Hürde schaffen wir.
 |  | Grosser Abschied am 23.5.96. Von links nach rechts: Mein Vater, meine Mutter, meine Schwiegermutter, mein Mann und ich |  |  |  | Am 23.Mai 1996 steht morgens in der Früh ein überdimensionaler Pferdetransporter vor der Türe. Der Fahrer versichert mir, dass er auch regelmässig die Knie-Hengste durch die Gegend chauffiert. Das beruhigt mich enorm.
Vor dem Haus türmen sich Wasserkanister, Heunetze, die Notfallapotheke, Decken, Reservestricke und Halfter, Wassereimer und vieles mehr.
Es ist der schlimmste Abschied meines Lebens. Seit undenklicher Zeit ist der erste Gang am Morgen immer der Weg in den Stall und jetzt ziehen meine grasfressenden Vierbeiner ohne meine allgegenwärtige Fürsorge einfach vondannen. Irgendwie schaff ich es, nicht zu heulen.
Die Pferde sind schon etliche Stunden unterwegs, als mich das Telefon aus meiner Grüblerei reisst. Es ist Jürg.
"Wir sind eben über die deutsche Grenze." unterrichtet er mich.
"WAS?!" schrei ich zurück "wie kommt das? Ihr seit schon seit Stunden weg, müsstet schon fast in Frankfurt sein!"
"Diese unfähigen Grenzbeamten haben uns aufgehalten, wussten wohl selber nicht Bescheid mit all den Dokumenten, die ich vorzuzeigen hatte und dann war der deutsche Amtstierarzt nicht zur Stelle, obwohl wir uns voraus telefonisch angemeldet haben!" beklagt sich Jürg.
"Aber sorg dich nicht, das Flugzeug verpassen wir auf keinen Fall. Wir haben sowieso in Frankfurt einen mehrstündigen Aufenthalt. Der Flug geht erst nach Mitternacht."
Wir verabschieden uns und ich hab wieder ein Thema mehr, um mir Sorgen zu machen. Das hat ja gut angefangen! Kaum los und schon die ersten Komplikationen.
Die Fahrt bis nach Frankfurt gestaltet sich aber problemlos. Unsere Pferde sind routiniert, was das Fahren in einem Transporter anbelangt. Kurz vor Mitternacht erreicht der Tross den Flughafen in Frankfurt. Die Pferde werden ausgeladen und bis zum Abflug in dem flughafeneigenen Stall untergebracht.
|