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B19 · Leseprobe
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  Magazin



Branderup, Bent

Knabstrupper
Gefleckte Fürstenpferde

Großformat, 64 Seiten, farbig
1995 · Cadmos Verlag
ISBN 9783861273042


vergriffen, » antiquarisch suchen

Branderup, Bent

Knabstrupper
Gefleckte Fürstenpferde

Großformat, 64 Seiten, farbig
1995 · Cadmos Verlag
ISBN 9783861273042


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B19 · Vorwort


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Ich war gerade eineinhalb Jahre alt, als ich zum Erstaunen meiner Eltern zu Weihnachten nach einem Pferd verlangte. Mit fünf Jahren kam ich dann in das Alter der großen Enttäuschungen -der Storch bringt nicht die kleinen Kinder und der Weihnachtsmann auch nicht die Geschenke. Aber die Pferde von Pippi Langstrumpf, die gab es wirklich!

© 2008  
Ich begegnete ihnen, wenn ich im Sommer die Ferien auf dem Hof meines Onkels verbrachte, der statt Traktoren nur Pferde auf seinem Hof duldete. Knabstrupper, gekreuzt mit schweren Oldenburgern, waren die große Liebe meiner Kindheit.

Die Knabstrupperstute Frufru begleitete mich durch meine Jugend.

So war ich besonders stolz, als ich im Alter von fünfzehn Jahren meinen Onkel zu einer Kutschfahrt einladen konnte, mit einer selbst restaurierten Kutsche und einer selbst eingefahrenen Knabstrupperstute davor. Leider war es nicht mein eigenes Pferd. Erst als ich nach meiner Ausbildung an der Königlichen Andalusischen Schule für Reitkunst aus Spanien nach Dänemarkt zurückkehrte, konnte ich meinen Traum vom eigenen Knabstrupper verwirklichen.

© 2008  
Für viele war es unverständlich, daß ich den Pferden meiner Kindheit treu blieb, hatte ich doch auf meinen Reisen mit Begeisterung über Rassen aus aller Welt berichtet und während meiner Ausbildung von den Pferden von Domecq und Oliveira geschwärmt. Dabei sprach ich immer von deren Pferden. Meine Pferde waren solche, die der naiven farbenfrohen Phantasie eines Kindes entspringen, Pferde, deren schillernde Erscheinung in der dänischen Geschichte stets an ebensolche Persönlichkeiten geknüpft war.

Ich wollte ein Pferd, das keinem anderen ähnlich ist - ich wollten einen Knabstrupper! Und jeder Knabstrupperbesitzer weiß, daß keines dieser Pferde wie das andere ist, jedes ein Unikat.
Erst als Erwachsener wurde der Traum vom eigenen Knabstrupper wahr.





B19 · Charakter und Eigenarten


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© 2008  
[...] Sehen Sie in die Augen einer Katze, so wird diese oft auf Sie herabsehen. Sehen Sie in die Augen eines Hundes, wo wird dieser oft zu Ihnen heraufsehen. Sehen Sie aber in die Menschenaugen eines Knabstruppers, so werden Sie erleben, sich direkt Auge in Auge anzusehen. So könnte eine Partnerschaft entstehen, wie man sie nicht oft zwischen Mensch und Pferd findet. [...]





B19 · Exterieur


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© 2008  
Farbe

[...] Man stelle sich vor, daß über ein Pferd einer beliebigen Farbe eine weiße Decke gelegt wird. In dieser Decke sind Löcher, so daß man die darunterliegende Farbe als Flecken wahrnimmt.

Ist die Farbveredelung schwach, so ist diese "Decke" klein und liegt nur über der Kruppe (Schabracktiger). Ist die Farbveredelung stärker, so liegt die "Decke" über dem gesamten Pferd (Volltiger).

Bei sehr starker Farbveredelung ziehen sich die "Löcher" zusammen und es entsteht ein Weißgeborener. Der Weißgeborene ist weder ein Schimmel noch ein Albino, sondern einfach ein Tigerschecke ohne oder mit nur sehr wenigen Flecken.

© 2008  
Bei ganz geringer Farbveredelung können Fragmente der weißen "Decke" auf dem Körper als weiße Flecken zurückbleiben (Schneeflocktiger) oder ein Tier hat gar keine "Decke" geerbt, d.h. es ist einfarbig braun, Rappe oder Fuchs. [...]

Melierungen, die sich kaum verändern





B19 · Verwendung


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Das getigerte dänische Pferd hatte über die Jahrhunderte verschiedene Verwendungen. Bis ins letzte Jahrhundert waren die Tigerschecken vorwiegend ein Privileg der Oberklasse und wurden zeitweilig zum Inbegriff von Dekadenz und Lebensfreude. Vorzugsweise fanden sie Verwendung für Ritterspiele und Karusselle. Gelegentlich bespannte man auch die Prachtkarossen mit getigerten Pferden, was aber seltener vorkam, da es schwierig war, gleichmäßig getigerte Pferde zu züchten oder zu kaufen. Die weißgeborene Variante dagegen wurde das Staatskarossenpferd par excellence, um das sich jedes europäische Fürstenhaus bemühte. In Zeiten, als die Könige noch zur Krönung ritten, waren die Weißgeborenen auch das beliebteste Krönungspferd, später wurden sie bevorzugte Leibpferde vieler gekrönter Häupter.

Sowohl die Weißgeborenen als auch die getigerten Pferde fanden aber ihre besondere Aufgabe an der berühmten Hofreitschule auf Schloß Christiansborg, wo sie besonders unter Georg Simon Winter von Adlersflügel ihre Eignung in der klassischen Hohen Schule unter Beweis stellten. Es war dieses klassische Pferd mit seiner Eignung als leichtes Reits- und Fahrpferd, das Oberst Villars Lunn auf Knabstrup züchtete. [...]

© 2008  
[...] Als die Unterhaltungsbranche, hierunter auch der Zirkus, vom Fernsehen verdrängt wurde, verschwand eine der wichtigsten Verwendungen des Knabstruppers und damit einer der Hauptabnehmer der Züchter. Lange Zeit war der Knabstrupper fast völlig in Vergessenheit geraten, bis er von der neu aufblühenden Freizeitreiterszene wiederentdeckt wurde.

Der 16-jährige Thage Revsgard Espersen auf dem Bahnhof von Jebjerg mit dem Junghengst Freddy Knie, nachdem er an den Zirkus verkauft worden war. Fotografiert 1935.

So ist der eigentliche heutige Verwender der gefleckten Fürstenpferde der Freizeitreiter. Jemand, der sich wie die alten Fürsten zu Lebensfreude bekennt und dies auch durch die Farben seines Pferdes zum Ausdruck kommen läßt. Im Bereich der Freizeitreiterei beweist der Knabstrupper seine Vielseitigkeit sowohl für alltägliche Pferdefreunde als auch für höchste Ansprüche.





B19 · Blütezeit der dänischen Barockpferde


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[...] Von einem getigerten Schulhengst dieser Zeit erzählt die schöne und dramatische Geschichte von "Coureur". Nach seinem spektakulären Tod im Jahr 1684 wurde er ausgestopft und ist damit das älteste ausgestopfte Pferd der Welt. "Coureur" war Hohe Schule Hengst im Königlichen Stall Christiansborg in Kopenhagen [...]

[...] Bei einer königlichen Tafel begann der englische Gesandte Robert Molsworth einen Streit mit dem dänischen Oberstallmeister Baron Anton Wolf von Haxthausen. Der Engländer behauptete, daß die dänischen Pferde ein degeneriertes Kunstprodukt seien, das sich leistungsmäßig nicht mit den englischen Pferden vergleichen ließe. Es wurde eine Wette um 1.000 Holländische Dukaten abgeschlossen

[...] Auf Schloß Frederiksborg läutete das Startsignal und ein kleiner getigerter Hengst beschleunigte aus seiner gewaltigen Hinterhand, deren Kraft eine Kapriole vollbringen konnte. Aber würde er auch genügend Ausdauer haben?

[...] Bald flog er durch die Tore der Stadt. Sein getigertes Fell weiß vor Schaum und jeder Atemzug schmerzte.

[...] Der Jubel in ganz Kopenhagen war enorm, als die Uhren stillstanden: 42 Minuten - drei Minuten unter der Zeit!

[...] Der Jubel wollte kein Ende nehmen, nur eines wurde vergessen - ein kleiner getigerter Hengst, der zu Tode erschöpft zwischen den Marmorsäulen zusammensank. Im Trubel hatte man vergessen, ihn trockenzuführen.

[...] Über 300 Jahre sind seitdem vergangen, seine Punkte sind verblaßt, sein weißes Fell ist gelb geworden, die Ohren sind abgeknickt und die Haare der einst üppigen Mähne und des Schweifes fast alle abgebrochen. Aber ich bitte Sie, wenn Sie nach Kopenhagen kommen, gehen Sie in den Königlichen Stall und besuchen Sie diesen getigerten Hengst, der die Ehre der Rasse rettete und dafür mit seinem Leben bezahlte und der noch heute stolz den vornehmsten aller Schulsprünge für Sie ausführt - die Kapriole. [...]





B19 · Knabstrupper in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts


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© 2008  
[...] Übersetzung aus einem Buch von W. Lunn (Sohn von Major Villars Lunn), das 1855 herausgegeben wurde.

Gebäudeteil von Gut Knabstrup.

[...] Da die Pferde mit Farben wie die des Knabstruppers anscheinend in Mode gekommen sind, neigen viele dazu, jedes getigerte Pferd als gut anzusehen. Es ist zu befürchten, daß diese Mode eher dem Ansehen des Knabstruppers schaden wird, da Liebhaber eher viel Geld für das Fell als für das Pferd bezahlen. Fühlen sie sich später enttäuscht, geben sie zu Unrecht die Schuld an die Rasse. [...] Ihr Orientierungssinn, Orts- und Straßenkenntnis sowie auch die Liebe zu ihrem Heimatstall sind, glaube ich, größer als bei den meisten anderen Pferderassen.

[...] So ist bekannt, daß die Knabstrupper nicht gern zu Orten hingehen, wo sie wissen, daß die Versorgung nicht gut ist. [...]

Bei den Käufen nahm er (Major Villars Lunn) nicht allein Rücksicht auf das Äußere des Pferdes, sondern versuchte Stuten zu erwerben, die bei anstrengendem Gebrauch und strengen Herren gezeigt hatten, was sie aushalten konnten

[...] So hatte mein Vater sich eine einheitliche Pferdefamilie aufgebaut, als er 1812 von dem Metzger Flaebe in Holbaek eine Stute kaufte [...], die wegen ihrer unglaublichen Audauer geschätzt wurde. [...]





B19 · Aussterben oder Überleben?


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[...] Es war in Dänemark so weit gekommen, daß es keinen einzigen Reinzuchthengst (75 % Knabstrupperblut in der 3. Generation) mehr gab. Es scheint aber in dem sonst sehr kulturbewußten Volk eine Rückbesinnung in Gang zu sein, bei der die Züchter ihre Pferde als die einzigartigen Kulturdenkmäler erkennen, die sie sind.

In Anbetracht dessen, daß viele der in Dänemark unerwünschten, altmodischen Tiere mit hohem Knabstrupper-Blutanteil nach Deutschland exportiert wurden, sehe ich eine Möglichkeit in einer Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland. Das Problem in Deutschland besteht eher darin, daß es keine Zuchtverband gibt, der sich seriös um den Knabstrupper bemüht. Bei einigen werden sie als zahlende Beifahrer geduldet, ohne daß die Zuständigen sich ernsthaft mit den Hintergründen dieser Rasse auseinander gesetzt haben. So sind die Zustände in Deutschland trotz einiger reingezogener Tier der alten Linien ebenfalls in einer bedrohten Situation. [...]





B19 · Zu guter Letzt


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Dies war die Geschichte der getigerten Pferde aus Dänemark. Die Geschichte einer Pferderasse, die höchste Glorie und tiefste Vergessenheit erlebt hat, die Könige zu Krönungen trug und den Pflug des Kleinbauern zog, deren farbenfrohe Erscheinung aber stets Beziehung zu deren Besitzern hatte. "Wie der Herr, so's Gesch'rr."

Sind Sie auch so eine farbenfrohe Natur? Dann freuen Sie sich mit mir über diese bunte Laune der Natur!

Bent Branderup




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Es ist jetzt der 16.10.2008, 02:58, GMT +01:00
Konsequent in alter Rechtschreibung - ausgenommen Fremdautoren.
Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Leserbeiträge und die Inhalte externer Internetseiten.
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Verantw. im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Gerd Hebrang
©1999-2008 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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