
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Dieses Buch ist eine Fundgrube. Man wird es sicher nicht im eigentlichen Sinne lesen, sondern mehr durchblättern. Die Bilder sind nicht sehr systematisch ausgewählt, das Buch hat keine wissenschaftliche Zielsetzung. Es will unterhalten und erfüllt diesen Zweck sehr gut.
Natürlich wird man bei der Fülle von Abbildungen und Zitaten auch jede Menge Entdeckungen machen. Ein Beispiel:
Jacopo di Pietro Der Triumph Cäsars 1514 Auf diesem Majolikateller mit Zinnglasur reitet Caesar ein pferdeähnliches Tier, das statt der Hufe Finger besitzt und zudem ein Horn trägt. Ihm fehlt allerdings der Geißbart, mit dem das Einhorn fast immer ausgestaltet ist. Man wünscht sich öfters mehr Informationen: hier z. B. fragt man sich, wieso das engelhafte Wesen Julius Caesar sein soll, warum das Einhorn Finger und Füße hat, was der Affe und die merkwürdige Pflanze mit dem Kugelskelett zu bedeuten hat, wieso das Monogramm auf diesen Künstler hinweist, was dieses Motiv in der Zeit interessant gemacht hat - aber das ist offenbar nicht die Zielsetzung des Buches und das kann es bei der Fülle des Materials auch nicht leisten.
Selbstverständlich gibt es zu diesem Thema noch viel mehr zu entdecken als in diesem Buch untergebracht werden konnte. Schließlich begleitet das Pferd die Menschheit schon seit Tausenden von Jahren und spielte dabei bis vor kurzem eine lebenswichtige Rolle. Wir alle tragen Tausende von Bilddarstellungen von Pferden in uns, deshalb ist es müßig, hier auf Lücken hinzuweisen.
Die Liste der Künstler am Schluß des Buches läßt z. B. Picasso vermissen, für den das Pferd ebenfalls eine sehr wichtige symbolische Bedeutung gehabt hat. Im berühmtesten Gemälde des letzten Jahrhunderts, dem monumentalen Protest gegen den Faschismus seines Heimatlandes: Guerníca, spielt ein Pferd eine große Rolle, zusammen mit einem Stier, und beide kommen auch in den populären Stierkampfdarstellungen von Picasso wiederholt vor.
Aber das ist kein Vorwurf an das Buch. Man muß sich wundern, daß es heute möglich ist, so viele phantastische Abbildungen für so wenig Geld zu produzieren. Der Taschen Verlag ist berühmt für die qualitativ hochwertigen und extrem kostengünstigen Ausgaben zu den Bereichen Kunst, Fotografie und Architektur. Dieses Buch gehört zu einer Reihe. Ich habe es zufällig beim Weihnachtsbummel entdeckt; es gab entsprechende Bücher über Hunde und Katzen, eventuell gibt es sogar noch mehr.
Nach Absprache mit dem Verlag werden wir in jeder Ausgabe ein Bild und einen Text präsentieren und damit einen großen Bogen durch die Bilderwelt schlagen, natürlich unter dem Gesichtspunkt: Pferd. Daß man die Anregungen des Buches zu eigenen Entdeckungsfahrten nutzen kann, zeigt schon der erste Beitrag zu unserer neuen Abteilung Galerie.
Bei der Vorbereitung konnte ich dann gleich die Erfahrung machen, daß dieses Buch einfach unglaublich reichhaltig ist. Ich brauchte unbedingt noch einmal die Stelle mit dem Majolikateller und habe etwa 5 Minuten suchen müssen, bis ich sie wiedergefunden hatte.
erschienen 16.12.00
|