| | | Vorläufiges Denkmal für Zivilist |  |  |  |
| Hinweis der Redaktion: Dies ist der letzte Teil der Auszüge aus dem zweiten Band über das Pferd Zivilist. Beide Bände liegen zwar in mehreren Sprachen vor, sind aber sämtlich vergriffen. Eine Neuauflage wird derzeit vorbereitet, ein dritter Band ist in Arbeit. Links zur Suche in antiquarischen Datenbanken finden Sie unter Quellen am Ende des Artikels. | Adriana fragte mich während dieser Tage, ob sie auch einmal einen Ausflug mit Zivilist und mir machen dürfe. Ihr Onkel John führte Elise, Adriana saß ohne Sattel auf ihr, und ich ritt mit Zivilist voraus. Elise ging brav hinter Zivilist her. Wir ritten ein Stückchen und kehrten dann wieder um. Beim Abendessen verkündete Adriana überraschend für ihren Onkel: "Darf ich mein Pony öfter besuchen und mit Zivilist ausreiten? − Ich muss meinem Brieffreund Andreas schreiben", sprudelte es aus ihr heraus. "Crizzie, hilfst du mir beim Malen?" "Schreib doch mal!" forderte ich sie auf. "Ich kann doch nicht so schreiben wie ihr." "Wer malen kann, kann auch schreiben." Ich zog ein Blatt und einen Stift heraus. "Probier's mal, erst du, dann ich." "Nein, erst du und dann ich", sagte Adriana. "A-n-d-r-e-a-s, wie schreibt man das?" fragte ich allgemein. "A, N, … " sagte ich langgezogen vor mich hin. "Kannst du's mir nicht doch vorschreiben?" Ich drückte Adriana den Stift in die Hand. Wie selbstverständlich machte sie ihre Punkte. "Ah, so schreibt man das! Ich zeig dir mal, wie ich Andreas geschrieben hätte", sagte ich und nahm ihre Hand, in der sie den Stift hielt, und begann, ein "A" zu schreiben, ein "N", ein "D"… usw., bis "Andreas" dort stand. Als sie sagte: "Das ist ja ganz falsch!" musste ich herzhaft lachen und ihrem Onkel kamen vor Freude die Tränen. "Du wärst die richtige Brieffreundin für Zivilist, von dir könnte er das richtige Schreiben lernen." Regelmäßig bekommt nun Zivilist Post von ihr − beide Schriften noch vermischt. Mit Johns Hilfe hatte sie "Crizzies Alphabet" gelernt. Die Zeit mit Heinz, Martina, John und Adriana ging wie im Flug vorbei. Heinz verabschiedete sich von seinem Esel und versprach ihm, beim nächsten Mal dürfe er wieder mit nach Deutschland kommen. "In das kalte Deutschland", fügte Martina hinzu, die bereits ihr Ticket für Florida in der Tasche hatte. "Ich muss das auch aushalten", gab Heinz zurück, "und im Rentenalter sonnen wir uns gemeinsam." "Zwei alte Esel sitzen unter Palmen, das gäbe ein Bild", konnte ich mir als Kommentar nicht verkneifen. "Mit Mama", fügte Martina hinzu und deutete auf Elise. Am Abend beim Putzen von Zivilist fiel mir das frühere Versprechen an Zivilist ein, ihm eines Tages wieder eine Freundin wie Friesi, die Friesenstute von Edelmann, zu ermöglichen. Ich überlegte mir, wie ich das am besten anstellen sollte, da in meinem Herzen kein Platz für ein zweites Pferd neben Zivilist ist. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass man nur einem Pferd "dienen" kann. Romina, Montes Schwester, die einige Kilometer weiter weg wohnte, beschäftigte sich schon länger mit dem Gedanken, sich ein Pferd anzuschaffen, wie mir Monte erzählt hatte: "Vielleicht könnt ihr euch zusammentun." Sie rief mich nachmittags an, war von der Idee begeistert, dass sie Zivilists zukünftige Freundin übernehmen sollte. "Schwarze Pferde gefallen mir gut", schwärmte sie, "aber ich habe Bedenken, da ich noch nie ein Pferd hatte." "Macht nichts, dann kannst du nichts falsch machen!" räumte ich ihre Bedenken aus. Lauthals lachend fragte mich Romina: "Sagt man so in Deutschland?" "Nein, ich glaube man sagt dort: Ohne Vorkenntnisse macht man alles falsch." "Das kann ich mir eher vorstellen", erwiderte sie.
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