| | | Spezialzange für Hufnägel |  |  |  |
| | | Kai Jasper Spengemann ist unermüdlich, wenn es darum geht, Geschichten über Pferde zu erzählen, denen er geholfen hat. Im erwähnten Film (» Film ab) wird ein krasser Fall vorgestellt; ein Fohlen war auf der Weide in einen Pfosten gerannt und hatte sich so verletzt, daß eine Wiederherstellung aussichtslos schien. Spengemann nahm sich des Falls an und brachte es fertig, das Fohlen zu heilen. Dazu mußte er sich etwas einfallen lassen. Da das eine Bein extrem verkrüppelt schien, animierte er das Fohlen, dieses Bein nicht grundsätzlich zu schonen, womit die Fehlstellung sich verfestigt hätte, sondern vorsichtig wieder einzusetzen und damit die Behinderung allmählich aufzulösen. Um dies zu erreichen, erfand er unter anderem den Spaziergang über den Misthaufen - ungewöhnlich, aber es half.
Zum Schluß bekam das Fohlen noch einen Beschlag. Das wiederum machte mich stutzig; schließlich habe ich ausführlich über Sinn und Unsinn von Beschlag geschrieben. Ich wollte wissen, wie Spengemann grundsätzlich zum Beschlag steht und welche Argumente er mir für den Beschlag liefern kann. Es dauerte eine Weile, bis wir uns verstanden. Im Grunde ist auch er der Meinung, daß Pferde am besten ohne Beschlag laufen. Ich konnte dann miterleben, wie pragmatisch er vorgeht. "Was für das Pferd am besten ist" - das ist seine Devise.
Gleich eingangs hatte Spengemann einem Vollblut ein Eisen abnehmen müssen, weil es sich gelockert hatte. Dazu benutzte er eine spezielle Zange, mit der man die Hufnägel greifen und herausziehen kann. Seine Mitarbeiterin hielt den Hengst derweilen und beruhigte ihn. Anschließend rief er seinen Hufschmied an, er müsse noch vorbeikommen.
Es dauerte nicht sehr lange, dann war er da. Und nun erwartete ich, daß wir unser Gespräch wieder unterbrechen würden, damit er den Hengst festhalten könne. Das war aber nicht nötig. Der Schmied Wojciech Gutowski aus Herford nagelte dem Hengst ohne jede Hilfe ein neues Eisen auf. Ich war verblüfft. Anschließend mußte Spengemann dann doch noch helfen und eine Stute halten und beruhigen, der die Eisen abgenommen werden sollten; entsprechende Fotos habe ich in der letzten Woche schon verwendet. Bei einem weiteren Vollblüter wurde dann diskutiert, wie die Hufe einzuschätzen sind. Die beiden einigten sich darauf, zunächst nichts zu unternehmen und die Hufe weiter zu beobachten. In spätestens einer Woche würden sie dann wieder beratschlagen, ob und gegebenenfalls was zu unternehmen ist.
Auf der Rennbahn sind spezielle "Renneisen" aus Aluminium üblich, die in der Mitte eine Vertiefung haben und dadurch auf der Grasbahn besser greifen sollen. Im übrigen setzt Spengemann Hufbeschlag gezielt zu therapeutischen Zwecken ein. Die Hufe sind, wen wundert es, auch für ihn ganz wesentlich und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und Pflege. Und wenn sich Probleme ergeben, sei es mit der Stellung oder mit der Substanz, dann fragt er sich: "Braucht der Eisen?"
Leider wurde er in dieser Hinsicht ebenfalls erst durch Schaden klug. Er wollte nämlich bei den Deutschen Meisterschaften der Military mitmischen, aber sein Hufschmied machte einen Strich durch die Rechnung. "Vorne zu kurz, hinten zu lang genagelt, ins Leben, mit sieben Grad zu flach - da war die Meisterschaft gestorben. Und ich habe mir eine Huflehre besorgt." So etwas hatte ich noch nie gesehen und mußte es gleich fotografieren. Das Bild erklärt das Gerät.
Und wie war das nun mit dem Fohlen? Warum brauchte das ein Eisen? "Es half dem Fohlen, den Fuß aufzusetzen. Es war einfach ein Trick. Durch das erhöhte Gewicht habe ich es überlistet. Und allmählich traute es sich, das Bein wirklich zu belasten."
Demnächst macht Spengemann eine Akupunktur-Ausbildung. Er will es wirklich wissen. Wenn Akupunktur hilft, desto besser. Klassische ärztliche Kunst, Osteopathie, Magnetfeld-Therapie, Homöopathie, Bioresonanz - auf der Suche nach der Ursache bedient er sich sämtlicher Mittel, bis er Erfolg hat. Für eine Vollblut-Lobbyarbeit wäre das alles nicht nötig. Spengemann ist eben doch ein Pferde-Liebhaber, der allem auf den Grund gehen will. Wenn das Pferd dann auch noch ein Vollblut ist, kann er strahlen - und er strahlt auf beeindruckende Weise. Auf manchen Fotos kommt das gut zum Ausdruck.
Sollten Sie Hilfe brauchen, sprechen Sie ihn ruhig an - schaden kann es ja nicht. Es muß auch nicht unbedingt ein Vollblut sein, um das es geht. Wenn Sie lieber eine lange E-Mail schreiben wollen, spricht nichts dagegen, aber wundern Sie sich nicht, wenn die Antwort kurz und bündig lautet: "Rufen Sie mich an!" Seine Kontaktdaten finden Sie unter » Partner Vollblut.
Quellen / Verweise
Fotos
› Klaus-Jörg Tuchel, › Werner Popken
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