| | | Jockey P.J. Werning, Gelsenkirchen 2002 |  |  |  |
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Ein Mann kämpft sich voran Der systematische und zähe Aufstieg des Vollblut-Experten Spengemann von › Werner Popken
Zu den Themen Ausbildung, Beratung, Vermittlung, Vollblut |
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Der Traum der Freiheit der Berufswahl, über den ich in der letzten Woche berichtet habe, wird vielleicht noch eine Weile Traum bleiben. So lange wird man nicht warten wollen, wenn man sich umorientieren muß, freiwillig oder unfreiwillig. Der Mediziner » Dr. med. Eckart von Hirschhausen, den ich in der letzten Woche zum Thema "Glück" zitiert habe, nutzte seine Chance, als seine Stelle in der Klinik wegrationalisiert wurde: Die Umstände als Entscheidungshilfe. So ein Sprung in unbekannte Gewässer ist aber nicht einfach. Man fängt praktisch wieder von vorne an.
Bei Kai Jasper Spengemann war es der Besuch der Rennbahn, der ihm deutlich machte, wo seine wirklichen Leidenschaften liegen. Zwar hatte er jahrelang um Pferde einen großen Bogen gemacht, was nach den großen Hoffnungen und Chancen, die durch seine gesundheitlichen Probleme zerstört wurden, durchaus verständlich war, aber dann hat es ihn wieder gepackt: die Pferdeleidenschaft. Man bot ihm am Telefon einen günstigen Vollblüter an, der an Chips leiden sollte, und er schlug zu. Als er dann sein Pferd holen wollte, frohlockte er ein ums andere Mal ob der schönen Rennpferde, die vorbeigeführt wurden, aber die waren es alle nicht. Es war ein enttäuschendes Erlebnis, als sein Pferd um die Ecke kam. Aber gekauft ist gekauft, auch unbesehen.
So ließ er das Pferd zunächst gesundheitlich überprüfen. Es hatte keine Chips, sondern einen Bruch im Karpalgelenk. Und dieser heilte durch die richtige Unterstützung vollständig aus. Das Pferd konnte wieder auf die Rennbahn und sich dort bewähren. Dies könnte man nun als einen Zufallstreffer werten und als nette Episode; eine berufliche Neuausrichtung mußte ein solcher Erfolg keineswegs bedeuten. Spengemann hatte aber begriffen, daß für ihn in der Arbeit mit Pferden die größte Befriedigung liegt. Und damit stellte sich die Frage, wie man diese Einsicht in eine Karriere ummünzt, wie man aus einer Berufung einen Beruf macht, wie man eine Existenz gründet.
Denn Pferdeleute gibt es überall reichlich, und viele haben bereits die richtigen Voraussetzungen. Spengemanns Vater war Starter auf der Rennbahn und züchtete Trakehner. Es hätte nahegelegen, diesen Betrieb zu übernehmen. Leider war er nur gepachtet, zwar auf 99 Jahre und eigentlich unkündbar, wie das so üblich ist, aber eine Klausel gab es doch in diesem Vertrag, die eine Kündigung ermöglichte, nämlich dann, wenn der Verpächter in Konkurs ging. Und genau das passierte. Damit konnte Spengemann sich nicht ins gemachte Nest seiner Eltern zurückziehen, was ja naheliegend gewesen wäre.
Die Kontakte zur Vollblut-Szene hatten dazu geführt, daß er wieder zu den Pferden zurückfand, und so bot es sich an, daß er diese Kontakte nutzte und daraus ein Konzept entwickelte. Sein Leben lang hatte er keineswegs nur mit Vollblütern zu tun gehabt. Wer ein Olympia-Pferd wie » Rembrandt von » Nicole Uphoff zwei Jahre erfolgreich geritten hat, kann nicht auf das Vollblut reduziert werden. Trotzdem: Er verstand, daß er ein Konzept entwickeln mußte, das sich möglichst von dem aller anderen Pferdeleute unterscheiden sollte. Was war seine besondere Begabung, was konnte er besser, als andere, welche Erfahrungen hatte er anderen voraus, wofür würde er sich engagieren können?
Mit diesen Fragen entwickelte er sich aus der Phase der Selbstfindung in die der Existenzgründung. Er wollte sich ja nicht nur selbst verwirklichen, sondern auch seinen Lebensunterhalt mit seiner Tätigkeit finanzieren. Nun kam ihm die Erfahrung aus seiner kaufmännischen Tätigkeit zugute. Er wußte, daß er ein ganz eigenes Profil entwickeln mußte, wenn er sich erfolgreich etablieren wollte. Er mußte sich selbst neu erfinden und am Markt positionieren. Wie sollte er das anstellen?
Spengemann hat Erfahrungen aus Rennsport und klassischer Dressur, er ist in beiden Welten zu Hause, was nicht selbstverständlich ist, und er sah daher eine Lücke, die er mit seinem Unternehmen füllen wollte. "Vollblut-Partner" sollte sein Unternehmen heißen, aber der Freund und Experte, der sich um die Werbung und Internetpräsenz kümmern sollte, machte » Partner Vollblut daraus, was im Grunde sogar besser klingt und besser ausdrückt, worum es ihm gehen sollte: Den Ruf der Vollblüter in der Welt der Warmblüter und Freizeitreiter zu verbessern.
| Der "VOLLBLÜTER" soll wieder gleichberechtigter Partner in allen Sparten des Pferdesportes und in der Zucht werden. » Philosophie | | |
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