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Würde und Sexualleben der Tiere Gewalt und Brutalität in der Gesellschaft von Gerd Hebrang
Zu den Themen Sexualität, Sodomie, Zoophilie |
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Die Sexualität, so haben wir in der letzten Woche gesehen, ist ein fest eingebauter Bestandteil allen höheren Lebens. Von emotionaler Bindung ist nicht unbedingt die Rede. Unsere heutige romantische Auffassung von Zweisamkeit findet im Tierreich keine Entsprechung, soweit sie mit Sexualität zusammenhängt. Emotionale Bindungen zwischen Tieren sind hingegen durchaus leicht zu beobachten, und zwar nicht nur zwischen Exemplaren der gleichen Art. So scheint mir auch unzweifelhaft, daß Hunde und Pferde ihren sie liebenden Menschen ebenfalls Gefühle entgegenbringen. Wer immer die Gelegenheit hatte, Pferde in länger bestehenden Gruppen zu beobachten, weiß ebenfalls spannende Geschichten über emotionale Beziehungen zwischen Pferden zu berichten. Der sexuelle Austausch ist davon normalerweise zu unterscheiden. Zwar gibt es viele Tiere, die für eine Aufzuchtsaison oder möglicherweise sogar für ein ganzes Leben eine feste Partnerschaft bilden. Soweit wir nicht mehr wissen, gehen die Wissenschaftler jedoch davon aus, daß ein solches Verhalten rein instinktmäßig abläuft. Zwar ist die Partnerwahl durchaus frei, das Bindungsverhalten jedoch nicht. Dieser Unterschied ist auch beim Menschen zu beobachten. Sowohl Männer als auch Frauen können ihre Sexualität ausleben, ohne sich emotional zu binden, und umgekehrt können sie gleichermaßen emotional gebunden sein, ohne diese Gefühlsbindung mit Sexualität zu verbinden. Unterschiede hinsichtlich der Geschlechter sind möglicherweise überwiegend der Sozialisation geschuldet. So war von noch nicht allzu langer Zeit dogmatisch festgelegt, daß Frauen eigentlich nur Gebärmaschinen sind und der Sexualität selbst nichts abgewinnen können. Heute wissen wir, daß dies ein unglaubliches und unverständliches Vorurteil ist und können uns gar nicht mehr vorstellen, daß man jemals darüber hat ernsthaft diskutieren können. Schon aus rein biologischer Sicht hätte man schließen müssen, daß der biologischer Antrieb zur geschlechtlichen Vermehrung bei weiblichen und männlichen Exemplaren einer Gattung gleich stark ausgeprägt sein muß, damit das Leben eine Fortsetzung finden kann. Anscheinend hat man wieder einmal vom Menschen auf die Tiere geschlossen. Da man aus ideologischen Gründen den Frauen jegliche Lust absprach und diese angesichts der herrschenden Praxis sie im Regelfall auch keineswegs spontan entdecken konnten, ging man davon aus, daß die weiblichen Partner der Geschlechtsverbindung gewissermaßen regelmäßig vergewaltigt werden, sich also lediglich dem männlichen Verlangen auf hinreichendes Drängen buchstäblich öffnen, ohne selbst in irgendeiner Weise beteiligt zu sein oder einen Vorteil davonzutragen - im Gegenteil, ihnen wurde die Last der Schwangerschaft und der Aufzucht aufgebürdet. Das glaubte man mit einem Instinkt rechtfertigen zu können, der Frauen zu eigen sei und sie zu dieser Arbeit befähige und regelrecht berufe. Daß diese Sichtweise allen Mechanismen widerspricht, die für die Fortsetzung und Entwicklung des Lebens verantwortlich sind, hat man durch entsprechende Winkelzüge beiseite wischen können. Daraus kann man nur schließen, daß die gesellschaftliche Konvention auch für Wissenschaftler unüberwindlich ist. Heute weiß man, daß es Frauen gibt, die keine Kinder haben wollen und von dem angeblichen Instinkt nichts spüren, wie es auch Männer gibt, die unbedingt Kinder haben wollen, nicht als notwendiges Übel, sondern als Selbstzweck.
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