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Bericht Zum Thema  Jubiläum · FEI
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FEI-Präsident Prinz Philip mit · Copyright wie angegeben
FEI-Präsident Prinz Philip mit
FEI-Vize Graf Landsberg-Velen · Copyright wie angegeben
FEI-Vize Graf Landsberg-Velen
Auch die FEI geriet in eine Krise. Der langjährige Präsident Prinz Philip, Ehemann der englischen Königin, legte sein Amt nach 20 Jahren anläßlich der Olympischen Spiele in Los Angeles nieder.

Mitte der sechziger Jahre war die FEI eine kleine Organisation, die bei der belgischen FN in Untermiete residierte. Eine Halbtagssekretärin und ein ehrenamtlicher Generalsekretär genügten.

In einem sehr aufschlußreichen Interview erläutert Dieter Graf von Landsberg-Velen, damaliger Vorsitzender der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und FEI-Vize-Präsident, die Entwicklung der FEI bis zur Gegenwart.

Prinz Philip hatte Graf Landsberg beauftragt, Vorschläge für die Weiterentwicklung zu erarbeiten. Als eine der Folgen wurde ein hauptamtlicher Generalsekretär eingestellt: Fritz Widmer, und das Generalsekretariat nach Bern verlegt.

Viele nationale Organisationen traten der FEI bei. Aus 30 Mitgliedern wurden über 120. Durch die Zusammenarbeit mit Sponsoren ergaben sich neue Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten, vor allem aber explodierten die Etats, immer mehr Mitarbeiter mußten eingestellt, Disziplinausschüsse gegründet, Verhandlungen geführt werden.

Es entbrannte ein Machtkampf. Die FEI war der Meinung, sie hätte das Sagen, die nationalen Föderationen und Veranstalter waren gegenteiliger Auffassung. Trotz aller zum Teil schwierigen Diskussionen ging es aber so lange gut, wie Prinz Philip und Generalsekretär Widmer die FEI führten.

Was änderte sich, als Prinz Philip nach den Olympischen Spielen in Los Angeles zurücktrat?
Wir haben in Los Angeles die Nachfolgefrage heftig diskutiert. Prinz Philip hatte seine Tochter Anne als künftige Präsidentin vorgeschlagen. Sicher, es sprach viel für sie, aber ihre Amtsführung sollte für uns alle eine Enttäuschung werden.

Wieso? Sie war eine höchst erfolgreiche Militaryreiterin und Kennerin der Reitsportszene und mit sportpolitischen Fragestellungen sicher nicht unvertraut.
Sie war stets sehr offen, wenn sie mit Reitern und Pflegern zusammen war, aber immer sehr verschlossen, wenn es um FEI-Mitarbeiter oder FEI-Funktionäre ging. Teamwork kam nie zustande. Sie hatte die Aufgabenstellung der FEI nicht verstanden. Sie wollte diktieren, schloß Verträge ab, ohne uns zu fragen. Im Grunde hat sie niemanden an ihrer Seite akzeptiert. Die Kreativität der FEI, ihr Handlungsspielraum und ihre Effizienz gingen zusehends verloren.

Gab es kein Gegengewicht zur autokratischen Präsidentin?
Nein, eigentlich nicht. Die Situation der FEI verschlechterte sich sogar noch dramatisch, als der langjährige Generalsekretär Fritz Widmer 1988 abgelöst wurde und auf Initiative von Prinzessin Anne von einem Headhunter als Nachfolger Etienne Allard präsentiert wurde. Allard war kein Pferdemann, hat nie Zugang zu der Szene gefunden. Sein Handeln hatte schlimme Konsequenzen. Er schloß unter anderem Verträge mit Vermarktungsagenturen ab, die die FEI bald handlungsunfähig machten.

Meinen Sie damit die Fernsehverträge?
Der Gipfel war, daß Allard die Fernsehrechte zweimal verkauft hatte - an Volvo und an das Deutsche Sportfernsehen. Die FEI stürzte in die wohl größte Krise ihrer Geschichte. Prinzessin Anne hatte sich inzwischen vom Präsidentenamt zurückgezogen, zu ihrer Nachfolgerin wählte die FEI die spanische Königsschwester Donna Pilar de Bourbon. Sie war eigentlich aus der Not heraus in die Position hineingerutscht.

Wie konnte die FEI aus dieser Misere gerettet werden?
Wir zettelten eine Art Revolution an. In Frankfurt trafen sich 1995 Vertreter der wichtigsten Föderationen. Ich überredete Bo Helander, neue Generalsekretär zu werden. Auf dieser Krisensitzung in Frankfurt verfaßte wir eine Resolution. Ich reiste mit dieser zur Präsidentin nach Madrid und fand bei ihr Verständnis für unsere Sorgen und Wünsche. Bei einem Meeting der FEI am folgenden Tag wurde Etienne Allard entlassen, was gerichtliche Prozesse nach sich zog, die bis ins Jahr 2002 reichen sollten. Dank der Kooperationsbereitschaft von Donna Pilar gelang es einer Arbeitsgruppe unter meiner Leitung, Ordnung in das Chaos zu bringen und das Vertrauen zu den nationalen Föderationen und Veranstalter weitgehend wiederherzustellen.

Wie definieren Sie heute die wesentlichsten Aufgaben des Weltverbandes?
Die FEI ist schon lange kein Herrschaftsinstrument mehr. Das Verständnis der Aufgabenstellung des Weltverbandes hat sich grundlegend gewandelt. Heute versteht sich die FEI als Dienstleister für Turnierveranstalter und Reiter. Wir führen Gespräche mit den nationalen Föderationen, beziehen die Veranstalter in unsere Sitzungen ein, die Kooperation mit den unterschiedlichen Interessengruppen hat sich bewährt.
a.a.O., Seite 221





Quellen / Verweise


  1. » Hintergrund: Boykott statt Völkerverständigung?
  2. » Olympische Sommerspiele 1980
  3. » Die DDR und Olympia
  4. » Literatur
  5. » Olympische Sommerspiele 1972
  6. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005
  7. » Olympische Sommerspiele 1984/Reiten
  8.  François Baucher - Enfant Terrible oder Genie? Racinet, Jean-Claude, Hildesheim 2005
  9. » Olympische Sommerspiele 1988/Reiten
  10.  100 Jahre FN, Jubiläum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
      Ausgabe 315 · Teil 1
  11.  Verbandsgründung, erste Erfolge, Männer der ersten Stunde legen den Grundstein für die Gegenwart
      Ausgabe 316 · Teil 2
  12.  Krieg und Nachkriegszeit, Gewaltige Veränderungen in jeder Hinsicht
      Ausgabe 317 · Teil 3
  13.  Das Jahr 1924, Auferstanden aus der Asche
      Ausgabe 332 · Teil 4
  14.  Kauft nur deutsche Pferde!, Pferdezucht und Pferdesport - die Erfolgskombination
      Ausgabe 334 · Teil 5
  15.  Olympische Spiele Berlin 1936, Gleichschaltung von Sport und Zucht im Dritten Reich
      Ausgabe 335 · Teil 6
  16.  Auf in den Krieg!, Wo blieben die Reiter und Züchter?
      Ausgabe 336 · Teil 7
  17.  Ehrenrettung für Gustav Rau, Über üble Nachrede und fundamentale Verunsicherung
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  18.  Das Ende der Ära Rau, Mühsamer Neuanfang und erste Triumphe
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  19.  HGW und Linsenhoff, Die 50er Jahre: größte Triumphe gefolgt von der größten Krise
      Ausgabe 339 · Teil 10
  20.  Beschwörung: Das Pferd muß bleiben, Der Turniersport wächst im kalten Krieg
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  22.  Neue Wege in der Zucht, Die modernen Strukturen entwickeln sich
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  23.  Olympische Spiele München 1972, Streit im Reiterlager, Attentat und Lob der Tierschützer
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© Copyright wie angegeben  Quelle: FN, Privatarchiv H. Munzendorf, Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005



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