Wenn bei Eddy das Unbehagen stärker ist als die Neugierde, wird das Schnauben durch Vibrationen der Nüstern von einem Tremolo begleitet, das für unsere Ohren wie ein hart ausgesprochenes R-R-R-R-R klingt. Ein typisches Auslösemoment für ein R-Schnauben ist bei Eddy der an manchen Tagen aus Kanalschächten entweichende befremdliche Geruch.
Befindet sich ein beunruhigendes Objekt in der Ferne, so schnaubt Eddy eher leise, die Hab-Acht-Stellung (erhobener Kopf, angespannte Muskulatur) verraten seine Erregung und ggf. Fluchtbereitschaft. Die Botschaft "hier könnte irgendwo eine echte Gefahr lauern" signalisiert Eddy eher mit der Körperhaltung und Mimik als durch lautes Schnauben.
Deshalb kann ich folgende Vermutung eines Autors nicht bestätigen: "Das Schnauben ist wohl eher ein erschrecktes Prusten, das Einhufern beim Auftauchen einer vermeintlichen oder realen Gefahr entfährt und so auf die in der Nähe befindlichen Artgenossen wie ein Warnlaut wirkt".
Wenn dieser "Warnlaut" nicht zusätzlich durch Körpersprache bekräftigt wird, scheint er quasi ungehört zu verhallen. So reagieren auch Eddys Artgenossen in keiner erkennbaren Weise darauf, wenn er mit gesenktem Kopf mißtrauisch den Elektrozaun anschnaubt. Dabei liegt es sicher nicht daran, daß in diesem Fall bei seiner argwöhnischer Betrachtung das Schnauben durch scharfes Einziehen der Luft produziert wird.
Mit oder ohne vorheriges Schnauben: Wenn Eddy den Kopf hebt und losgaloppiert, dann folgt die Herde in der Regel unverzüglich, selbst dann, wenn er mir nur möglichst schnell entgegen kommen und mich begrüßen will.
Ich habe bisher bei Eddy keine Gefühlsäußerung registrieren können, wenn sich die Stute Lucy über dieses oder jenes schnorchelnd aufregt oder wenn der Junghengst Dator sein Unbehagen laut schnaubend zum Ausdruck bringt.
In einem Herdenverband wird offenbar nicht jedes hysterische Schnauben sofort als Warnung vor einer Gefahr interpretiert - nur der kräftige Atemstoß eines Leittieres scheint bei entsprechender Gestik akzeptiert zu werden.
Bei vermeintlichen Gefahren (fehlende Neugierde) habe ich Eddy in der Regel auch nicht schnauben hören, er nimmt sofort Hab-Acht-Stellung ein und wartet auf meine Reaktion.
Falls ich durch einen akustischen Reiz selbst zusammenzucke, hat Eddy manchmal bereits einen Bocksprung gemacht und beobachtet fluchtbereit mit weit geöffneten Augen und Nüstern mein weiteres Handeln.
Schnauben ist nach meiner Erfahrung mit Eddy nicht ausschließlich ein Warnsignal, sondern eher allgemeines Zeichen für Erregung. So schnaubt mich Eddy auch an, wenn er nach einer just-for-fun-Vorführung "Ich bin ein WILDPFERD" zu mir her galoppiert kommt und fragt: "WAR ICH NICHT GUT?".
Schnauben ist also eine generelle Ausdrucksform starker Emotionen - situationsbedingt steht Schnauben für negative Eindrücke wie Abscheu oder Besorgnis oder für die positive Ausdrucksformen jedweden Imponiergehabes und Freude.
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