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Galerie · Eligius
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Europa
Der Heilige Eligius beschlägt ein besessenes Pferd

15. Jahrhundert

Der Heilige Eligius ist der Schutzpatron der Gold- und Hufschmiede, zu seinen Attributen gehören Amboß und Pferdefuß. Auf dieser Miniatur einer mittelalterlichen Handschrift wird er beim Beschlagen eines Pferdes dargestellt, dessen Bein er dazu abnimmt und später auf wundersame Weise wieder ansetzt.


aus dem Buch Pferde
mit freundlicher Genehmigung
des » Taschen-Verlags
siehe auch Bildschirmschoner  Pferde und  Rezension



Kommentar · 17.03.2001
Von  Werner Stürenburg

Dieses Bild ist mir schon beim ersten Durchblättern des Buches aufgefallen. Auf den ersten Blick ein liebliches Bild mit angenehmen Farben. Ein süßer Knabe mit dem Gesicht eines Engels im Kostüm eines Knappen vor einem braven Schimmel, links der Heilige mit goldenem Heiligenschein, einer weißen Schürze und einem unschuldigen Gesicht.

Wie ein Heinzelmännchen werkelt der Heilige emsig vor sich hin, allerliebst! Erst dann fiel mir auf, welche schreckliche Geschichte hier erzählt wird. Wie kann man nur auf diese Idee kommen, einem Pferd kurzerhand das Bein abzuschlagen, wenn man es beschlagen will?

Da fange ich also an mit einem harmlosen Bild, stelle ein harmlose Frage, und schließlich beschäftige ich mich stundenlang mit diesem Thema und weiß hinterher viel mehr, als ich jemals wissen wollte. So auch hier.




Galerie · Verwunderung

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Die Autorin hat diesem Bild einen Titel gegeben, der suggeriert, daß dieses Pferd besessen sein soll. Nun sind Illustrationen in mittelalterlichen Büchern durchweg nicht mit Titeln versehen.

Die Illustration selber gibt keinerlei Hinweis darauf, daß dieses Pferd besessen sein soll. Wie soll sich die Besessenheit äußern? Normalerweise stellt man sich jemanden als besessen vor, wenn dieser sich in irgendeiner Weise ungewöhnlich verhält. Dazu muß man nicht unbedingt toben. Vielleicht ist jemand auch besessen und schweigt nur vor sich hin.

Dieses Pferd aber schaut aufmerksam und in vollkommener Haltung, sozusagen lächelnd, zu, wie sein abgeschlagenes Bein behämmert wird. Weder ist es ungebärdig noch sonstwie auffällig.

Der Bube mit dem Engelsgesicht vermittelt den Eindruck, als handle es sich hier um einen angenehmen Liebesdienst, den man sich freudig angedeihen läßt und der freudig verrichtet wird.

Auch das Heinzelmännchen gibt Anlaß zu Verwunderung. Hufschmiede tragen keine weißen Schürzen und sie würden auch niemals einen Huf so beschlagen können. Dieser Hufschmied haut auf den Amboß, als wollte er das Eisen selbst schmieden.

Nun mag es ja sein, daß der Maler dieses Bildes keinen Begriff von der Arbeit eines Hufschmieds hatte. Vermutlich war es ein Mönch, der selber kein Pferd besaß. Trotzdem ist es verwunderlich, daß die ganze Sache so vollkommen schief dargestellt wird. Selbst wenn die persönliche Erfahrung gefehlt hat: er hätte sie sich leicht verschaffen können.

Wenn ich nach einem heutigen Vergleich suche, so fällt mir ein Automechaniker ein, der so dargestellt wird, als wäre er ein Zahnarzt. Eine solche Verfälschung wäre einfach unverzeihlich. Warum sollte ein Künstler sich dermaßen vertun?





Galerie · Der Heilige

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Der Heilige wirkt nicht nur putzig, er wirkt auch irgendwie fanatisch, und zwar genauer: fanatisch wie ein Verrückter, und jetzt drängt sich wieder das Wort auf, über das ich vorher gestolpert bin: wie ein Besessener.

Nanu! Das ist ja eine interessante Wendung! Besessen ist hier nicht das Pferd, sondern der Heilige! Hochinteressant! Könnte es also sein, daß das Unbewußte des Malers hier eine Wahrheit zutage gefördert hat?

Was kann ich über diesen komischen Heiligen herausbekommen? Zwar bin ich nicht katholisch erzogen und muß deshalb auch keine Heiligen kennen, aber das eine oder andere läuft einem denn doch über den Weg - dieser Eligius war mir aber noch nicht untergekommen.

Mit Hilfe von » Google war ich bald schnell im Bilde und habe mich am Rande über so manches gewundert. Zum Beispiel: irgend jemand hat sich viel Mühe gemacht, will aber anonym bleiben. Er betreibt eine Seite namens » Ökumenisches Heiligenlexikon. Man wird mit folgendem Satz begrüßt:

Guten Morgen - Sie müssen arbeiten?
Heilige für (fast) alle Berufe:


Der Katholizismus ist offensichtlich kein Monotheismus, was man wegen der Trinität und dem Marienkult sowieso bezweifeln kann, sondern genau betrachtet ein ganz gewöhnlicher Polytheismus mit lokalen und berufsbezogenen Göttern, die oberflächlich getarnt als Heilige bezeichnet werden.

Für den praktizierenden Gläubigen wird alles einfach aufgelistet:

  • Gedenktag 1. Dezember
  • Übertragung der Gebeine: 25. Juni
  • Name bedeutet: der Auserwählte (latein.)
  • Attribute:
    • Kelch
    • Hammer
    • Amboss
    • Zange und
    • Pferdefuß
  • Patron für
    • Kechte
    • Bauern
    • Goldschmiede
    • Silberschmiede
    • Hufschmiede
    • Schmiede
    • Schlosser
    • Metallarbeiter
    • Bergleute
    • Büchsenmacher
    • Münzmeister
    • Uhrmacher
    • Lampenmacher
    • Korbmacher
    • Graveure
    • Wagner
    • Kutscher
    • Kutschenbauer
    • Sattler
    • Pferdehändler
    • Tierärzte
    • Pächter
    • Pferde
    • gegen Pferdekrankheiten
  • Bauernregel: "Fällt auf Eligius ein starker Wintertag, / die Kälte vier Monate dauern mag."


Wann, warum und von wem Eligius heilig gesprochen wurde, wurde leider nirgends erwähnt.





Galerie · Pferdekrankheiten

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So gesehen, wundert es mich, daß Eligius nicht unter Pferdeleuten wesentlich bekannter ist, wenn er denn der Patron der Pferdehändler, Kutscher, Tierärzte und Pferde ist und hilfreich gegen Pferdekrankheiten.

Vielleicht sollten wir weniger auf die herkömmliche Medizin, auf Akupunktur, Homöopathie und Telepathie setzen und stattdessen mehr zum guten Eligius beten.

Aus der » Biographie des Eligius (588-660, » Fordham University, New York, Jesuiten Universität, verfaßt von seinem Kollegen und Freund, Bischof Dado, 669-742) dazu folgende Geschichte, die vermutlich seinen Ruf als Pferdeheiler begründete:

Bischof Eligius hat bei seinem Tode sein besonders frommes Pferd (wahrscheinlich lammfromm) einem Abt vermacht. Der gierige Bischof dieses Abtes trachtete jedoch nach diesem Pferd und riß es sich unter den Nagel.

Der Abt traute sich natürlich nicht, sich dem Bischof zu widersetzen, und nahm Zuflucht zum verstorbenen Eligius. Der Bischof konnte sich des Pferdes leider nicht erfreuen, weil es alsogleich an allen vier Beinen lahmte, zitterte und verfiel.

Er holte daraufhin einen Pferdedoktor, der sich auch redlich bemühte, aber nichts erreichte. Im Gegenteil, sobald dieser sich dem Pferd näherte, wurde es richtig wild. Nach einigen Tagen hatte der Bischof ein Einsehen. Bevor er das Pferd ganz verlor, schenkte er den Gaul einer Matrone als Liebeslohn ("So he offered him as a gift of thanks to a certain matron whom he loved").

Diese wiederum nahm sich des Pferdes liebevoll an und versuchte es zu heilen. Eines Tages unternahm sie mit dem Pferd einen Ausritt. Offensichtlich war das Pferd zu dem Zeitpunkt schon wieder ziemlich hergestellt. Dann aber hat es gebuckelt und die Frau abgeworfen, und zwar so schwer, daß die Frau für ein Jahr fiebrig war ("for a year she shook with fever ... violently sick").

Da hat sich die Frau schwer bedankt für so ein Geschenk und Genugtuung gefordert ("reproaching him that he sent her exacerbation for a gift and thank you"). So hatte der Bischof beide Probleme wieder am Hals. Er holte das Pferd zurück und es ging diesem wieder zunehmend schlechter. Dann soll ein gewisser "religiöser Priester" gesehen haben, wie die Dinge stehen, und dem Bischof geraten haben, das Pferd dem Abt zurückzugeben.

Das hat der dann getan, nach ein paar Tagen ging es dem Pferd wieder gut und es hat sich beim Abt in jeder Hinsicht gut benommen. Und wenn es nicht gestorben ist, lebt es noch heute.

Soweit die Geschichte. Für den Gläubigen ist damit bewiesen, daß der tote Eligius seine Hände im Spiel hatte und die gesamte Sache von außen gesteuert hat. Eligius macht Pferde krank und gesund. Also muß Eligius wohl heilig sein.





Galerie · Das erste Wunder

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Der erste Absatz über » Eligius in der Biographie des » Heiligenlexikon bringt ein interessantes Detail:
Berichtet wird, dass Eligius' schwangere Mutter Torrigia im Traum einen Adler sah, der dreimal rief, um ihr etwas zu verkünden. Sie wagte zunächst nicht, jemanden nach der Deutung zu befragen; doch als sie nach der Geburt des Sohnes gefährdet erschien, wurde ein heiliger Mann gerufen, um für sie zu beten; er prophezeite ihr, der Sohn werde heilig und groß in der Kirche.
Genau. So fängt es an. Immerhin war es nur ein Traum, nicht ein Engel. Aber auf jeden Fall sieht die Mutter, daß der Sohn groß wird. Wie stellt der das dann an?
Der Knabe wurde im Goldschmiedehandwerk ausgebildet und Münzmeister am königlichen Hof. Er soll für den Merowingerkönig Chlotar II. einen goldenen Kopf und einen goldenen Sessel, für Dagobert I. mehrere Reliquienschreine gemacht haben. Die Überlieferung berichtet seine Wundertat, wonach er aus dem für einen Thronsessel bestimmten Gold die doppelte Menge machte und zwei Sessel fertigte, um den Erlös Armen zu geben.
Tolles Wunder! Verstehe ich das richtig?

Er machte aus einem Batzen Gold zwei Batzen.


Oder sagt die Überlieferung nicht vielmehr, daß er einen Batzen Gold bekommen hat, um daraus einen Sessel zu fertigen, und er hat auch einen Sessel gefertigt und hat entgegen seinem Auftrag nicht alles Material auf diesen Sessel verwendet, sondern etwas beiseite getan (was den Tatbestand der Unterschlagung darstellt), diesen Rest dann für einen zweiten Sessel verbraten, den er dann privat verkauft hat, wobei er das unrechtmäßig erworbene Gut anschließend "den Armen" gegeben hat?

Das würde nun ein ganz anderes Licht auf unseren Helden werfen. Ein Goldschmied, der Karriere machen will und muß, der mit ungeheuren Werten umgeht, die ihm nicht gehören, der vor kriminellen Handlungen nicht zurückschreckt. Was sagen die Quellen dazu?

Auf einer Heiligenseite einer Kirche (» St. Patrick's Church, Washington, D.C.) fand ich eine andere Lesart. Demzufolge hat er einfach mit dem vorhanden Material zwei Stühle gemacht, was den König sehr beeindruckt hat. Verständlich. Also kein Diebstahl. Und kein Wunder.

Dies ist aber vielleicht ebenfalls mehr oder weniger frei erfunden. Als ernstzunehmende Quelle habe ich nur den erwähnten » Bericht Dados gefunden, in den ich mich also (ungern) noch einmal vertieft habe.





Galerie · Der Traum

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Zunächst einmal stellt sich heraus, daß der Berichterstatter Dado nicht nur Zeitgenosse, Amtsgenosse und Freund ist, sondern: Partei. Wie weit man also diesem Bericht trauen darf, steht sehr dahin.

Kritisches Lesen ist sicher nicht die Stärke der Heiligenforschung, für mich aber eine natürliche Haltung. Ich werde also reichlich kommentieren.

Der Bericht fängt an mit der Beschreibung des Geburtsortes und seiner Eltern. » St. Patrick's Church behauptet, seine Eltern seien Gallo-Römer gewesen. Sein Vater soll ein Goldschmied gewesen sein. Davon berichtet Dado nichts. Er erwähnt lediglich, daß die Eltern aus einer alten christlichen Linie stammen. Dafür trägt er sofort Sorge dafür, daß die Heiligkeit seines Freundes schon vor der Geburt offenbar wird.

Selbstverständlich wird argumentiert, daß die Geschichte den Willen Gottes beweist.
By grace of divine prescience, he received the name Eligius, a fitting mirror of his mind. And as a foretaste of what he would do, or indeed what God would do through him, it is fitting to tell what happened before he was born.
Genaugenommen wird hier also behauptet, daß die Namensgebung ein Akt göttlicher Gnade und Vorsehung war. Soso.

Als Beweis wird im nächsten Abschnitt der Traum der Mutter angeführt. Der Adler schrie dreimal zu ihr. Die Träumerin hat den Adler nicht verstanden. Der Berichterstatter weiß es auch nicht ("promising I don't know what"), aber immerhin ist es für ihn klar, daß der Adler ihr etwas versprochen hat. Eine Begründung für diese Annahme fehlt.

Die Träumerin war durch den Traum sehr erschreckt ("terrified by the reverberating voice") und fragte sich, was der Traum bedeuten möge. Das ist nicht ungewöhnlich. Schon in der Bibel und älteren Texten werden Träume erzählt und gedeutet.

Als die Geburt beginnt, gerät die Mutter in Not. Auch das ist nicht weiter bemerkenswert. Was tut sie? Sie ruft nach dem Priester ("So they called a certain religious priest, a man of good repute, that he might pray for her"), und zwar nicht nach irgend einem, sondern nach einem "religiösen" Priester. Man muß da wohl unterscheiden.

Dieser Mann verstand sein Handwerk ("When he came to her, prophetic words soon seized him ... "). Das gefällt den Kunden natürlich gut. Es kommt nicht nur über ihn, sondern er hat auch höchst Erfreuliches zu verkünden:

and he assured her: 'Do not be afraid, mother, for the Lord has deigned to bestow a blessed birth upon you. He will be a holy man and chosen from all his people he will be called a great priest in the church of Christ.'

Fürchte dich nicht, Mutter, denn der Herr gewährt dir eine gesegnete Geburt. Er wird ein heiliger Mann sein und erwählt vor seinem gesamten Volk, man wird ihn einen großer Priester in der Kirche Christi nennen.

Na bitte. Welche werdende oder nicht werdende Mutter hört solches nicht gerne? Mit dieser Prophezeiung kann man schon einiges aushalten. Ein Zusammenhang zwischen den Worten des Priesters und dem Traum wird nicht hergestellt.

Stop

(oder Stopp?): Das muß man sich klarmachen: sie wundert sich, was der Adler gesagt haben möge, und bittet den Priester, für sie zu beten.

Sie erzählt dem Priester nicht etwa den Traum und fragt ihn, was er bedeuten möge. So wird es von anderen Leuten natürlicherweise aufgefaßt und uns suggeriert (siehe oben). So erzählt es aber nicht unser bester Gewährsmann Dado. So hätte er es erzählen können, so wäre es stimmig.

Der Priester spricht diese Worte ohne Not, ohne Kenntnis des Traums und deshalb ohne Bezug auf den Traum und hat damit der kreißenden Frau zweifellos kurzfristig einen Dienst erwiesen.

Langfristig hat er das Leben des zu gebärenden Kindes mit einer Hypothek belastet. Er hat die Vorstellung der Mutter mit seiner Prophezeiung besetzt, sie ist jetzt besessen von seinen Worten. Das ist wie bei jeder Wahrsagung: die Tatsache, daß die Wahrsagung erfolgt ist, verändert alles.

Ein modernes Beispiel: Santana, Black Magic Woman - "you put a spell on me" - du hast einen Fluch über mich verhängt. Flüche sind die Kehrseite von Wahrsagungen, von der Wirkungsweise her identisch. Das Wort soll die Wirklichkeit verändern und tut es auch.

Was soll so ein kleines Christenkind in seinem Leben tun, wenn es eine Prophezeiung dieser Schwere mit sich herumträgt?

Stellen Sie sich vor, Ihr eigenes Leben würde unter so einem zweifelhaften "Segen" geführt! Sie könnten diese Tatsache nicht einmal verdrängen, denn Sie würden so heißen! Sie stellen sich jemanden vor: gestatten, ich bin der Auserwählte.

Wie kriegen Sie das hin, daß Sie Gott nicht Lügen zeihen müssen?





Galerie · Goldschmied

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Dado berichtet, daß Eligius streng katholisch christlich erzogen worden ist. Wir kennen das Wort katholisch vor allem im Gegensatz zum Wort evangelisch. Da dieses Wort erst in der Reformationszeit Bedeutung gewann, mag es verwundern, es in diesem Zusammenhang zu lesen. Es bedeutet aber einfach nur Unterwerfung unter die Regeln des Papstes. Eligius lebte schon in späteren Zeiten, da hatte die Kirche bereits einige Kämpfe und Spaltungen erlebt.

Der Junge war recht anstellig und handwerklich geschickt, sodaß der Vater ihn in eine Goldschmied-Lehre steckte, und zwar zum obersten Goldschmied der nächst gelegenen Stadt (Limoges). Dieser hatte ein öffentliches Amt (fiscalis monetae), welches mit "fiscal moneyer" übersetzt wurde. Hier läßt mich mein » WordWeb im Stich, auch der Webster kennt das Wort nicht. Ich nehme einmal an, daß es sich um das Finanzamt handelte.

Eligius ist auch in dieses Amt eingeführt worden, hat also nicht nur sein Handwerk gelernt. Er soll sehr anstellig gewesen sein, was ihm das Lob der Mitbürger einbrachte.

Besonders hervorgehoben wird, daß er "einfach wie eine Taube" handelte ("he acted with dovelike simplicity"), um niemanden Schaden zuzufügen (was immer damit gemeint sein mag), und daß er die Weisheit der Schlange besaß, sodaß er nicht in die Fallen hineintappte, die andere ihm stellten (Donnerwetter! Ist die Welt schlecht!).

Bemerkenswert finde ich, daß die Schlange hier in einem positiven Zusammenhang gebracht wird, während sie sonst im jüdisch-christlichen Kontext der Widersacher von Jehova ist (Eva und die Schlange). Das wiederum ist nachvollziehbar, denn die Schlange gehört in den Bereich der weiblichen Gottheiten, die der Wüstengott Jehova ausrotten muß, vor allem wenn sie noch Ansehen besitzt, wie das im Paradies der Fall war. Damit muß auch die Schlange verteufelt werden.

Dado hebt auch hervor, daß Eligius sprachgewandt ist. Das ist wichtig, denn über die Sprache wird kommuniziert, und wenn man Macht und Einfluß gewinnen will, muß man unter anderem auch sprachgewandt sein.

Dann kommt ein Satz, der mich stutzig machte:

Often he entered into the meetings of the church giving gold to whomever was there reciting the sacred scripture which he longed eagerly to bury within the memory of his heart so that even when he was absent he might ruminate with intense meditations on what he had heard.


Man muß sich das einmal vorstellen: hier ist ein junger Mann, ein Lehrling. Damals waren Lehrlinge sehr jung. Ich stelle mir also einen 13 jährigen, vielleicht 15 jährigen Knaben vor, der "öfters Kirchenversammlungen besuchte und jedermann Gold gab, der die Heiligen Schriften rezitierte, die er so heiß in sein Herz zu versenken begehrte, damit er selbst dann, wenn er nicht anwesend war, in intensiver Meditation über das nachdenken konnte, was er gehört hatte".

Wieso, bitte, hatte er das nicht bereits bei seinen Eltern lernen können? Und vor allem: wieso schmeißt er so mit Gold um sich? Warum tut er das? Die rezitieren doch die Texte sowieso! Wieso meint er, daß er die Texte besser lernen kann, wenn er die Gläubigen oder Priester - oder wer immer da rezitiert - mit Gold schmiert?

Gold war auch zu jener Zeit das Symbol schlechthin, mit Gold schmückten sich lediglich die ganz reichen Leute, also Könige und Bischöfe usw. Da kommt dieser Jüngling daher, und zwar öfters, und gibt jedem (!), der da war und die Texte rezitierte, das begehrte Gold. Selbst wenn es nur wenig war, der Vorgang an sich muß unerhört gewesen sein.

Wie haben wohl diejenigen reagiert, die so bestochen worden sind? Wenn ich heute in den Kölner Dom gehen würde, und hätte das Glück, dort jemanden zu treffen, der Heilige Texte rezitiert, und würde dem ein bißchen Gold in die Hand drücken - das würde doch eine sehr merkwürdige Situation ergeben!

Vielleicht sieht die Sache anders aus, wenn man Eligius heißt und der Auserwählte ist und die Leute das auch wissen. Vielleicht wollen die langsam auch mal sehen, wie sich das äußert, daß er auserwählt ist.

Zu der Zeit hatte sich das Christentum keineswegs überall durchgesetzt. Es war zwar die Staatsreligion des römischen Reiches, aber Eligius lebte unter den Franken und die wiederum beherrschten alle möglichen Völker, die erst noch missioniert werden mußten.

Da mußte noch viel Blut fließen. Bekannt ist das große Schlachten von Karl dem Großen unter den Sachsen 200 Jahre später. Die Stärke eines Gottes hatte sich zu beweisen.

Karl ließ die Irminsuhl umhauen, das herausragende Heiligtum der Barbaren. Erst einmal traute er sich das, hatte also keinen Respekt vor dem fremden Gott, und dann konnte dieser fremden Gott sich nicht wehren und ließ es einfach geschehen! Da war er erledigt - jedenfalls war das die Hoffnung von Karl, ganz so einfach war es ja nicht.

Mit anderen Worten: wenn Gott es wirklich groß vorhatte mit diesem Eligius, dann sollte er das auch mal deutlich machen. Vielleicht ist die Sache mit dem Gold so zu verstehen. Eligius wollte es langsam einmal zwingen. Was immer noch nicht die Frage beantwortet, wo er das Gold her hat.





Galerie · Der Sessel

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Ich kriege immer mehr Spaß an dieser Geschichte. Dado fährt fort:

Afterwards some years went by until for some reason which I believe was guided by divine providence, he left his native land and his parents and went to the soil of the Franks.


Genau: das ist auch mein Gefühl. Wann immer irgend etwas in meinem Leben sich ändert: das wird wohl die göttliche Vorsehung sein, die mich da leitet. Aber ich heiße ja auch nicht Eligius und bin nicht auserwählt, also muß ich mir solche Sorgen nicht machen.

Unser Eligius macht nach ein paar Tagen die Bekanntschaft des königlichen Schatzmeisters, darf für diesen arbeiten, tut das auch gewissenhaft und gewinnt die Liebe von jedermann, mit dem er spricht. Hier sieht man wieder die Macht des Wortes und die Sprachbegabung von Eligius.

Noch ist er aber nicht am Ziel, sondern arbeitet still vor sich hin. Nun hat er Glück. Der König der Franken möchte einen besonderen Sessel haben mit Gold und Edelsteinen, aber niemand traut es sich zu, diesen Sessel so zu machen, wie der König ihn haben will. Prekäre Situation. Eine Schande für die gesamte Zunft!

Und unser Schatzmeister fängt an zu überlegen, ob der junge Goldschmied nicht in der Lage wäre, diesen Auftrag zur Zufriedenheit auszuführen. Er fühlt also bei Eligius vor. Als er sicher ist, daß Eligius das kann, geht er zum König (er ist ein vorsichtiger Mann oder ein falscher Rat kann von Übel sein oder beides).

Der König ist hocherfreut (dieser Sessel muß seine Leidenschaft sein) und gibt seinem Schatzmeister eine große Menge Gold ("a great weight of gold"), das dieser wiederum ein Eligius weiterreicht. Merke: der König will nicht die Bekanntschaft dieses bemerkenswerten Handwerkers machen.

Eligius macht sich fleißig an die Arbeit. Ist dieser Auftrag jetzt die Chance, der Welt, sich und Gott zu beweisen, was es mit der Prophezeiung auf sich hat? Daß Eligius nicht einfach irgend ein begabter, liebenswerter Jüngling ist, sondern der Auserwählte? Was kann er sich einfallen lassen, um nach ganz oben zu kommen?

Dado bemerkt trocken, daß er von dem Material 2 Sessel machen konnte. Nun frage ich mich: war das Material genau abgemessen? Oder bestand der Auftrag darin, das gesamte Material auf einen Sessel zu verbraten? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.





Galerie · Der Coup

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Dann betont Dado, daß Eligius seine Arbeit ohne Betrug erledigt hat. Er zählt sogar 2 Methoden auf, mit denen Goldschmiede betrügen können. Wo gearbeitet wird, da fallen bekanntlich Späne, und wo mit Gold gearbeitet wird, fallen auch schon einmal ein paar Goldspäne ab. Außerdem kann man wohl auch mit der Flamme argumentieren - das verstehe ich nicht so recht, aber ich habe auch keinen Begriff von den Methoden eines Goldschmieds.

Dado freut sich, daß infolgedessen (mangels Betrug) Eligius glücklich seinen Lohn davonträgt. Jetzt kommt's:

er bringt einen Sessel zum Hof, behält den anderen Sessel zurück und sagt nichts!


Der König ist begeistert von der Arbeit und ordnet an, daß der Handwerker angemessen bezahlt wird. Bisher hat Eligius den König noch nicht gesehen. Der König will den Handwerker immer noch nicht sehen.

Aber plötzlich ist Eligius am Hof, mitten unter der Gesellschaft, und produziert den anderen Sessel mit den Worten (hier zitiert Dado wörtlich): "Ich habe diese Stück gemacht von dem Gold, das ich durch Nachlässigkeit hätte verlieren können."

Welch ein Schachzug! Dieses Gold zu unterschlagen, den Sessel zu verscheuern, wäre einfach dumm gewesen. Das hätte auffallen können, er wäre ein gewöhnlicher Krimineller geworden, wäre bestraft worden und seine Karriere wäre sofort beendet gewesen.

So aber ist er seinem König noch mehr zu Diensten, er beweist seine Ehrlichkeit und bringt sie richtig zur Geltung, er verkauft sich nicht unter Wert, sondern stellt sich mit einem Paukenschlag in das Zentrum des Geschehens. Nie hätte er die Chance gehabt, vor den König zu treten, wenn er nicht diesen zweiten Sessel hätte vorweisen können.

Die Wirkung ist denn auch entsprechend. Der König fragt die anderen Handwerker, ob irgend jemand so etwas hätte machen können, und die Antwort
fällt wie erwartet aus. Das war der Beginn der Bekanntschaft und des Vertrauens des Königs - genauer spricht Dado vom Palast - in Eligius. Denn es ist wichtig, daß nicht nur der König Vertrauen faßt, sondern auch seine Umgebung.

Alles in allem also eine ganz normale menschliche Geschichte, nachvollziehbar in jeder Einzelheit, kein Wunder weit und breit zu sehen. Von wegen: Eligius macht aus einem Batzen Gold zwei Batzen! Clever nutzt er seine Chance und macht sich lieb Kind bei dem, der die Macht hat.

Er bastelt an seiner Karriere mit denselben Methoden, die heute auch noch angewandt werden. Nichts Neues und schon gar nichts Heiliges.





Galerie · Anfechtungen

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Eligius wird aber nach wie vor lediglich für Goldschmiedearbeiten in Anspruch genommen. Selbstverständlich steigt sein Ansehen und die Aufträge werden anspruchsvoller, mehr ergibt sich noch nicht. Was ist denn nun mit der Auserwähltheit?

Dado setzt hinzu:

By the Lord's will, his faith was strengthened and, stimulated by the king, he grew to the better every day.


Der Nachsatz ist verständlich: durch die königlichen Aufträge wird Eligius als Goldschmied natürlich von Tag zu Tag besser. Bemerkenswert ist der erste Teil des Satzes: durch Gottes Wille wird sein Glaube gestärkt.

Mit dem Glauben unseres Eligius war es also nicht mehr so weit her. Er hat wohl schon daran gezweifelt, daß er auserwählt ist.

Die nächsten Abschnitte werde ich jetzt nicht mehr so ausführlich bringen. Jetzt wird es nämlich unappetitlich. Eligius wird erwachsen, er kommt in die Pubertät. Damit kommen besondere Anfechtungen, und diese bekämpft er mit Kasteiungen. Des Langen und Breiten werden die abartigen Vorstellungen aus dem Alten Testament vorgeführt, er fühlt sich wie Hiob und erniedrigt sich nach Kräften:

For always feeling the end of his present life, he trembled in fear of God's judgment, knowing the scripture: "Blessed is the man who is always afraid."


Aber dann wird doch sehr schnell klar, worum es geht. Die Niedrigen werden erhöht werden und die Hohen erniedrigt (Neues Testament). Sehr simple Logik. Ich will erhöht werden, also erniedrige ich mich. Nun muß Gott mich erhöhen! Wird's bald!?

Man hält es nicht für möglich. Der Kerl fängt an mit Gott zu handeln! Er verlangt von ihm, er solle ihm doch ein Zeichen geben, wenn es jetzt reicht:

Then calling on the Lord with a breast full of faith he asked that if his penitence were acceptable to God he might deign to give him a sign.


Ganz normaler Schacher wie auf einem orientalischen Basar. Ich werde mich jetzt ein bißchen quälen und kasteien und du mußt mich dann dafür erhöhen.

Weil ich inzwischen ungeduldig geworden bin und auf gar keinen Fall dich überzahlen will, frage ich höflich an, ob ich vielleicht schon genug getan habe, damit ich jetzt endlich damit aufhören kann.





Galerie · Das Wunder

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Tja, und da passiert das Wunder. Gott erhört seinen Auserwählten. Eligius bricht über seinen Nachtwachen zusammen und sinkt in den Schlaf, und plötzlich sieht er jemanden vor sich, der sagt:

Siehe, Eligius, deine Gebete sind erhört worden und das Zeichen, worum du gebeten hast, wird dir jetzt gewährt.


Sofort riecht es ganz wunderbar in seinem Zimmer, und zwar so stark, daß man es nicht mehr aushalten kann.

Donnerwetter! Das mit der Vision kann ja jeder erzählen. Wenn ich mich lang genug kasteie und vor allen Dingen lang genug zuwenig schlafe, kriege ich garantiert auch Visionen. Im übrigen kann ich mir auch sonst allerhand einbilden, vor allem, wenn ich mir davon Vorteile versprechen kann.

Aber dieser Geruch! Den müssen doch auch andere Leute riechen. Ziemlich clever. Beim Wunder selbst war ja niemand zugegen. Wenn ich es will, kann ich in meinem Zimmer auch so viel Wohlgeruch verbreiten, daß es stinkt. Wenn ich dann meinen Kumpel hole und ihm von meinem Wunder erzähle: wird er es mir glauben?

Heutzutage ist es nicht mehr so einfach, ein Heiliger zu werden. In diesem Zusammenhang fiel mir der Name Therese von Konnersreuth ein. Darüber hatte ich in irgendeiner Illustrierten vor langer, langer Zeit etwas gelesen. Mit Hilfe von » Google war ich mit reichlich Material eingedeckt. Natürlich hat Therese auch eine eigene » Homepage.

Ein gewisses » Magazin 2000 plus schreibt ganz naiv:

» Therese Neumann: Die Frau, die die Sprache Christi sprach...

Ein einfaches Bauernmädchen lebte 26 Jahre ohne jede Nahrung und Flüssigkeit, wurde dreimal von lebensbedrohlichen Krankheiten geheilt, trug die Wundmale Christi, die regelmäßig bluteten, hatte wöchentliche Visionen von der Kreuzigung, die dich als archäologisch und historisch korrekt erwiesen, in der Sprache Jesu, dem Aramäischen, und beeindruckte damit auch einen Yoga-Meister wie Parama-hamsa Yogananda. Therese von Konnersreuth, deren Todestag sich in diesem Jahr zum 33. Male jährt, war mehr als "bloß" das größte parapsychologische Phänomen dieses Jahrhunderts. Ihr Leben und Wirken zeugte davon, daß es eine Welt jenseits der Kausalität, jenseits der Materie gibt, eine Welt des Geistes, die Welt Gottes. Sie lehrte die ekstatische Liebe zur Schöpfung und den Weg des Opfers, der bedingungslosen Hingabe.



Therese Neumann von Konnersreuth hat 35 Jahre lang jede Menge "Wunder" und eine riesige Anhängerschaft produziert. Allerdings hat sie sich nie in die Karten schauen lassen. Wie sich » herausstellt, hat zum Beispiel niemand jemals bei Therese Blut fließen sehen.

Jeder beliebige Schmierenschauspieler kann sich mit ein bißchen Hühnerblut schnell stigmatisieren. Warum sollte Therese das nicht können? Wer es genauer wissen will, kann sich in die Materie einarbeiten. Ein ganzes Buch mit dem Titel » Der Schwindel von Konnersreuth - ein Skandal ohne Ende? ist online zu lesen.

Für die Kirche ist Therese ein großes Problem. Wenn man Therese (und viele andere Leute) heilig sprechen würde, wäre das sehr peinlich für die Kirche, wenn der Nachweis des Schwindels erbracht würde (der in vielen Fällen auch erbracht worden ist).

Andererseits kann man die vielen "Gläubigen" nicht enttäuschen, die so gern an die Wunder glauben. Was also tut man? Man schiebt die Sache auf die lange Bank. Heilige sind heute nicht mehr gefragt. Die Sache ist im Zeitalter der Naturwissenschaft zu gefährlich geworden. Man hat auch genug Heilige. Irgendwann ist hoffentlich Gras über die Sache gewachsen.

Heute hätte Eligius als Heiliger keine Chance mehr. Wenn er behaupten würde, es hätte ganz plötzlich in seinem Zimmer wundersam gestunken oder er hätte auf ungewöhnliche Art ein Pferd beschlagen, dann würde man das nicht ohne weiteres glauben wollen.

In der Anfangszeit konnten nur solche Christen Heilige werden, die bei der Verfolgung gefoltert und ermordet wurden - die Märtyrer. Später, als das Christentum Staatsreligion geworden war, standen die Chancen auf Heiligtum naturgemäß plötzlich sehr schlecht.

"Im 4 Jh. erfuhr der Märtyrerbegriff eine inhaltliche Ausweitung, so daß ein Kandidat nicht nur durch Verfolgung und Ermordung, sondern auch durch heroische Tugendübung die Verdienste des Martyriums erlangen konnte - und insbesondere dann, wenn sich seine Heiligkeit auch posthum durch außergewöhnliche Zeichen oder Wunder bestätigte." (» Seligsprechungsprozeß)





Galerie · Das Triumvirat

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Von dieser Änderung profitierte auch Eligius, und zweifellos hat er davon gewußt. Immerhin war diese Praxis schon jahrhundertelang in Gebrauch. Eligius und sein Kumpan Dado gehen tatsächlich so platt vor. Direkt nach dem Geruchswunder bespricht sich Eligius mit Dado und nimmt ihm das Versprechen ab, niemals jemanden davon zu berichten.

Schließlich haben sie noch Dados Bruder ins Vertrauen gezogen. Die beiden Brüder kamen im Gegensatz zu Eligius aus dem hohen Adel. Deshalb darf man annehmen, daß sie einerseits etwas von der großen Politik mitbekommen hatten und andererseits darin eine bedeutende Rolle spielen wollten.

Eligius kam nicht aus dem hohen Adel, aber durch die Prophezeiung des religiösen Priesters während der Geburtsschwierigkeiten seiner Mutter und der verpflichtenden Namensgebung wollte und mußte Eligius ebenfalls diesen Weg beschreiten.

Die Brüder begannen sogleich, Eligius nachzuahmen, alle waren ein Herz und eine Seele. Sie hatten einen Plan und brauchten den nur noch umsetzen. Dado folgert:

Therefore Eligius found grace in the presence of the Lord and in the presence of the king of the Franks.


So einfach ist das. Das ist auch heute noch so einfach. Wer erinnert sich noch an den Bhagwan? Die Jugend Europas und Amerikas ist ihm hinterher gelaufen. Er lief seiner Mutter hinterher (das durfte natürlich niemand wissen) und sammelte Rolls Royce (das konnte man schließlich nicht mehr verheimlichen, aber peinlich war es schon). Jahrelang ging das durch die Presse.

Etwas aktueller ist Scientology. Aber es gibt noch viele andere Beispiele, alle nach dem selben Strickmuster. Hier verkneifen ich es mir doch, im Internet nachzuschauen, was man darüber alles finden kann. Es reicht mir für heute.

Nun gut, Eligius hat die Sache eingefädelt, er hat das Vertrauen des Königs und baut es aus, sicher auch mit Hilfe seiner Freunde. Eines Tages ist seine Stellung so stark, daß er nicht mehr abwarten muß, bis der König ihn reich beschenkt, nein, er kann sogar etwas verlangen und der König schlägt es ihm nicht ab. Interessant ist die Argumentation, mit der er den König die Liegenschaft abschwatzt:

May your serenity concede this place to me, lord King, so that here I may raise a ladder by which you and I may both succeed in climbing into heaven. As usual, the king freely granted his petition, agreed, and gave the order without delay that what he asked might be conceded.


Eligius ist also ein eloquentes Schlitzohr. Durch die Schenkung ist er in der Lage, ein großzügiges Kloster zu gründen. Wieder kein Wunder. Nur ein weiteres Beispiel einer erfolgreichen Seilschaft. Schließlich profitiert auch Dado davon, er wird ebenfalls Bischof.

Dados Bericht ist nicht vollständig. Die Übersetzerin weiß nicht, ob die fehlenden Paragraphen verlorengegangen sind oder nachträglich von Dado entfernt wurden. Von unserem Pferdewunder ist jedenfalls in diesem Bericht nicht die Rede. Und auf weitere Wunder habe ich jetzt echt keine Lust mehr.





Galerie · Pressespiegel

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Das » Heiligenlexikon stellt die Geschichte so dar:

Von seinen zahlreichen Wundertaten ist eine besonders verbreitet: Er schnitt einem störrischen Pferd, das er beschlagen soll, das Bein ab, befestigt das Hufeisen auf dem Amboss und setzte das Bein wieder an.


Aha. Das Pferd war störrisch. Soso.

In Freiburg gibt es eine Schule, wo man auch ein bißchen Webdesign lernen kann. Die Schüler dürfen kleine Seiten ins Netz stellen. Da findet sich eine Variante zu unserem Wunder:

» Die Sache mit dem Pferdefuß

Glaubt man der Legende, so befahl der Frankenkönig dem hl. Eligius sein Pferd mit silbernen Hufeisen zu beschlagen.

Der bückte sich wohl nicht gerne, sondern schlug dem Pferd einfach den Vorderhuf ab, beschlug ihn und fügte ihn mit einem Kreuzzeichen wieder an.

Dem Lehrling gefiel diese Arbeitsweise, er scheiterte jedoch kläglich und der hl. Eligius mußte das arme Pferd heilen und seinem Lehrlich beibringen, daß Arbeitserleichterungen nur Heiligen vorbehalten sind.
Sehr witzig: der bückte sich wohl nicht gerne. Wenn man Eligius heißt ...

Aus einer Newsgroup ein » Beitrag im Zusammenhang mit der y2k-Problematik, die heute auch schon vergessen ist. Ein Auszug, der vielleicht Lust macht, die ganze Geschichte zu lesen:

"Ich bin", gab der heilige Eligius zur Antwort, "wie mein Name schon sagt, der heilige Eligius. Angestammter Schutzheiliger der Kutscher und Schlosser, wie in jedem Lexikon der Heiligen nachzulesen. Aber, naja, die Kutscher werden rar, also hab' ich jetzt vom Chef die Motorradfahrer dazugekriegt. Man kann sich seine Kundschaft halt nicht aussuchen.... Sie dürfen Eligius zu mir sagen."


» Guild of Blacksmiths niche
Relief at base of niche, depicting the miracle attributed to St. Eligius who shod the hoof of a horse, first cutting it off and then joining it miraculously back to the hock.
Nanni di Banco (1384-1421)

Immerhin drückt dieses Pferd deutlich seinen Protest gegen die ungeheure Behandlung aus, in der Sache aber erfahren wir nichts Neues.

Dieses Szene ist der Sockel für eine sehr große Statue, die Eligius darstellt. Die Wand dahinter ist mit stilisierten Schmiedezangen dekoriert. Eine Gesamtansicht findet sich » hier.

Schließlich will ich Ihnen nicht eine Satire-Seite vorenthalten: » Lewski's Mind Vibrator. In diesem Beitrag hechelt Brian G. Lewandowski eine ganze Reihe von Heiligen durch. Es geht um KFC = Kentucky Fried Chicken, das ist so etwas wie McDonalds, aber mit Hähnchen. Das Thema ist der Versuch, Fleisch ohne Tiere zu produzieren, auch bei uns derzeit ganz aktuell.

Den Gipfel schießt unser Eligius ab, der für ihn der Fachmann fürs Zusammensetzen ist:

Oddest of the saints was St Eligius. Not only did he spawn Saint Elsewhere, but also back in his time he actually had a wee bit of trouble shoeing a horse. So he just cut off the horse's leg, attached the horseshoe onto it, then did some little miracle whipping up and re-affixed the leg to the gimpy pony. Maybe he's our man. He could go to KFC, get an order of Buffalo Wings, grab some of the Tofu Mystery Penguin Chicken Meat Product, and reattach the parts.






Galerie · Petrus Christus

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Wer ist Petrus Christus? Ein belgischer Maler, aktiv in Brügge 1444-1472/73. Das Metropolitan Museum of Art, New York, besitzt ein Gemälde von ihm: St. Eligius in seiner Werkstatt (98 x 85 cm).

Klasse, das ist unser Mann! Der Goldschmied mit den überragenden Fähigkeiten! Der Mann mit den zwei Sesseln! Was zeigt uns Petrus Christus von diesem Heiligen, und wie hat er sich diesen Mann vorgestellt?

Ich zeige Ihnen hier 2 Ausschnitte, das gesamte Gemälde sehen Sie bei » Carol Gerten. Wir haben die Geschichte des Heiligen studiert. Würden Sie meinen, daß Christus seinen Charakter gut getroffen hat?

Christus zeigt einen gierigen Geschäftsmann, verschlagen, ganz diesseits, definitiv nicht das, was man sich unter einem Heiligen vorstellt. Wäre da nicht der Heiligenschein, man würde nie im Leben drauf kommen, daß dieser Mann in irgendeiner Weise heilig sein könnte.

Die gesamte Szene zeigt ein Liebespaar, welches beim Goldschmied Ringe machen lassen will.

Auch bei den Liebesleuten geht es nur ums Geschäft. Sehr mißtrauisch beäugen sie den Goldschmied. Mir fällt Dado wieder ein, der es nicht unterlassen hat, aufzuzählen, wie der Goldschmied seine Kunden betrügen kann.

Diese Kunden trauen ihrem Goldschmied durchaus einen Betrug zu, weshalb man lieber höllisch aufpaßt.

Die ganze Szenerie entspricht vollkommen den aus dieser Zeit bekannten Porträts von Kaufleuten, die ebenfalls knallhart und raffgierig waren, was heute nicht anders ist. Im Vergleich würde manch ein Kaufmann eher als Heiliger durchgehen als dieser Eligius.

Sehr, sehr merkwürdig. War sich Petrus Christus dieser Aussage bewußt?

Das Museum beschreibt Eligius als einen der populärsten Heiligen. Es hebt die Detailtreue des Gemäldes hervor, das die Werkstatt eines Goldschmieds angeblich wunderbar wiedergibt.

Dieses Gemälde soll darüber hinaus das Populärste von Petrus Christus sein (wie schön für das Museum, dieses Bild zu besitzen). Keinerlei Bemerkung zum Heiligen selbst, zur Unheiligkeit des Heiligen und erst recht nicht zum Pferdewunder.

Trotz aller Mühe haben wir also nicht aufklären können, wie es zu dieser grauslichen Vorstellung kommen konnte, und warum diese Vorstellung beliebt wurde. Wenn man sich die Gemälde des Mittelalters vor Augen führt, so fällt eine besondere Lust an Grausamkeit und Metzleien auf. Buchen wir es auf dieses Konto.





Galerie · Leserresonanz

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21.03.01

Hallo!

Sehr interessant, die Geschichte dieses seltsamen Heiligen. Er muss eine fruehe Form von perfekter PR-Abteilung gehabt haben, denn in Bayern (und in Tirol, wo ich herkomme) erzaehlt man sie sich ganz anders:

Der Hufschmied Eligius soll auf seine Schmiedekunst dermaßen stolz gewesen sein, dass er über seiner Werkstatt ein Schild hängen hatte, auf dem er sich als "Meister der Meister und Meister über alle" bezeichnete.

Da sei nun eines Abends Christus in der Gestalt eines wandernden Schmiedegesellen zu Eligius gekommen und habe um Arbeit nachgefragt. Eligius stellte den Gesellen ein und kam von Stund an nicht mehr aus dem Staunen heraus. Der Geselle hatte nämlich eine besondere Methode beim Pferdebeschlagen; er hieb dem zu beschlagenden Pferd kurzerhand den betreffenden Fuß ab, trug diesen zum Amboss, nagelte dort das neue Hufeisen auf und setzte den Fuß schließlich dem vor der Schmiede wartenden Gaul wieder nahtlos an.

Eligius, der Meister der Meister, wollte nun eines Tages, als der Geselle seinen freien Tag hatte, dieses neuartige Verfahren ebenfalls anwenden. Aber wie nicht anders zu erwarten: es ging schief. Zwar gelang es ihm, den Fuß des Pferdes abzubauen und zu beschlagen, aber mit dem Wiederansetzen haperte es.

Da es sich um einen prominenten Reiter handelte - man spricht von St. Georg persönlich -, war Eligius des verstümmelten Pferdes wegen in arger Verlegenheit, und wäre nicht Christus erschienen, um den Pferdefuß wieder ordnungsgemäß anzusetzen, wer weiß, ob der stolze Eligius die Blamage überlebt hätte.

So aber legte er seinen Hochmut ab und wurde sogar zu guter Letzt ein heiliger Bischof. (Zitat aus: Himmel voller Helfer, Welt voller Wunder; erschienen im Allgäuer Zeitungsverlag Kempten)

mit vielen Gruessen,
Eva


20.06.03

Sehr geehrter Herr Stürenburg!

Die im Artikel  Das Wunder, Pferdezeitung vom 20.4., geäußerten Behauptungen über Therese Neumann entsprechen nicht den Tatsachen. Personen, die Therese Neumann persönlich nicht kannten, gaben Falschmeldungen an die Medien.

Als Zeitzeuge von Therese Neumann weise ich darauf hin, daß nur die im Internet unter  www.ThereseNeumann.de oder  www.ThereseNeumann.com nachlesbaren Dinge der Wahrheit entsprechen.

Mit freundlichem Gruß
Dr. E. Foge-Diepold



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 Eisenbahn Eisenbahn Sergio, England? Erbitterter Widerstand, Ausschnitt aus Seite 18, Überfälle ( Nasalhelm ) Vor einigen Tagen habe ich eine Buchreihe

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 Polospieler Bayeux unbekannt, Frankreich/England Der Teppich von Bayeux, Ausschnitt Hic ceciderunt Lewine et Gyrth frates Haroldi regis Hier fielen Leofwine und

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 Bayeux Bayeux unbekannt, Frankreich/England Der Teppich von Bayeux, Ausschnitt Hic ceciderunt Lewine et Gyrth frates Haroldi regis Hier fielen Leofwine und

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 Tarot Tarot Arthur Edward Waite, Pamela Colman Smith, England Der Tod, Ausschnitt Karte 13 aus der Großen Arkana des Rider-Waite-Deck 70x120

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 Der Tod Der Tod Niki de Saint Phalle, Frankreich Der Tod, Ausschnitt Polyester, 1985 , 35x 76 cm, Aufl. 7 (Niki de [...]

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 Reiterbegegnung Reiterbegegnung Ewald Mataré, Deutschland Reiterbegegnung, Ausschnitt Bronze, 1949-1961 Museum Kleve ( Museum Kurhaus Kleve, Ewald Mataré-Sammlung) Kommentar Von Gerd Hebrang

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Kunstgalerie Pferde


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Galerie · Editorial

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Copyright wie angegeben
Wie so oft im Leben verdankt diese Abteilung ihre Entstehung einem Zufall. Als wir Anfang Januar 1999 nach einem Logo Ausschau hielten, griffen wir auf ein Buch über das Pferd in der Kunst zurück und entschieden uns für ein Gemälde des berühmten Pferdemalers Stubbs: 'Stuten und Fohlen'.

Im Dezember 2000 fiel uns ein Büchlein des Taschen Verlags mit einem ähnlichen Thema in die Hände. Daraus entstand die Idee, regelmäßig ein kleines Kunstwerk vorzustellen. Im Laufe der Zeit sollte dann ganz automatisch eine größere Galerie entstehen. Der Taschen Verlag stimmte dem Vorhaben freundlicherweise zu. Alsdann!

Selbstverständlich enthält dieses » Büchlein auch das Gemälde ' Stuten und Fohlen' und noch viele andere Gemälde von Stubbs, aus der Antike, der Vorzeit und der Gegenwart.

Dazu Texte und Fotos, also reichlich Material, was sicherlich über das reine Vergnügen des Betrachtens hinaus Anlaß zu weiteren Entdeckungen geben dürfte. Schon das » erste Kunstwerk führte auf eine hochinteressante Fährte und zeigte, daß und inwiefern das Internet uns eine neue Dimension beschert hat.

Das Internet bietet nicht nur jedem Benutzer Zugang zum "Wissen der Welt", jedermann kann auch der Welt sein Wissen offenlegen. In diesem Falle waren ein Student und ein Leistungskurs eines Gymnasiums so freundlich, ihre Arbeitsergebnisse zu publizieren, und mit Hilfe einer » Suchmaschine konnten wir uns dieses Wissen erschließen. Phantastisch!


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 63  Umfangreiche Messeseiten - z.B.  Olewo - Medizinisch wirksam, praktisch, gut: Olewo - die bessere Karotte
265  Rezensionen Bücher, Videos - z.B.  Diacont Mit System zum harmonischen Reiten 22,- EUR
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Zitat Ramona Jethon, 17.06.04: ... Meine Erfahrungen waren deshalb sehr positiv. Ich war sogar sehr positiv überrascht, dass es einen solchen Dienst überhaupt noch in der heutigen Zeit, bei dem kostenlos annoncieren kann. ...  mehr



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www.pferdezeitung.com/Galerie/103/Gesamttext · 28.12.2004 · 15:10
Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Leserbeiträge und die Inhalte externer Internetseiten.
Statistik  aktuell
·  November ( Vormonat): 10,44 Mio Hits (+26%), 1,80 Mio Seiten (+4%), 203.795 Besucher (+5%), 339.356.706 GB Traffic (+38%) ·  Übersicht

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Das Magazin für Pferdefreunde · Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes:  Dr. Gerd Hebrang
©1999-2004 · ISSN 1437-4528 · Tel +49 5744-5115-74 · Mobil +49 172-938 0238
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