Dado berichtet, daß Eligius streng katholisch christlich erzogen worden ist. Wir kennen das Wort katholisch vor allem im Gegensatz zum Wort evangelisch. Da dieses Wort erst in der Reformationszeit Bedeutung gewann, mag es verwundern, es in diesem Zusammenhang zu lesen. Es bedeutet aber einfach nur Unterwerfung unter die Regeln des Papstes. Eligius lebte schon in späteren Zeiten, da hatte die Kirche bereits einige Kämpfe und Spaltungen erlebt.
Der Junge war recht anstellig und handwerklich geschickt, sodaß der Vater ihn in eine Goldschmied-Lehre steckte, und zwar zum obersten Goldschmied der nächst gelegenen Stadt (Limoges). Dieser hatte ein öffentliches Amt (fiscalis monetae), welches mit "fiscal moneyer" übersetzt wurde. Hier läßt mich mein » WordWeb im Stich, auch der Webster kennt das Wort nicht. Ich nehme einmal an, daß es sich um das Finanzamt handelte.
Eligius ist auch in dieses Amt eingeführt worden, hat also nicht nur sein Handwerk gelernt. Er soll sehr anstellig gewesen sein, was ihm das Lob der Mitbürger einbrachte.
Besonders hervorgehoben wird, daß er "einfach wie eine Taube" handelte ("he acted with dovelike simplicity"), um niemanden Schaden zuzufügen (was immer damit gemeint sein mag), und daß er die Weisheit der Schlange besaß, sodaß er nicht in die Fallen hineintappte, die andere ihm stellten (Donnerwetter! Ist die Welt schlecht!).
Bemerkenswert finde ich, daß die Schlange hier in einem positiven Zusammenhang gebracht wird, während sie sonst im jüdisch-christlichen Kontext der Widersacher von Jehova ist (Eva und die Schlange). Das wiederum ist nachvollziehbar, denn die Schlange gehört in den Bereich der weiblichen Gottheiten, die der Wüstengott Jehova ausrotten muß, vor allem wenn sie noch Ansehen besitzt, wie das im Paradies der Fall war. Damit muß auch die Schlange verteufelt werden.
Dado hebt auch hervor, daß Eligius sprachgewandt ist. Das ist wichtig, denn über die Sprache wird kommuniziert, und wenn man Macht und Einfluß gewinnen will, muß man unter anderem auch sprachgewandt sein.
Dann kommt ein Satz, der mich stutzig machte:
| Often he entered into the meetings of the church giving gold to whomever was there reciting the sacred scripture which he longed eagerly to bury within the memory of his heart so that even when he was absent he might ruminate with intense meditations on what he had heard. |
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Man muß sich das einmal vorstellen: hier ist ein junger Mann, ein Lehrling. Damals waren Lehrlinge sehr jung. Ich stelle mir also einen 13 jährigen, vielleicht 15 jährigen Knaben vor, der "öfters Kirchenversammlungen besuchte und jedermann Gold gab, der die Heiligen Schriften rezitierte, die er so heiß in sein Herz zu versenken begehrte, damit er selbst dann, wenn er nicht anwesend war, in intensiver Meditation über das nachdenken konnte, was er gehört hatte".
Wieso, bitte, hatte er das nicht bereits bei seinen Eltern lernen können? Und vor allem: wieso schmeißt er so mit Gold um sich? Warum tut er das? Die rezitieren doch die Texte sowieso! Wieso meint er, daß er die Texte besser lernen kann, wenn er die Gläubigen oder Priester - oder wer immer da rezitiert - mit Gold schmiert?
Gold war auch zu jener Zeit das Symbol schlechthin, mit Gold schmückten sich lediglich die ganz reichen Leute, also Könige und Bischöfe usw. Da kommt dieser Jüngling daher, und zwar öfters, und gibt jedem (!), der da war und die Texte rezitierte, das begehrte Gold. Selbst wenn es nur wenig war, der Vorgang an sich muß unerhört gewesen sein.
Wie haben wohl diejenigen reagiert, die so bestochen worden sind? Wenn ich heute in den Kölner Dom gehen würde, und hätte das Glück, dort jemanden zu treffen, der Heilige Texte rezitiert, und würde dem ein bißchen Gold in die Hand drücken - das würde doch eine sehr merkwürdige Situation ergeben!
Vielleicht sieht die Sache anders aus, wenn man Eligius heißt und der Auserwählte ist und die Leute das auch wissen. Vielleicht wollen die langsam auch mal sehen, wie sich das äußert, daß er auserwählt ist.
Zu der Zeit hatte sich das Christentum keineswegs überall durchgesetzt. Es war zwar die Staatsreligion des römischen Reiches, aber Eligius lebte unter den Franken und die wiederum beherrschten alle möglichen Völker, die erst noch missioniert werden mußten.
Da mußte noch viel Blut fließen. Bekannt ist das große Schlachten von Karl dem Großen unter den Sachsen 200 Jahre später. Die Stärke eines Gottes hatte sich zu beweisen.
Karl ließ die Irminsuhl umhauen, das herausragende Heiligtum der Barbaren. Erst einmal traute er sich das, hatte also keinen Respekt vor dem fremden Gott, und dann konnte dieser fremden Gott sich nicht wehren und ließ es einfach geschehen! Da war er erledigt - jedenfalls war das die Hoffnung von Karl, ganz so einfach war es ja nicht.
Mit anderen Worten: wenn Gott es wirklich groß vorhatte mit diesem Eligius, dann sollte er das auch mal deutlich machen. Vielleicht ist die Sache mit dem Gold so zu verstehen. Eligius wollte es langsam einmal zwingen. Was immer noch nicht die Frage beantwortet, wo er das Gold her hat.
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