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Bericht Zu den Themen  Fahrsport,  Kaltblüter · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 439.07 der Pferdezeitung vom 26.08.07
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 7. PferdeStark 2007 
 Ein Erfolg  Kulturgeschichte  Maschinen
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Spreewaldhof-Gurkenwagen in Prunkanspannung · © 2007
 
Spreewaldhof-Gurkenwagen in Prunkanspannung
Gold, das glänzt · © 2007
 
Gold, das glänzt
Gespann vor Zigeunerwagen · © 2007
 
Gespann vor Zigeunerwagen
Vierspännige Coach · © 2007
 
Vierspännige Coach

    7. PferdeStark 2007   
    Gutes Wetter und voller Erfolg   
von © 2007  Werner Popken
Zu den Themen Fahrsport, Kaltblüter


1995 wurde die » PferdeStark von der » IGZ Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. und dem Westfälischen Freilichtmuseum Detmold, das sich jetzt » LWL-Freilichtmuseum Detmold nennt, weil der » Landschaftsverband Westfalen-Lippe der Träger des Museums ist, ins Leben gerufen. In diesem Jahr fand diese Veranstaltung zum siebten Mal statt. Man hat sich inzwischen daran gewöhnt, daß die Leute in Massen zu dieser Schau strömen. Die Verkehrsleitung ist professionell und gelassen; wenn die Parkplätze voll sind, werden eben die Straßenränder zugeparkt. Wer sich auskennt, umfährt die Detmolder Innenstadt, weil durch den starken Andrang der Verkehr sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Im Schnitt besuchen 16.000 Menschen die PferdeStark, die traditionell an einem Samstag und Sonntag Ende August stattfindet. Das Programm spiegelt die doppelte Trägerschaft wider: Die IGZ stellt die Verwendung der Zugpferde heraus, wie es ihrem Auftrag entspricht, und ist für die Wettbewerbe verantwortlich: Pflügen, Holzrücken, Zugleistung, Schaupflügen, Fahrwettbewerbe einspännig, zweispännig und vierspännig.

Der Rest geht wohl eher auf das Konto LWL und hat starken Showcharakter. Da geht es in der Regel nicht um das Ziehen, sondern um das Reiten, und auf welcher Art von Pferden geritten wird, ist auch nicht so wichtig. Hauptsache Show. Während sich die Veranstaltungen der IGZ eher an die Insider und Fachleute wendet, scheint man sich ansonsten eher an ein allgemeines Publikum zu wenden, das von Pferden und speziell Zugpferden wenig bis gar keine Ahnung hat. Der LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch formuliert im Geleitwort des Programmhefts:

Pferdefreunde aus vielen europäischen Ländern haben mit Begeisterung ihre Teilnahme zugesagt und bringen internationales Flair und viel Engagement nach Detmold. Damit ist auch dieser Einrichtung des Landschaftsverbandes im besten Sinne "glocal", wie eine aktuelle Anforderung der EU an die Kulturpolitik ihrer Staaten formuliert ist.

Es geht darum "globale" Themen - den Tierschutz und das Engagement für den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen - auf der "lokalen" Ebene hier bei uns in Westfalen umzusetzen: Und genau dafür stehen neben vielen anderen Aktivitäten des LWL - auch die "PferdeStark".

Dieser Anspruch wird vor allem durch die IGZ erfüllt, nicht jedoch durch das Showprogramm, für das die IGZ offensichtlich nicht verantwortlich zeichnet. Die Verantwortlichen der IGZ begleiten die schon erwähnten Veranstaltungen bis auf die Fahrwettbewerbe, die auf dem großen Platz stattfinden und von Heinz-Peter Conredel kommentiert werden.

Ich habe nicht an jeder PferdeStark teilgenommen, aber an einigen und vermute daher, daß die Moderation des Schauprogramms stets in den Händen von Heinz-Peter Conredel lag. Das Programmheft informiert, daß sein Anteil an den Veranstaltungen deutlich mehr umfaßt als nur die Moderation:

Für das LWL Freilichtmuseum Detmold organisiert und moderiert Heinz-Peter Conredel mit großen Anklang seit 1996 Veranstaltungen wie "PferdeStark". Auch 2007 ist er maßgeblich am Arrangement der Aktionstage rund um Kaltblutpferde beteiligt und wird die Veranstaltung mit Erfahrung, Sachkunde und Humor moderieren.

Donnerwetter! Wer hätte das gedacht? Erfahrung, Sachkunde, Humor? Ich muß gestehen, daß mich seine Moderation in diesem Jahr weniger gestört hat als befürchtet. Vor vier Jahren habe ich unter seiner Moderation wirklich gelitten. Daher kann ich mir nicht vorstellen, daß jemand seine Arbeit schätzt, aber wer bin ich schon? Ich mußte doch davon ausgehen, daß dieser geehrte Mann an dieser Position gewünscht wird und beim Publikum ankommt, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es ging nicht nur mir so. Nun gut - das sind vielleicht Ausnahmen und alle anderen haben sich köstlich amüsiert.




Ein Erfolg


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Wie die Indianer · © 2007
 
Wie die Indianer
Gelassenheitsprüfung mit alter Matraze · © 2007
 
Gelassenheitsprüfung mit alter Matraze
Tandem in der Hindernisprüfung · © 2007
 
Tandem in der Hindernisprüfung
Vermutlich werden sich alle Leute nach Abschluß einer solchen Veranstaltungen auf die Schulter klopfen und zufrieden sein wollen. Das können sie auch diesmal, ganz ohne Frage, aber ich finde, es ist an der Zeit, einmal darauf hinzuweisen, daß es auch Schwachpunkte gibt. Ein ganz deutlicher und gravierender Schwachpunkt ist nach meinem Dafürhalten die Moderation. Eine gute Moderation ist sicherlich nicht ganz einfach, aber so schwierig doch auch wieder nicht, denn die Mitarbeiter der IGZ sind keine geschulte Moderatoren und haben ihre Aufgabe sehr gut erfüllt, selbst wenn es besondere Schwierigkeiten gab.

So hat sich zum Beispiel der Beginn des Zugleistungswettbewerbs sehr lange hingezogen, weil nicht alle Teilnehmer rechtzeitig erschienen. Das war eine erhebliche Herausforderung für dem Moderator, der spontan die Wartezeit überbrücken mußte. Das ist ihm ganz gut gelungen. Die Moderation der IGZ war sachlich und informativ. Das ist genau richtig für den Anspruch und das Format einer solchen Veranstaltung. Oberflächliche Witze wären absolut fehl am Platz. Den Teilnehmern ist auch gar nicht nach Witzen zumute. Natürlich freuen sie sich, wenn sie ihre Freunde und Gleichgesinnten alle zwei Jahre auf dieser Veranstaltung wiedersehen, aber alle eint das ernste und tief befriedigende Hobby - Sensationen werden nicht angestrebt und auch nicht erbracht.

Es mag sein, daß man die Veranstaltung nur dann zum Publikumsmagneten entwickeln und auf diesem Niveau halten kann, wenn Sensationen und spektakuläre Vorführungen geboten werden. Es käme vielleicht auf einen Versuch an. Auf mich wirkt dieser Ansatz eher abschreckend. Zugpferde sind im allgemeinen Kaltblüter, und Kaltblüter sind Schrittpferde. Schon der Trab ist eigentlich nicht unbedingt ihr Ding. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen. Das Dutzend Bauern hatte je zwei Kaltblüter, und ich habe nie ein Pferd galoppieren gesehen. Dabei haben mich Pferde so fasziniert, daß ich schon als Vorschulkind alle Gespanne am Klang der Hufe auf der Straße identifizieren konnte.

Selbstverständlich ist es faszinierend, diese gewaltigen Kraftpakete in schnellerem Tempo zu sehen, aber ist das den Pferden angemessen? Oder wird hier der Lust des Publikums nach Sensationen geopfert? In diesem Sinne sind auch die Fahrsportwettbewerbe durchaus kritisch zu sehen, da das Tempo dort sehr zugelegt hat. Die Kaltblüter brettern inzwischen in ähnlichem Tempo durch die Hindernisse wie die Warmblüter. Vor zwei Jahren habe ich die » Titanen der Rennbahn in » Brück besucht, eine Veranstaltung, die noch mehr auf Schau und Sensationen setzt.

Bei einer Galopprunde ist ein Kaltblüter tot zusammengebrochen. Sehr peinlich, wenn dies den Wettbewerben anzulasten wäre! Man erinnert sich an die Skandale des Distanzsports, bei dem regelmäßig Pferde wegen Überanstrengung zu Tode kamen, bis die Regeln so geändert wurden, daß nur Pferde qualifizierte bleiben, die gesundheitlichen nicht überanstrengt worden sind. Ob so etwas für Kaltblüter auch nötig sein wird? Oder sehe ich da etwas falsch? Trügt mich meine Erinnerung? Immerhin konnte ich als Vorschulkind die Geräusche der Pferde im Schritt, Trab und Galopp sher gut imitieren, und zwar als Einspänner und als Zweispänner. Woher wußte ich das, wenn die Bauern doch alle zweispännig und nie im Galopp fuhren?

Die Wettbewerbe selbst sind nicht alle unbedingt unterhaltsam. Manche haben ihre Längen, und auch deshalb ist gute Moderation wichtig. Karla Ebert hat dem Publikum beispielsweise immer wieder erklärt, wie die Aufgaben des Holzrücke-Wettbewerbs mit den alltäglichen Anforderungen bei der Waldarbeit zusammenhängen, wie sich die Bewältigung der gerade bearbeiteten Teilaufgabe für einen Fachmann darstellt, was für ihn eine gute Leistung ist, was vernachlässigt werden kann, was als Fehler gewertet werden muß, worauf es wirklich ankommt, was nur der speziellen Situation des Wettbewerbs geschuldet ist, wie man sich im Wettbewerb entscheiden kann und muß, wenn einem zum Beispiel die Zeit wegläuft.



Kulturgeschichte


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Holzrücke-Wettbewerb · © 2007
 
Holzrücke-Wettbewerb
Kette lösen, Kette befestigen · © 2007
 
Kette lösen, Kette befestigen
Obacht, daß nichts fällt! · © 2007
 
Obacht, daß nichts fällt!
Mähbinder · © 2007
 
Mähbinder
Man muß sich natürlich nicht alle Durchgänge eines solchen Wettbewerbs anschauen, das wäre auf die Dauer vermutlich etwas langweilig, denn gleichzeitig gibt es Vieles andere zu sehen, und ich könnte mir vorstellen, daß diese anderen Aktivitäten auch noch deutlich ausgebaut werden könnten, nicht zuletzt um den hehren Anspruch zu erfüllen, den nicht nur der Direktor des LWL formuliert hat. Man würde sich einen solchen Ansatz auch deshalb gut vorstellen können, weil es ja nicht der LWL ist, der hier Gastgeber und Veranstalter ist, sondern sein Organ Freilichtmuseum. Dessen Direktor formulierte im Programmheft:

Ohne Pferdekraft ist die historische Arbeitswelt nicht vorstellbar: Landwirtschaft, Handel und Militär waren auf die Hilfe dieser Tiere angewiesen. Viele Jahrhunderte hindurch war die Arbeit mit Pferden nicht zu ersetzen.

Erst der Einsatz moderner Motoren verdrängte die Zugtiere beinahe vollständig: heute weiß kaum noch jemand, wie wichtig und allgegenwärtig Pferde einmal waren, daher rücken wir diese Bedeutung live bei "PferdeStark" wieder ins Bewußtsein. Unsere Aktionstage sind ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Kaltblutpferde, geben aber auch - aus einer eher ökologischen Perspektive - Anregungen zum Einsatz der Pferde heute.

Diese Tage bleiben für jeden, der einmal dabei war, unvergeßlich. Die schweren Pferde sind nicht nur kraftvoll, sondern auch Eleganz - das Zeigen sie im schau Programm, denn Wettbewerben und den Vorführungen. Die Arbeiten unter Praxisbedingungen in Wald und Feld sind besonders beeindruckend, weil das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier so deutlich wird. Ein zu Hof, und das Pferd paßt seine Bewegungen den Erfordernissen an. Auch die Vielfalt überrascht: Es werden wieder über 200 Kaltblutpferde verschiedener Rassen aus den Ländern Europas bei "PferdeStark" zu Gast sein.

Daß ein Freilichtmuseum sich der Veranschaulichung historischer Techniken verpflichtet fühlt, liegt auf der Hand. Die Arbeit mit Zugpferden ist in dieser Hinsicht so naheliegend und notwendig, daß man sich eigentlich wünschen müßte, solche Veranstaltungen nicht nur alle zwei Jahre und nicht nur in Detmold zu sehen. Die meisten Menschen können sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie früher gearbeitet wurde. Ich habe es noch erlebt, daß das Getreide mit » Mähbindern geerntet wurde. » Mähdrescher setzten sich erst zu einer Zeit durch, als ich schon erwachsen war. Für die Männer, die in meiner Jugend auf dem Land arbeiteten, war der Mähbinder noch keine Selbstverständlichkeit. Sie konnten sich alle noch gut daran erinnern, daß sie früher das Getreide mit der Sense gemäht hatten. In Deutschland haben sich die Mähbinder erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt.

Auch die » Dreschmaschine war eine neue Erfindung, die sich in Deutschland erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchsetzte. Als ich klein war, gab es keine fahrenden Lohnunternehmer mehr; jeder Bauer hatte seine eigene Dreschmaschine auf der Tenne stehen. Die Modelle in meinem Dorf waren alle aus Holz gebaut, obwohl die Firma Lanz, die in ihrem legendären Lanz Bulldog fortlebt, schon 1929 die erste Dreschmaschine aus Stahl hergestellt hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, daß die Männer meiner Jugend selber nicht mehr mit dem » Dreschflegel gearbeitet haben. Der Weg vom Dreschflegel und der Sense zum modernen Mähdrescher ist trotzdem recht kurz und gehört unbedingt zum Thema eines Freilichtmuseums. Die Produktivitätsfortschritte, die mit dieser technischen Entwicklung verbunden waren, sind unglaublich.

Aber schon der eiserne » Pflug mit einem Schar, mit dem die Pflugwettbewerbe ausgeführt wurden, war ein großer Fortschritt, und hat sich in Deutschland erst im 19. Jahrhundert durchgesetzt. Die Veränderungen waren nicht unbedingt nur erfreulich - wieder damals noch heute. So haben die Scheunendrescher den ganzen Winter zu tun gehabt und waren durch die Einführung der Dreschmaschine plötzlich arbeitslos. Trotzdem gibt es keine Alternative zum technischen Fortschritt. Früher haben die Leute den ganzen Tag gearbeitet, um Essen zu können. Heute arbeitet einer den ganzen Tag und ernährt damit viele Menschen. In Kalifornien solle schon die ersten Mähdrescher geben, die völlig ohne menschliches Zutun ein Feld abernten können. Ist das nicht wunderbar? Maschinen erledigen die Arbeit und Menschen können sich um andere Dinge kümmern.

Insofern hat der Museumsleiter recht: Die PferdeStark paßt gut zum Museum. Er betont aber auch, daß das Schauprogramm die Kaltblüter in einem völlig neuen Licht erscheinen läßt. Das hat nun weniger mit dem Museum und der Vergangenheit zu tun und auch nicht so viel mit dem Anliegen der IGZ. Mit dem Aufkommen der Traktoren mußte man befürchten, daß die Kaltblüter aussterben würden, daß sie keinen Platz mehr in dieser Welt hätten. Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise als unberechtigt herausgestellt. Wir sind durch die Entwicklung des allgemeinen Wohlstandes heute in der Lage, Kaltblüter als Hobby zu halten. Damit stellt sich natürlich auch die Frage, was man mit diesen schönen und angenehmen Tieren machen will. Immer nur Pflügen und Holzrücken ist vielleicht nicht das richtige.



Maschinen


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Moderne Pferdemaschine · © 2007
 
Moderne Pferdemaschine
Moderne Pferdemaschine · © 2007
 
Moderne Pferdemaschine
Alte Pferdemaschinen · © 2007
 
Alte Pferdemaschinen
Fachsimpeln · © 2007
 
Fachsimpeln
Einige möchten den Kaltblüter neue Nutzungsmöglichkeiten dadurch erschließen, daß sie diese überall dort einsetzen, wo andere Pferde eingesetzt werden. Also sieht man Kaltblüter in der Dressur, im Fahrsport, beim Springen weniger, aber auch im Westernsport und bei der Showreiterei. Sind Kaltblüter wirklich Reitpferde? Tut man sich und den Kaltblüter etwas Gutes, wenn man sie als Reitpferde nutzt? Jedes Pferd kann galoppieren, aber üblicherweise setzt man im Rennsport ausschließlich Vollblüter ein. Auch ein Kaltblüter kann galoppieren, aber sollte man das forcieren?

Die IGZ setzt auf Verwendung der Kaltblüter in wirtschaftlichen Zusammenhängen, und zwar nicht nur im Bereich der Forsttechnik. Deshalb spielt die Maschinenausstellung eine große Rolle. In meiner Jugend gab es neben dem Mähbinder und dem Pflug noch eine ganze Reihe anderer Maschinen, etwa den Heuwender. Eine ganze Reihe dieser alten Maschinen wird traditionell auf der PferdeStark ausgestellt, aber das Schwergewicht liegt eigentlich auf den Neuentwicklungen. Ich habe die Faszination der Kaltblutfreunde für diese Maschinen erst in diesem Jahr verstanden.

Das Problem besteht offenbar darin, geeignete Antriebsmechanismen zu entwickeln. Die Übertragung der Zugkraft auf die Räder und von dort auf andere Mechanismen scheint nicht zu funktionieren oder nicht auszureichen. Also ist man auf die Idee verfallen, herkömmliche Benzinmotoren auf Fahrgestelle zu montieren und mit diesen Motoren die benötigten Geräte anzutreiben. Man kann sich vorstellen, welchen Krach eine solche Maschine macht, und muß sich wundern, daß die Kaltblüter, die einen solchen Wagen ziehen, nicht die Nerven verlieren.

Ob sich eine solche Lösung auf die Dauer durchsetzen wird, muß sich zeigen. Es wurden jedenfalls in diesem Jahr Innovationspreise für neue Maschinen verliehen, die keine Motoren benötigten, so etwa ein Wagen mit Transportvorrichtung, der einen riesigen Strohballen transportieren kann. Der Moderator betonte, daß alle diese Erfindungen nicht etwa von Ingenieuren gemacht worden sind, sondern von Bauern - wobei ich mich gefragt habe, ob das wieder die typische Unschärfe war, denn nach meiner Einschätzung sind die meisten Kaltblut-Freunde keineswegs Bauern. Einer der mir bekannten Teilnehmer ist zum Beispiel Rechtsanwalt und Notar.

Wie dem auch sei - auf dem Stand der IGZ habe ich den Katalog eines amerikanischen Landmaschinenproduzenten erhalten. Pioneer Equipment Inc., Dalton, Ohio. Merkwürdigerweise hat diese Firma keine Internetpräsenz. Auf dem Umschlag ist ein interessante Pflug abgebildet, der den Namen "The Pioneer Sulky Plow" trägt. Wenn ich das Foto richtig interpretiere, hat dieser Pflug zwei Eisenräder, von denen das eine in der Furche läuft, während das andere als Schneidmesser ausgebildet ist, und einen Sitz, der über der Pflugschar angebracht ist. Daher wohl der Namensbestandteil Sulky. Der Pflüger führt also diesen Pflug nicht - es gibt auch gar keine Griffe - sondern sitzt darauf und läßt sich fahren. Angeblich soll dieser Pflug ganz phantastisch funktionieren. Es gibt ihn in zwei Ausführungen, mit einer normalen Schar und einer modernen europäischen Schar. Die alten Modelle werden also weiterentwickelt.

Ich entnehme aus diesen vielfältigen Ansätzen, daß die wahren Kaltblut-Liebhaber mit ihren Pferde nicht reiten oder turniermäßig fahren möchten, sondern wie ein richtiger Bauer arbeiten, nützliche Tätigkeiten vollbringen wollen. Das ist eine gute Nachricht insofern als mit den Kaltblütern ja eine ganze Kultur verbunden ist, eine Arbeitskultur, ganz im Gegensatz zur Reitkultur des Adels, das Bürgertum und des Militärs. Wenn man die Nutzung der Kaltblüter verändern würde, ginge notwendigerweise auch die entsprechende Arbeitskultur verloren. Insofern stünde es dem Freilichtmuseum auch gut an, aus dem Zwang zur ständigen Steigerung der dargeboten Sensationen auszusteigen und sich statt dessen auf die Darstellung der alten Arbeitstechniken und deren eventuelle Weiterentwicklung für die Zukunft zu konzentrieren.

Es gibt ja in anderen Szenen sehr aufwendige Versuche, die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken. » Reenactment nennt man das. Meistens geht es dabei um historische Begebenheiten oder Schlachten. In Löhne wurde eine alte Wassermühle durch den Verein » Vom Korn zum Brot wieder zum Leben erweckt. Jedes Jahr werden dort alle Arbeitsschritte von der Saat über die Ernte, das Mahlen und das Backen neu inszeniert, so wie es im 19. Jahrhundert üblich war. Das kann man im Rahmen eines zweitägigen Festes natürlich nicht machen, aber man kann es wenigstens andeuten.



Historische Schaubilder


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Innvovationspreis · © 2007
 
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Innvovationspreis: Farnvernichter · © 2007
 
Innvovationspreis: Farnvernichter
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In Brück hat man etwas derartiges versucht, allerdings in der Form eines Erntedankfest-Umzuges, was etwas unbefriedigend war und lediglich ein Umzug kostümierter Männer und Frauen mit Arbeitsgeräten wie Harke und Sense darstellte. Das war ziemlich dürftig und wurde auch nicht weiter erläutert. Einem Museum könnte man schon viel interessantere und tiefgehendere Schaubilder zutrauen. Die Moderation könnte dann die notwendigen historischen Hintergründe liefern. Ich stelle mir so etwa sehr spannend vor. Es würde sich nahtlos an die Intentionen der IGZ anfügen und wunderbar zum Auftrag und Image eines Museums passen. Das jetzt gebotene Spektakel knüpft eher an die Shows an, die seit vielen Jahren auf Messen aufgeführt werden, und paßt eigentlich überhaupt nicht in diesen Rahmen.

Wenn ich es richtig sehe, hat das Freilichtmuseum Detmold auch einen neuen Leiter. Das wäre ein weiterer Grund und Anlaß, die Konzeption der bisherigen Veranstaltung zu überdenken, statt alle zwei Jahre denselben Zirkus wieder aufzuführen und lediglich eine Vergrößerung hinsichtlich der Teilnehmer, der Besucher, der Sensationen anzustreben. Auf die Dauer ist das einfach langweilig. Shows gibt es überall, und irgendwelche Stunts kann man überall draufpappen, wenn man will. Andere Veranstalter haben vielleicht gar keine Wahl, das Freilichtmuseum Detmold schon. Es hat sich auch einen Ruf erworben, der nicht auf Spiel gesetzt werden sollte, sondern im Gegenteil genutzt werden könnte, der gesamten Museumslandschaft neue Impulse zu verleihen. In diesem Sinne wünsche ich der PferdeStark eine grandiose Zukunft.

In der Presseerklärung vom 21.8.2007 erklärt die LWL bzw. das Freilichtmuseum:

Für unsere | Eltern gehörten Kaltblut Pferde noch zum alltäglichen Leben: Sie kannten die Pferde als "Waldarbeiter" beim Holzrücken oder vor dem Bier-, Milch- und Tramwagen.

Wie bitte? Unsere Urgroßeltern? Das habe ich persönlich noch selbst erlebt! Und zwar nicht nur bei solchen exotischen Tätigkeiten wie dem Holzrücken, sondern bei den Bauern auf dem Dorf. Wer immer diesen Text formuliert hat - er war wohl ein Stadtkind, und zwar aus einer Stadt, die eine Tram hatte, die mit Pferden gezogen wurde. Ansonsten gab es nur die Bierwagen und die Milchwagen. Aber es ust eigentlich der Ausdruck "Urgroßeltern", der mich stutzen ließ. Ergo: Ich muß mich als Urgroßvater einschätzen, als jemand, der in eine schon völlig vergangene Zeit hineinreicht.

Übrigens gibt es unter der bäuerlichen Bevölkerung eine starke Bewegung, die sich der Restaurierung und Pflege der alten Traktoren widmet, also der Maschinen, die den Pferden folgten. In Paderborn gibt es sogar schon ein Museum für diese Maschinen: » Deutsches Traktoren und Modellauto Museum. Ein Museum kann natürlich nicht alles machen und muß sich konzentrieren. Insofern wäre verständlich, wenn das Freilichtmuseum Detmold diese Phase der bäuerlichen Kultur nicht dokumentieren möchte. Es wäre aber meines Erachtens eine interessante Bereicherung der PferdeStark, wenn die Traktoren-Liebhaber ihre Schmuckstücke im Rahmen der PferdeStark ebenfalls vorstellen könnten. Was den Brauereifahrzeugen recht ist, sollte den Traktoren billig sein.

Ich weiß nicht, ob es heute noch Volkstanz- oder Trachtenvereine gibt, aber auch die wären eine passende Ergänzung, passender als eine Fahr-Quadrille des Landgestüts Warendorf. Die zeigen zwar Pferde und auch Kaltblüter, aber diese Quadrille hat mit der bäuerlichen Kultur nun wirklich nichts zu tun und findet vermutlich unter den IGZ-Mitgliedern auch keine begeisterten Anhänger. Das gehört ebenfalls zum Thema Hengstparade oder Hop-Top-Show.

Womit mir schon wieder das nächste Thema einfällt, dessen sich das Freilichtmuseum annehmen könnte, nämlich die Beziehung zwischen Landgestüt und Bauernschaft. Das ist natürlich ein spannendes Thema, gut geeignet für einen Aufsatz, und zweifellos gibt es darüber auch schon eine Reihe von Arbeiten, aus denen man schöpfen kann. Die Innovation wäre hier die Umsetzung abstrakter Untersuchungsergebnisse in lebendige Vergangenheit, das in-Szene-setzen sozialer Konflikte. Das Landgestüt wurde nämlich von Berlin aus eingerichtet, um Remonten für die Armee zu erzeugen, und die Bauern wurden gezwungen, die dort aufgestallten Hengste zu benutzen. Dagegen haben die sich sehr heftig gewehrt, weil ihre Vorstellung von einem brauchbaren Pferd sich gar nicht decken ließ mit den Vorstellungen der Militärs. Für diese Geschichte könnte man selbstverständlich die Pferde und Sattelmeister das Landgestüts heranziehen. Das wäre auch für die eine spannende Gelegenheit, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten.

Fertige Schaubilder einzukaufen ist freilich einfacher. Aber ist es auch befriedigender? Wird nicht auch der Erwartung des Publikums an ein Freilichtmuseum durch solche Ansätze besser Rechnung getragen? Ist es nicht auch für die Wissenschaftler am Museum aufregender, Neuland zu betreten, als alte Pfade immer wieder und immer tiefer einzutreten? Würden nicht auch das Museum seinen eigentlichen Auftrag durch solche Ansätze viel besser erfüllen? In diesem Sinne wünsche ich der Museumsleitung viel Mut und Phantasie. Ich bin überzeugt, daß die IGZ eine solche Wendung begeistert unterstützen würde.

Möglicherweise befürchtet die LWL einen Popularitätseinbruch, wenn man das bisherige Konzept antasten würde. Wie wichtig ein solcher Knaller er aus politischen oder sonstigen Gründen für das Museum ist, kann ich nicht beurteilen. Aber wenn es nur das wäre, bräuchte man nur dreimal im Jahr einen Kirmes auf dem Museumsgelände abhalten. Das würde vermutlich noch mehr Leute animieren, das Museum zu besuchen. Ich glaube nicht, daß eine solche Entwicklung im Sinne der LWL wäre. Aber wer weiß? Angesichts leerer Kassen verfällt man ja auf die abstruseten Ideen.



Quellen / Verweise


  1. » PferdeStark
  2. » IGZ Interessengemeinschaft Zugpferde e.V.
  3. » LWL-Freilichtmuseum Detmold
  4. » Landschaftsverband Westfalen-Lippe
  5. » Titanen der Rennbahn
  6. » Brück
  7. » Mähbinder
  8. » Mähdrescher
  9. » Dreschmaschine
  10. » Dreschflegel
  11. » Pflug
  12. » Reenactment
  13. » Vom Korn zum Brot
  14. » Deutsches Traktoren und Modellauto Museum



Fotos

 · W. Popken im Fenster · Selbstportrait 08/2004 · © 2007

 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 



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Am Samstag vormittag rief mich jemand an. Er hatte ein Inserat aufgegeben und wollte ein Bild nachreichen. Das funktionierte nicht. Es erschien irgendein Bildschirm, mit dem er nichts anfangen konnte. Daher entschloß er sich, mich anzurufen.

Das war eine sehr gute Idee. Denn wenn etwas bei der Pferdezeitung nicht funktioniert, bin ich der erste, der es wissen will. Diese Sache erwies sich als sehr spannend. Schnell war klar, was das Problem war. Das Bild konnte nicht hochgeladen werden, weil der Benutzer nicht eingeloggt war. Kaum hatte er sich eingeloggt, war er wieder ausgeloggt.

So etwas kann eigentlich gar nicht passieren. Und es war ja auch noch nicht passiert, in all den vielen Jahren - oder hatte ich da etwas vergessen? Ich rekapitulierte den Mechanismus: Die automatische Legitimierung erfolgt über ein Cookie. Da das Programm nicht wissen kann, ob der Benutzer Cookies ausgeschaltet hat (was heutzutage sehr selten ist), wird nach dem Einloggen die Session-ID vorsorglich an die UL angehängt. Nach dem nächsten Aufruf weiß der Server, ob der Benutzer Cookies ermöglicht oder nicht, und hängt automatische an jeden beliebigen Link die Session-ID dran oder läßt sie überall weg. Da in diesem Fall die Session-ID nicht angehängt war, hatte der Browser des Benutzers signalisiert, daß er Cookies akzeptiert. Warum konnte der Benutzer trotzdem nicht erkannt werden?



Cookies

Am Programm konnte es eigentlich nicht liegen, weil ich von meinem Rechner aus einwandfrei arbeiten konnte. Hätte das Problem z. B. mit irgendwelchen individuellen Daten des Benutzers Probleme, müßte ich diese Probleme ebenfalls bekommen, wenn ich mich als dieser Benutzer einlogge. Das war aber nicht der Fall. Also war anzunehmen, daß das Problem auf der Maschine des Benutzers liegt. Nur wo?

Der Benutzer arbeitete mit Windows XP und dem Internet Explorer. In diesem Fall sind die Cookies Textdateien, die auf der Festplatte liegen, wo das Betriebssystem installiert ist, und zwar unterhalb des Ordners "Dokumente und Einstellungen" und in diesem Ordner innerhalb des Ordners, der den Benutzernamen trägt (auch dieser war einfach herauszufinden) und innerhalb dieses Ordners dann im Ordner Cookie.

Dort befanden sich natürlich sehr viele Cookies, aber keiner von der Pferdezeitung. Die Cookies haben alle die Form "Benutzernamen@hostname", also in diesem Fall "[email protected]". Wenn man die richtige Ansicht im Windows Explorer-Fenster einstellt, kann man die Cookies alphabetisch sortieren lassen und dann sehr schnell überprüfen, ob der gesuchte Cookie vorhanden ist. Diese Frage konnten wir sehr schnell negativ beantworten.



Ein Bug oder ein Datenfehler?

Ich wollte schon den ganz dicken Bulldozer herausholen und die einzelnen Teile des Programms daraufhin überprüfen, ob irgendwo etwas nicht so funktioniert, wie es soll, da hatte der Benutzer einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn er den Firefox ausprobieren würde? Sehr gute Idee! Mit dem Firefox funktionierte alles einwandfrei. Da seufzte der Benutzer und erklärte mir, daß er ein ähnliches Problem in einem Forum gehabt hatte. Und dort hatte man ihm dann schließlich geraten, den Firefox auszuprobieren, und auch in diesem Fall waren die Probleme sofort weg.

Welch eine Erleichterung! Wir hätten nach meiner Methode lange suchen können und hätten den Fehler doch nicht gefunden. Ich hatte schon einmal ähnliche Probleme mit dem Internet Explorer, diese aber dadurch lösen können, daß ich die Maschine einmal herunter- und wieder heraufgefahren hatte. Das hatte der Benutzer aber schon getan und konnte deshalb ausschließen, daß das Problem auf diese Weise beseitigt werden könnte.

Ich war sehr froh, daß der Benutzer geduldig genug war, mit mir diese ganzen Untersuchungen vorzunehmen. Er war sehr froh, daß sein Problem endlich gelöst war, und hatte kein Interesse daran, die Ursache aufzuspüren. Das ist natürlich unbefriedigend, aber ich hatte eigentlich keine gute Idee, die erklären könnte, warum sein Internet Explorer plötzlich nicht vernünftig funktioniert, und deshalb hätte eine weitere Untersuchung vermutlich nichts gebracht. Also haben wir die Sache auf sich beruhen lassen. Normalerweise funktioniert der Internet Explorer natürlich einwandfrei. Wenn er plötzlich nicht richtig funktioniert, könnte es sich um einen Bug handeln, oder aber um einen Datenfehler. Ein Bug allein ist relativ unwahrscheinlich, weil das Problem dann überall und immer auftreten müßte. Dieser Bug dürfte zumindest von irgendwelchen Daten abhängen und nur dann zum Vorschein kommen, wenn diese Datenkonstellation vorliegt. Die genauen Bedingungen dafür herauszufinden, ist jedoch schwierig und möglicherweise unmöglich.



Lernprozeß

Was lernen wir daraus? Wenn ein Problem auftritt, können wir nicht von vornherein sagen, wo das Problem liegt. Es kann auch am Rechner des Benutzers liegen. Hoffentlich vergesse ich diese Lektion nicht so schnell, damit ich sofort schalten kann, wenn dieser Fall noch einmal auftritt. Eine zweite Lektion hoffe ich nicht so schnell zu vergessen: Man probiere die Fehlerkonstellation an einem anderen Programm aus. Tritt der Fehler in dem anderen Programm ebenfalls auf, dürfte er nicht am Programm liegen. Tritt er jedoch nicht auf, liegt er vermutlich am Programm, am anderen nämlich.

So etwas nennt man simple Logik. Die Methode ist eigentlich wissenschaftlich zu nennen. Wir formulieren Hypothesen, testen diese und versuchen sie zu verifizieren oder zu falsifizieren. Im Grunde ist das sogar alltägliches Handeln und gesunder Menschenverstand. Das Problem dabei ist nur, daß der gesunde Menschenverstand im alltäglichen Leben leicht logische Fehler macht. Und dann zieht man die falschen Schlüsse und gerät völlig auf die schiefe Bahn. Der Ansatz ist allerdings die Hypothese, und damit steht und fällt das ganze Verfahren. Wenn ich meine Hypothesen nicht sorgfältig genug formuliere, komme ich vielleicht nie auf die Lösung.

Die Problemlösung hatte so lange auf sich warten lassen, weil ich die Hypothese, daß der Internet Explorer schuld sein könnte, nicht gebildet hatte. Das war natürlich fahrlässig und ist nur zu erklären zum einen durch meine übergroße Bereitschaft, stets die Schuld bei mir zu suchen, zum anderen aber durch meine im Prinzip guten Erfahrungen mit dem Internet Explorer, so daß ich diesen nicht im Verdacht hatte.

Es gibt die Hypothese, daß man nur lernt, wenn es wehtut. Ich hoffe, diese Sache hat mir weh genug getan, daß ich tatsächlich daraus lerne.

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 




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Rezension: Eduard F. Pulvermann


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Winkelmann, Joachim

Eduard F. Pulvermann
1882-1944
Geschichte eines Hamburger Kaufmanns und Reiters

Taschenbuch, 160 Seiten
Hamburg, März 2007 · Poesel Press
ISBN 978-3000212352


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Der Verlag sagt über das Buch:

Rückentext

Eduard Pulvermann wurde 1882 als Sohn christlicher Eltern in Hamburg geboren und evangelisch-lutherisch erzogen. Die väterlichen jüdischen Großeltern lebten in der preußischen Provinz Posen, die mütterlichen katholischen stammten aus Österreich. Er war Offizier im Ersten Weltkrieg, Verfechter konservativer Werte, passionierter Reiter und Pferdezüchter, Gutsherr und Kirchenpatron, Rinder- und Schweinezüchter, Fabrikant, internationaler Kaufmann, liebevoller Familienvater und Opa Pu.

Eduard Pulvermann wurde ein Opfer des Nationalsozialismus. Sein Leben läßt sich ohne Kenntnis seiner Familiengeschichte und der Zeitenläufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenso wenig verstehen wie sein leidvolles Sterben 1944.



 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Das Buch ist im Verlag Poesel Press erschienen; es ist das erste Buch dieses Verlages. Der Autor hat den Verlag anscheinend speziell f�r die Herausgabe dieses Buches ins Leben gerufen: Die Adresse des Verlags ist identisch mit der Adresse des Autors.

Diese wiederum liegt ganz in der N�he des Hamburger Derbyplatzes. Das Hamburger Derby wurde von � Eduard Pulvermann gegr�ndet.

Als ich vor 50 Jahren zum ersten Mal auf dem Derbyplatz in Klein Flottbek stand, wu�te ich nichts �ber die Geschichte des Deutschen Springderbys und den Namensgeber f�r das bekannteste Hindernis des Parcours: Pulvermanns Grab. Erst in j�ngster Zeit habe ich mich f�r den Gr�nder dieses Wettbewerbs interessiert, dem einem Bronzetafel auf dem Turnierplatz gewidmet ist. Meinem Vorschlag folgend wurde der Wanderweg, der vom Bahnhof Klein Flottbek am Derbyplatz entlang zum Quellental f�hrt, anl��lich seines 60. Todestages nach Pulvermann benannt. Zur 125. Wiederkehr des Geburtstages von Eduard F. Pulvermann am 2. September 2007 sollen diese biographischen Notizen an ihn erinnern.
a.a.O., Seite 11

Der Autor hat einen gewaltigen Aufwand getrieben. Es ist kaum vorstellbar, da� irgend jemand eine solche Biographie in Auftrag geben und bezahlen w�rde - nicht einmal die Angeh�rigen, nicht die Hamburger Reiter, nicht die Turnierveranstalter und schon gar nicht die FN. Es ist also ein Werk der Liebe, vielleicht auch ein Versuch zur Vergangenheitsbew�ltigung. Leider l��t der Autor uns �ber seine Motivation im Unklaren. Die Kieler Nachrichten haben am 20.10.2006 einen Vorbericht �ber diese Untersuchungen gebracht:

Intensiv mit dem Leben Pulvermanns besch�ftigt sich Joachim Winkelmann aus Hamburg. Der Arzt im Ruhestand will n�chstes Jahr ein Buch �ber den bekannten Springreiter ver�ffentlichen. Er fand auch die n�heren Umst�nde seines Todes heraus. Eduard F. Pulvermann starb am 9. April 1944 im Konzentrationslager Neuengamme. "Das Landgericht Hamburg verurteilte ihn wegen Volksverrats und Devisenvergehens. Pulvermann besa� erhebliche finanzielle Mittel im Ausland. Bei diesem Prozess wird Pulvermann erstmals als Halbjude bezeichnet", berichtet Winkelmann. Obwohl das Gericht Freiheits- und Geldstrafe als verb��t ansah, wurde Pulvermann nicht freigesprochen, sondern von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gesperrt. Pulvermanns Gro�vater war Jude [sachlich falsch; korrekt: Vater]. Er selbst, obwohl 1882 in Hamburg geboren, war Amerikaner und auch Christ. 1903 �bernahm er die deutsche Staatsb�rgerschaft, um als Einj�hrig-Freiwilliger beim Husarenregiment in Schleswig zu dienen.

Durch seine Recherchen r�umt Winkelmann mit einer Legende auf. Die Nationalsozialisten in Westensee verbreiteten nach seinem Tod das Ger�cht, ihn habe die gerechte Strafe getroffen. Vom Turm des Herrenhauses aus soll Pulvermann mit einer Lampe feindliche Flugzeuge nach Kiel gelenkt haben. "V�lliger Unsinn. Das glaubte damals noch nicht mal die Gestapo", betont Winkelmann.
� Er baute "Pulvermanns Grab"

Im Buch formuliert Winkelmann sehr viel vorsichtiger:

Nicht nur in der Umgebung des Gutes Westensee h�lt sich bis heute hartn�ckig das Ger�cht, Pulvermann sei festgenommen worden, weil er vom Turm seines Gutshauses englischen Flugzeugen Lichtsignale gegeben habe, die dem Feind den Weg nach Kiel weisen sollten. Es mag sein, da� eine derartige Anzeige erfolgt ist, in den Anklagen vor dem Hanseatischen Sondergericht und dem Hamburger Landgericht werden derartige Beschuldigung jedoch nicht erhoben; Pulvermann wird nicht wegen Spionage angeklagt. Wie Rechtsanwalt Stumme 1950 schreibt, waren die Angriffe so unwahrscheinlich, da� selbst die Gestapo sie nicht aufgegriffen hat. Auf einem Antragsformular der Witwe Sibylla Pulvermann vom Februar 1946 zur Anerkennung Eduard Pulvermanns als Opfer des Nationalsozialismus befindet sich ein handschriftlicher Vermerk mit drei Namen, die mit den Zus�tzen "betreffs Berichte" und "Gartenhaus am Westensee, V-Mann" versehen sind. Es handelt sich wohl um die Namen der Informanten, doch geht aus der Notiz nicht hervor, ob ihren Denunziationen nachgegangen wurde.
a.a.O., Seite 103

Dieser Passus charakterisiert die Arbeitsweise des Autors sehr gut; zwei Anmerkungen belegen die Darstellung. Die Formulierung des Journalisten ist sehr viel griffiger und einleuchtender, aber wesentlich weniger greifbar. "Die Nationalsozialisten" h�rt sich immer so nach dem "die B�sen - wir Guten"-Prinzip an, w�hrend sich aus der Darstellung Winkelmanns schlie�en l��t, da� Pulvermann in seinem eigenen Dorf und m�glicherweise unter seinen eigenen Mitarbeitern Neider und Feinde gehabt hat.

In diesem Sinne mu� man das Buch mit sehr viel Phantasie lesen und alles das erg�nzen, was der Autor, vermutlich ganz bewu�t, nicht formuliert. Pulvermann lebte auf gro�em Fu�. Dem Journalisten hat Winkelmann wohl erz�hlt, da� Pulvermann das Gest�t Westensee 1921 f�r 5 Millionen RM erworben hat - diese konkrete Angabe kommt im Buch nicht vor. Dabei waren seine finanziellen Verh�ltnisse zum Kriegsende keineswegs einfach; auch hier erfahren wir wenig Einzelheiten. Immerhin soll die amerikanische Regierung Pulvermanns Anteile an der Mutterfirma in New York eingezogen und zwangsversteigert haben.

Wenn Winkelmann aus einem Brief Pulvermanns an die Ehefrau zitiert, wird der Anspruch des Kaufmanns sehr deutlich. F�r die Einrichtung des neu erworbenen Herrenhauses ist nur das Beste gut genug. Pulvermann l��t in M�nchen, Paris und London arbeiten. Geld scheint keine Rolle zu spielen, Geld hat man, und man zeigt es auch. Selbstverst�ndlich f�hrt man ein Luxusauto, und selbstverst�ndlich kauft man nach Belieben Pferde und verkauft sie auch wieder. Mit dem Gut war die Patronatsrolle f�r die Kirchengemeinde verbunden. Pulvermann kann allerdings nur selten an den Zusammenk�nften der Gemeindevorsteher teilnehmen, weil er viel auf Gesch�ftsreisen ist. England, Norwegen, Nord- und S�damerika werden ausdr�cklich mehrfach erw�hnt. Selbstverst�ndlich reist Pulvermann auf Luxusschiffen in der Luxusklasse.

Die Arbeit auf dem Gut, die Zucht mit Pferden, Rindern und Schweinen, werden einfache Leute erledigt haben, und denen blieb der Lebensstil der Pulvermanns nat�rlich nicht verborgen. Nur durch einen Satz deutet der Autor die sozialen Spannungen an, wenn er n�mlich erw�hnt, in der m�ndlichen Dorfchronik sei vermerkt worden, da� das herrschaftliche Auto ein Huhn �berfahren hat. Das war f�r den Besitzer des Huhns vermutlich ein herber Verlust. Nicht vermerkt ist, ob dieser Verlust gro�z�gig entsch�digt wurde. Anzunehmen ist, da� dies vers�umt wurde, denn sonst w�re der Vorfall wohl heute nicht mehr pr�sent. So schafft man sich Feinde.

Auch die politischen Einlassungen des Helden bleiben im wesentlichen im Dunkeln. Vermutlich hat der Autor hier nicht den gn�digen Vorhang des Vergessens ausbreiten wollen, sondern einfach mehr nicht in Erfahrung bringen k�nnen. In einem gesonderten Abschnitt, W�rdigung �berschrieben, fa�t Winkelmann seinen Eindruck von Pulvermann auf anderthalb Seiten zusammen:

[...] Sichtbarer Ausdruck seiner Lebensfreude und Vitalit�t war seine Leidenschaft f�r den Reitsport, zu dessen gro�en Pers�nlichkeiten er durch die Gr�ndung des Deutschen Springderbys und seiner reiterlichen Erfolge in der 1920er Jahren geh�rte. Die Verbundenheit mit den Pferden und die Freundschaft mit den Reitern waren ihm ebenso wichtig wie der Sieg auf dem Turnierplatz [...]

Politisch war er dem konservativen Lager zuzurechnen. Seine Ablehnung des internationalen Sozialismus formulierte er fr�h, den wahren Charakter und die Gefahr des Nationalsozialismus erkannte er erst sp�ter. [...]
a.a.O., Seite 134

Diese W�rdigung wird begleitet von einem Kopfportr�t, das Pulvermann als feinen hanseatischen Typ zeigt, als m�chtigen Herrenmenschen, der gewohnt ist, sich durchzusetzen.

Die eigentliche Trag�die dieses Mannes kann vermutlich ebenfalls nicht aufgekl�rt werden. Zweifellos kann Pulvermann die Gefahr, die ihm pers�nlich durch die Rassengesetze drohte, nicht �bersehen haben. Darauf geht der Autor allerdings mit keinem Wort ein. Nach dessen Darstellung mu� man den Eindruck haben, da� Pulvermann von der Perfidie des nationalsozialistischen Apparats �berrascht worden ist. Das kann man von einem Mann dieses Kalibers allerdings nicht annehmen.

Wie dem weltgewandten Lebemann der Fehler unterlaufen konnte, eine flapsige Bemerkung an seinen Cousin in New York �ber die Lebensmittelversorgung als Schlu� eines Gesch�ftsbriefes zu w�hlen, der immerhin in einem Rosenstrau� versteckt an Bord eines Schiffes geschmuggelt und von einem Kurier in die USA bef�rdert werden mu�te, diesen Fehler sogar zu verdoppeln, indem eine Abschrift dieses Briefes im Gesch�ftstresor in Norwegen deponiert wurde, wird man vermutlich nicht aufkl�ren k�nnen. Die Frage h�tte man aber stellen m�ssen. Als die Nazis Norwegen �berfielen, wurde der Banktresor untersucht und der Brief gefunden. Damit war sein Schicksal besiegelt, die Nazis hatten ihn im Visier und lie�en nicht los.

Die vielj�hrigen Prozesse sind nur insofern interessant, als man die Methoden studieren kann, mit denen brutale Unrechtssysteme sich der Menschen als ausf�hrende Organe bem�chtigen und unschuldige Menschen vernichten. Immerhin haben die Gerichte einen Gro�teil der herbeigezogenen Vorw�rfe fallenlassen, trotzdem aber Pulvermann wegen Nichtigkeiten, etwa der ew�hnten Bemerkung �ber die Versorgungslage, verurteilt. Den Nazis ging es aber vermutlich gar nicht um den Mann und auch nicht um sein Halbjudentum, sondern um sein Verm�gen. Immerhin mu�ten sie einen teuren Krieg finanzieren. Deshalb wurde Pulvermann nie freigelassen, sondern gleich wieder in "Schutzhaft" genommen. Mit rechtsstaatlichen Mitteln kann man einem Unrechtsstaat nicht beikommen. Nat�rlich haben die Nazis bekommen, was sie wollten. Seine Frau mu�te stellvertretend einen seiner Betriebe verkaufen. Einige Jahre nach dem Krieg wurde immerhin vom Erwerber eine angemessene Entsch�digungssumme gezahlt.

Pulvermann hatte sich als Amerikaner freiwillig naturalisieren lassen, um als Kavallerist in die deutsche Armee eintreten zu k�nnen. Bekanntlich hat sich der Pferdesport vornehmlich aus der Milit�rreiterei entwickelt. Die zivilen b�uerlichen Reitervereine, die nach dem Zweiten Weltkrieg �berall gegr�ndet wurden, sind nach der Machtergreifung sehr schnell komplett in die SA �bernommen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen die Reiter ebenso schnell pauschal einen Persilschein. Diese Verstrickungen werden von Winkelmann nicht einmal erw�hnt. Ich vermute, da� er zum Pferdesport keine tiefere Beziehung hat.

So ist dieses Buch, wie der Titel ja auch schon andeutet, in erster Linie kein Buch f�r Reiter, sondern f�r Zeitgenossen, die sich f�r die Geschichte interessieren - und weil Pulvermann in der Geschichte des Reitsports eine bedeutende Rolle spielt und jeder Reiter auch ein politischer B�rger ist oder sein sollte, w�nsche ich diesem Buch auch viele Leser aus Reiterkreisen, auch wenn die Pferde und die Reiterei nur am Rande eine Rolle spielen. Man kann die Gegenwart nicht verstehen, wenn man die Vergangenheit nicht kennt. Vielleicht nimmt jemand anders diesen Stab auf und schreibt eine weitere Monographie �ber einen prominenten Reiter, der im Dritten Reich eine r�hmliche oder unr�hmliche Rolle gespielt, der von den Verh�ltnissen profitiert hat oder von diesen vernichtet worden ist.

Erstmals las ich von den sogenannten � Stolpersteinen; am 30. September 2005 hat der Spiegel �ber die Aktion berichtet, wie ich durch Google schnell herausfand:

Im CDU-regierten Hamburg, der Hauptstadt der Stolpersteine, stellt sich zwar B�rgermeister Ole von Beust demonstrativ hinter die Aktion. Sie erinnere daran, dass "wir durch Duckm�userei dem Terror den Weg geebnet haben", so von Beust. Doch in den feinen hanseatischen Clubs etwa, dem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens, schweigt man auch heute noch lieber �ber den Verbleib der ermordeten j�dischen Mitglieder. [...]

Einen Schritt weiter ist immerhin der Norddeutsche und Flottbeker Reiterverein gegangen. Sein prominentes Mitglied der drei�iger Jahre, Eduard Pulvermann, nach dem das Sprung-Hindernis benannt ist, wurde am 2. Februar 1944 in Neuengamme ermordet. Erst auf Anfrage von Hess entschied sich der Club, einen Stolperstein zu stiften. Ende August wurde der Stein eingeweiht, die T�chter und Enkel Pulvermanns waren zugegen, es gab Tee bei Familie Bardehle, den neuen Eigent�mern, die alten Damen erz�hlten von fr�her. Vom Club kam auf die Einladung zur Einweihung nicht einmal eine Absage.
� Stein oder nicht Stein?

Auch der Spiegel spricht davon, da� Pulvermann ermordet worden sei, wie es der K�nstler auf der Plakette vermerkt hat. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht; Pulvermann ist an den Folgen der Haft gestorben, und somit kann man nat�rlich formalistisch konstruieren, da� er durch die Haft "ermordet" worden sei - aber ich f�rchte, der Begriff "Mord" ist juristisch einwandfrei definiert und trifft auf Pulvermann definitiv nicht zu. Wie es geschehen konnte, da� wider besseres Wissen diese Plakette mit diesem Text und dem besseren Wissen aller Beteiligten, etwa der Angeh�rigen, im Pflaster versenkt wurde, kl�rt der Autor ebenfalls nicht. Statt dessen verwendet er bzw. seine beauftragten Gestalter die Plakette zweimal prominent im Buch, ohne auf diese meines Erachtens nicht unwichtige Einzelheit einzugehen.

Im Nachwort bedankt sich der Autor bei vielen Institutionen und Privatpersonen, die ihm bei der Recherche geholfen haben. Indirekt bedankt er sich auch bei vielen anonymen Helfern:

Wesentliche Informationen habe ich durch Recherchen im Worldwide Web erhalten, an die ich ohne dieses Medium nicht gekommen w�re. Nutzen konnte ich das Internet nur Dank der Unterst�tzung durch meinen Schwiegersohn Dr. Thomas Leineweber, L�beck.
a.a.O., Seite 152

Schade - ich stelle mir vor, da� gerade die Recherche im Internet besonders viel Spa� gemacht h�tte. Immer wieder erlebe ich, da� Menschen sich zu alt f�hlen f�r neue Techniken. (Manche dieser Menschen sind noch nicht mal drei�ig.) Meine �lteste Freundin im Internet war 84 und hatte mit 72 ihren ersten Computer bekommen. Man ist nie zu alt.

S�mtliche Fakten und Darstellungen sind mit entsprechenden Anmerkungen versehen. Das macht die Lekt�re etwas umst�ndlich; eigentlich handelt es sich um Fu�noten, die bekanntlich auf derselben Seite stehen und deshalb den Leseflu� nicht allzu sehr unterbrechen. Statt dessen sind die Fu�noten hier am Ende zusammengefa�t, was formal absolut in Ordnung ist, wodurch die Lekt�re aber erheblich erschwert wird. Immerhin ist der Umschlag ein Klappendeckel und die Klappen lie�en sich als Lesezeichen mi�brauchen.

Die Pferdezeitung hat in der Serie �ber die Geschichte der FN ebenfalls �ber Pulvermanns Ende berichtet, und zwar als Zitat aus dem Jubil�umsband  100 Jahre FN:

Nicht in den Gaskammern der Vernichtungslager, sondern in Konzentrationslagern geht das Leben der prominentesten Juden im Pferdesport zu Ende. Der Hamburger Kaufmann Eduard F. Pulvermann, Sch�pfer des Deutschen Spring-Derbys, wird 62j�hrig zu Tode ersch�pfte ins Gef�ngnislazarett Langenhorn gebracht, wo er am 9. April 1944 stirbt. Zuvor war er unter dem konstruierten Verdacht der Spionage verhaftet worden und �ber l�ngere Zeit dem Terror, den Mi�handlungen und Entbehrungen im Konzentrationslager Neuengamme am Rande von Hamburg ausgesetzt. Pulvermann, ein England-Freund und Sohn einer Amerikanerin - seine Eltern f�hrten einige Jahre in New York ein Im- und Exportunternehmen - verabscheute die Nazis zutiefst und hatte sich seit der Macht�bernahme der Nationalsozialisten aus dem Pferdesport wie dem �ffentlichen Leben fast v�llig zur�ckgezogen.
 Judenverfolgung

Nach der Lekt�re des Buches bin ich mir nicht mehr so sicher, ob man die Formulierung "verabscheute die Nazis zutiefst" wirklich halten kann. Richtig ist wohl, da� er sich zur�ckgezogen hatte, aber �ber die Gr�nde berichtet Winkelmann nichts, und schon gar nichts �ber einen angeblichen Naziha�. �brigens liegt auch hier ein sachliche Fehler vor: Beide Eltern waren Amerikaner, allerdings erst seit kurzer Zeit; der Vater war aus Posen nach Amerika ausgewandert, die Eltern der Mutter aus �sterreich. Der Vater war Teilhaber des New Yorker Unternehmens seines Schwiegervaters und in Hamburg Repr�sentant f�r Europa und Asien. Aber das wu�te die Autorin wohl nicht besser. Der Jubil�umsband verzichtet weitgehend auf Einzelnachweise, wurde aber unter Ausnutzung der Bibliothek des Deutschen Pferdemuseums geschrieben..

Pulvermann wird auf allen Fotos dieses Buches als Reiter mit Zylinder dargestellt, nur nicht in der Pferdezeitung. Das machte den Autor neugierig. Er ist nach wie vor interessiert an weiteren Einzelheiten und bittet die Leser, ihn zu informieren, falls diese mehr wissen (  poesel-press@hamburg.de). Dieses Foto war es, das den Autor dazu bewog, mir einen Brief und ein Rezensionsexemplar zu schicken.

Ich mu� ihn leider entt�uschen; das Foto habe ich aus dem erw�hnten Jubil�umsband �bernommen, der sein Bildmaterial zum �berwiegenden Teil aus dem Archiv Menzendorf hat, das wiederum mittlerweile Bestandteil des Deutschen Pferdemuseums in Verden ist. Es ist nat�rlich merkw�rdig, da� im Jubil�umsband ausgerechnet ein f�r Pulvermann untypisches Foto ausgesucht worden ist. Wie das wohl wieder zu erkl�ren ist?

Winkelmann bringt �brigens ebenfalls Bilder von Menzendorf - dieser war ja auf Pferde spezialisiert und hat selbstverst�ndlich auch Pulvermann fotografiert. Im Deutschen Pferdemuseum scheint der Autor nicht recherchiert zu haben; ich nehme an, da� Pulvermann immer wieder in der St. Georg erw�hnt wurde. Immerhin hat er 1927 in Den Haag die Mannschafts-Goldmedaille im Springreiten gewonnen. Das ist umso merkw�rdiger, als Winkelmann sich beim Aachen-Laurensberger Rennverein, beim Reiterverein Bad Kissingen und dem Gest�t Harzburg umgetan hat, nat�rlich auch bei den norddeutschen Reitervereinen. Verden liegt ja eigentlich vor der Haust�r. Zeigt das, da� auch Reitervereine das Museum und seine Schtze nicht kennen?

Die Ausstattung des Buches ist vorz�glich. Da waren Fachleute am Werk, die sich allerdings auch ein bi�chen von ihrer Kreativit�t haben mitrei�en lassen. Das Buch hat ein sehr ernstes Thema. Es geht weniger um Pferde, mehr um das tragische Schicksal eines nicht unbedeutenden Mannes. In diesem Zusammenhang konnte ich launigen Einf�llen wie der spiegelverkehrten Wiederholung von Motiven auf der Vorder- und R�ckseite, die mir zuerst am Klappendeckel aufgefallen ist, sich aber durchg�ngig auch in den zwischengeschossenen Kapiteltrennseiten findet, wenig abgewinnen. Ansonsten ist die Gestaltung professionell, gro�z�gig, gediegen, angenehm. Der Autor und sein Verlag haben sich da nicht lumpen lassen.

Hinten eingeklebt sind zwei Errata, Fehlschreibungen von unwesentlichen Eigennamen. Das Buch ist also herk�mmlich produziert. Vermutlich liegen mehrere 1000 St�ck auf Lager und alle Exemplare haben diese Druckfehler oder besser Satzfehler. Jedes einzelne Buch ist mit diesem Fehlerzettel versehen worden. Welch ein Aufwand! Selbstverst�ndlich besitzt das Buch eine ISBN und wird auch bei Amazon gelistet - allerdings ohne Preis, und kaufen kann man es auch nicht. Amazon wird es vermutlich nie f�hren wollen.

Ein Autor m�chte nicht nur, da� sein Buch gedruckt wird, es soll auch gekauft und gelesen werden. Ein Verlag lebt davon, da� B�cher produziert und verkauft werden und ist in diesem Sinne auch eine Marketingmaschine. Genauso, wie ich die Frage nach einem Auftraggeber verneinen mu�te, mu� man wohl annehmen, da� kein Pferdeverlag dieses Buch h�tte verlegen wollen, nicht einmal der FN-Verlag, der sich vielleicht durch seine Eigent�mer der Geschichte mehr verpflichtet f�hlen k�nnte. Mit einem solchen Buch kann man vermutlich kein Geld verdienen.

Au�erdem geht es ja eigentlich gar nicht um Pferde. Es geht um das Schicksal eines Hamburger Kaufmanns, der unter die R�der eines teuflischen Regimes geraten ist. Davon m�chte doch niemand etwas wissen, am allerwenigsten die Reiter und deren Organisationen. Soweit es um Pferde geht, hat sich der Autor auf einen einzigen Aufsatz bezogen, und woher der Autor dieses Aufsatzes seine Kenntnisse hatte, bleibt verborgen.

Die derzeitige Diskussion um rechtsradikale Ausschreitungen zeigt, da� dieses Thema in unserer Gesellschaft noch keineswegs gegessen ist, im Gegenteil - die latente Juden-/Ausl�nderfeindlichkeit wurde auch in dem erw�hnten Spiegel-Artikel sehr deutlich. Insofern ist dieses Buch ein au�erordentlich notwendiges Buch und es ist ihm zu w�nschen, da� es eine gro�e Leserschaft und viele Auflagen erleben m�ge.

Es hat bei mir einen gro�en Eindruck hinterlassen, vielleicht gerade weil es eine Unmenge von Fragen aufwirft und unsere heutige Zeit in einem neuen Licht erscheinen l��t. Auch damals war es offenbar m�glich, in k�rzester Zeit ein ansehnliches Verm�gen zu erwerben. Die sozialen Verh�ltnisse und Ereignisse in Pulvermanns Jugend werden sehr plastisch geschildert. Dieser beziehungsweise sein Vater geh�rte zu den Gl�cklichen, und er baute den Erfolg weiter aus, soweit es die Zeitumst�nde zulie�en, bis diese ihn zermalmten.

Ein Tip f�r Joachim Winkelmann und andere Autoren, die sich das Risiko eines eigenen Verlages nicht leisten k�nnen: Es gibt inzwischen Book on Demand. Die Firma � Lightning Source arbeitet �berwiegend f�r Verlage, die damit die risikoreichen Produktionen abdecken, also unbekannte Autoren, unbekannte B�cher, vergriffene B�cher, bei denen sich eine Neuauflage nicht lohnt oder zu risikoreich erscheint. Die drucken mittlerweile eine Million B�cher im Monat, wobei jeder Titel durchschnittlich nur 1,8 mal gedruckt wird (siehe dort ein sehr interessantes Video �ber das Produktionsverfahren). Ob es sich f�r einen unbekannten Autor lohnt, mit dieser Firma ins Gesch�ft zu kommen, kann ich nicht beurteilen, aber die Zahlen sprechen f�r sich - wenn alteingesessene Verlage sich der neuen Methoden bedienen, k�nnen diese nicht falsch sein.

Die Firma � BoD in Hamburg, Pionier dieser Technik in Deutschland und Tochter des Grossisten Libri, hat ist hierzulande der Platzhirsch, kostet aber mittlerweile mehrere Hundert Euro Eintritt und montaliche Geb�hren. Seit Sommer 2006 gibt es eine Alternative, die ich sehr empfehlen kann:  Lulu.com; allerdings scheinen die Ergebnisse vom gew�hlten Format abzuh�ngen - mit Taschenb�chern habe ich keine Erfahrungen, mit gebundenen Vollfarb-Gro�formaten sehr gute. Da es dort aber nichts kostet, ein Buch zu verlegen, ist die Investition in ein Probeexemplar allemal den Versuch wert (bei 160 Seiten in diesem Format 4,70 EUR zuz�glich 1,99 EUR Versandkosten: � Druckkosten). Damit hat man allerdings lediglich die Druckkosten im Griff. Die Vermarktungsprobleme werden so nicht gel�st.

Der erw�hnte Journalist der Kieler Nachrichten erz�hlt eine Geschichte �ber die Namensgebung von "Pulvermanns Grab", die von Joachim Winkelmann ganz anders wiedergegeben wird. Hat er 2006 dem Journalisten die andere Geschichte erz�hlt und ist sp�ter eines Besseren belehrt worden oder hat dieser selber recherchiert und wurde falsch informiert? Noch eine Frage, die nicht beantwortet wird.

Vor der Gr�ndung des Hamburger Derbys hat Pulvermann n�mlich in Travem�nde einen Parcours ausgerichtet und dort erstmals dieses spezielle Hindernis gebaut. So wie er auch in Hamburg immer als erster gestartet ist, um zu beweisen, da� die Schwierigkeiten bew�ltigt werden k�nnen (auch wenn er selber das Derby und speziell diesen Sprung nie fehlerfrei geritten ist), hat er auch das Hindernis in Travem�nde ausprobiert und ist dabei in den Graben gefallen.

Dar�ber soll sich ein Mitreiter k�stlich am�siert und die Szene mit "Pulvermanns Grab" charakterisiert und damit diese Bezeichnung gepr�gt haben. Ganz so lustig ist das nicht, denn nach wie vor kommen an solchen Hindernissen Reiter zu Tode - in diesem Jahr hat es in Deutschland zwei junge Frauen erwischt. Pulvermann war jedenfalls von diesem Hindernis so angetan, da� er es auch auf seinem Gut hat nachbauen lassen, wo es bis heute steht.

Die Wikipedia schreibt:

Als eines der bedeutendsten Derbys im Springreiten gilt das Hamburger Springderby im Jenisch-Park in Klein Flottbek. Das Hamburger Springderby wird in Fachkreisen auch als das schwierigste Derby weltweit bezeichnet. Das besondere am Hamburger Derby ist der 1230 m lange Parcours, der vom passionierten Jagdreiter Eduard Pulvermann gestaltet und seit 1920 weder in seiner Linienf�hrung noch in seinen Hindernissen ver�ndert wurde. Lediglich die H�he der Spr�nge und vor allem die Tiefe der Stangenauflagen wurden �ber die Jahrzehnte sukzessive dem Leistungsniveau angepa�t, zuletzt in 2007, um den Schwiegigkeitsgrad trotz des verbesserten Bodens zu erhalten. Unter den weltber�hmten Naturhindernissen, die der holsteinischen Landschaft entnommen sind, ist wohl das bedeutendste bzw. das attraktionsreichste Hindernis der Gro�e Wall. Ein weiteres bekanntes Hindernis ist Pulvermanns Grab. Der Parcours weist eine f�r heutige Verh�ltnisse ungew�hnliche L�nge auf. Er fordert also neben einem gewissen Springverm�gen in besonderem Ma�e Mut, Vertrauen und Kondition von Pferd und Reiter. Seit in internationalen Pr�fungen schon der zweite Ungehorsam des Pferdes zum Ausschluss f�hrt, hat die Zahl der Ausschl�sse trotz hochkar�tiger Starterfelder im Springderby deutlich zugenommen.

Das Derby wird jedes Jahr von ca. 25.000 Zuschauern besucht. Das Preisgeld betrug 2004 insgesamt 550.000 €, wovon dem Sieger des Derbys 250.000 € zustehen.
� Hamburger Springderby

Diesen Text h�tte ich gern auch im Buch gelesen. Der Autor hat mehrfach aus der Wikipedia zitiert; diese Informationen w�rden dem Nicht-Reiter die Dimension dessen vor Augen gef�hrt haben, was Pulvermann seinerzeit initiiert hat. Zu sp�t. �brigens noch ein Vorteil des Book on Demand: Man kann jederzeit den Inhalt auf Vordermann bringen. Allerdings nur, wenn man keine ISBN-Nummer hat - sonst ist es eine zweite Auflage, die eine neue ISBN-Nummer braucht. Auch das w�re kein Beinbruch. Man kann die im Paket kaufen - f�r einen Verlag ein selbstverst�ndlicher Vorgang.

Aber eine ISBN-Nummer n�tzt auch nichts, wenn man bei Amazon und sonstwo kein Bein an den Boden kriegt. F�r Bibliotheken k�nnte die ISBN-Nummer allerdings Voraussetzung sein - informiert habe ich mich aber noch nicht. Dissertation und Diplomarbeiten besitzen �blicherweise auch keine ISBN-Nummer und werden trotzdem in Bibliotheken gef�hrt - aber das kann man ja kl�ren. Bei Lulu gibt es ISBN-Nummer und Vermarktungspaket (Amazon etc.) f�r 50 EUR pro Buch.

Zur Klarstellung: Dies ist meine pers�nliche Meinung, die auf meiner Erfahrung basiert. Ich bin mit der Firma Lulu in keiner Weise verbunden und erhalte keinerlei Verg�tung f�r die Publikation meiner Ansicht. Als interessierter Zeitgenosse beobachte ich, wie sich die Buchproduktion revolutioniert. Man hat schon behauptet, da� diese Entwicklung eine �hnliche Bedeutung f�r unsere Kultur haben wird wie die Erfindung des beweglichen Letternsatzes durch Gutenberg. Da k�nnte was dran sein.


erschienen 26.08.07

Lesermeinung
27.08.2007

Sehr geehrter Herr Popken!

Ich bedanke mich herzlich f�r Ihre schnelle, ausf�hrliche und sachkundige Rezension meines Buches. Erlauben Sie mir dazu einige Anmerkungen:

Die oft gestellte Frage nach dem Motiv f�r diese Arbeit kann ich auch Ihnen nicht schl�ssig beantworten. Sie hat mir sehr viel Freude gemacht und micht mit vielen interes-santen und interessierten Menschen zusammengebracht. Ich habe sehr viel gelernt, auch �ber den Reitsport, der ja nicht mein Thema war. Sie haben Recht, es ist keine Auftragsarbeit und hat sich erst w�hrend der Recherche zum vorliegenden Buch entwickelt, zuletzt unter gro�em Zeitdruck, weil es zum Derby 2007 fertig sein sollte. Zur Gestaltung des Buches weise ich noch auf die besonders ausgesuchte Schrifttype hin. Der Typograph Eric Gill hat fast die gleichen Lebensdaten wie Pulvermann und war Engl�nder, Pulvermann war sehr anglophil.

Ganz wichtige Informationen wie eine Originaldurchschrift des von Pu. selbst getippten Briefes aus Oslo (Pu konnte nicht ahnen, da� Deutschland Norwegen besetzen wird) und seine handschriftlichen Bemerkungen "was ich von Markt und Co.wei�" , das Familienphoto und das Jagdphoto aus Schottland habe ich bekommen, als das auf 135 Seiten angelegte Buch druckferig war. Den umfangreichen Ein- und Umarbeitungen sind einige andere Passagen zum Opfer gefallen. Vergeblich suche ich bisher nach seinen ebenfalls handschriftlichen "Erinnerungen an Kindheit und Jugend", die von der Tochter etwa 1950 abgetippt wurden und verschollen sind. (ebenso die Kriegserinnerungen) Aus diesen Aufzeichnungen zitiert Kleffel (Seite 66 & Endnote 66) Pulvermanns Darstellung von der Namensgebung "Pulvermanns Grab". Das ist der wohl einzige authentische Bericht �ber die Entstehung. (�brigens Travem�nde, nicht Th�ringen).

Dem Journalisten Nemitz habe ich telefonisch einige Fragen beantwortet, wenige Tage bevor sein Artikel in den Kieler Nachrichten erschienen ist und unvorbereitet. Er hat meine Angaben nicht w�rtlich wiedergegeben. Er hat vor allem nicht die Auskunft �ber die 5 Mio RM f�r Westensee von mir, sondern wohl aus den alten Gutsakten (woher ich sie auch kannte). Ich habe absichtlich auf diese Angabe verzichtet, weil die Summe nicht mit 5 Millionen heute vergleichbar ist und ich die Umrechnungstabellen (Auskunft Deutsche Bank) nicht anf�hren wollte. Mi�verst�ndlich habe ich mich wohl bez�glich der �berfahrenen H�hner ausgedr�ckt. Das sollte eher ein scherzhafter Hinweis darauf sein, da� auf der Stra�e frei laufende H�hner immer dann auf die andere Stra�enseite m�ssen, wenn ein Auto kommt. Es k�nnen auch Pulvermanns eigene H�hner gewesen sein. Das Verh�ltnis zu seinen Gutsangestellten und -arbeitern soll sehr gut gewesen sein, nach allem was mir erz�hlt wurde.

Die Geschichte der Reitervereine, insbesondere der l�ndlichen, und ihre Umwandlung in SA-Reitervereine ist nicht mein Thema. Gleichwohl habe ich schon dar�ber nachgedacht, da� die im Heimt�ckeproze� erw�hnten Spenden an die SA sehr wohl dorthin geflossen sein k�nnen und eher auf pers�nlichen Bekanntschaften beruhten, als auf Unters�tzung einer Ideolgie - nur ich kann es nicht beweisen. �hnlich mag es mit dem als Zeugen benannten Staatsrat Laahts gewesen sein, der sich in Zeiten hoher Arbeitslosigket als Vertreter (ich verwende den von Frank Bajohr -Endnote 80 -�bernommenen Begriff Hausierer) durchgeschlagen hat, bevor seine Parteikarriere ihn zum Leiter der Gef�ngnisse machte. Als er als Zeuge befragt wurde, war er bereits auf den unbedeutenden Posten des Wasserwerksdirektors abgeschoben. Wie alle benannten Zeugen kein wirklich bedeutendes Amt mehr inne hatten. Ein Teil der Geschichte "Reitsport & NS" wird gerade geschrieben von einer jungen Hamburger Studentin, deren Magisterarbeit sich mit dem Deutschen Springderby unter Ber�cksichtigung des Nationalsozialismus besch�ftigt.

Hier gleich eingeschoben zu "reitet f�r Deutschland". Der Film war schon ein NS Propagandafilm mit Willy Birgel, der gar nicht reiten konnte. Siehe hierzu "Vergraben im m�rkischen Sand" (Seite 83/84) von Alexander Graf zu Lynar-Redern (ISBN 3-7980-0566-4). Auf Gut G�rlsdorf der Lynar-Redern bei Angerm�nde wurde der Film nach dem Buch von Clemens Laar gedreht. Das Buch von Clemens Laar mit seinen so unterschiedlichen Ausgaben von 1936 und 1952 ist alleine eine eigene Arbeit wert. Auch ist die Gedenktafel von 1934 f�r "Hanko" Carl Friedrich von Langen nicht mehr am Derbyplatz angebracht. Zum Stolperstein: Bei seiner Verlegung hatte ich noch keinen Kontakt zu den Pulvermann-T�chtern und war dar�ber nicht informiert. Herr Hess hat sich nur an den Angaben im Opferbuch im Hamburger Staatsarchiv orientiert und nicht weiter recherchiert.

Das Stra�enschild am Eduard-F-Pulvermann-Weg hat nachtr�glich eine Hinweistafel bekommen (im Buch nicht abgebildet) u.a. mit der Aussage "j�d.(discher) Kaufmann ... Opfer des Nationalsozialismus". Auf meine Bitte hin, wurde das Schild jetzt ausgetauscht mit dem Hinweis "Hamburger Kaufmann ...". Aus Sicht der Familie wurde Pulvermann ermordet. Es wurde sogar angenommen, da� er im Krankehaus mit Medikamenten vergiftet wurde. Deswegen mein Hinweis zu den Begleitumst�nden seines Todes (Broncho-Pneumonie). Und in gewissem Sinn geh�rte das als Haftkrankenhaus genutzte Krankenhaus Langenhorn zum KZ Neuengamme, wie der Eintrag auf der Karteikarte "Geheime Staatspolizei Abt. IID" (S. 88 & 119) zeigt. Zum Internet: Wie oben erw�hnt, habe ich viele interessante Menschen kennen gelernt.

Durch das Internet habe ich �berwiegend Kontakte zu Archiven, Beh�rden, Bibliotheken hergestellt und Infomationen �ber die Schiffsreisen (viel mehr, als erw�hnt) und die Wohnorte etc. in USA bekommen, �ber Ancestry.com. Ich habe im Internet keine Dialoge gef�hrt oder "gechattet", wie das Neu-Deutsch hei�t. Danke auch f�r Ihre Hinweise auf "BoD" u. a. Wir hatten das �berlegt. Aber aus Zeitgr�n- den und um die Gestaltung nicht aus der Hand u geben, haben wir Poesel-Press gegr�ndet. Wenn die tausend gedruckten B�cher vergriffen sein sollten, werden wir dar�ber noch mal nachdenken bei einer zweiten verbesserten Auflage, allein aufgrund inzwischen eingegangener Hinweise und Informationen von Lesern.

Die Zusage eines Sponsors 250 B�cher als VIP Geschenk (wohl auch an die aktiven Reiter) beim Deutschen Springderby abzunehmen, wurde kurzfristig storniert. Im freien Verkauf (zu reduziertem Preis) wurden an den vier Derbytagen (55.000 Besucher) immerhin 90 B�cher abgesetzt.

Zum Springderby bzw. zum Parcours verweise ich (auch aus Platzgr�nden) auf den Artikel von Dr. Willer im Derby Magazin 2006 "Das deutsche Springderby im Wandel der Geschichte" (Endnote 66). Inzwischen hat sich, aus Sicht des Reiter-Laien, der Parcours von dem naturnahen Turnierplatz (nach Ludger Beerbaum: Kartoffelacker) in einen mit der Wasserwaage ausgerichteten, weich federnden High-Tec-Parcours gewandelt, dessen Hindernisse hinter Reklameschildern versteckt sind und der vier Tage lang von einer kaum ertr�glichen Musik bedudelt wird. Immerhin wurde an den vier Tagen vom Parcours-Sprecher zweimal erw�hnt, da� das Derby "In memoriam Eduard F. Pulvermann" ausgetragen wird, aber ohne Hinweis auf seinen 125. Geburtstag, w�hrend Kaffeebohne, Tiefk�hlkost und C-Modell gebetsm�hlenartig wiederholt werden.

Zu den Menzendorf-Bildern: Das Archiv war zZt meiner Recherche nach Auskunft von H.H. Isenbart und Dr. Willer gerade im Umzug von Berlin nach Verden. Ich werde dort versuchen das Bild mit dem steifen Hut zu bekommen.

Mit freundlichen Gr��en, Joachim Winkelmann




Winkelmann, Joachim

Eduard F. Pulvermann
1882-1944
Geschichte eines Hamburger Kaufmanns und Reiters

Taschenbuch, 160 Seiten
Hamburg, März 2007 · Poesel Press
ISBN 978-3000212352


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Tip: Mittelmaß und Mittelmäßigkeit


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Heidi Keppel
 
 
Mittelmaß und Mittelmäßigkeit
Von   Heidi Keppel

Ich bitte Sie, meine werten Leser, die kurzfristige Programmänderung zu entschuldigen, denn eigentlich war diese Woche ja ein Artikel über ‘Entwurmung und Impfung’ geplant. Meine innere Stimme hat mir jedoch geraten, zuvor ein anderes Thema aufzugreifen, das in unser aller Leben eine große Rolle spielt und gerade für ‘Pferdemenschen’ eine ganz besondere Bedeutung hat bzw. haben sollte.

Es geht um das gesunde Mittelmaß, den goldenen Mittelweg, das bzw. den wir nach Möglichkeit immer anstreben sollten. Leider neigen wir Menschen dazu, immer in irgendein Extrem zu verfallen und dabei auch noch eine gehörige Portion Fanatismus zu entwickeln. Dies betrifft alle Bereiche unseres Lebens − denken wir nur an die Neigung zur Fettsucht und den Schlankheitswahn oder an die vielen Formen der Kindererziehung, wo zwischen herrschsüchtiger Strenge und ständig nachsichtiger Güte hin- und hergependelt wird − aber selbstverständlich möchte ich hier hauptsächlich Pferdethemen ansprechen.

Soweit es mir möglich ist, werde ich in den nächsten Wochen und Monaten noch viele Tipps schreiben, die nicht nur die Gesundheitsvorsorge, sondern auch die Fohlenerziehung und Pferdeausbildung, sowie den klugen Pferdekauf betreffen werden, und überall wird sich mein heutiges − vielleicht etwas philosophisches − Thema auf die eine oder andere Weise bemerkbar machen.

Ich werde dann selbstverständlich noch genauer und speziell auf den jeweiligen Bereich abgestimmt darauf eingehen, doch möchte ich Sie bitten, sich schon jetzt ganz allgemein ein wenig Gedanken über die Begriffe Mittelmaß und Mittelmäßigkeit zu machen. Während das gesunde Mittelmaß zwar für relativ viele Menschen doch ein erstrebenswertes Ziel darstellt, ist die davon abgeleitete Mittelmäßigkeit regelrecht verpönt und hat einen ausgesprochen negativen Beigeschmack bekommen.

Mittelmäßigkeit klingt nach Langeweile, nach unscheinbarem Durchschnitt, und dies ist in der heutigen Zeit offenbar etwas Verabscheuungswürdiges. Jeder will um jeden Preis irgendwie auffallen, und dafür werden sogar schlimmste Probleme und Sorgen in Kauf genommen. Wichtig ist nur, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, wobei ich schon oft feststellen musste, dass Pferdebesitzer von diesem Wahn ganz besonders betroffen sind.

Entweder will man mit seinem Pferd in positiver Weise angeben oder man will sich beklagen können, wie sehr man unter den gesundheitlichen Problemen bzw. Verhaltensstörungen seines Vierbeiners leidet. So gut wie keiner hat das Bedürfnis, seinen Freunden zu erzählen, dass sein Pferd völlig normal und − von kleinen Wehwehchen abgesehen − eigentlich gesund ist, aber doch nicht die Begabung für Spitzenleistungen besitzt.

Nun, das wäre ja auch wirklich zu langweilig, oder nicht? Da wollen wir doch lieber beneidet, bestaunt oder einfach nur bedauert werden. Alles ist besser als die gefühllose Nichtbeachtung durch unsere Mitmenschen, aber sollten wir uns nicht lieber den Pferden zuliebe und auch in unserem eigenen Interesse auf das Wesentliche konzentrieren und doch den goldenen Mittelweg einschlagen?

Und wenn wir dann gemeinsam mit unseren Pferden unsere innere Mitte gefunden haben, werden wir vielleicht mit Erstaunen feststellen, dass Mittelmäßigkeit gar nicht so schlecht ist, sondern auf eine ruhige und doch viel tiefer gehende Weise zu einem wunderbaren Glücksgefühl verhilft. Mit dieser inneren Ausgeglichenheit fällt es dann auch viel leichter objektive Entscheidungen zu treffen − wenn man mal davon absehen will, dass jede Entscheidung in gewisser Weise subjektiv angehaucht ist − und eine tolerantere Einstellung gegenüber anderen Meinungen zu entwickeln, die vielleicht ebenso ihre Berechtigung haben.

So, ich hoffe, ich konnte Ihnen nun mit diesem etwas ungewöhnlichen Tipp ein paar Denkanstöße geben. Worauf sich diese philosophischen Überlegungen dann im Detail beziehen, werden Sie in meinen nächsten Tipps erfahren, wobei bei meinen für die kommende Woche geplanten Ratschlägen zum Thema ‘Entwurmung und Impfung’ zwar die Mittelmäßigkeit keine, das gesunde Mittelmaß aber sehr wohl eine enorm wichtige Rolle spielt.







Siehe auch   Autoren-Messeseite


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Poster: PferdeStark 2007


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PferdeStark 2007
zu  Ausgabe 439


Vierspänner-Wettbewerb


©   Werner Popken
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Süddeutsches Kaltblut
zu  Ausgabe 439


Sieltec-Geschirre


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Dietmar Krüger
zu  Ausgabe 439


Sieltec-Erfinder


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Voll auf Geschwindigkeit
zu  Ausgabe 439


Kaltblüter vollblütig


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Mitten drin
zu  Ausgabe 439


Schnell ist es


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Stangenpferde
zu  Ausgabe 439


Blindes Vertrauen


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Messeseite: Reiterhotel


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Unser schönes Haus im Grünen · © 2010  
Unser schönes Haus im Grünen
Der festlich gedeckte Speisesaal · © 2010  
Der festlich gedeckte Speisesaal
Brave Pferde in allen Größen · © 2010  
Brave Pferde in allen Größen
Voltigieren in der lichten Halle · © 2010  
Voltigieren in der lichten Halle
Unser Motto: "Reiten bis zum Schlafen gehen"
Bei uns werden eure Träume wahr!
Stellt euch vor: 130 Pferde in allen Größen warten auf euch!

  • Shetlandponys
  • Reitponys
  • Isländer
  • Norweger
  • Haflinger
  • Pintos
  • Appaloosa
  • Palaminos
  • Tinker
  • Knabstrupper
  • Warmblüter aller Rassen
  • Kaltblüter
  • und einige interessante Kreuzungen

Wir aber haben nicht nur Ponys und Pferde für Euch. Bei uns gibt es noch jede Menge Federvieh, viele süße Kätzchen und Hunde und dann sind da noch unsere Maultiere "Muletta" "Jule".


Nun zum Wichtigsten!

Nach Eurer Ankunft suchen wir gemeinsam mit Euch Euer Pflegepferd aus. Dieses Pflegepferd bleibt bis zu Eurer Abreise unter Eurer ganz persönlichen Obhut! Ihr dürft es putzen, satteln (natürlich ist immer jemand da, der Euch hilft und betreut), liebhaben und sooft auf ihm reiten, wie Ihr möchtet. Und dazu gibt es wirklich genügend Gelegenheit. Wir bieten Reitstunden in unseren tollen Reithallen oder auf dem Außenplatz. (selbstverständlich unter Anleitung) Und den ganzen Tag gibt es geführte Ausritte in unser traumhaftes Gelände. (Eure eigenen Ponys oder Pferde könnt Ihr natürlich auch mitbringen).

Kontakt
Familie Vox Reiterhotel Vox
Bockradener Schulstr. 2 49577 Eggermühlen
E-Mail   Familie Vox » www.reiterhotel-vox.de
Tel. 05435/443 Fax 05435/1381

 

 
Messeseite » Reiterhotel · Reiterhotel Vox
Tolle Angebote für Schulklassen, Reitvereine, Jugendgruppen etc.
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Ganzheitlicher Reit- und Fahrunterricht
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Schnupperfahrwochenende "Freizeitfahren nach Achenbach" am 31.08.-02.09.2007 Der Spätsommer hat begonnen und das bedeutet, dass das 'Fahrfieber' auf Hof FYLGJA wieder 'ausgebrochen' ist... Wie [...]

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Institut für Hufgesundheit und ganzheitliche Pferdebehandlung IfH
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Hufprobleme Hufabszess Beim Hufabszeß handelt es sich um eine eitrige Entzündung der Huflederhaut , wobei der Druck, der durch die Ansammlung von Eiter zwischen Huflederhaut und Hufhorn entsteht, dem Pferd [...]

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Malerei und Zeichnung
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Messeseite  Mähler
Kronanwalt Pferdeportraits nach Ihrer Fotovorlage Wenn Sie Ihr Pferd von mir portraitieren lassen, können Sie sich auf ein Kunstwerk freuen, das Ihr Pferd garantiert so darstellt, wie Sie es kennen und mögen. < [...]

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Messeseite: Mähler


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Portrait Romero, 30 x 42 cm Aquarell
 
 
Herzlich willkommen in meiner virtuellen Galerie!

Ich bin Designerin und Malerin und male seit einigen Jahren vor allem Tiere.
Pferde und Hunde spielen dabei die Hauptrolle.

Hier sehen Sie gezeichnete und gemalte Portraits und Darstellungen von Pferden und anderen Tieren bei der Arbeit und in freier Bewegung und viele Skizzen und Studienblätter, die das Leben mit Tieren aus meinem persönlichen Erleben zeigen.

Ich male auch Ihr Pferd nach ihren Wünschen. Nehmen Sie Kontakt mit mir auf und wir beraten wie ich Ihr Tier am Besten in Szene setze.

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Maria Mähler  
Dorfstraße 28 16348 Marienwerder, OT Ruhlsdorf
E-Mail   Maria Mähler » www.maria-maehler.de
Tel. 03 33 95 - 7 12 96

 

 
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Roberto Ansorena
Pferdefotograf aus Leidenschaft




www.ansorenaportraits.de

 
 Roberto Ansorena
 
 
1962 wurde ich als Sohn deutsch-spanischer Eltern in Eisenach geboren. Seit 1985 lebe und arbeite ich in Berlin.

Als freiberuflicher Fotodesigner gründete ich im Oktober 2002 » ansorenaportraits.

Mein fotografisches Genre reicht von

  • Hochzeitsreportragen,
  • Beauty- und Schwangerenfotos,
  • Familienportraits bis hin zur
  • Tierfotografie.

Hier vor allem die Pferdefotografie. Ein Pferd optimal zu fotografieren, ist wirklich nicht ganz einfach!

"Mal stimmen die Proportionen von Kopf und Rumpf nicht, dann sind plötzlich die Ohren am falschen Platz. Nur selten nimmt das liebe Tier seinen Kopf aus dem saftigen Gras oder es wird in der Bewegung völlig unvorteilhaft getroffen."
Schließlich kann man ja dem Pferd nicht einfach zurufen ... bitte lächeln und das Gesicht ein wenig zu mir drehen ;-)

Seit gut 4 Jahren reite ich selbst einen Haflinger-Araber-Mix. Erst durch intensives, oft stundenlanges Beobachten der Pferde lernte ich viele der Bewegungen und Gesten zu verstehen.

Durch eine pferdegerechte Körpersprache und ein paar technische Tricks (z.B. Pferdewiehern vom Tonband, Rascheltüte an einer Gerte) versuche ich die Konzentration des Pferdes gezielt auf mich zu lenken. Da jedes Pferd dabei recht unterschiedlich reagiert, ist auch hier eine Menge Humor, Kreativität und vor allem Geduld gefragt.

Wenn Ihnen die nachfolgenden Galeriebilder gefallen und Sie Lust auf eigene Pferdeportraits verspüren, so nehmen Sie doch einfach  Kontakt mit mir auf. Übrigens bekommen die ersten 10 Interessent(inn)en jeweils einen Gutschein im Wert von 10 Euro zugesannt!

Beachten Sie bitte auch folgende Links:



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Roberto Ansorena ansorenaportraits
Berkenbrücker Straße 1 14947 Nuthe-Urstromtal OT Hennickendorf
E-Mail   Roberto Ansorena » www.ansorenaportraits.eu
Tel. 033732-50 495 Mobil 0176-200 567 06

 

 
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2 Leserresonanzen zu Ausgabe 439 vom 26.08.07


Leserbrief  1967 zu Ausgabe  439
01.09.07



Pulvermann

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Ganz wichtige Informationen wie eine Originaldurchschrift des von Pu. selbst getippten Briefes aus Oslo (Pu konnte nicht ahnen, daß Deutschland Norwegen besetzen wird) und seine handschriftlichen Bemerkungen "was ich von Markt und Co.weiß" , das Familienphoto und das Jagdphoto aus Schottland habe ich bekommen, als das auf 135 Seiten angelegte Buch druckferig war. Den umfangreichen Ein- und Umarbeitungen sind einige andere Passagen zum Opfer gefallen. Vergeblich suche ich bisher nach seinen ebenfalls handschriftlichen "Erinnerungen an Kindheit und Jugend", die von der Tochter etwa 1950 abgetippt wurden und verschollen sind. (ebenso die Kriegserinnerungen) Aus diesen Aufzeichnungen zitiert Kleffel (Seite 66 & Endnote 66) Pulvermanns Darstellung von der Namensgebung "Pulvermanns Grab". Das ist der wohl einzige authentische Bericht über die Entstehung. (Übrigens Travemünde, nicht Thüringen).

Dem Journalisten Nemitz habe ich telefonisch einige Fragen beantwortet, wenige Tage bevor sein Artikel in den Kieler Nachrichten erschienen ist und unvorbereitet. Er hat meine Angaben nicht wörtlich wiedergegeben. Er hat vor allem nicht die Auskunft über die 5 Mio RM für Westensee von mir, sondern wohl aus den alten Gutsakten (woher ich sie auch kannte). Ich habe absichtlich auf diese Angabe verzichtet, weil die Summe nicht mit 5 Millionen heute vergleichbar ist und ich die Umrechnungstabellen (Auskunft Deutsche Bank) nicht anführen wollte. Mißverständlich habe ich mich wohl bezüglich der überfahrenen Hühner ausgedrückt. Das sollte eher ein scherzhafter Hinweis darauf sein, daß auf der Straße frei laufende Hühner immer dann auf die andere Straßenseite müssen, wenn ein Auto kommt. Es können auch Pulvermanns eigene Hühner gewesen sein. Das Verhältnis zu seinen Gutsangestellten und -arbeitern soll sehr gut gewesen sein, nach allem was mir erzählt wurde.

Die Geschichte der Reitervereine, insbesondere der ländlichen, und ihre Umwandlung in SA-Reitervereine ist nicht mein Thema. Gleichwohl habe ich schon darüber nachgedacht, daß die im Heimtückeprozeß erwähnten Spenden an die SA sehr wohl dorthin geflossen sein können und eher auf persönlichen Bekanntschaften beruhten, als auf Untersützung einer Ideolgie - nur ich kann es nicht beweisen. Ähnlich mag es mit dem als Zeugen benannten Staatsrat Laahts gewesen sein, der sich in Zeiten hoher Arbeitslosigket als Vertreter (ich verwende den von Frank Bajohr -Endnote 80 -übernommenen Begriff Hausierer) durchgeschlagen hat, bevor seine Parteikarriere ihn zum Leiter der Gefängnisse machte. Als er als Zeuge befragt wurde, war er bereits auf den unbedeutenden Posten des Wasserwerksdirektors abgeschoben. Wie alle benannten Zeugen kein wirklich bedeutendes Amt mehr inne hatten. Ein Teil der Geschichte "Reitsport & NS" wird gerade geschrieben von einer jungen Hamburger Studentin, deren Magisterarbeit sich mit dem Deutschen Springderby unter Berücksichtigung des Nationalsozialismus beschäftigt.

Hier gleich eingeschoben zu "reitet für Deutschland". Der Film war schon ein NS Propagandafilm mit Willy Birgel, der gar nicht reiten konnte. Siehe hierzu "Vergraben im märkischen Sand" (Seite 83/84) von Alexander Graf zu Lynar-Redern (ISBN 3-7980-0566-4). Auf Gut Görlsdorf der Lynar-Redern bei Angermünde wurde der Film nach dem Buch von Clemens Laar gedreht. Das Buch von Clemens Laar mit seinen so unterschiedlichen Ausgaben von 1936 und 1952 ist alleine eine eigene Arbeit wert. Auch ist die Gedenktafel von 1934 für "Hanko" Carl Friedrich von Langen nicht mehr am Derbyplatz angebracht. Zum Stolperstein: Bei seiner Verlegung hatte ich noch keinen Kontakt zu den Pulvermann-Töchtern und war darüber nicht informiert. Herr Hess hat sich nur an den Angaben im Opferbuch im Hamburger Staatsarchiv orientiert und nicht weiter recherchiert.

Das Straßenschild am Eduard-F-Pulvermann-Weg hat nachträglich eine Hinweistafel bekommen (im Buch nicht abgebildet) u.a. mit der Aussage "jüd.(discher) Kaufmann ... Opfer des Nationalsozialismus". Auf meine Bitte hin, wurde das Schild jetzt ausgetauscht mit dem Hinweis "Hamburger Kaufmann ...". Aus Sicht der Familie wurde Pulvermann ermordet. Es wurde sogar angenommen, daß er im Krankehaus mit Medikamenten vergiftet wurde. Deswegen mein Hinweis zu den Begleitumständen seines Todes (Broncho-Pneumonie). Und in gewissem Sinn gehörte das als Haftkrankenhaus genutzte Krankenhaus Langenhorn zum KZ Neuengamme, wie der Eintrag auf der Karteikarte "Geheime Staatspolizei Abt. IID" (S. 88 & 119) zeigt. Zum Internet: Wie oben erwähnt, habe ich viele interessante Menschen kennen gelernt.

Durch das Internet habe ich überwiegend Kontakte zu Archiven, Behörden, Bibliotheken hergestellt und Infomationen über die Schiffsreisen (viel mehr, als erwähnt) und die Wohnorte etc. in USA bekommen, über Ancestry.com. Ich habe im Internet keine Dialoge geführt oder "gechattet", wie das Neu-Deutsch heißt. Danke auch für Ihre Hinweise auf "BoD" u. a. Wir hatten das überlegt. Aber aus Zeitgrün- den und um die Gestaltung nicht aus der Hand u geben, haben wir Poesel-Press gegründet. Wenn die tausend gedruckten Bücher vergriffen sein sollten, werden wir darüber noch mal nachdenken bei einer zweiten verbesserten Auflage, allein aufgrund inzwischen eingegangener Hinweise und Informationen von Lesern.

Die Zusage eines Sponsors 250 Bücher als VIP Geschenk (wohl auch an die aktiven Reiter) beim Deutschen Springderby abzunehmen, wurde kurzfristig storniert. Im freien Verkauf (zu reduziertem Preis) wurden an den vier Derbytagen (55.000 Besucher) immerhin 90 Bücher abgesetzt.

Zum Springderby bzw. zum Parcours verweise ich (auch aus Platzgründen) auf den Artikel von Dr. Willer im Derby Magazin 2006 "Das deutsche Springderby im Wandel der Geschichte" (Endnote 66). Inzwischen hat sich, aus Sicht des Reiter-Laien, der Parcours von dem naturnahen Turnierplatz (nach Ludger Beerbaum: Kartoffelacker) in einen mit der Wasserwaage ausgerichteten, weich federnden High-Tec-Parcours gewandelt, dessen Hindernisse hinter Reklameschildern versteckt sind und der vier Tage lang von einer kaum erträglichen Musik bedudelt wird. Immerhin wurde an den vier Tagen vom Parcours-Sprecher zweimal erwähnt, daß das Derby "In memoriam Eduard F. Pulvermann" ausgetragen wird, aber ohne Hinweis auf seinen 125. Geburtstag, während Kaffeebohne, Tiefkühlkost und C-Modell gebetsmühlenartig wiederholt werden.

Zu den Menzendorf-Bildern: Das Archiv war zZt meiner Recherche nach Auskunft von H.H. Isenbart und Dr. Willer gerade im Umzug von Berlin nach Verden. Ich werde dort versuchen das Bild mit dem steifen Hut zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen, Joachim Winkelmann


Leserbrief  1968 zu Ausgabe  439
01.09.07


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Hallo Herr Popken,

Ich habe Ihren Bericht zur 7. PferdeStark 2007 mit Interesse gelesesn.

Die gezeigten "Innovationen" sind in Nord Amerika alte Hüte. Alle diese Innovationen kommen von den Amish / Mennoniten. Aus religiösen Gründen, für uns nicht immer nachvollziehbar, sind nur Eisenbereifte Wagen erlaubt. Für nicht Amish Kunden werden aber auch Gummibereifte Wagen hergestellt. Auch der Einsatz von Motoren, welche Geräte antreiben ist erlaubt. Heupressen, Mäher alles ist vorhanden und Pferde gezogen, aber mit einem Motor angetrieben. Ein Traktor z.B, also selbstangetrieben, aber nicht.

Merkwürdigerweise hat diese Firma keine Internetpräsenz. Auf dem Umschlag ist ein interessante Pflug abgebildet, der den Namen "The Pioneer Sulky Plow" trägt.

Die Firma Pioneer Equipment Inc., Dalton, Ohio hat auch diesen Amish Hintergrund. Amish leben ohne Stromanschluss oder Telefon. Eine Internetpräsentation kommt wie schon gesagt, aus religiösen Gründen nicht in Frage. Telefonieren auch nicht.

Nun sind die aber deswegen nicht dumm und prima Geschäftsleute. Sie beauftragen Nicht-Amish als Mittler..... Der Sulky Plow ist über ganz Nord Amerika verbreitet. Wenn Sie einmal die Groesse der Felder in betracht ziehen, dann wird das auch sehr schnell verständlich. Grosse Mähdrescher fahren auch schon mal mit bis zu 20 Pferden, oder Mulis davor.

Ich komme gerade von einer Reise aus Wiskonsins und Pennsilvania ( USA ) zurueck und war dort auch im " Amishland". Da koennen sie solche Gespanne auf den Feldern bewundern, 4 Nebeneinander ist ganz normal und ueberall zu finden. Auch findet man dort noch echte "Sattler" , also eine Fundgrube fuer Leute welche wirklich noch mit Pferden arbeiten und z.B. neue, verwendbare Kummete benoetigen. Mit wirklich meine ich, nicht fuer Showzwecke oder einmal im Jahr, fuer Veranstaltungen.

Viele Grüße aus Nova Scotia, Canada

Klaus Old



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Bericht Zu den Themen  Fahrsport,  Kaltblüter · Gesamttext
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