|  | | Heinz Pollay / Kronos, Olympiade 1936 Goldmedaille Einzel- & Mannschaft |  |  |  |
|  |  | | Freiherr v. Langen (in SA-Uniform) auf Irene in der Querfeldeinstrecke von Döberitz. Wenige Minuten später stürzt er. Nach zwei Wochen erliegt er seinen schweren Verletzungen. |  |  |  |
|  |  | | Hauptmann Stubbendorff auf Nurmi über dem "Faschinengraben" in Döberitz (im Vordergrund der ausgeschiedene Italiener Feruzzi) |  |  |  |
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| Den Schülern sollte mehr Verantwortung für ihr eigenes Handeln zukommen.(11) Das klingt ja zunächst einmal ganz gut, man möchte fast glauben, Coubertin sei wirklich der Demokrat gewesen, für den er sich ausgab. Erst nähere Betrachtung offenbart die eigentliche Überlegung hinter diesem Konzept. Denn Selbstregierung ist nicht etwa gleichzusetzen mit Selbstbestimmung.
Den(n) mit mehr so genannter Verantwortung (bspw. ein privates Zimmer) ging auch die persönliche Haftung (oder wiederum am Bsp. des Privatraumes die bessere Lokalisierbarkeit) der Schüler einher. Die Schüler sollten also nicht mehr durch äußere Maßnahmen unterdrückt werden, sondern sie sollten die Fremdzwänge internalisieren, sich selbst im Sinne des Staates regieren, dazu gebracht werden, "als ihr eigener Polizist zu fungieren"(12). Permanente Selbstüberwachung, Selbstdisziplinierung, Selbstzwang die Regeln des neuen Systems Kapitalismus zu befolgen. Und das alles zum Wohle der Nation!
Dem Sport kommt dabei eine Transmitterfunktion zu. Denn einem gesunden Menschenverstand kommt nicht in den Sinn, sich freiwillig zur Ausbeute, bzw. als "Menschenmaterial"(13) zur Verfügung zu stellen. Hier wird der menschliche Drang zur Bewegung dazu ausgenutzt, die dem kapitalistischen System inhärenten Prinzipien des sich Bekämpfen und Überbieten als naturgegebene Notwendigkeit zu verkaufen.
Zum zweiten dient der Sport der Unterdrückung sozialer Konflikte. Denn "dem Sport ist eine ungeheure Beschwichtigungskraft eigen"(14) Sport soll an gesellschaftliche Hierarchie gewöhnen. Dadurch, dass Sportler Rangordnungen sozusagen aus der eigenen Reihe entstehen lassen (Mannschaftsführer, etc.), wird der Unterschied zwischen Regierendem und Regierten nicht als zu groß empfunden und durch die scheinbare Überlegenheit durch höhere Leistung zusätzlich legitimiert. Deshalb fand Coubertin es klüger im Sinne von Staat, Gesellschaft und Schule, einen Teil der Autorität dorthin zu verlagern, wo der Ursprung möglichen Widerstandes liegt. Stärkere Schüler sollten über schwächere Schüler herrschen. Die Anerkennung dieser Ungleichheiten bezeichnet Coubertin als "die beste Grundlage für den sozialen Frieden"(15) Was Coubertin also demokratisch nannte, ist nichts weiter als effizientere Vermeidung emanzipatorischer Konflikte oder schlicht Verarschung.
Diese theoretischen Überlegungen Coubertins reiften in ihm zum Gedanken die Olympischen Spiele der Antike unter seiner Fuchtel neu zu inszenieren.
(11) Das ist nicht als Ausweitung etwa der frei verfügbaren Zeit der Einzelnen zu verstehen. Zu Bestrebungen die Freizeit aus medizinischen Gründen zu erhöhen, äußerte Coubertin: "Niemals! Freizeit und Ferienzeit werden in beklagenswert schlechter Weise ausgenutzt; von Sport keine Spur. Lasst uns zunächst eine sinnvolle Ausnutzung planen dann können wir sie auch verlängern." (vgl. Der Olympische Gedanke, S. 133). (12) Alkemeyer, a.a.O., S. 83f. (13) zu Coubertins Verbindung zwischen Krieg und Sport siehe unten. (14) Coubertin, Pierre de, Der Olympische Gedanke, Reden und Aufsätze, Stuttgart 1966, S.99. (15) ebd. S.56. » Das Leistungsprinzip zertrümmern | | |
Ob diese Spekulationen insgesamt zutreffen oder nur zum Teil, ist relativ unerheblich. Daß Sport und Spiele die Massen beschwichtigen können, hatte schon die Römer zur Genüge bewiesen. Und daß die Sportler sich selbst und auch die Pferde schinden und quälen (müssen), steht ebenfalls außer Frage.
Die dem Kapitalismus innewohnenden Kräfte, die durch die sozialer Marktwirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezähmt erschienen, spüren die Bürger unseres Landes und die gesamte Erste Welt inzwischen am eigenen Leibe.
Die sozialen Errungenschaften schwinden dahin wie Schnee an der Sonne, die Anforderungen an die Arbeitskräfte steigen in gleichem Maße, die Angst und Verunsicherung greift entsprechend um sich, und da die kommunistischen Ideen durch die Geschichte diskreditiert sind, ist die Chance gegeben, daß sich etwas Neues entwickelt.
Dazu gehört die Idee, daß das Existenzrecht als solches vom Staat garantiert werden sollte, oder anders ausgedrückt: Jeder sollte ein garantiertes Mindesteinkommen beziehen, ohne dafür arbeiten zu müssen (» Bedingungsloses Grundeinkommen).
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