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Pferdezeitung

Magazin-Archiv

Gesamttext — Ausgabe 245

Archivdokument. Dieser Beitrag stammt aus dem Magazin-Archiv (Ausgabe 245 · 2003) und gibt den Stand seines Erscheinungsdatums wieder. Er wird nicht rückwirkend aktualisiert. Aktuelle Darstellungen finden sich in den jeweiligen Fachbereichen.

Warendorf (fn-press). „Was Ausbilder, Reitsportfachverkäufer und Reiter über das Thema Sattel wissen sollten“ erfuhren sie in einem Sattelseminar, zu dem die Deutsche Akademie des Pferdes nach Warendorf geladen hatte. Woran erkenne ich, ob ein Sattel beim Pferd richtig liegt und ihm gut passt? Wie passe ich einen Sattel an? Welche Materialien und Qualitäten werden für Sättel eingesetzt und welche Vor- und Nachteile haben diese? Rund 170 Teilnehmer fanden Antworten auf diese und ähnliche Fragen. Mehr als die Hälfte der Gäste kam aus dem Bereich der Reitsportfachhändler – darunter allein 60 Mitglieder des FN-Arbeitskreises „Ausrüstung für den Reit- und Fahrsport“ –ein Drittel der Gäste gab sich als Ausbilder zu erkennen.

Wonach wählt man einen Sattel aus? Eine Frage, vor der jeder Pferdebesitzer irgendwann steht und die nicht aus dem Bauch, sondern dem Po heraus entschieden werden muss. „Die Auswahl eines Sattels orientiert sich zunächst an der Gesäßgröße des Reiters“, begann Georg D.

(Langenhagen), in der fünften Generation Geschäftsführer des 1867 gegründeten Unternehmens Passier & Sohn, seinen Vortrag zur richtigen Passform eines Sattels und zu Problemen der Sattelanpassung. Hinter dem Gesäß müssen cirka vier Finger breit Platz bis zum Sattelkranz sein. Die Satteltaschen sollen so lang sein, dass die Reitstiefel etwa vier Finger breit auf der Satteltasche aufliegen. Das erlaubt eine optimale Hilfengebung durch den Reiter. „Die zur Zeit bei vielen Reitern modernen großen und voluminösen Sattelpauschen bieten dem Reiter viel Halt. Sie fixieren ihn aber auch und führen oftmals zu einem steifen, nicht genügend ausbalancierten Sitz“, kritisierte Kannemeier einen aktuellen Trend im Sattelbau. Eine Kritik, der sich sowohl die anwesenden Hersteller als auch die Ausbilder anschlossen.

Nun muss der Sattel nicht nur zum Hintern des Reiters, sondern auch zum Rücken des Pferdes passen. „Die Passform des Sattels auf dem Pferd ergibt sich aus der Ortweite und der Polsterung des Sattelkissens. Die Widerristfreiheit soll herstellerabhängig bei ca. 1,5 bis drei Finger breit liegen“, erklärte Kannemeier die Maßstäbe für einen gut sitzenden Sattel. Andernfalls besteht die Gefahr von Satteldruck beim Pferd: Bei Kontakt von Sattelkopf und Widerrist kommt es zu Druckstellen und Satteldruck vorn. Der Schwerpunkt eines Sattels muss im mittleren Drittel liegen. Befindet sich der Schwerpunkt weiter hinten, liegt also der Sattel hinten zu tief, so sitzt auch der Reiter weiter hinten. Es kommt zu Satteldruck im hinteren Bereich und der Sattel wird gleichzeitig nach vorn gedrückt. Liegt dagegen der Sattel hinten hoch, rutscht auch der Schwerpunkt vor. Der Reiter sitzt zu weit vorn und kommt nicht richtig zum Sitzen. Überaus wichtig ist zudem die richtige Lage des Sattels. Sie muss beim Pferd eine ausreichende Schulterfreiheit zulassen. Der Sattel – das heißt das Kopfeisen – muss unbedingt hinter der Schulter liegen. Nur dann kann sich das Pferd frei bewegen.

Die Frage der Breite des Sattelkissenkanals spielt eine Rolle bei der Wirbelsäulenfreiheit. Ein Sattel soll möglichst viel Auflagefläche haben und den Druck gleichmäßig auf dem Pferderücken verteilen. Dies ist der Fall, wenn der Kissenkanal schmal ist. Gleichzeitig darf der Sattel aber unter keinen Umständen über der Wirbelsäule aufliegen, da sonst die Dornfortsätze gereizt werden. Daher darf der Kissenkanal nicht zu schmal sein, vielmehr muss er entsprechend der Breite der Wirbelsäule des Pferdes ausgewählt werden. In diesem Zusammenhang gilt es laut Kannemeier, auch die Sattelpolsterung zu beachten. Für die verschiedenen Möglichkeiten, einen Sattel zu polstern – Schafwolle, Schaumstoff, andere Kunststoffe oder auch Luft – gilt doch ein Grundsatz: Das Polster muss in der Fläche gleichmäßig ohne Beulen sein und darf nicht zu hart gefüllt werden. Ein Polster sollte auch nicht zu häufig nachgepolstert werden. Wenn aber der Sattel nicht mehr richtig liegt oder das Polster zu hart geworden ist, dann muss es auch komplett ausgetauscht werden. Um diesen Austausch vorzunehmen, darf nicht nur ein kleiner Schnitt am Ende der großen Satteltasche vorgenommen werden, durch den das Polster nachgefüllt wird. Denn dann entsteht die gerade unerwünschte ungleiche Polsterung. Der Sattler muss sich die Mühe machen, das ganze Kissen vom Sattel zu trennen. „Hierauf sollten Sie als Kunde tatsächlich achten, da sich zu viele Sattler die Mehrarbeit leider ersparen wollten“, riet der Sattelexperte den Teilnehmern. Und zu guter Letzt ging er auch auf die richtige Lage des Sattelgurtes ein. Auch hier gilt die Vier-Finger-Regel. Der Sattelgurt muss cirka vier Finger hinter dem Ellenbogen des Pferdes liegen. „Liegt er weiter vorn, rutscht auch der Sattel vor und führt zu den bereits beschriebenen negativen Auswirkungen.“ Zum Abschluss gab Georg Kannemeier noch einen besonderen Tipp zum korrekten Aufsteigen, den er mit einer kurzen Filmsequenz unterstützte. Der Reiter soll über den Sattel fassen und sich gerade auf das Pferd schwingen. Er darf sich nicht am Sattelkranz festhalten und auf das Pferd ziehen. Dadurch verzieht sich auf längere Sicht der Sattelbaum. „Der verzogene Sattelbaum ist im übrigen bei allen Herstellern der häufigste Reklamationsgrund“, weiß Kannemeier. „Die beste Alternative zum Aufsteigen stellt aber die Aufsitzhilfe dar. Auch wenn sie bei vielen Reitern noch verpönt und etwas ‚für alte Leute’ ist, ist das Aufsteigen mit einer Aufsitzhilfe doch pferdefreundlich, sattelschonend und für den Reiter bequem zugleich“, sagte Kannemeier.

Wie lange ein Sattel hält, ist aber nicht nur von der Pflege durch den Reiter abhängig. Material und Qualität spielen eine entscheidende Rolle, wie Hjalmar (München), seit 35 Jahren Geschäftsführer der Firma Georg Kieffer, darstellte. „Der Begriff Qualität setzt sich beim Sattelbau aus drei Aspekten zusammen: Sicherheit, hochwertiges Material und hochwertige Verarbeitung sind die (lebens-)wichtigen Grunderfordernisse für einen qualitativ guten Sattel.“ Conzet löste im Rahmen seines Referates auch das Drei-Gurtstrupfen-Rätsel. In früherer Zeit wurde beim Sattelbau immer eine Ersatzstrupfe eingeplant, weil man wusste, dass eine Strupfe über kurz oder lang reißen würde. „Heute ist diese Ersatzfunktion aufgrund der hochwertigen Materialien eigentlich nicht mehr notwendig. Traditionell wird aber auch diese dritte Strupfe noch immer gefertigt.“

In Richtung Tradition und Geschichte ging es auch bei Ralph

(Krefeld), in vierter Generation geschäftsführender Gesellschafter und Mitinhaber der 1894 gegründeten Firma Joh’s Stübben. Um den „Aufbau verschiedener Sättel und besonderer Problembereiche“ zu erklären, zeigte er auf, wie der Sattel historisch immer der Funktion folgte und noch heute folgt. Der Sattel hat seinen namentlichen Ursprung vom lateinischen „silla“ (Sitz). Dieser Begriff tauchte um 340 n. Chr. erstmals auf. „Erfinder“ des Sattels war aber bereits gut 550 Jahre früher das Volk der Skythen in der heutigen Ukraine. Hier wurde eine entsprechende Sitzunterlage für Reiter um 200 v. Chr. zuerst erwähnt. Über das Mittelalter und die frühe Neuzeit durchlief der Sattel eine vielfältige Entwicklung. In früheren Jahren zeichneten sich Sättel durch starke Panzerungen zum Schutz der Beine der reitenden Krieger und durch Stützen aus, die ein Herunterfallen des Reiters möglichst verhindern sollten. Heutige Sättel dagegen werden „glücklicherweise“ unter sportlichen Gesichtspunkten hergestellt. Aber auch im Sport folgt der Sattelbau der Funktion. So gibt es Sättel für Springen, Vielseitigkeit, Dressur, Distanzreiten, Westernreiten oder Wanderreiten, die sich in Form, Aufbau und/oder Material unterscheiden. Nach seinem historischen Exkurs erläuterte Ralph Stübben die unterschiedlichen Komponenten eines modernen Sattels von Sattelbaum, Sattelkopf oder Kopfeisen über Satteltaschen und Sattelkissen bis hin zum Sattelkranz und stellte die Bauweisen anhand vieler Beispiele dar und verglich sie auch.

Am Ende eines als informativ gelobten Seminars gab es außer begeisterten Teilnehmern, die sich in ausgiebigen Diskussionen engagierten, natürlich auch ein gemeinsames Fazit: Der Sattelbau und die Sattelauswahl dürfen sich nicht an modischen Trends orientieren, Funktion geht vor Form. Wir Menschen müssen uns an der Anatomie des Pferdes orientieren, die uns vorgegeben wird. Hier liegt die Verantwortung bei allen Beteiligten, den Herstellern, Fachhändlern, Ausbildern und nicht zuletzt auch Reitern, die für ihr Pferd verantwortlich sind. Das Pferd ist zum Reiten geschaffen, wenn wir richtig darauf sitzen.

Seminar der Deutschen Akademie des Pferdes mit Hannes Müller, Ganz praktisch: Der Weg zur Losgelassenheit bei Sport - und Freizeitpferden Gut Ettenhausen/Bonn (fn-press). „Ein sehr interessantes und gelungenes Seminar“. Das war die einhellige Meinung der rund 140 Gäste, die sich von Hannes (Warendorf), Ausbildungsleiter der Deutschen Reitschule im NRW-Landgestüt, den „Weg zur Losgelassenheit bei Sport - und Freizeitpferden“ in Theorie und Praxis erklären ließen. Gastgeber war die Deutsche Akademie des Pferdes in Zusammenarbeit mit dem Kreispferdesportverband Bonn-Rhein-Sieg und dem Verein der Pferdefreunde Ennert auf dem Gut Ettenhausen bei Bonn.

(Richtig) Reiten können. Davon profitiert nicht nur der Reiter, sondern vor allem das Pferd. Das machte Hannes Müller den Zuhörern gleich zu Beginn des Seminars sehr bewusst: „Reiten muss man gründlich erlernen. Das gilt nicht nur für die Turnierreiter, sondern ganz besonders auch für die sogenannten Freizeitreiter.“ Der Ausbildungsleiter appellierte an alle Reiter, sich mit den Grundkenntnissen für pferdegerechtes Reiten ausreichend vertraut zu machen, weil sonst die Gesundheit von Pferd und Reiter Schaden nehmen könnten. Das für das Pferd ungewohnte Reitergewicht könne es nur ohne Schaden tragen, wenn das Pferd auf richtige Weise dafür trainiert und gymnastiziert wird. Das erfordere eine zielgerichtete Ausbildung von Reiter und Pferd, die kaum ohne Anleitung durch einen erfahrenen Reitlehrer gelingen könne.

Wie wichtig und wie zielführend die Anweisungen eines qualifizierten Reitlehrers sein können, zeigte Hannes Müller bei der praktischen Reiterdemonstration mit sechs Reitern des Vereins der Pferdefreunde Ennert. Obwohl ihm Reiter und Pferde nicht bekannt waren und sehr unterschiedliche Ausbildungsniveaus und Probleme hatten, gelang es ihm in sehr kurzer Zeit, Ansätze für Verbesserungen und die Lösung der Probleme zu erarbeiten. Entsprechend der Zielrichtung des Seminars stand dabei die Losgelassenheit der Pferde aber auch der Reiter im Mittelpunkt.

Losgelassenheit ist nach Müller zwar nur ein Element der Ausbildungsskala, aber ein besonders Wichtiges. Die Losgelassenheit sei vor allem unverzichtbar für weiches harmonisches Reiten und die Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Losgelassenheit sei kein messbarer Begriff. Sie sei auch nicht nur eine optische Darstellung einer Körperhaltung, sondern eher Zwanglosigkeit und vor allem ein schwingender Rücken des Pferdes. Mit ihr solle ein rhythmisches An- und Abspannen aller Muskelgruppen für ein natürliches Bewegungsspektrum erreicht werden.

Bei der Reiterdemonstration führte Müller die vielfältigen Übungsmöglichkeiten vor, mit denen die Losgelassenheit beim Pferd erreicht oder verbessert werden kann: „Dabei ist zu beachten, dass sich nicht mit jeder Übung bei jedem Pferd die gleiche Wirkung erzielen lässt.“ Bei einigen Pferden zeigten häufige, weich ausgeführte Übergänge zwischen Schritt und Trab oder Trab und Galopp schon deutliche Wirkungen. Andere reagierten besser auf Schenkelweichen oder Traben über Stangen. Wirkungsvoll ist es auch, wenn dem Pferd Biegungen abverlangt werden, sei aus auf dem Zirkel mit Zirkel verkleinern und vergrößern oder das Reiten von Achten. Immer müsse versucht werden, die Dehnungshaltung durch vorwärts-abwärts zu verbessern. „Es war toll. Hier konnte man wirklich etwas lernen. Das war auch die Resonanz der Besucher. Ich kann die Teilnahme an ähnlichen Seminaren allen Reitern nur wärmstens empfehlen“, sagte Claudia von der Deutschen Akademie des Pferdes.

Nordlichter waren die Besten

Warendorf (fn-press). Beim Bundesberufswettbewerb für Pferdewirte mit dem Schwerpunkt Zucht und Haltung, Ende November erstmals am Nordrhein-Westfälischen Landgestüt und der Deutschen Reitschule in Warendorf durchgeführt, zeigte sich die Mannschaft Schleswig-Holsteins überlegen. Mit einem Gesamtergebnis von 2.774 Punkten verwiesen die Nordlichter das Team aus Baden-Württemberg, das auf 2.592 Punkte kam, auf Platz zwei. Platz drei ging an die Equipe aus Bremen mit 2.514 Punkten. Für die siegreiche Mannschaft aus Schleswig-Holstein gingen an den Start: Matthias (Ausbildungsstätte Markus (Ausbildungsstätte Regina , Ahrensburg) und Antonia (Ausbildungsstätte Gestüt Panker).

Auch der Sieg in der Einzelwertung ging in den hohen Norden. Mit 1.028 Punkten erzielte Antonia Titze einen deutlichen Erfolg. Sowohl in der Theorie als auch dem Vormustern und der A-Dressur erzielte sie die besten Einzelergebnisse aller 41 Teilnehmer. Mit 964 Punkten auf dem zweiten Platz landete die für Rheinland-Pfalz startende Kerstin (Ausbildungsstätte Gestüts- und Reitanlage St. Stephan, Framersheim). Der dritte Platz ging mit 944 Punkten an Christopher (Ausbildungsstätte Niedersächsisches Landgestüt Celle).

Der Bundesberufswettbewerb mit dem Schwerpunkt Zucht und Haltung ist eine Kombination aus den Teilprüfungen Theorie, Pferdebeurteilung, Vormustern und einer Mannschafts-A-Dressur. Im Wechsel mit dem Wettbewerb Schwerpunkt Reiten wird er alle zwei Jahre angeboten. In der Vergangenheit als Wanderveranstaltung an verschiedenen Standorten durchgeführt, wird der Wettbewerb zukünftig seine feste Bleibe in Warendorf finden. An der diesjährigen Veranstaltung nahmen 14 Mannschaften teil.

Überlegungen zur APO 2006 vorgestellt

Warendorf (fn-press). Die Ideen zur Fortschreibung der Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO) 2006 waren Thema der Fachschulleitertagung, zu der die Abteilung Ausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) Ende November nach Warendorf eingeladen hatte. Die Leiter der Fachschulen sowie die für die Ausbildung zuständigen Vertreter der Anschlussverbände diskutierten vor allem die Überlegungen zur Weiterentwicklung der Ausbildung der Trainer.

Mit der APO, die Anfang 2000 in Kraft trat, wurde das dreistufige System mit Trainer C, B und A angelehnt an das Modell des Deutschen Sportbundes (DSB) eingeführt. „die Erfahrungen mit der APO 2000 sind gut. Die Nachfrage nach Trainerausbildung steigt weiterhin. Seit Anfang 2000 haben fast 3.900 Personen eine Trainerausbildung gemacht. Rund 35 Prozent davon waren Trainer B und rund 20 Prozent haben sich zum Trainer A ausbilden lassen. Diese Zahlen sind besser als vor der APO 2000“, sagte Eva , Ausbildungs-Referentin bei der FN. Das System ist aber nicht statisch und schon gar nicht endgültig. „Wir wollen die Pferdesport-Ausbildung in Deutschland immer weiter verbessern. Aus diesem Grunde entwickeln wir auch die APO weiter.“ Schlüsselqualifikation heißt das Stichwort in der Ausbildung der Ausbilder. Was muss ein Reiter können? Und was muss ein Ausbilder können, um dem Reiter das beizubringen? Wie muss der Ausbilder ausgebildet werden, um das vermitteln zu können? Um diese Schlüsselqualifikationen auf jeder Ausbilderstufe geht es. „Vor diesem Hintergrund wollen wir die Inhalte der Trainerausbildung fortschreiben und spezifizieren“, erklärte Lempa-Röller den Ansatz und stellte Überlegungen und Gedanken hierzu vor. So wird überlegt, den Trainer C noch stärker für den Anfänger- und Basisunterricht für alle Altersgruppen auszubilden. Innerhalb der FN hat eine sogenannte Arbeitsgruppe „Schlüsselqualifikationen“ darüber nachgedacht, wie diese Grundlagen aussehen. Was muss im Anfänger- und Basisbereich vermittelt werden können? Kontakt und Sitz, ist das Ergebnis, zu dem die Arbeitsgruppe kommt. Der Basisausbilder muss Verständnis für das Pferd erzeugen. Er muss Vertrauen zum Pferd herstellen, beim Reiter Angst abbauen. Er muss Handlungskompetenz im Umgang mit dem Pferd vermitteln. Das ist mit Kontakt gemeint. Unter dem Oberbegriff Sitz ist zu verstehen, dass der Ausbilder den Reiter zu Balance und Losgelassenheit auf dem Pferd bringt. Dass der Reiter das Eingehen in die Bewegung lernt und eine angepasste Körperhaltung. Und zu guter Letzt, dass der Ausbilder dem Reiter die Hilfengebung vermittelt und in so in die Lage versetzt, sich mit dem Pferd zu verständigen. „Kontakt und Sitz sind wie hier beschrieben auch Grundlagen, die reitweisenübergreifend sind. Wenn wir den Trainer C in diese Richtung weiterentwickelten, dann hätten wir auch eine gemeinsame Ebene für alle Trainer C – also auch Westernreiten oder Gangpferde“, zeigte Eva Lempa-Röller die Bedeutung dieses Ansatzes auf. Um diese Fähigkeiten vermitteln zu können, muss der Ausbilder nicht nur eigene reiterliche Fähigkeiten haben, er muss auch Bewegung sehen und pädagogisch führen können. Bewegungssehen und Pädagogik stehen weiterhin im Mittelpunkt der Ausbildung des Ausbilders.

Nun steht aber für die Ausbilderausbildung nur eine begrenzte Anzahl von Übungseinheiten (UE) je Lehrgang zur Verfügung. Um Trainer C zu werden, muss man beispielsweise 120 UE rechnen. Und das ist angesichts der Fülle dessen, was vermittelt werden soll, noch zu knapp. „Überlegen Sie bei der Weiterentwicklung Ihrer Trainer-Ausbildung, was wirklich in diese Zeit gehört. Es ist nicht die Aufgabe so eines Lehrgangs, den Ausbilder als Reiter weiterzubilden. Wer Trainer C werden will, muss die notwendigen reiterlichen Fähigkeiten schon mitbringen und nachweisen. Nutzen Sie die Lehrgangszeit, um den Ausbilder als Ausbilder zu schulen. Packen Sie alles das in den Lehrgang, was der Ausbilder braucht, um Reiten zu lehren und ein guter Lehrer zu werden“, sagte Gastredner Professor (Leipzig), der beim DSB für die Rahmenrichtlinien der Ausbilder mitverantwortlich ist. „Kauen Sie in der Ausbildung der Ausbilder nicht vor, was in Büchern steht. Das müssen die alles vorher gelesen haben.“ Der theoretische sportfachliche Unterbau muss bereits vorhanden sein. „In der Ausbildung geht es darum, als Ausbilder das Sehen, Vermitteln und Korrigieren zu üben, zu üben und nochmals zu üben.“ Zudem empfahl er, bei der Fortschreibung der APO auf gesellschaftliche Trends zu achten. Die Gesellschaft entwickle sich von der belehrten zur lernenden Gesellschaft. „Fragen Sie sich außerdem: Was wollen die Reiter? Darauf muss sich die Ausbildung einstellen.“ Weiter riet er, auf Qualität bei den Ausbildern zu achten, aber auch für Quereinsteiger offen zu sein.

Mit dem Trainer C endet die Ausbildung aber nicht und auch nicht die Gedanken zur Fortschreibung der APO. Auf der nächsten Stufe – Trainer-B - wird insbesondere die Kompetenz in der Unterrichtserteilung vertieft – am Beispiel von Spezialthemen-Lehrgängen wie Dressur oder Springen, aber auch Breitensport oder Distanzreiten. Der Trainer B sollte als ein qualifizierter Ausbilder in den in der APO angegebenen Spezialbereichen herausgestellt werden. Die Betonung des Trainer A geht in Richtung Ausbilder für den Leistungssport und Ausbildungsleiter spezieller organisatorischer Aufgaben wie zum Beispiel Lehrgänge im Kreisreiterverband. Weiter zielen die Überlegungen zur Fortschreibung der APO darauf, die Ausbilder ohne Lizenz, von denen zahlreiche in den Vereinen und Betrieben in der Reitbahn stehen, aufgefangen werden. Sei es durch die Aufwertung des Sportassistenten im Pferdesport, den es seit 2000 gibt, oder durch die Erweiterung der Zulassungsvoraussetzungen für den Trainer C oder ein verstärktes Angebot von amateurgerechten Ausbildungsabläufen. So ist zum Beispiel denkbar, den dreiwöchigen Lehrgang zum Trainer C in mehrere – arbeitnehmerfreundliche - Blöcke zu splitten.

Wenn auch die Diskussion der Gedanken zur Ausbilder-Ausbildung den größten Teil der Fachschulleitertagung einnahm, so wird auch an der Weiterentwicklung der APO-Bereiche Kennzeichnung von Vereinen/Betrieben, Abzeichen und Richterausbildung gearbeitet. „Wir sind von den bisherigen Ergebnissen der Kennzeichnung noch enttäuscht. Wir wünschen uns, dass diese insbesondere von den herausragenden Betriebe noch stärker angenommen wird“, zog Eva Lempa-Röller eine Bilanz nach drei Jahren APO 2000 und räumte mit dem Vorurteil auf, die FN verdiene sich daran eine „Goldene Nase“ und das Ganze sei zu teuer. „Im Augenblick zahlt die FN sogar 30 Euro pro Kennzeichnung drauf.“ Ein Ergebnis, dass die Entwicklung des Kennzeichnungssystems in der APO beeinflusst. Es wird zum einen vielleicht um Module erweitert – so wird es eventuell eine Kennzeichnung von Hufschmiedebetrieben geben. Zum anderen wird über eine Fortschreibung in Richtung Niveaubestimmung – zum Beispiel bei der Qualität der Pensionsbetriebe – nachgedacht.

Die Abzeichen sind nur eine verhältnismäßig kleine „Baustelle“. Man macht sich Gedanken über eine weitere Differenzierung im Bereich der Motivationsabzeichen. Hauptsorgenkind ist aber der Deutsche Reitpass - auch Führerschein fürs Gelände genannt. Die Zahlen dieses von allen Ausbildungsverantwortlichen hochgelobten Abzeichens stagnieren, obwohl gerade diese Ausbildungsgrundlage die Leute fit für ihren Traum – Ausreiten - macht. Ein Lösungsvorschlag kam denn auch aus dem Auditorium: Warum nicht den Reitpass aufbauend auf dem Basispass Pferdekunde zur Voraussetzung jedes weiteren Leistungsabzeichens machen. Also nicht nur für die Wanderreiter-, Distanzreiter- und Jagdreiterabzeichen, sondern auch für die Reitabzeichen. Ein Gedanke, der viel Zustimmung fand. Hatte man doch zuvor beklagt, dass immer mehr nur in Hallen- und Anlagen und immer weniger im Gelände und Geländereiten ausgebildet werde.

Der Vollständigkeit halber hier noch die Überlegungen zur Fortschreibung der Richterausbildung: Die Richter-Prüfungen sollen „verschlankt“ werden, bei Dressurprüfungen der Klasse L soll das getrennte Richten wegfallen und Prüfungen für Dressurreiterwettbewerbe sollen eingeführt werden. Alles im Fluss. Die Überlegungen zur APO 2006 wurden vorgestellt. Nun gehen sie in die Phase der Diskussion mit den betroffenen Gruppen. Warten wir also auf das nächste Kapitel zur Entwicklung der APO 2006.

Deutschlands beste Ausbilder gesucht

Frankfurt (fn-press). Der Deutsche Sportbund (DSB) und die Tankstellenfirma Aral wollen Deutschlands beste Übungsleiterinnen und Übungsleiter auszeichnen. Dazu haben sie den Aral-Trainer-Award ausgelobt. Vom 1. Dezember bis einschließlich Mai 2004 wird Aral sechs Mal die Auszeichnung „Übungsleiter/Übungsleiterin des Monats“ verleihen.

Rund 750.000 Übungsleiter sind ehrenamtlich in den Sportvereinen – darunter auch rund 7.300 Pferdesportvereine – im Deutschen Sportbund aktiv. Sie trainieren Mannschaften und leiten Sportgruppen. Diese Aufgabe erfordert viel Zeit und ein hohes Maß an persönlichem Engagement. Deshalb will Aral in Kooperation mit dem DSB die Leistung der Übungsleiter honorieren und die begehrtesten Trainer einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Das Bewerbungsverfahren: Mitglieder einer Mannschaft oder Sportgruppe können ihren Übungsleiter für den Aral-Trainer-Award vorschlagen. Dazu müssen sie sechs Fragen zu den Kompetenzen ihrer Trainer beantworten und deren Trainingsarbeit charakterisieren. Die notwendigen Bewerbungsunterlagen mit Spielregeln, Bewerbungsformular und Fragebogen gibt es unter , Faxabruf 0 18 05/22 21 22 (12 Cent pro Minute) oder Aral Award Hotline 06 11/18 88 71 75. Aus allen Einsendern eines Monats werden zehn Bewerberinnen und Bewerber für den Aral Award nominiert. Aus diesem Kandidatenkreis ermittelt eine unabhängige Sportexperten-Jury die Monatssieger. Diese werden dann online unter Die Monatssieger und die jeweiligen Teams werden mit hochwertigen Trainingsanzügen und Sporttaschen ausgestattet. Alle 60 nominierten Übungsleiter und Übungsleiterinnen nehmen zusätzlich Ende Mai mit ihren Teams an einer Sonderverlosung teil. Zu gewinnen gibt es dabei eine Trainingseinheit für die gesamte Mannschaft mit einem Profisportler.

Symposium zur Umsetzung des Bundesnaturschutzgesetzes

Berlin (fn-press). „Natursport und das neue Bundesnaturschutzgesetz“ – über dieses Thema diskutierten in Berlin etwa 130 Vertreter von Bundes- und Landesbehörden, aus Politik sowie Natursport- und Naturschutzverbänden über Möglichkeiten der Umsetzung des Gesetzes auf Bundes- und Landesebene. Bei der eintägigen Veranstaltung des Kuratoriums Sport und Natur im SPD-Fraktionssaal des Berliner Reichstagsgebäudes, an der auch Vertreter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) teilnahmen, bestand eine breite Übereinstimmung unter den Teilnehmern bezüglich der Ziele und Grundsätze des neuen Bundesnaturschutzgesetzes, das Anfang April 2002 in Kraft getreten ist. Es sichert ausdrücklich auch den Erholungswert der Natur und rechnet natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigungen zur Erholung. Damit schützt es die Natur „mit“ und nicht „vor“ dem Menschen und betrachtet Natursportler als Verbündete beim Naturschutz, wie der Erste Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Heiner , in seiner Begrüßungsansprache nochmals betonte.

Unter den Teilnehmern bestand außerdem große Einigkeit über die Wichtigkeit, ja sogar Notwendigkeit, sowohl Sportverbände als auch sonstige von Maßnahmen des Naturschutzes Betroffene frühzeitig in den Informationsaustausch einzubinden und zum Beispiel an Gesetzgebungsverfahren und Verfahren bei der Ausweisung von Schutzgebieten zu beteiligen.

Kontrovers wurde demgegenüber die Möglichkeit der Anerkennung von Natursportverbänden durch das Bundesumweltministerium mit Bezug auf die Begründung zu §59 BNatSchG diskutiert. Dr. Stefan vom BMU machte in seinem Vortrag deutlich, dass diese Anerkennung rechtlich grundsätzlich zulässig sei, die zu erfüllenden Voraussetzungen allerdings schwer erreichbar sein würden. Entscheidend sei die Einzelfallprüfung. Winfried , MdB (Bündnis 90/Grüne) und Zweiter Vorsitzender des Kuratoriums Sport und Natur betonte: „Die Schaffung dieser Anerkennungsmöglichkeit ist politisch gewollt. Die daran interessierten Natursportverbände – momentan nur sehr wenige – müssen aber sehr hohen Anforderungen genügen.“ Dies sei diesen auch bewusst, so dass Einwänden von Seiten der Vertreter der Naturschutzverbände NABU und BUND, die eine Dominanz durch die Sportverbände und eine „Verwässerung des Naturschutzes“ befürchteten, die Grundlage fehle. Im übrigen sei nicht die Anerkennung von Natursportverbänden das Hauptanliegen des Kuratoriums, sondern eine - möglichst gesetzlich geregelte – frühzeitige Beteiligung, wie auch andere Vertreter des Kuratoriumsvorstands deutlich machten.

Verschiedene Positionen wurden außerdem bezüglich des gesetzlich verankerten Betretensrechts deutlich, als Vorstandsmitglied Peter das Forderungspapier des Kuratoriums für die bis zum Frühjahr 2005 notwendige Novellierung der Landesnaturschutzgesetze erläuterte. Das Betretensrecht betrifft viele im Kuratorium Sport und Natur vertretene Natursportarten und birgt Konflikte, die jedoch weniger ökologischer als vielmehr sozialer Natur sind.

Mit großem Interesse wurde am Nachmittag von den Teilnehmern die Vorstellung von zwei Beispielen aus Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt für die Umsetzung von Bundes- in Landesrecht durch Vertreter der jeweiligen Umweltministerien verfolgt und diskutiert. So wurde beispielweise in Schleswig-Holstein der Landessportbund als an der Landesplanung zu beteiligen gesetzlich verankert, während in Sachsen-Anhalt mit verschiedenen Sportverbänden Rahmenvereinbarungen geschlossen werden (sollen). Die Natursportverbände, die nicht Mitglied in den Landessportbünden sind, wurden einmal mehr aufgefordert, ihre Interessen in den Ländern gegenüber den Behörden vernehmlich zu vertreten.

Kurzfassungen der Vorträge sind auf der Internetseite des Kuratoriums, www.kuratorium-sport-natur.de , abrufbar. Ein ausführliche Dokumentation der Tagung wird bis Anfang 2004 erstellt sein und kann dann bei der Geschäftsstelle des Kuratoriums, Von-Kahr-Straße 2-4, 80997 München, bestellt werden.

Stuttgart (fn-press). Zum dritten Mal in Folge sicherte sich Ellen

(24, Rheinberg) den Sieg im Piaff-Förderpreis. Mit Gina Royal OLD erzielte sie 1.441 Punkte (70,29 Prozent) in dem als internationalen Kurz-Grand Prix ausgetragenen Finale in der Stuttgarter Schleyerhalle und verwies damit die Konkurrenz erneut auf die Plätze. Allen voran Carola (Warendorf) mit Le Bo, die nach den fünf Qualifikationsprüfungen in Bad Salzuflen, Nörten-Hardenberg, Gera, Münster und Affalterbach mit vier Siegen die laufende Punktewertung angeführt hatte. Die 25-jährige Pferdewirtin, die aus Altersgründen letztmals zum Teilnehmerkreis des Piaff-Förderpreises zählte, landete mit 66,58 Prozent auf Platz zwei. Den dritten Platz belegte der jüngste Finalteilnehmer, der erst 19-jährige Hubertus (Bad Salzuflen) mit Ussaro (66,39).

Als er vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde, schlug er ein wie „eine Bombe“: der Piaff-Förderpreis, eine Serie zur Förderung junger Dressurreiter auf ihrem Weg in den Grand Prix-Sport. Aus anfänglich einem Dutzend Nachwuchsreiter wurden in diesem Jahr bereits 50 Paare, die sich im Frühjahr dem Auswahllehrgang in Warendorf stellten und von den gebotenen Möglichkeiten (zum Beispiel Training beim Bundestrainer und kommentierte Videoaufzeichnung des Auswahlrittes) profitierten. „Ich habe auch in diesem Jahr wieder gesehen, dass der Piaff-Förderpreis einen großen Schub gegeben hat“, sagte Dr. Uwe

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