| | |  | Teil einer arabischen Ausrüstung |  |  |  |
| Die Zuchtrichtungen in den Ländern werden unter anderem durch die Landgestüte vermittelst deren Hengstangebot bestimmt. Baden-Württemberg ist in den sechziger und siebziger Jahren durch den Einsatz von Trakehnern seinen eigenen Weg gegangen.
Diese Zeiten sind vorbei, die Bedeutung der Trakehner ist stark zurückgegangen. Die Züchter können heute aus einer breiten Palette wählen:
Württ. | Hann. | Holst. | Westf. | Trak. | Oldb. | Franz. | Rheinl. | Zw. | 15 | 10 | 6 | 5 | 3 | 2 | 1 | 1 | 1 | Hinzu kommen 2 Vollbluthengste und 1 Anglo Araberhengst.
Vielleicht ist die Ausrichtung am großen Sport doch nicht der Weisheit letzter Schluß. Dr. Raue betonte, daß die Nachfrage nach umgänglichen Pferden, die vielseitig einsetzbar sind, nicht befriedigt werden kann.
"Freizeitsport ist die schwierigste Vermarktung. Das Pferd soll gesund sein, für das Kind und die Mutter geeignet, außerdem soll es als Fahrpferd eingesetzt werden. Es ist oft einfacher, ein Spezialpferd zu finden. Wir verzeichnen ständig Nachfrage, das ganze Jahr über.
Das muß dann aber auch seinen Preis haben, 7000 bis 8000 EUR aufwärts. Wenn man bedenkt, daß ein Beritt leicht 600 bis 700 EUR pro Monat kostet, ist das auch nicht zu teuer. Die Qualität ist die Stärke unserer Vermarktung, außerdem die Kulanz: wir kümmern uns darum, wenn jemand mit einem Pferd nicht zurechtkommt."
Im Frühjahr versteigert das Hauptgestüt regelmäßig 20-25 dreijährige Pferde, die dort aufgezogen und 4-5 Wochen unter dem Sattel sind. Die Auktionsergebnisse sind im Internet veröffentlicht (» 1. Februar 2003 - Reitpferdeauktion im Haupt- und Landgestüt Marbach).
Ein Pferd erzielte einen Preis von 31.000 EUR, der zweithöchste Preis betrug nur noch die Hälfte: 15.500 EUR, der Rest lag deutlich unter 10.000, einige um die 5.000. Nun kann man sich leicht ausrechnen, daß bei diesen Preisen nicht nur kein Gewinn gemacht wird, sondern Geld zugesetzt werden muß.
Personal-, Tierarzt-, Gebäude-, Fahrt- und Futterkosten will ich gar nicht berücksichtigen. Die Decktaxe beträgt mehr als 400 EUR, jeder Tag der Aufzucht im Hauptgestüt kostet 4,21 EUR. Das sind bei 2,5 Jahren Aufzuchtkosten im Gestüt in Höhe von 3.841,63 EUR zuzüglich Entwurmungen und Behandlungen nach Aufwand.
Die Kosten für die Zuchtstute sind dabei völlig außen vor. Wie kann sich Zucht unter diesen Umständen rechnen? Trotzdem ist das Hauptgestüt laut Dr. Raue mit der Vermarktungssituation soweit zufrieden.
Zum Abschluß schenkte er mir ein Spezialmagazin für Warmblutpferdezüchter. Der erste Artikel darin beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Warmblutpferdezucht zur Freizeitreiterszene und bietet eine Fülle von hochinteressanten Einsichten und Vorschlägen. Aber das ist wieder ein neues Thema.
Quellen
- » Deutschlands ältestes Staatsgestüt, Hauptgeschichte
- » Fohlenaufzucht bei den Profis, Hauptgeschichte
- » Dillenburger Ramsnasen als Ahnen, Hauptgeschichte
- » Zucht, Mitteilungen
- » Geschichte, Hauptgeschichte
- Haupt- und Landgestüt Marbach, Broschüre 1993
- » Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierassen (GEH)
- » Kaltblutpferde/Jahresbericht 2002
- » Leistungsprüfungen auf Station
- » Stutenleistungsprüfung
- » Hengstleistungsprüfung
- » Ergebnisliste der Hengstleistungsprüfung
- » Verzeichnis der Hengste - 2003
- » Etwas für mich, Hauptgeschichte
- » Not und Panik, Hauptgeschichte
- » Neubeginn mit Pit, Hauptgeschichte
- » Mit 89 dabei - Wilhelm Isemann und seine Zucht, Hauptgeschichte
- » 1. Februar 2003 - Reitpferdeauktion im Haupt- und Landgestüt Marbach
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Abbildungen
© Gerd Hebrang
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