
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | | Falsche Vorstellungen Wieviel Arbeit macht die Pferdezeitung? | | |
9. April 2006
Viele Leser haben keine Vorstellung davon, wieviel Arbeit die Pferdezeitung macht. Ich werde es Ihnen verraten. Und ich verspreche Ihnen, Sie werden die Pferdezeitung und mich persönlich anschließend mit anderen Augen sehen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - ich will nicht klagen. Ich will Sie lediglich aufklären. Damit Sie nicht von falschen Voraussetzungen ausgehen. Leider muß ich nämlich befürchten, daß Sie völlig irrige Vorstellungen von mir und der Pferdezeitung haben. Und deshalb womöglich einen ganz großen Fehler begehen, den Sie bedauern könnten.
Wenn ich klagen wollte, hätte ich das schon längst tun können. Nein, die Verantwortung für meine Handlungen übernehme ich selbst. Aber jetzt brauche ich Ihre Hilfe, und deshalb ist es mir wichtig, daß Sie Bescheid wissen, weil die Konsequenzen für Sie auf der Hand liegen. Ich schenke Ihnen reinen Wein ein. Ich hoffe, Sie sind nicht schockiert. Die Wahrheit ist bitter.
Aber wenn es Sie nicht interessiert: klicken Sie › hier und buchen Sie ein Abo für die Pferdezeitung. Sie tun ein gutes Werk und werden es nicht bereuen!
Arbeitspensum
Die Pferdezeitung ist keine Homepage, wie sie irgendein Gestüt oder sonst ein Unternehmen im Pferdebereich hat. Die Pferdezeitung ist ein elektronisches Magazin. Sie erscheint seit Januar 1999 regelmäßig jeden Montag. Sie hat im letzten Monat durchschnittlich jeden Tag 8.598 Besucher gehabt, die knapp 42.000 Seitenaufrufe angefordert haben, die von vier Maschinen ausgeliefert wurden (› Statistik/Übersicht).
Die Pferdezeitung ist kein Unternehmen, das durch großes Kapital gefördert wird. Es wird überhaupt nicht gefördert, von niemandem, außer von mir persönlich. Die Pferdezeitung ist kein Produkt eines Teams oder einer großen Firma, sondern einer einzigen Person und seiner Firma, einer Ein-Mann-Firma.
Das bedeutet für mich: Seit mehr als sieben Jahren nie ein Wochenende, nie Urlaub, kein freier Tag. Zweimal ist die Pferdezeitung erst am Dienstag erschienen. Warum? In einem Fall hatte ich in Nürnberg am Samstag einen Unfall und lag zwei Tage im Krankenhaus. Im anderen Fall war ich in Helsinki und hatte unerwarteterweise keinen Internet-Anschluß.
Beide Vorkommnisse passierten während meiner Tätigkeit für die schwedisch-finnische Firma MySQL AB - aufmerksame Leser können sich vielleicht noch daran erinnern. Vom Herbst 2001 bis Anfang 2004 habe ich etwa 55 Stunden in der Woche als Trainer und Consultant für Datenbanktechnologie in ganz Europa gearbeitet und mir ausbedungen, nach Feierabend und am Wochenende die Pferdezeitung weiterbetreiben zu können. Sylvia Frevert hat dieses Engagement, das die Zukunft der Pferdezeitung sicherte, zum Anlaß genommen, die Zusammenarbeit aufzukündigen.
Ich habe die Flinte nicht ins Korn geworfen und eben auch noch die Redaktion übernommen. Damals kamen zwar die Ausgaben regelmäßig heraus, Woche für Woche, Feiertag oder nicht, Leserbriefe wurden beantwortet und bekanntgewordene Fehler beseitigt. Eine Weiterentwicklung konnte unter diesen Bedingungen jedoch nicht stattfinden. Dieser Job hat es mir seinerzeit ermöglicht, die Pferdezeitung weiter zu subventionieren.
Seit Beginn hat die Pferdezeitung nämlich kein Geld eingebracht, dafür sehr viel Zeit und Energie verschlungen. Meine Mittel waren immer sehr begrenzt, deshalb war das Projekt stets gefährdet. Außerdem: Wenn man regelmäßig deutlich mehr als 100 Stunden in der Woche für eine Sache arbeitet, ergibt sich zwangsläufig, daß man davon leben muß. Und wenn man davon nicht leben kann, kann man das Unternehmen nicht weiterbetreiben. Logisch.
Spendenaktion
Kostenlose Dienstleistungen sind wunderbar und ich bin selbstverständlich sehr dafür! Unglaublich, was die vielen freiwilligen Helfer aus der Wikipedia machen. Damit kann man die Pferdezeitung nicht vergleichen, denn das sind Hobby-Projekte, nicht mehr und nicht weniger.
Jeder der vielen Teilnehmer hat einen regulären Beruf und bestreitet dadurch sein Leben. Nach Feierabend lebt er sich in der Wikipedia oder sonstwie aus. Er trägt soviel bei, wie er möchte und wie es ihm Spaß macht. Die enormen Kosten, die die Wikipedia verursacht, Traffic und Maschinenpark, werden durch Spendenaktionen und durch die Unterstützung von großzügigen Firmen wie Yahoo und Google abgedeckt. Vor einem Vierteljahr hat man in drei Wochen 500.000 Dollar gesammelt. Toll!
Wäre eine Spendenaktionen für die Pferdezeitung denkbar? Nein, definitiv nicht. Denn die Pferdezeitung ist ein Projekt von Dr. Werner Popken, und der hat ja als Doktor sicherlich Geld genug. Dem muß man nichts spenden. Der ist ja kommerziell. Das ist ein Profiteur. Der will nur reich werden.
| Ich entnehme Ihrem Namen das sie einen Dr. Titel haben, ich denke nicht das Sie wegen dieser, wirklich tollen Homepage die ich nicht missen möchte, wochenlang Bohnensuppe essen müssen... | | |
Außerdem steht ja auch noch eine GmbH dahinter. Aus diesen Gründen würde eine Spendenaktion nicht funktionieren. Schon jetzt bekomme ich gehässige E-Mails, die mir Geldgier unterstellen. Die GmbH hat als Alleingesellschafter allerdings eben diesen Doktor, hinter dem niemand steht, auch kein reicher Schwiegerpapa.
Abo
Seit der Konzeption der Pferdezeitung habe ich an die Kombination von Magazin und Messe geglaubt. Das Magazin sollte das Publikum anziehen, von dem die Messe profitiert, und die Messe sollte die Kosten tragen. Man kann nicht sagen, daß das Projekt gescheitert ist, aber ein Erfolg war es auch nicht. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen haben alle Anstrengungen bis heute nicht zum Durchbruch geführt, obwohl jeder die Idee gut findet. Und nun hat sich die Situation so dramatisch zugespitzt, daß ein neuer Finanzierungsansatz auf seine Tragfähigkeit hin untersucht werden muß.
Jahrelang habe ich über die Abo-Idee nachgedacht und mit vielen kompetenten Leuten darüber diskutiert. Sind die Nutzer des Internet bereit, für inhaltliche Beiträge zu zahlen? Die Antwort war immer ganz klar und eindeutig: NEIN. Die Internetnutzer wollen nie etwas zahlen. Das sind Schnorrer.
Und eine Woche nach meinem dringenden Appell sieht es so aus, als hätten diese Leute recht behalten. Die logische und unausweichliche Konsequenz ist der persönliche Bankrott, der Bankrott der Firma, einer typischen Ein-Mann-GmbH, und das Ende des Projekts. Schade, schade, schade. Schade für alle.
Dankbarkeit
Tausende von Pferdefreunden haben in diesen vielen Jahren unglaublich viel Nutzen aus meiner Arbeit gezogen. Hat sich irgend jemand bedankt? Ja, auch das ist vorgekommen. Überwiegend aber hat man es für selbstverständlich gehalten und allzu häufig gemäkelt, gefordert und zuweilen sogar beleidigt. Beispiel gefällig? Kam gerade herein:
| Werte Herrschaften, ich hatte gebeten mir keine Ihrer scheiß E-Mails mehr zukommen zu lassen. Streichen Sie also meine E-Mail-Adresse aus Ihrer Datei und nerven Sie andere damit. Hochachtungsvoll | | |
Ich habe mein Schreiben unterzeichnet. Dieser Herr hat es weder nötig, mich persönlich anzusprechen noch zu unterschreiben. Da seine E-Mail-Adresse seinen Namen verrät, weiß ich, wie er heißt - vermutlich. Eines ist sicher: Die E-Mail-Adresse ist nicht durch mich in unser System gekommen. Mit dieser Adresse hat jemand Leistungen der Pferdezeitung in Anspruch genommen. Dafür glaubt er jetzt frech werden zu dürfen.
Die Verantwortung für die Daten, die zu dieser E-Mail-Adresse gehören, muß aber der Eigentümer übernehmen. Denn da man die Absenderadresse einer E-Mail sehr leicht fälschen kann, muß ich es ablehnen, auf solche Aufforderungen hin tätig zu werden. Dieser Herr hat deshalb ein höfliches Schreiben mit einer Anleitung bekommen, wie er seine Daten beseitigt. Das hat er aber nicht nötig. Statt dessen glaubt er, mich beleidigen zu dürfen.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wieviel Mühe ich mir bei der Beantwortung der Leserbriefe gebe? Kennen Sie irgendein Internetunternehmen, das seine Kunden in dieser Weise behandelt?
Inseratskosten
Seit gestern Abend kann man Daten nur noch aufgeben und ändern, wenn man ein Abo hat. Die Reaktion war unmittelbar und eindeutig. Sonst werden rund um die Uhr Hunderte von Bildern hochgeladen, neue Inserate aufgegeben, alte verändert - plötzlich ist alles vorbei. Da will einer was! Kommt nicht in Frage!
Hat jemand schon mal verlangt, daß eBay kostenlos sein soll? Nein? Merkwürdig. Warum wird da mit zweierlei Maß gemessen? Wie kommt es, daß Leute, die Verantwortung für große Tiere übernehmen, plötzlich so kleinlich sind? Manche haben bei uns eine ganze Herde im Angebot für zigtausend EUR, aber ein Abo ist nicht drin. Wieso ist das so? Ist das in Ordnung?
Wie viele Leser haben mir geraten, die Inserate kostenpflichtig zu machen? Haben die Vorstellungen! Wie naiv! Bereits im Jahre 2001 haben wir erfahren müssen, daß dieser Weg garantiert nicht gangbar ist. Die Abo-Gebühr ist aber keine Gebühr für ein Inserat, für ein Bild, für eine besondere Hervorhebung und was dergleichen abgefahrene "Leistungen" es sonst noch anderwärts zu kaufen gibt, sondern ermöglicht es, für diesen geringen pauschalen Betrag sämtliche Leistungen beliebig zu nutzen. Nicht einmal das scheint drin zu sein. Njet. No. Never. Oder?
Abo-Zähler
Soeben habe ich einen Zähler in den Seitenkopf eingebaut. Beobachten Sie mal diesen Zähler! Nach fünf Tagen zeigt er 151 Abonnenten. Bei 2,50 EUR pro Monat entspricht das einer Summe von 377,50 - alleine der Traffic und die vier Maschinen kosten bereits über 600 EUR! Wovon bezahle ich die Miete, die Brötchen, das Auto, die Versicherungen? Na also. Ist irgend jemand neidisch auf mich? Möchte irgend jemand mit mir tauschen? Fragt sich irgend jemand, warum ich das alles gemacht habe?
Ich habe daran geglaubt, daß die Pferdezeitung eine gute Sache ist. Ich weiß, daß die Pferdezeitung vielen Menschen geholfen hat, auch in finanzieller Hinsicht. Einmal hat mir jemand eine Spende überwiesen, aus Dankbarkeit - dabei ist das Pferd noch nicht einmal über die Pferdezeitung verkauft worden. Auf seinen dringenden Rat hin habe ich einen Spendenaufruf eingebaut, der nach dem Löschen erschien. Glauben Sie, daß irgend jemand darauf reagiert hat? Es mußte peinlich wirken. Nach einer Woche habe ich diesen Aufruf wieder entfernt.
Geben und Nehmen
Und jetzt? Wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem Sie wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht? Fühlen Sie sich peinlich berührt und möchten mit der ganzen Geschichte nichts zu tun haben? Nach dem Motto: Erfolglosigkeit ist ansteckend? Selber schuld! Um Gottes willen, warum erzählt der das? Das ist ja öffentlicher Selbstmord!
Oder fühlen Sie sich verantwortlich und möchten etwas von dem zurückgeben, was Sie empfangen haben? Angeblich ist das ja der Motor des Internet, das Nehmen und Geben, der Ausgleich. Über sieben Jahre lang habe ich jetzt pausenlos gegeben, und selbst jetzt will ich nicht, sondern muß leider nehmen, und wenn ich nicht bekomme, was ich brauche, werden Sie nicht mehr bekommen, was Sie gerne genommen haben, so leid es mir tut.
Natürlich hängt es nicht von Ihnen persönlich ab. Ein Einzelner kann das Blatt nicht wenden. Denjenigen, die bereits ein Abo gebucht haben, danke ich von ganzem Herzen - aber wenn sich die Zahlen nicht ganz plötzlich und ganz deutlich ändern, dann kann ich deren Angebot gar nicht annehmen, weil das Schicksal der Pferdezeitung damit nämlich besiegelt wäre. Deshalb habe ich noch nicht ein einziges Abo abgebucht.
Zielvorgabe
Das Abo ist für die Zukunft gemeint, und die Hälfte der Abonnenten hat vertrauensvoll ein Jahresabo gewählt, was natürlich einerseits durch den Rabatt günstiger ist, andererseits aber auch durch die höhere Gesamtsumme kurzfristig wesentlich hilfreicher. Herzlichen Dank! Ich weiß es zu schätzen! Wenn aber klar ist, daß die Pferdezeitung mit dem Abo-Modell nicht überleben kann, kann ich diese Verträge nicht einlösen. Das wäre dann Diebstahl und Täuschung.
Wir brauchen mindestens 1000 Abonnenten, besser wären 2000, und zwar möglichst schnell, damit die Verhältnisse klar sind und ich von dem angebotenen Geld auch wirklich Gebrauch machen kann. Man kann jetzt nicht Monate oder Jahre warten, bis sich die nötigen Abonnentenzahlen entwickelt haben. Es brennt!
Zielvorstellung
Und wenn es noch mehr werden, kann man anfangen, Leute einzustellen, die mich entlasten können, damit ich ganz allmählich wieder ein normales Leben führen kann, wie Sie. Mit Feierabend, einer Fünf-Tage Woche, Urlaub, wie sich das gehört. Ist das zuviel verlangt?
Und dann kann ich mich wieder einmal um ein Pferd kümmern. Schön wär's.

| | | Chefredakteur und Herausgeber | | | | |
PS: Hier geht es zur › Buchung
| |