
| | | Heidi Keppel | | | | | Tipps zum Thema Pferdekauf Teil 7 Von › Heidi Keppel
Auf der Suche nach einem geeigneten Einstellplatz können ungewohnte Futtermittel, wie sie neuerdings immer öfter verwendet werden, mitunter zum Problem werden, denn nicht jedes Pferd lässt sich dafür begeistern. Dies trifft vor allem für die bereits besprochene Silagefütterung zu, aber auch die mittlerweile immer beliebter werdenden Wiesen- bzw. Heucobs fallen in diese Kategorie.
Da man in meiner Region oftmals nur sehr schwer an gutes Heu herankommt, füttere auch ich diesen zu großen Pellets gepressten Heuersatz zu, allerdings nur in geringfügigen Mengen und vorwiegend zur Rationsaufbesserung für meine schwerfuttrige, heikle, alte Stute, die bei mangelnder Rohfaserzufuhr schnell zu Verdauungsstörungen neigt. Seit sie im Winter − wo sie aufgrund des fehlenden Grases diesbezüglich besonders häufig Probleme hatte − ihre Wiesencobs bekommt, geht es ihr gesundheitlich viel besser.
Allerdings kommt es auch bei diesem Futtermittel auf dessen Qualität an, und leider ist es zumeist sehr schwer, wirklich einwandfreie Wiesencobs in gut verwertbarer Konsistenz zu bekommen. Relativ häufig wird für die Herstellung solcher Pellets minderwertiges oder gar verdorbenes Heu verwendet oder es treten während der Herstellung Produktionsfehler auf, wie etwa Überhitzung, wodurch die Cobs bisweilen sogar ungenießbar werden.
Solche Mängel lassen sich häufig bereits an der Farbe und natürlich am Geruch erkennen, sodass eine diesbezügliche Überprüfung sinnvoll ist. Braun bis schwarz verfärbte Heucobs und ein brandiger Geruch zeigen eindeutig eine Überhitzung an, während gelbliche Verfärbungen innerhalb grüner Wiesencobs und ein muffiger Geruch auf minderwertiges, vermodertes Heu schließen lassen. Häufig ist auch ein vermehrter Stroheinsatz an durchgehend gelblichen bis leicht bräunlichen Cobs zu bemerken.
Wer die trockenen Heucobs mit den Händen kräftig umrührt, kann außerdem anhand der Menge des aufsteigenden und Hustenreizenden Staubes leicht feststellen, ob auch ein vermehrter Schimmelbefall vorliegt. Findige Futtermittelhersteller haben allerdings einen Weg gefunden, diese Tatsache einigermaßen zu verschleiern, indem sie dem Heu Melasse zufügen, welche nicht nur den Geschmack verbessert und den Energiegehalt der Wiesencobs erhöht, sondern auch den Staub bindet. Eine gute Nase erschnüffelt aber trotzdem den Qualitätsmangel, und diese Geruchskontrolle würde ich ganz besonders dann empfehlen, wenn der Großteil des Futters durch erhöhten Melasseeinsatz besonders steinhart (teilweise sogar unzerbrechlich) gepresst wurde.
Besonders gierige Tiere fressen zwar alles in sich hinein − wobei natürlich nicht gesagt ist, dass es für sie auf Dauer auch bekömmlich ist − doch solche Exemplare wie meine besagte Stute würden Heucobs schlechter Qualität nicht fressen, weshalb ich teilweise auch zur Vorsortierung gezwungen bin, wenn ich nicht riskieren will, dass sie die gesamte Portion verschmäht.
Wichtig für die Akzeptanz ist aber nicht nur die Qualität, sondern auch die Darreichungsform der Wiesencobs. Vielerorts kann man sehen, dass diese der Einfachheit halber in ihrem ursprünglichen trockenen Zustand verfüttert werden, was aber viele Nachteile in sich birgt. Einerseits sind nur wenige Pferde von der doch meist sehr harten Konsistenz begeistert und andererseits besteht immer auch die Gefahr der Schlundverstopfung und einer zu starken Aufquellung im Magen, wenn die benötigte Futtermenge überschätzt wird.
Aus diesem Grund sollten Heucobs immer vor der Verfütterung in Wasser aufgeweicht werden, wobei sich warmes Wasser dafür besser eignet und von den Pferden auch beim Fressen bevorzugt wird. Meist werden für 1 Teil Cobs 2 Teile Wasser benötigt, damit das Futter eine angenehme krümelige Konsistenz erreicht. Alle Cobs sollten gut aufgequollen sein, was oft erst nach 2-stündigem Quellvorgang erreicht werden kann, ohne dass das Futter triefend nass ist, was den meisten Pferden nicht sonderlich behagen würde.
Für heikle Pferde eignet sich dieses feuchte Medium auch besonders gut, um Weizenkleie, Quetschgetreide, Müsli und/oder Mineralstoffmischungen in Pulverform unterzurühren. Dies gilt übrigens auch für eingeweichte melassierte Rübenschnitten, die sich ebenfalls als geschmacksverbesserndes Grundfutter eignen und natürlich genauso wenig in trockener Pelletsform verfüttert werden sollten. Wiesencobs und Rübenschnitten sollten allerdings nicht zusammen zum Einsatz kommen, da der gemeinsame hohe Melasse(Zucker)gehalt der Gesundheit der Pferde nicht gerade zuträglich wäre.
Ansonsten ist auch bei den Rübenschnitten in Pelletsform auf gute Qualität zu achten, die man bei diesem Futter an der grün-schwarzen Farbe und dem charakteristischen Rübengeruch erkennen kann. Muffiger Geruch und gräulich-weiße Auflagerungen bzw. Verfärbungen deuten auf gesundheitsschädlichen Schimmelbefall infolge zu feuchter Lagerung hin.
Dies wären die wichtigsten Kriterien für eine Beurteilung der rohfaserreichen Grundfuttermittel, in meinem nächsten Tipp erfahren Sie dann Genaueres über diverse Kraftfuttermittel, damit Sie auch darüber Bescheid wissen, falls Sie von Stallbesitzern die Erlaubnis bekommen sollten, einen etwas längeren Blick in die sonst meist geheim gehaltenen Futterkammern zu werfen.
erschienen 05.07.2009
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