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Heidi Keppel
 
 
Tipps zum Thema Pferdekauf
Teil 6
Von   Heidi Keppel


Auf der Suche nach einem guten Einstellplatz für das (zukünftige) Pferd stellen Heu- und Strohlager meist ein relativ leicht beurteilbares Qualitätskriterium des betreffenden Reit- bzw. Pensionsstalles dar, doch heutzutage wird dieses Raufutter schon des Öfteren von anderen Futtermitteln, wie z.B. Grassilage oder Wiesencobs, ersetzt. Da auch diese Alternativen nur in guter Qualität der Gesundheit Ihres Pferdes zuträglich sind, möchte ich Ihnen für deren Beurteilung ebenfalls einige Tipps geben.

Vor allem bei Silage haben leider die wenigsten Menschen eine genaue Vorstellung, wie diese im idealen Zustand aussehen sollte, was bei der Fütterung fatale Folgen haben kann, da gerade bei diesem Futtermittel bisweilen schon leichte Abweichungen von der Norm in Form von Fehlgärungen zu Verdauungsstörungen führen können. Bei besonders hohem Keimgehalt und nicht sachgemäßer Silierung bzw. Lagerung können darin sogar lebensgefährliche Toxine entstehen.

Für die Herstellung einer gesunden Grassilage wird vorgewelktes Schnittgut unter Luftabschluss zur Milchsäuregärung angeregt. Dazu ist ein tiefer pH-Wert erforderlich, weshalb Silage immer säuerlich riecht. Allerdings sollte dieser Geruch angenehm aromatisch und nicht etwa unangenehm stechend sein, da Letzteres auf eine Fehlgärung schließen lässt. Auch fauliger, fäkaler oder muffiger bzw. schimmeliger Geruch zeigt den Gehalt an unerwünschten und schädlichen Keimen an.

Fehlgärungen können unter verschiedensten Bedingungen entstehen. Wenn das Gras beim Einsilieren zu feucht ist und einen zu geringen Zuckergehalt aufweist, kommt es hauptsächlich zur Essigsäurebildung; wenn der pH-Wert und die Umgebungstemperatur zu hoch sind, entsteht die Buttersäuregärung mit ihrem besonders charakteristischen Geruch, und wenn Eiweiß zersetzende Bakterien überwiegen, ist völliger Verderb durch Fäulnis die Folge. All diese Prozesse entwickeln sich unter ordnungsgemäßem Luftabschluss, während sich bei unerwünschtem Lufteintritt vorwiegend Schimmelpilze und Hefen vermehren, die zur Bildung von alkalischen Produkten, Pilzgiften und Alkoholen führen.

Vor allem im Randbereich von Silageballen kann diese Entwicklung auch schon dann eintreten, wenn nur kleine Risse in der Silagehülle eine Sauerstoffzufuhr erlauben. Silageballen sollten also unbedingt auf derartige Verletzungen untersucht werden, besonders wenn sie für eine längere Lagerung vorgesehen sind. Als Besucher einer Reitanlage können Sie nicht nur darauf achten, sondern idealerweise auch beobachten, wie sorgfältig bei der Silagefütterung vorgegangen wird.

Silageballen, die nicht zur Gänze an einem Tag verfüttert werden, sollten nämlich immer nur an einer möglichst kleinen Stelle eröffnet werden, um den schädlichen Luftzutritt und die Kontamination mit gefährlichen Erdkeimen gering zu halten. Geöffnete Ballen halten sich unter optimalen Bedingungen höchstens 1 Woche, allerdings ist ein Verbrauch innerhalb von 3-4 Tagen sehr zu empfehlen. Werden also bei der beobachteten Fütterung nur sehr geringe Mengen dem Ballen entnommen oder wird der Ballen großzügig eröffnet und das Siliergut nachlässig verstreut, bleibt zu befürchten, dass die Pferde an manchen Tagen bereits vergammelte und gesundheitsschädliche Silage vorgesetzt bekommen.

Wenn Sie die Möglichkeit bekommen, Silage aus nächster Nähe zu begutachten, gibt es übrigens außer dem Geruch auch noch andere Qualitätskriterien, die Sie beachten können. So sollte etwa die Farbe natürlich grün bis leicht bräunlich sein. Starke Dunkelfärbung, aber auch hellgelbe Entfärbungen und giftiges Grün sprechen für Fehlgärungen. Die Struktur des Futters sollte außerdem noch deutlich erkennbar sein, während schmierige Konsistenz schlechte Qualität anzeigt. Und wenn Sie eine kleine Portion mit der Hand zusammendrücken, darf höchstens die Hand leicht feucht werden, es sollte aber keine nennenswerte Flüssigkeit austreten, und das Futter sollte nach Öffnung der Hand rieselfreudig zerfallen.

Zum Abschluss noch ein ganz persönlicher Tipp von mir: Wenn Sie bereits ein Pferd Ihr Eigen nennen, welches bislang an herkömmliche Heufütterung gewöhnt war, sollten Sie − bevor Sie an einen Umzug denken − den Stallbesitzer bitten, eine kleine Kostprobe der Grassilage mitnehmen zu dürfen, denn es gibt viele Tiere, die dieses Futtermittel auch im einwandfreien Zustand rigoros ablehnen. Aus diesem Grund sollten Sie dieses Thema auch bei einem Pferdekauf zur Sprache bringen, wenn z.B. in Ihrer unmittelbaren Nähe nur Einstellplätze mit Silagefütterung zur Verfügung stehen.

Ähnliches gilt auch für die Verfütterung von Wiesencobs, doch darüber dann mehr in meinem nächsten Tipp!





erschienen 28.06.2009




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