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Heidi Keppel
 
 
Tipps zum Thema Pferdekauf
Teil 5
Von   Heidi Keppel


Wie versprochen möchte ich Ihnen in meinem dieswöchigen Tipp einige Informationen zur Qualitätsbeurteilung herkömmlicher Pferdefuttermittel geben, damit Sie diese selbst beurteilen können, wenn Sie z.B. bei der Suche nach einem geeigneten Einstellplatz für Ihr (zukünftiges) Pferd auch die dort herrschenden Fütterungsbedingungen überprüfen wollen, was ich Ihnen aus den bereits früher erwähnten Gründen unbedingt empfehlen würde. Vor allem die Qualität der Grundfuttermittel ist von großer Bedeutung für die Gesundheit Ihres Pferdes, weshalb Sie es auch niemals in einem Stall unterbringen sollten, wo es Ihnen von vorneherein untersagt wird, diesbezüglich genauere Futterkontrollen durchzuführen.

Allerdings lassen sich bei Raufutter auch schon aus einiger Entfernung und im Hinblick auf die Lagermethode gewisse Prognosen über dessen Güte erstellen. Früher wurden Heu und auch Stroh entweder lose oder in kleinen handlichen Ballen auf dem Heuboden bzw. in Scheunen gelagert, heutzutage sind aufgrund der fortschreitenden Mechanisierung und Arbeitsvereinfachung fast nur noch große Rundballen zu sehen, für die es häufig keinen Platz unter Dach gibt, sodass sie meist im Freien ohne jeglichen Wetterschutz anzutreffen sind.

Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, wirkt sich diese Art der Lagerung sehr wohl negativ auf die Qualität des Raufutters aus. Je länger die Ballen jeglicher Witterung ausgeliefert sind, umso unansehnlicher und ungenießbarer werden sie. Die oberste Schicht von Stroh wird etwa immer dunkler, teils durch den verbrennenden Einfluss der Sonne, teils durch die nach Regenfällen rasch einsetzende Vermoderung, bei der meist auch jede Menge Schimmelpilze gedeihen, welche nach und nach − leider oft auch unbemerkt − in das Innere des Ballens vordringen.

Da diese Schimmelpilze und ihre giftigen Stoffwechselprodukte nicht nur dann ihre negative Wirkung entfalten können, wenn sie mit der Nahrung in den Magen-Darm-Trakt gelangen, ist das von ihnen befallene Stroh auch nicht als Einstreu von Pferdeboxen geeignet, was allerdings viele sparsame Stallbesitzer nicht einsehen wollen. Aus diesem Grund haben verhältnismäßig viele Pferde unter allergischem Husten zu leiden, der sich aus solchen Belastungen früher oder später entwickelt.

Ob diesbezüglich eine Gefahr für Ihr Pferd besteht, können Sie sehr leicht erkennen, wenn Sie Stroh fein aufschütteln. Ist dies nur schwer möglich, weil es stark zusammenklebt, oder erhebt sich daraus gleich eine weiße Staubwolke, die einige Zeit im Raum schwebt und Sie selbst auch leicht zum Husten reizt, können Sie mit Gewissheit sagen, dass das Stroh mit Schimmelpilzen kontaminiert und damit verdorben ist.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Heu, wobei weiße Schimmelpilznester im sonstigen Grün allerdings meist auch optisch leichter erkannt werden können. Nur bei lose getrocknetem Heu, das erst nach einigen Wochen Lagerungszeit gebündelt wurde, können die Schimmelpilze unter Umständen so fein im ganzen Heu verteilt sein, dass sie weder optisch noch an ihrem Geruch so leicht erkannt werden können.

Bezüglich der Farbe unterscheidet sich im Freien gelagertes Heu insofern vom Stroh, als es von der Sonne gebleicht und vom Regen ausgewaschen wird, was einen deutlichen Farbverlust bewirkt. Bisweilen kann die oberste Schicht des Ballens dann bereits wie Stroh aussehen, was allerdings nicht unbedingt ein Indikator für allgemein schlechte Qualität sein muss. Vor allem starke Sonneneinstrahlung kann diese Verfärbung schon nach wenigen Wochen bewirken, ohne dass deswegen ein nennenswerter Nährwertverlust oder ein Befall mit Schimmelpilzen bzw. anderen Keimen stattgefunden haben muss.

Um dies näher zu überprüfen, muss der Ballen geöffnet und untersucht werden, wobei besonders der Geruchssinn eingesetzt werden sollte. Gutes Heu, welches ordentlich durchgetrocknet und danach nicht zu fest gepresst wurde, duftet zart und angenehm aromatisch, ist innerhalb des Ballens immer noch schön grün, fällt leicht auseinander und knistert bzw. raschelt leise, wenn man es drückt.

Heu, das zu früh und zu stark gepresst wurde, fühlt sich hingegen oftmals noch feucht an bzw. klebt zusammen und hat einen charakteristisch modrigen, abgestickten oder auch leicht brandigen Geruch. Außerdem kann es − abgesehen von weißen Schimmelnestern − gräulich, bräunlich oder schwärzlich verfärbt sein.

Wenn bei einem möglichen Einstellplatz die Qualität von Heu und Stroh passt, dann ist damit bereits ein wichtiger ‘Wohlfühl-Faktor’ gegeben, doch bisweilen werden an deren Stelle andere Alternativen, wie etwa Silage oder Wiesencobs, angeboten. Damit Sie auch für diesen Fall gerüstet sind, erfahren Sie in meinem nächsten Tipp auch noch einiges über deren Qualitätskriterien!



erschienen 21.06.2009




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