
| | | Heidi Keppel | | | | | Zivilcourage Von › Heidi Keppel
Vom Tipp der vorigen Woche (von Astrid Rumprecht verfasst) und vom Editorial inspiriert, möchte ich in meinem dieswöchigen Beitrag auch das Thema Zivilcourage aufgreifen, denn daran mangelt es tatsächlich sehr vielen Menschen. Sei es Bequemlichkeit, sei es Angst vor negativen Reaktionen oder sei es Unsicherheit, ob man mit dem eigenen Urteil auch wirklich richtig liegt, – die Leidtragenden sind dabei immer die schutzlos ausgelieferten Tiere.
Gerade Pferde haben oft das schlechte Los, dass sie mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommen, die ihnen auf die eine oder andere Art Schaden zufügen. Schlechte oder falsche Behandlung durch den eigenen Besitzer macht hierbei – meiner Erfahrung nach – häufig nur einen geringen Prozentsatz aus. Vielmehr müssen sehr viele Pferde unter grobem Stallpersonal, aggressiven Hufschmieden und despotischen Ausbildern bzw. Trainern leiden, und sogar mancher Tierarzt schreckt nicht vor ungerechtfertigten Gewalttätigkeiten zurück.
Obwohl es um das Wohlergehen des eigenen Pferdes geht, trauen sich nur wenige Pferdebesitzer ihre Tiere in solchen Situationen in Schutz zu nehmen. Vielfach wird dem professionellen Urteil einfach blindlings vertraut, auch wenn einem die innere Stimme sagt, dass dem Pferd hier Unrecht getan wird und dass es davon womöglich sogar bleibende körperliche oder seelische Schäden davontragen kann.
Ähnlich schaut es auch beim Reitschulwesen aus, nur dass von diesen Missständen nicht gerne jemand spricht. Man könnte sich ja den Unmut der Reitverbände zuziehen, die über ihre Reitlehrer möglichst keine Kritik hören wollen. Tatsache ist aber, dass es nicht wenige staatlich geprüfte Ausbildungskräfte gibt, welche die Gewalt am Tier förmlich verherrlichen und keineswegs eine einfühlsame, korrekte Hilfengebung lehren.
So werden Reitschulpferde oft nicht nur regelrecht verschnürt, um nicht aufbegehren zu können, sie dürfen auch völlig ungeniert mit Gerte und Stiefelabsätzen traktiert werden, wobei so manchem Reitanfänger auch noch Sporen umgeschnallt werden, damit er sich bei dem ‚faulen oder widersetzlichen Gaul’ durchsetzen kann. Oftmals werden diesbezüglich zurückhaltende, tierliebende Reitschüler zu solchem Verhalten regelrecht genötigt und sogar beschimpft, wenn sie dieser Aufforderung nicht nachkommen.
Auf diese Weise bekommen nur wenige Reiter – egal, ob im Freizeit- oder Sportbereich – das nötige Verständnis und Wissen für eine harmonische Zusammenarbeit mit dem Reitpartner Pferd vermittelt, sodass es auch nicht verwundern kann, wenn übertrieben ehrgeizige Sportreiter kein Mitgefühl für ihre Tiere erkennen lassen. Der Grundstein dafür wurde auf alle Fälle schon in der Jugend gelegt.
Man sollte die Aufmerksamkeit also nicht nur auf extrem schlechte Haltungsbedingungen oder abnorme Ausbildungsmethoden, sondern auch auf scheinbar ganz alltägliche Situationen im Pferdealltag lenken, und dann gegebenenfalls dem Pferd helfend bzw. aufklärend eingreifen. Und ich würde ganz besonders alle Eltern bitten, ihre Kinder nur in wirklich pferdefreundlichen Reitschulen unterrichten zu lassen. Außerdem sollten Sie sich nicht nur an den sportlichen Erfolgen Ihres Nachwuchses erfreuen, denn es ist viel wichtiger, dass Ihr Sprössling faires, verantwortungsbewusstes und einfühlsames Verhalten gegenüber seinem vierbeinigen Reitkameraden erlernt!
erschienen 11.05.2008
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