
| | | Heidi Keppel | | | | | Hufe Teil 11 Von › Heidi Keppel
Wie ich bereits in meinem letzten Tipp angedeutet habe, kann ein generell vorsichtiger oder klammer Gang nicht nur das Ergebnis einer empfindlichen Hufsohle sein, sondern oft auch auf eine ernste Huferkrankung hindeuten. Eine der häufigsten Ursachen solcher Symptome, bei der außerdem eine verstärkte Zehenfußung zu beobachten ist, ist die Hufrollenentzündung, welche meist ein-oder beidseitig an den Vorderbeinen unserer Reitpferde auftritt.
Die so genannte Hufrolle befindet sich im Inneren des Hufes und setzt sich aus dem Strahlbein, der Beugesehne und dem dazwischen liegenden Schleimbeutel zusammen. Entzündungen in diesem Bereich können von außen nur am veränderten Gang und in weiterer Folge an den daraus resultierenden Hufverformungen wahrgenommen werden, sodass eine eindeutige Diagnose anhand von Röntgendarstellungen meist erst im fortgeschrittenen bzw. chronischen Stadium erfolgt.
Bleibt die Entzündung jedoch unerkannt bzw. unbehandelt bestehen, kann sie auf ihre Umgebung, also auf das Kronbein-Hufbein-Gelenk und die dazugehörigen Gelenkbänder übergreifen und dort letztendlich auch zu massiven Degenerationen führen. Ebenso kann es durch häufige Schonhaltung bei einseitiger Erkrankung zur Muskelatrophie kommen, und auch der Hufknorpel wird durch abnorme Belastung vermehrt abgenützt.
Auslösende Faktoren für eine Hufrollenentzündung sind neben grundlegenden Aufzucht- und Haltungsfehlern auch unsachgemäß durchgeführte Hufbeschläge bzw. Hufkorrekturen. Die Hauptursache findet sich aber zweifelsohne in der reiterlichen Nutzung, wobei vor allem eine zu frühe und zu starke Belastung solche und ähnliche Schäden hervorruft.
Von einer starken Belastung kann man dann sprechen, wenn das Pferd ein relativ zu hohes Reitergewicht zu tragen hat, wenn sich der Reiter durch schlechte Körperhaltung nicht über sondern hinter dem Schwerpunkt des Pferdes befindet und dieses damit einseitig überlastet, wenn er das Pferd häufig auf harten Böden in schnellen Gangarten reitet oder wenn er es im Springtraining überfordert.
Eine Überlastung der Hufrolle ist besonders bei Springpferden praktisch vorprogrammiert, weshalb es gerade bei diesen Tieren darauf ankommt, dass sie in jungen Jahren (ab frühestens 3 Jahren!) ein langsames und schonendes Aufbautraining erhalten. Nur so können sie im völlig ausgewachsenen Zustand (ab frühestens 6 Jahren!) Höchstleistungen erbringen, ohne davon nennenswerte Schäden davonzutragen. Dies gilt übrigens selbstverständlich auch für andere Sportpferde, die enormen Beinbelastungen ausgesetzt sind, wie etwa Militarypferde oder Westernpferde, die in den Turnierdisziplinen ‚Reining’ und ‚Cutting’ ausgebildet werden.
Aber auch Freizeitreiter sollten nicht vergessen, dass jegliche unregelmäßige und einseitige Belastung zu teilweise irreparablen Schäden führen kann. Wenn sie ihre Pferde nicht mehrmals pro Woche angemessen trainieren können, dann schadet ein mehrstündiger Ausritt am Wochenende auch der Gesundheit ihrer vierbeinigen Reitkameraden, und wenn sie ihr Pferd z.B. immer nur im Linksgalopp laufen lassen und das womöglich auch noch auf harten Schotterwegen, dürfen sie sich ebenfalls nicht wundern, wenn bei ihrem Liebling irgendwann einmal die Diagnose ‚Hufrollenentzündung’ gestellt wird.
Auch möchte ich in diesem Zusammenhang nochmals erwähnen, dass Pferde Fluchttiere sind und ihren Schmerzen oftmals davonlaufen wollen, auch wenn diese dadurch noch verstärkt werden. Nicht jeder ‚unbändige Bewegungsdrang’ ist also ein Zeichen von Lebensfreude, Temperament oder energetischer Überversorgung, es kann vielmehr auch der Beginn einer schmerzhaften Erkrankung sein.
Korrektes und rücksichtsvolles Reiten ist damit neben einer sachgemäßen Hufbearbeitung die beste vorbeugende Maßnahme gegen diese unheilvolle Erkrankung, welche den Ruf hat, nicht heilbar zu sein. Welche homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten es zumindest in der Anfangsphase einer Hufrollenentzündung gibt, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp.
erschienen 13.04.2008
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