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Heidi Keppel
 
 
Hufe
Teil 4
Von   Heidi Keppel


Wie ich bereits in meinem letzten Tipp erklärt habe, spielen Rassenzugehörigkeit und genetische Veranlagung eine große Rolle bei der Hufentwicklung, doch einen noch weitaus größeren Einfluss auf die individuelle Hufqualität muss man den Aufwuchsbedingungen des jeweiligen Pferdes zugestehen. Trotz der enormen Wichtigkeit dieses Themas wird im Rahmen der derzeitigen Hufdiskussion meiner Meinung nach nicht ausreichend darauf eingegangen.

Vielleicht möchte man ganz allgemein nicht am Image der Pferdezüchter kratzen, oder auch die Experten sind sich nicht im Klaren darüber, welch große Bedeutung die Haltung, Fütterung und Pflege von Fohlen und Jungpferden für die spätere Belastbarkeit der Hufe hat. Gerade in der Jugendzeit wird die Grundstruktur der Hufe aufgebaut, die auch noch bei den erwachsenen Tieren ihre deutlichen Auswirkungen zeigt.

Sind die Aufzuchtbedingungen nicht optimal, dann können diese ‚Fehler' beim erwachsenen Pferd nur bis zu einem gewissen Grad ausgebessert werden, wobei dies oft ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess sein kann. Diesbezüglich wird mir wohl jeder verantwortungsvolle Pferdezüchter grundsätzlich Recht geben, doch nur wenige scheinen tatsächlich eine Vorstellung davon zu haben, welche Haltungsformen einen stabilen und gesunden Hufaufbau fördern.

Weitläufige, saftige Weiden ohne jegliches Gestein werden zwar landläufig als wahres Pferdeparadies angesehen, aber wenn diese den Jungtieren zu üppige Nahrung und keinerlei festen bzw. harten Untergrund bieten, dann bewirken sie die Bildung von weichem, lockerem Hufhorn, welches einer späteren stärkeren Beanspruchung verständlicherweise nicht standhalten kann.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der winterlichen Laufstallhaltung, bei der die Jungtiere mit Rau- und Kraftfutter reichlich versorgt werden und sich fast ausschließlich nur auf weicher Matratzenstreu oder matschigem Auslaufboden bewegen können. Hart gefrorenen Untergrund bekommen viele junge Pferde aus Sicherheitsgründen nie zu spüren und können so auch nicht die dafür benötigte Härte und Unempfindlichkeit im Hufbereich entwickeln.

Da der natürliche Abrieb der Hufe unter diesen Bedingungen ebenfalls fehlt und da es deshalb sehr häufig auch zu verschiedensten Fehlstellungen kommen kann, ist schon in jungen Jahren die Kunst der Hufschmiede bzw. Hufpfleger gefragt, wobei gar nicht so selten sogar korrigierende Hufbeschläge oder diverse andere Behandlungen nötig sind, deren Ziel gesund aussehende und einigermaßen belastbare Hufe sind.

All diese ‚Notwendigkeiten' könnten allerdings vermieden werden, wenn man das Wildpferdedasein nicht nur staunend, sondern auch lernend näher betrachten würde. Schließlich leben diese nicht domestizierten Einhufer im wahrsten Sinne des Wortes oft unter weitaus härteren Bedingungen als unsere Sport- und Freizeitpferde und leiden trotzdem so gut wie nie unter irgendwelchen Hufproblemen.

Dies liegt sicherlich nicht zuletzt auch daran, dass deren Jungtiere in keinster Weise verhätschelt werden, sondern vielmehr schon vom ersten Lebenstag an neben ihrer Mutter brav über Stock und Stein laufen müssen. Dieses frühe, harte Training bewirkt die sprichwörtlich stählernen Hufe, denen auch die stärkste Belastung nichts anhaben kann und die deshalb auch keinen Beschlag benötigen.

Damit unsere Reit- und Fahrpferde völlig schmerzfrei auf jeder Art von Boden laufen können, müssen sie also schon als Jungtiere daran gewöhnt werden. Sie sollten deshalb nicht nur weichen Wiesenboden oder tiefe Einstreu angeboten bekommen, sondern vielmehr auch gezwungen sein, täglich gewisse Strecken auf steinigem bzw. gepflastertem Boden zurückzulegen. Dies ist neben einer moderaten, auf den tatsächlichen Bedarf des Tieres abgestimmten Fütterung die wichtigste Grundvoraussetzung für die Ausbildung von gesunden und vor allem leistungsfähigen Hufen.





erschienen 24.02.2008




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