
| | | Heidi Keppel | | | | | Hufe Teil 3 Von › Heidi Keppel
Wie ich es in meinem letzten Tipp schon angesprochen habe, ist für ein problemloses Barhuflaufen in erster Linie die Hufqualität entscheidend. Diese wiederum ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, die leider nur teilweise vom aktuellen Pferdehalter mitbeeinflusst werden können. Er kann zwar mit optimaler Haltung, Fütterung, Pflege und Belastung bestmögliche Voraussetzungen schaffen, aber er muss auch akzeptieren, dass sein Pferd aufgrund seiner Rasse, Herkunft und genetischen Veranlagung nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten besitzt und dass diese auch noch nachhaltig in dessen Jugendzeit durch bestimmte Aufzuchtbedingungen geprägt wurden.
Dieses Thema wird in der aktuellen Diskussion leider fast gar nicht angesprochen, obwohl es enorm wichtig ist. Man spricht von Wildpferden, deren Hufe teilweise höchste Leistungen erbringen müssen und auch können, aber man vergisst dabei zu erwähnen, dass diese Pferde aus einer harten, jahrzehnte- oder gar jahrhundertelangen Auslese entstanden sind. Ihre Hufe haben sich ihren Lebensbedingungen angepasst, andernfalls hat die Natur unerbittlich zugeschlagen und diesbezüglich schwache Tiere durch Raubtiere eliminiert.
Wildpferde gibt es in verschiedenen Landschaften und dementsprechend haben sich auch die Hufe auf das jeweilige Klima und die vorherrschenden Bodenverhältnisse optimal eingestellt. So entwickelten sich auch verschiedene Pferderassen, deren Hufqualität etwa auf Steppen- oder auch auf Wüsten- oder Moorböden abgestimmt ist. Niemals würde es diesen Tieren einfallen, von sich aus eine andere Region mit gänzlich anderen Umweltbedingungen aufzusuchen.
Wir Menschen allerdings, die wir in grenzenloser Selbstüberschätzung in alle natürlichen Geschehnisse eingreifen wollen, haben diese perfekt angepassten Geschöpfe aus ihrem angestammten Bereich herausgeholt und überall auf der Welt verbreitet. Zusätzlich haben wir durch teils sehr eigenwillige Züchtungen eine Vielfalt von Rassen ‚produziert’, von denen einige nicht gerade die beste Hufqualität aufweisen bzw. eine starke Neigung zu diversen Hufkrankheiten besitzen.
Letzteres beruht natürlich oftmals auch auf einer individuellen genetischen Veranlagung, die eigentlich durch eine strenge Zuchtauslese möglichst rasch ausgemerzt werden sollte, doch gerade in diesem Bereich werden von den Verantwortlichen oft beide Augen zugedrückt, und häufig werden sogar solche Tiere zur Zucht herangezogen, die aufgrund gravierender Hufprobleme reituntauglich geworden sind. Dass die Nachzucht unter diesen Umständen ziemlich sicher auch mit schlechter Hufqualität ‚gesegnet’ sein wird, will fast niemand wahrhaben.
Rassenzugehörigkeit und genetische Veranlagung bilden aber tatsächlich einen wichtigen Grundstock, was die Hufqualität anbelangt, und können nur schwer durch gute Haltung, Fütterung etc. entscheidend verbessert werden. Deshalb sollte der kluge und rücksichtsvolle Pferdefreund auch schon beim Pferdekauf darauf achten, dass er nach Möglichkeit nur ein Tier erwirbt, welches er unter Bedingungen halten kann, die dessen ursprünglichen Lebensraum entsprechen.
So sollten z.B. Pferde, deren Hufe für das Laufen auf weichem Wiesen- oder Moorboden geschaffen wurden, nicht gezwungen werden, ständig auf steinigem Boden zu leben bzw. zu arbeiten. Wer seinem Pferd nur harten Untergrund bieten kann, sollte lieber auf eine Rasse zurückgreifen, deren Hufe auf diese Bedingungen optimal vorbereitet sind. Dies gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall. Wer diese Grundregel nicht beachtet, muss ansonsten mit diversen Schwierigkeiten im Hufbereich rechnen.
Selbstverständlich spielen aber in Bezug auf die Hufqualität auch sämtliche Aufzuchtbedingungen eine große Rolle, auf die ich dann nächste Woche näher eingehen möchte.
erschienen 17.02.2008
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