
| | | Heidi Keppel | | | | | Hufe Teil 2 Von › Heidi Keppel
Wie bereits in meinem letzten Tipp angesprochen, bekriegen sich die Befürworter und Gegner des traditionellen Hufbeschlages immer mehr und sind in ihrer starren Meinungsvertretung nur selten zu Kompromissen bzw. gegenseitigen Eingeständnissen bereit. Opfer dieser allgemeinen Zwiespältigkeit, die auf die individuellen Gegebenheiten so gut wie keine Rücksicht nimmt, sind die Pferdebesitzer, welche verständlicherweise oft nicht mehr wissen, wem sie letztendlich ihr Pferd anvertrauen können.
Auch ich bin durchaus ein Verfechter der natürlichen Barhufhaltung, aber ich habe mir trotz meiner Überzeugung einen offenen, vorbehaltlosen Blick für diverse Problematiken rund um diesen Bereich erhalten, sodass ich sagen kann, dass ein Hufbeschlag nicht immer generell schlecht und bisweilen sogar nötig bzw. für das Pferd angenehmer ist. In meiner langjährigen Beschäftigung mit Pferden sind mir zwar noch nicht viele Tiere begegnet, für die das zutrifft, aber immerhin waren die Fälle so eindeutig und gravierend, dass ich doch wieder davon abgekommen bin, den Hufbeschlag generell zu ‚verteufeln’.
Höchstwahrscheinlich hätten auch diese Pferde glücklich und zufrieden ohne Beschlag leben können, wenn alle Bedingungen rundum perfekt für sie gepasst hätten und wenn sie nicht schon über so viele Jahre an die Eisen gewöhnt gewesen wären, aber feststeht, dass diese Tiere mit ordentlichem Beschlag auf gesunden Hufen völlig schmerzfrei liefen, während sie nach der Umstellung auf Barhufgehen starke Lahmheiten zeigten.
Die Hufe dieser Tiere wurden wirklich fachgerecht und ganz im Sinne von Hufpflegern bearbeitet, doch die Folgen waren trotzdem verheerend. Obwohl man die Pferde schonte und ihnen größtenteils angenehmen Untergrund zum Laufen bot, wurden ihre Schmerzen im Laufe von Wochen und Monaten immer unerträglicher. Erst als sich die Besitzer dazu entschlossen, doch wieder Eisen aufnageln zu lassen, nahm das Martyrium dieser Pferde ein abruptes Ende. Innerhalb weniger Stunden bzw. Tage gingen wieder alle völlig lahmfrei und blieben auch weiterhin ohne Beschwerden.
In dieser ganzen Zeit war den Hufen selbst eigentlich nichts Besonderes anzumerken. Es war zu keiner Hufhornveränderung gekommen und es hatten sich auch keine Hufabszesse gebildet. Nur bei einem Pferd waren deutliche Entzündungssymptome an der Sohle sichtbar, die offenbar durch den Druck harter Steine entstanden waren. Alle anderen Tiere zeigten keinerlei Auffälligkeiten, sodass anzunehmen war, dass sie einfach nur unter einer extremen Drucküberempfindlichkeit der Hufsohle und des Tragrandes litten. Zumindest kam für sämtliche hinzugezogenen Experten keine andere Ursache in Frage.
Mit Hufbeschlag erreichten all diese Pferde trotz reiterlicher Belastung auch auf steinigem Boden ein sehr hohes Alter ohne jemals erkennbare Huf- oder Beinschäden zu entwickeln und vor allem ohne jegliche Schmerzen zu zeigen. Ihre Besitzer, die übrigens auch andere Pferde besaßen, welche sie unter den gleichen Bedingungen ständig ohne Beschlag laufen ließen, haben sich nach diesen ‚Fehlversuchen’ – einer von ihnen hat die Umstellung mit seiner Stute übrigens mehrfach erfolglos probiert – zum Wohle ihrer Tiere für einen Beschlag entschieden, was meiner Ansicht nach die einzige richtige Entscheidung war, denn warum hätten die armen Tiere über viele Monate oder sogar Jahre hinweg leiden sollen, nur um dann vielleicht irgendwann einmal auch wieder so gut und schmerzfrei gehen zu können, wie sie das mit Beschlag schon immer konnten?!
Bevor mir jetzt sämtliche Hufbeschlagsgegner an den Hals springen, möchte ich aber gleich nochmals betonen, dass dies selbstverständlich Einzelfälle waren, die man nicht als Maß aller Dinge ansehen kann. Ich wollte mit diesen Beispielen auch nur klarmachen, dass man sich nicht vorschnell für die eine oder andere Methode entscheiden sollte, sondern dass man immer auf jedes einzelne Pferd mit all seinen Stärken und Schwächen Rücksicht nehmen sollte.
Außerdem sollte man nie vergessen, dass nicht nur der Hufbeschlag, sondern auch noch eine Menge anderer Faktoren einen gravierenden Einfluss auf die Hufqualität haben, welche letztendlich dafür verantwortlich ist, ob ein Pferd barhuf laufen kann oder nicht. Welche Faktoren dies sind, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp von mir!
erschienen 10.02.2008
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