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Heidi Keppel
 
 
Hufe
Teil 1
Von   Heidi Keppel


Wie ich schon in einem meiner früheren Tipps erwähnt habe, sollte man nach Möglichkeit immer und überall einen goldenen Mittelweg suchen, anstatt stur nur eine Seite der Medaille zu betrachten. Diesen Ratschlag kann ich Ihnen auch beim aktuellen Hufthema nur wärmstens empfehlen, denn wo soll das sonst hinführen, wenn zwei "Parteien" derart fanatisch an ihren konträren Meinungen festhalten und sich gegenseitig zu bekämpfen beginnen? – Zum "Krieg" natürlich, und den brauchen wir eigentlich ganz und gar nicht!

Man fragt sich wirklich, wie es so weit kommen konnte, denn letztendlich wollen wir doch alle nur das Eine – das Wohlbefinden unserer Pferde erhalten bzw. steigern! Ohne dieses gibt es nämlich keine zufriedenen Freizeitpferde und keine leistungsfähigen Sportpferde! Aber anstatt an einem Strang zu ziehen, verhärten sich die Fronten zwischen den Anhängern des Hufbeschlages und jenen des Barhuflaufens immer mehr, und fast täglich bekomme ich Zuschriften von verzweifelten Pferdebesitzern, die sich mit ihren vierbeinigen Reitkameraden diesem unerbittlichen Tauziehen völlig ausgeliefert fühlen.

Noch nie waren Pferdehalter so verunsichert, womit sie ihren Pferden einen besseren Dienst leisten können – mit oder ohne Beschlag. Entscheiden sie sich für einen Hufbeschlag, werden sie von Tierschützern angefeindet und vielerorts sogar als Tierquäler bezeichnet, wollen sie hingegen ihren Tieren ein natürliches Leben ohne Eisen vergönnen, werden sie von ihren Hufschmieden beschimpft, und zu allem Überfluss stellen sich dann besonders in der anfänglichen Umstellungszeit oft auch noch diverse Hufprobleme oder Lahmheiten ein, die sie sich in dieser Form eigentlich nicht erwartet haben.

Oft werden solche Pferdebesitzer von allen Seiten mit den verschiedensten Ratschlägen bombardiert, doch in vielen Fällen sind nur die wenigsten brauchbarer Natur. Das liegt vor allem daran, dass Pferde allgemein immer noch nicht als einzelne Individuen (an)erkannt werden. Fast jeder Experte erklärt pauschal, was "ein Pferd" benötigt, welche natürlichen Bedürfnisse "es" hat, wie "es" vor Umwelteinflüssen, wie z.B. hartem, steinigem Boden, geschützt werden muss, etc., wohingegen sich nur die wenigsten Fachleute bemühen, für jedes einzelne Tier eine optimale Lösung zu finden.

Es ist ja auch bedeutend anstrengender, sich jedes Pferd genau anzusehen, seine Beanspruchung und seine Lebensbedingungen zu hinterfragen und danach eine individuelle Vorsorge und Behandlung zu empfehlen. Mit dieser Methode ist man selbstverständlich nicht so rasch fertig, als wenn man nur rasch einen standardmäßigen Hufbeschnitt oder -beschlag durchführt und die übrige Verantwortung dem Pferdebesitzer überlässt. Da letztendlich der finanzielle Gewinn meist mehr zählt als das Pferd, geben sich eben nur sehr idealistisch denkende "Hufbearbeiter" (mein eigener Überbegriff für alle Hufschmiede und Hufpfleger bzw. Huforthopäden) ernsthaft Mühe bei ihrer Arbeit.

Echten Pferdefreunden aber sollte das Wohlergehen ihrer Tiere ernsthaft am Herzen liegen, weshalb sie einerseits nur verantwortungsbewusste, tierliebende Fachleute (nicht nur Hufschmiede sind Fachleute!) an sie ranlassen und sich andererseits auch selbst um ausreichende Fachkenntnisse rund um diesen Themenbereich bemühen sollten. Dabei ist es ganz wichtig, nicht nur den Huf und seine Beanspruchung, sondern unter anderem auch die gesamte Haltung und Fütterung des jeweiligen Pferdes im Auge zu behalten.

Als kleine Hilfestellung möchte ich Ihnen dazu auch in meinen nächsten Tipps noch ein paar diesbezügliche Gedankenanregungen liefern und im Laufe des Jahres eine Fachbroschüre zu diesem Thema herausgeben.



erschienen 03.02.2008




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