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Heidi Keppel
 
 
Hufe
Teil 22
Von   Heidi Keppel


Wie bereits in meinem letzten Tipp angesprochen, ist die Strahlfäule eine Erkrankung, die vor allem durch unhygienische Haltungsbedingungen und durch übermäßige oder falsche Ernährung hervorgerufen wird. Durch diese Umstände verliert das Strahlhorn seine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen eindringende bakterielle Keime, welche einen Fäulnisprozess in Gang setzen, der meist in den Strahlfurchen beginnt und sich letztendlich auf den ganzen Strahl ausweitet.

Der Hufstrahl wird dabei immer mehr abgebaut und stattdessen tritt eine schmierige, schwarzbraune Masse in Erscheinung, die den charakteristischen fauligen Geruch von sich zersetzendem Horn verströmt. Wird an den Haltungsbedingungen nichts verändert und keine oder nur sporadische Behandlung durchgeführt, können die Keime letztendlich auch ins Innere des Hufes bzw. in die Sohlen- und Wandschichten vordringen, sodass es zu gefährlichen, tief greifenden Zersetzungsprozessen kommen kann.

Als Folge einer chronischen vernachlässigten Strahlfäule kann auch der so genannte Hufkrebs entstehen, der sich in Form von zerklüftetem Strahlhorn mit blumenkohlartigen Wucherungen präsentiert. Diese Wucherungen neigen zu Blutungen und überdecken oftmals tiefer gelegene käsige Substanzen, die aus der Hufzersetzung resultieren. Schließlich werden nicht nur der Strahl, sondern auch die Sohle, die Trachten und die Ballen zerstört bzw. unterhöhlt.

Diese sehr schmerzhaften Prozesse äußern sich dann in starker Lahmheit, welche aber häufig nicht deutlich erkannt wird, da in den meisten Fällen mehrere Hufe (vor allem die Hinterhufe) betroffen sind. Dadurch kommt es eher zu Bewegungsstörungen oder zu einer allgemeinen Bewegungsunlust, die vielfach als Faulheit interpretiert wird, zumal solche Pferde aufgrund von Fütterungsfehlern oft fettleibig sind. Da sich Bewegungsmangel zusätzlich schädlich auf die Hufe und ihre Hornqualität auswirkt, schließt sich der Teufelskreis, aus dem die armen Pferde nur durch eine gezielte Rundumbehandlung und Verbesserungen der Haltungsbedingungen samt bedarfsgerechter Fütterung herausgeholt werden können.

Erfolgversprechende äußerliche Behandlungen sind dabei das gründliche Ausschneiden des faulig veränderten Gewebes mit dem Hufmesser (hierfür sollten Sie eine Fachkraft, also einen Hufschmied oder Hufpfleger, beauftragen!) und die Reinigung des Hufes mit warmem Wasser, wobei darauf geachtet werden sollte, dass alle anhaftenden schmierigen Zersetzungsprodukte mit einer Bürste sorgfältig entfernt werden. Danach sollte der Huf abgetrocknet und mit desinfizierenden Substanzen behandelt werden.

Bei leichteren Fällen von Strahlfäule genügt dafür meist das Einstreichen des Strahles und ev. auch gleich der Sohle mit Hufteer, wobei der Teer auch tief in die Strahlfurchen hineinfließen bzw. hineingepinselt werden sollte. Für fortgeschrittenere Stadien und besonders bei Hufkrebs kann ich die Behandlung mit Schwedenbitter (fragen Sie in Ihrer Apotheke danach!) sehr empfehlen, da dieser hochprozentige Alkohol mit den Wirkstoffen vieler heilkräftiger Kräuter nicht nur desinfizierend und schmerzstillend wirkt, sondern auch Entzündungen abbaut und den Aufbau gesunder Gewebssubstanz fördert.

Eine ähnliche Wirkung kann auch mit der Urtinktur von Calendula und/oder Arnica erreicht werden, indem diese einmal täglich direkt auf die erkrankten Bereiche geträufelt wird. Da dies bei großflächiger Behandlung sehr kostspielig werden kann, ist es aber meist besser, die Urtinktur mit Wasser zu verdünnen (30-50 Tropfen auf eine Tasse Wasser) und diese Lösung zu verwenden. Sofern bereits richtige Hohlräume im Strahlbereich vorhanden sind, können diese mit Watte, Baumwolle oder Gaze ausgestopft werden, welche zuvor in der verdünnten Urtinktur getränkt wurden. Anstelle der Urtinktur können aber auch Calendula- und Arnikalotionen verwendet werden, die gebrauchsfertig in Apotheken erhältlich sind.

Zusätzlich zu dieser natürlichen äußerlichen Behandlung können auch innerlich verabreichte Homöopathika die Heilung vorantreiben. Welche Arzneien dafür in Betracht kommen, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp.



erschienen 27.07.2008




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