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Augen auf!
Von   Astrid Rumprecht

Das Pony Klecks

Vor ein paar Wochen kam ein Mann auf unseren Hof. Er sagte, er hätte von der Straße aus unsere Ponys gesehen und wie die Kinder sie reiten und wir Kutsche fahren würden. Das wäre so ein netter Anblick und die Ponys hätten es bei uns ja auch gut. Er hätte auch noch ein Pony zuhause. Das hätte er mal vor Jahren auf dem Telgter Markt für die Enkelkinder gekauft. Die Enkelkinder wären schon lange groß und das Pony hätte jetzt gar keine Aufgabe mehr. Nicht, das er es nicht mehr füttern könnte, oder wollte. Ich habe schon drei Shetlandponys, einen Isländer und eine alte Vollblutstute und brauche eigentlich nicht mehr Ponys. Aber ich sagte zu, dass ich es mir mal ansehen wollte.

Zwei Wochen später fuhr ich zu dem Hof. Ich hatte mir fest vorgenommen, das Pony anzusehen, zu sagen, ich bräuchte es nicht, und wieder zu fahren. Aber beim Anblick des Ponys konnte ich mich kaum noch beherrschen. Die Hufe waren ca. 15 bis 20 cm lang und bogen sich schon wieder nach oben. Die Wirbelsäule stand raus und es hatte einen dicken Wurmbauch. Der Schweif war abgeschnitten. Das Pony stand auf einem Schrottplatz mit etwas Grashalmen drauf. Dass es von den scharfkantigen Gegenständen auf dem Platz oder der notdürftigen Einzäunung keine augenscheinlichen Verletzungen davongetragen hatte, grenzte an ein Wunder. Das Pony war vom Verhalten her recht hengstig, als ich zwischen die Hinterbeine sehen wollte, sagte der Mann mit treuherzigem Gesicht: "Das ist ein Wallach" Das kam mir komisch vor, darüber wollte ich dort aber gar nicht nachdenken.

Als ich den Mann auf den Zustand der Hufe hinwies meinte er, das würde er einmal jährlich selbst machen und das Jahr wäre noch lange nicht um. Die Vorderhufe sahen aus, als wären sie mit einer Axt abgehackt. Die Hinterhufe sahen aber auch nicht viel besser aus:

© 2008  
© 2008  

Direkt nebenan war ein Hof mit gut gepflegten Warmblütern in einem vorbildlich geführten Offenstall. Ich wurde wütend auf die Besitzer dieser Pferde. Hatten die keine Augen im Kopf? Einmal über den eigenen Zaun hinwegsehen? Und vielleicht mal den Amtsveterinär informieren? Das geht auch anonym! Oder über Tierschützer.

Der Mann meinte, er hätte damals 400 DM für das Pony bezahlt und diese kleinen Shettys wären selten. Ich wollte das Pony ja eigentlich gar nicht haben und bot einen Schlachtpreis von 50 Euro.

Nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, dass jeder nochmal über den Preis nachdenken sollte, fuhr ich wieder nach Hause. Nach einigen schlaflosen Nächten und Stress mit meinem Mann, der ja zu Recht sagte, wir können nicht alles retten, wurde ich mit dem Mann doch handelseinig.

Mit meinem Nachbarn als Zeugen und Verladehelfer unterstützt holte ich den Kleinen ein paar Tage später ab. Ich nannte ihn Klecks, da er als Fuchsschecke bei meinen Rappschecken und Rappen doch ein richtiger Farbklecks wäre.

Bei uns auf dem Hof war der Kleine von unseren Ponys doch sehr angetan und wieherte ihnen fröhlich zu. Ich stellte ihn in einen separaten Offenstall, 2x4 m mit angrenzendem 7x7 m Paddock, für ein Shetty optimal. Das für ihn bereitgelegte Heu kannte er nicht und ignorierte es zunächst.

© 2008  
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Zufällig war mein Hufschmied in der Nähe und kam 2 Stunden später. Nach seiner Behandlung, die sich Klecks übrigens super gefallen ließ, sahen die Hufe schon wieder richtig gut aus.

© 2008  
© 2008  

Mein Tierarzt wies mich darauf hin, dass eine Wurmkur auch evtl. Herzwürmer lösen könnten, die im Extremfall zum Tod des Ponys führen könnten. Aber Wurmkur musste sein, also eingeben und stundenlang zittern und Pony kontrollieren. Das hat er jedoch ganz problemlos überstanden. Er hat sich jetzt an das Heu gewöhnt, dass ich mit Möhren und harten Brötchen etwas interessanter mache. Wegen dem schlechten Futterzustand halte ich mich mit Kraft- und Mineralfutter erstmal zurück.

Bei der Hufbehandlung durch den Schmied hatte ich schon nachgesehen, ob Klecks doch noch Hoden hatte, konnte jedoch nichts erkennen. Also ließ ich eine Hormonuntersuchung machen. Das Ergebnis war eindeutig: Ein Wert von 1,2 (Wallache haben weniger als 0,02), das sah nach Klopphengst aus. Meine Anrufe bei verschiedenen Tierkliniken ernüchterten mich vollends: Die Operationskosten bei einem Klopphengst bewegten sich von 560 Euro bis 1.400 Euro, je nach Schwierigkeitsgrad. Die potentielle neue Besitzerin von Klecks war nicht bereit, die OP- Kosten zu bezahlen. Ich hatte schon so viel Geld und Zeit in ihn gesteckt und überlegte, ihn über das Internet als Hengst zu vermitteln, wohl wissend, dass sich im Internet doch zu 90 % Personen tummeln, die ihn ohnehin nicht nehmen können oder nicht geeignet sind.

© 2008  
Jetzt lief meine Freundin Anja zu Hochform auf. Über den Tierschutz hatte sie Kontakt zu einer recht neu gegründeten Tierschutzstiftung und schilderte dem dortigen Vorstand unser Problem.

Parallel dazu hatte ich die Tierärztin bestellt um bei Klecks zu prüfen, wo denn nun die Hoden sitzen. Der kleine Osterhase konnte die Hoden einziehen, sie saßen jedoch außerhalb der Leiste und konnten daher von meinem Tierarzt und meiner Tierärztin problemlos bei uns zuhause entfernt werden! Damit wurden die Kosten wieder überschaubar für uns. Glücklicherweise erklärte sich die Tierschutzstiftung sogar bereit, die Kosten für die Kastration zu übernehmen. Als Wallach hatte ich ja auch schon ein schönes Zuhause für ihn gefunden.

Vor zwei Wochen wurde Klecks also bei uns auf der Weide kastriert. Wie es sich für ein cooles Shetty gehört, hat er die Kastration recht gut überstanden. Da er aber schon ca 9 bis 10 Jahre alt ist, hatte er danach doch ziemlich gelitten. Die OP-Wunde war so groß wie ein Brot angeschwollen. Er sollte laufen, durfte aber wegen der alten Rehe nicht auf die Weide. Spazieren gehen war auch schwierig, vorne läuft er wegen der gekürzten Hufe schlecht, hinten war ja alles angeschwollen. Jetzt ist aber alles überstanden und ich habe schon mal meinen Shettywallach zu ihm gestellt.

Was ich mit dieser Geschichte mitteilen möchte ist:

Liebe Pferdebesitzer, die ihre Pferde optimal, artgerecht und super halten. Schaut auch über Euren Weidezaun hinaus. Kleckse gibt es überall, man muß sie nur sehen! Wenn Ihr aus irgendwelchen Gründen nicht selbst den Amtsveterinär informieren könnt, meldet Euch bei Tierschützern oder bei mir! Das muß doch nicht sein, dass ein Pony so lange leiden muss. Jetzt, wo Klecks bei mir ist, erzählen mir viele Leute, dass sie ihn auch schon vor Jahren in seinem alten Zuhause gesehen haben, aber nie seinen Pflegezustand kontrolliert haben. Haltet die Augen auf!!!




Fotos

  Astrid Rumprecht



erschienen 04.05.2008





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